Apostelgeschichte

Predigthilfe vom 3.5.2009 – Apostelgeschichte 14,19-28

Monatsthema: In der Gemeinde des Herrn leben
Predigtthema: Geschenkte Gemeinschaft

Bibelstelle: Apostelgeschichte 14,19-28

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.

Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. 7. Aufl. 1996 Bad Liebenzell: VLM, S. 118-123 (nachfolgend großteils in den Predigttipp eingearbeitet).

Werner de Boor. Die Apostelgeschichte. Wuppertaler Studienbibel. 7. Aufl. 1980 Wuppertal: R. Brockhaus, S. 260-266.

James Anderson. Apostelgeschichte. Was die Bibel lehrt. Dillenburg: CV, 1996. S. 216-219.

1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

In diesem Monat beschäftigen wir uns im Rahmen unserer Predigtreihe zur Apg mit den Ereignissen, die im Vorfeld der zweiten Missionsreise des Paulus stattgefunden haben. Der Einstieg erfolgt, indem wir mit dem Abschluss der ersten Missionsreise beginnen. Hierbei ist besonders zu beachten, dass die Apostel die Gemeindegründung und den Gemeindeaufbau gemeinsam im Blick haben, weshalb sie nach erfolgter „Evangelisation“ zwar weiterreisen, aber zur „Gemeinschaftspflege“ auf der Rückreise wieder zurückkehren. Hierbei ist der Widerstand gegen das Evangelium kein Kriterium für ihre Reisepläne, sondern für sie zählt nur das grundlegenden Missionsprinzip: „Nach dem Wecken des Glaubens kommt das Pflegen des Glaubens“ (vgl. hierzu die beiden biblischen Hauptanliegen des Pietismus und die Satzung des WBB).

Die erste Missionsreise begann in Antiochia (Syrien) und verlief dann über Seleuzia (Syrien) nach Salamis (Zypern) – Paphos (Zypern) – Perge (Pamphylien) – Antiochia (Pisidien) – Ikonion (Lykaonien) – Lystra (Lykaonien) – Derbe (Lykaonien) – Lystra (Lykaonien) – Ikonion (Lykaonien) – Antiochia (Pisidien) – Perge (Pamphylien) – Attalia (Pamphylien) und von dort wieder zurück nach Antiochia (Syrien). Wichtig ist hierbei, dass die beiden „Antiochia“ nicht verwechselt werden.

Die „Heimatgemeinde“ der Apostel für den Missionsdienst ist Antiochia in Syrien, die Stadt in der die kontinuierliche Heidenmission ihren Anfang nahm (11,20), wo Barnabas und Paulus ihren gemeinsamen Dienst begannen (11,25f), „wo die Jünger zuerst […] Christen genannt wurden“ (11,26) und von wo aus die Heidenmission nun systematisch erfolgte (13,2f).

Um den Textzusammenhang (erste Missionsreise) zu wahren, werden die V. 19f zu dem Abschnitt 14,21-28 für die Predigt hinzugezogen. V. 21 ist ein Brückenvers, der den Anschluss nach vorne gewährleistet.

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Wir bekommen grundlegende Hinweise was es heißt in der Gemeinde Gottes zu leben und wie sich christliche Gemeinschaft zu bewähren hat im gemeinsamen Missionsdienst (V. 19-21), im gemeinsamen Missionsauftrag (V. 21-26) und im gemeinsamen Missionsbericht (V. 27f).

A. Missionsdienst (V. 19-21)

Der Eifer der Feinde des Evangeliums ist beträchtlich. Aus Antiochia und Ikonion treffen nach einer langen Reise Juden in Lystra ein, welche die Volksmengen „überreden“ (gr. „peitho“ = umstimmen / für sich gewinnen / auf seine Seite ziehen) und zum brutalen Widerstand aufstacheln. So machen Juden und Heiden gemeinsame Sache gegen Christus und seine Boten, so dass die anfängliche Begeisterung für die Apostel in die Steinigung des Paulus umschlägt. Aus Vergötterung wird Verachtung (= Christushass):
V. 19: Verachtung führt zu gemeinsamen Handeln
V. 20: Verachtung fordert die Christen heraus
V. 21: Verachtung verhindert den Sieg Jesu nicht (nach Wilhelm Wagner)

Die Apostel gingen keinen leichten Weg. Lystra (14,19f), Ikonion (14,4-7) und Antiochia (13,50-52) sind für den Missionsdienst der Apostel bereits Orte der Ablehnung und des Widerstandes gewesen, aber die Apostel bleiben ihrem Auftrag treu, auch wenn der Boden hart ist. Im Hinblick auf die Herausforderungen im Missionsdienst haben wir ein Dreifaches zu beachten bzw. zu lernen:

„a) Das Leiden war verschieden verteilt
Nicht beide Apostel bekamen es gleich schwer. Nur Paulus wurde gesteinigt. Barnabas blieb verschont. Wir sehen hier die Tatsache, dass der eine schwerer geführt wird als der andere. Mancher bekommt ein besonders reiches Maß an Trübsalen und muss mehr durchmachen als andere. Dürfen wir deshalb Gott Ungerechtigkeit vorwerfen? Haben wir ein Recht zu verlangen, dass er uns nicht schwerer auflege als diesem oder jenem? Nimmermehr! Er gibt Jakobus dem Schwert des Herodes hin, dass er den Märtyrertod stirbt, und errettet Petrus in derselben Christenverfolgung (12,1-9). In der Geschichte der Glaubenshelden (Hebr 11) sehen wir, wie er die einen aus Löwenrachen, Krankheit, Feuersnot usw. befreit. Die andern lässt er zerschlagen werden, Spott, Geißelhiebe, Gefängnis, Hunger, Not, Trübsal und Tod leiden (Hebr 11,32-38). Hier gibt er einen Paulus der wütenden Volksmenge in Lystra preis und deckt einen Barnabas gnädig an irgendeinem geschützten Platz. Gott handelt darin nicht ungerecht. Dem Mann, der sein auserwähltes Rüstzeug war (9,15), den er wie kaum je einen andern zum Segen setzte, legte er auch ein ganz besonderes Leidensmaß auf, das nicht jeder hätte tragen können (9,16). Zu besonderen Bevorzugungen gehören besondere Demütigungen. Niemand hadere wider Gott, wenn der eine leichter, der andere schwerer geführt wird (Jes 45,9; Jer 18,1ff)!

b) Das Leiden war mit Erquickung verbunden
Ein zweiter Punkt, den wir bei dem Leidensweg der Apostel in Lystra beachten wollen, ist der, dass es ein mit Erquickungen verbundenes Leiden war. Gewiss war es für Paulus nicht leicht, unter den Steinwürfen der Menge still auszuhalten und endlich bewusstlos zusammenzubrechen. Gewiss war es für Barnabas schwer, in banger Sorge um seinen treuen Mitarbeiter harren zu müssen, ohne helfen zu können. Aber doch durften beide in diesen Tagen und Stunden auch Freude erleben. Es gab nicht nur wütende Feinde in Lystra, sondern auch treue Jünger, die zu dem gesteinigten Paulus, sobald dies möglich war, hinzueilten und ihn in liebender Fürsorge umgaben. Das Vorhandensein von Jüngern ist ein Beweis dafür, dass das gepredigte Wort Frucht gebracht hatte. Die Apostel hatten es also in Lystra erleben dürfen, dass eine (nicht näher angegebene) Zahl von Heiden das Evangelium angenommen hatten und an Jesus gläubig geworden waren. Sie durften sehen, wie deren Glaube sich jetzt in der Verfolgungsnot in praktischer, fürsorglicher Liebe bewies. Welch eine Freude ist es für Gottesknechte, wenn sie etwas davon schauen dürfen, dass ihre Arbeit nicht umsonst war! Die größte Erquickung in dieser Leidensstunde bestand aber darin, das Gottes gnädiger Schutz den Paulus vor dem drohenden Tode bewahrte. Welch eine Freude muss es gewesen sein, als Paulus die Augen wieder aufschlug, sich von den Jüngern umgeben sah und fähig war, seine Glieder zu bewegen und zu gehen! Lasst uns den Herrn preisen, der den Seinen nicht nur Leiden und Trübsale, sondern auch Labsale und Erquickungen auf ihrem Dornenpfade gibt (18,9-11; 27,23-25; 28,10-15; Ps 23,3; 94,19)!

c) Das Leiden wurde siegreich überwunden
Wie leicht hätten die Apostel durch die furchtbare Not der Steinigung den Mut zu weiterer Missionstätigkeit verlieren und mit Jeremia denken können: ‚Ich will nicht mehr in seinem Namen predigen‘ (Jer 20,9)! Statt dessen sehen wir, dass sie schon am folgenden Tag in die benachbarte Stadt Derbe wanderten, um dort mit der Evangeliumsverkündigung fortzufahren (V. 20f). Ja, sie reisten sogar in die Orte zurück, in welchen sie die erbittertste Feindschaft erlebt hatten, um die Gemeinden daselbst zu stärken. Sie gingen nach Lystra, wo Paulus gesteinigt worden war (V. 21). Sie besuchten Ikonion, wo ’sich ein Sturm der Heiden und Juden und ihrer Obersten erhoben hatte, sie zu schmähen und zu steinigen‘ (V. 5). Sie kamen nach Antiochien, wo man sie ‚zu den Grenzen hinausgestoßen‘ hatte (13,50). Welch ein Mut gehörte doch dazu, nach solchen Nöten und Todes. gefahren alsbald mit unvermindertem Eifer im Werk des Herrn fortzufahren! Wie beschämend wirkt dieser Anblick auf uns, die wir uns so leicht durch kleine unangenehme Erfahrungen den Mut rauben lassen, für Jesus zu wirken (1Kor 15,58)“ (entnommen aus Christlieb, Apostel Paulus, S. 119f).

B. Missionsauftrag (V. 21-26)

Der Einsatz der Apostel erfolgt an den Stellen wo es nötig ist (Lystra, Ikonion, Antiochia) und nicht nur dort wo es schön ist (Derbe). Die „Verben“ von Derbe (V. 21) beschreiben die missionarische Situation (= evangelisieren) und das missionarische Ziel (= zu Jüngern machen), während es in Lystra, Ikonion und Antiochia um die innere Stärkung geht, um das Bleiben, Wachen, Wachsen und Reifen (V. 22ff). Der Missionsauftrag umfasst somit sowohl die Evangelisation (= das Wecken des Glaubens), als auch die Gemeinschaftspflege (= das Pflegen des Glaubens).

Das in Derbe „viele“ (gr. ‚ikanos‘ = genügend / hinlänglich / ausreichend / gut genug) zu Jüngern gemacht wurden ist nicht nur quantitativ (als Mengenbegriff) zu verstehen, sondern auch qualitativ (als Qualitätsbegriff).

a) Die Bemühung um innere Stärkung der Gemeinde (V. 22)

„Ihre Hauptarbeit galt damals der inneren Stärkung der entstandenen Christengemeinden. (‚Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, dass sie im Glauben blieben‘). Die neugegründeten Gemeinden waren von allerlei Gefahren umgeben. Auf der einen Seite drohte ihnen die Trübsal der Verfolgungen, auf der andern Seite allerlei Irrlehren (vgl. 15, 1ff). Wie wichtig war da die innere Befestigung der Gläubigen, der sich die Apostel hier besonders widmeten! Auch heute tut neben aller Evangelisation und erwecklichen Wortverkündigung die innere Pflege der Gläubigen dringend not. Rektor Christian Dietrich in Stuttgart sagte einmal zu einem Freund: ‚Es gibt in unserer Zeit im Reiche Gottes viele, die gern umherreisen und allerlei Feuerwerk machen wollen, aber wenige, die bereit sind, ‚Kindlein zu pflegen‘. Du und ich, wir haben die Aufgabe, diesen Dienst des Pflegers zu tun.‘ Er hatte recht. Lasst uns diese wichtige Arbeit, die Paulus und Barnabas hier taten, nie aus den Augen lassen (Joh 21,15b; Hes 34,4.16)“ (entnommen aus Christlieb, Apostel Paulus, S. 121).

Als erstes „stärken“ (= episterizo mit der Grundbedeutung ’stützen‘; vgl. Apg 15,32.41; 18,23 – vgl. auch Eph 4,11-16; Kol 4,12f – dies geschieht besonders durch die Lehre des biblischen Wortes: Apg 20,31f; 1Joh 2,14) die Apostel die Seelen der Jünger. „Seele ist im Griechischen (und übrigens auch im Hebr.) nicht mit jenem Akzent des Gefühlvollen belastet wie im Deutschen. Wenn es um die Seele geht, geht es um den ganzen Menschen, um sein Leben, mehr noch: um seine (ewige) Existenz. Nicht nur blasses Mutmachen ist hier gemeint. Seelsorge hat die ewige Existenz des Menschen vor Gott im Blick. Sie schließt selbstverständlich das Mutmachen nicht aus, beschränkt sich aber nicht darauf. Die jungen Christen sollen ‚im Glauben bleiben‘. Hier klingt der Ton des Beharrens trotz Schwierigkeiten und Widerständen mit“ (Neudorfer, Apg, Edition C Bd. 9/2, S. 80).

Als zweites „ermahnen“ (= parakaleo mit der Grundbedeutung ‚herbeigerufen‘ zur Ermutigung) die Apostel die Jünger, damit sie im Glauben „verharren“ (vgl. Joh 8,31; Kol 1,21-23), da sie „durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen“ (vgl. Mt 11,12; 13,20f; 16,24f; 19,27-29; Mk 4,16f; Lk 14,26-35). Vgl. hierzu auch Joh 16,33; 2Tim 2,3; 3,12; Jak 1,2-4; 1Petr 5,10.

b) Die Einführung äußerer Ordnungen für die Gemeinde (V. 23)

„Neben der inneren Stärkung lag den Aposteln bei ihren Besuchen auch die Herstellung der äußeren Ordnung in den Gemeinden am Herzen. ‚Sie ordneten ihnen hin und her Älteste in den Gemeinden‘, d. h. sie übertrugen an den einzelnen Plätzen bestimmten Brüdern die Leitung und Aufsicht der christlichen Versammlungen. Auch diese Tätigkeit war sehr wichtig. Ohne solche Ordnungen hätten die einzelnen Gemeinden wieder leicht zerfallen können. Auch in unserer Zeit sind solche Ordnungen nötig. Es ist an manchen Orten in Gemeinschaften vorgekommen, dass man von der Erwählung bestimmter Leiter Abstand nahm. Dies führte schon zu großer Unordnung, und Unordnung bringt Zerfall. Es müssen Brüder vorhanden sein, welche die Verantwortung der Leitung tragen. Lasst uns auch für die äußere Ordnung dankbar sein!“ (entnommen aus Christlieb, Apostel Paulus, S. 121).

In V. 23 stellt sich besonders die Frage nach dem Subjekt des Satzes, also wer ist mit „sie“ gemeint? Die Gemeinde oder die Apostel? Von den Versen 21f her sind eindeutig Paulus und Barnabas gemeint, so dass kein Subjektwechsel in V. 23 anzunehmen ist (gegen die Auslegung der WStB). Das heißt: Die Einsetzung erfolgt durch die Apostel. Der hier gebrauchte Ausdruck „ernennen, auswählen“ (= cheirotoneo) kann zwar auch die Bedeutung „die Hand strecken bzw. durch Handaufheben bestimmen bzw. wählen“ haben und ist damit evtl. ein Hinweis auf eine Wahl (vgl. 2Kor 8,19). Da allerdings die Apostel Paulus und Barnabas das handelnde Subjekt des Satzes sind, ist hier von einer Erwählung bzw. Einsetzung der Ältesten durch die Apostel auszugehen. Zum Einbezug einer überörtlichen Instanz bei der Berufung zum Leitungsdienst siehe z.B. neben Apg 14,23 auch 1Tim 5,22; Tit 1,5 oder vgl. 1Tim 4,14 mit 2Tim 1,6.

Die Grenzen der „gemeindlichen“ Versorgung und Unterstützung müssen im und durch den Glauben akzeptiert werden. Der Ausdruck „befahlen“ gibt uns hier die Spur vor: Im Glauben gilt es die Arbeit dem Herrn anzubefehlen (im gr. bedeutet ‚paratithemi‘ im Medium = anvertrauen / übergeben). Vertrauensvoll abgeben ist gefragt im Dienst (=
dem Herrn überantworten / anvertrauen).

c) Die Gewährleistung kontinuierlicher Verkündigung durch die Gemeinde (V. 24-26)

„Die Apostel beschränkten sich aber am Schluss der ersten Missionsreise nicht allein auf den inneren und äußeren Ausbau der Christengemeinden, sondern dachten auch an die Wortverkündigung, die Predigt des Evangeliums an alle, auch an die Fernstehenden. In Derbe angekommen, ‚predigten sie der Stadt das Evangelium‘ (V. 21). Auf der Rückreise ‚redeten sie des Wort zu Perge‘ (V. 25). Die beiden Ausdrücke beziehen sich auf die allgemeine Wortverkündigung oder Missionsarbeit. Wir sehen also in diesem Schluss der ersten Missionsreise besonders deutlich, dass die Apostel die Arbeit an der gläubigen Gemeinde und die an der Volksmasse miteinander verbanden. Gerade in der Verbindung dieser beiden Tätigkeiten an Gläubigen und Ungläubigen liegt ein besonderer Segen. Es führt oft zu Einseitigkeiten, wenn Brüder entweder nur Vertiefungsarbeit an Gläubigen oder nur erweckliche Verkündigung an Unbekehrten treiben wollen. Lasst uns beides tun, sowohl ‚die Jünger stärken‘ als auch ‚der Stadt das Evangelium predigen‘!“ (entnommen aus Christlieb, Apostel Paulus, S. 121f).

C. Missionsbericht / Missionsfest (V. 27f)

„Nach ihrer Heimkehr erstatteten die Apostel einen Bericht über ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Lasst uns bei diesem ersten uns bekannten Missionsbericht darauf achten, an wen er sich wandte, wen er rühmte und was er als das Wichtigste hervorhob!

a) An wen der Missionsbericht sich wandte
Der Bericht der Apostel wandte sich nicht etwa nur an die leitenden Männer, sondern an die ganze Gemeinde. Es heißt ausdrücklich: ‚Sie versammelten die Gemeinde und verkündigten‘. Dies erinnert uns daran, dass des Herrn Werk in der Heidenmission jeden gläubigen Christen etwas angeht. Die Mission ist nicht etwa nur eine Sache der führenden Männer oder besonders interessierter Kreise, sondern eine Angelegenheit der ganzen Christenheit.

b) Wen rühmte der Missionsbericht?
Wie nahe lag es, in dem Bericht die eigenen Leistungen, Fähigkeiten und die eigene Treue vor der versammelten Gemeinde hervorzukehren und glänzen zu lassen und so sich selbst (wenn auch in feiner Weise) zu rühmen! Die beiden Apostel legten aber allen Ruhm der großen Erfolge nur Gott allein zu Füßen. Ihr Bericht erinnert an das Wort: ‚Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre‘ (Ps 115,1). Sie erzählten so, als ob sie selbst gewissermaßen nur Zuschauer gewesen wären von dem, was Gott tat. Dies beweist ihre Demut. Ihre Erfolge hatten ihnen nicht geschadet und sie nicht zum Hochmut verleitet. Wohl jedem, der also von seiner Arbeit im Reiche Gottes berichtet, dass er selbst in Demut ganz in den Hintergrund, Gott aber und sein Wirken in den Vordergrund tritt (1Kor 15,10; 1Sam 7,12)!

c) Was der Missionsbericht als das Wichtigste hervorhob
Vieles hatten die Apostel zu erzählen in ihrem Missionsbericht. Aber eins war das Wichtigste. Eins wurde als die große Hauptsache hingestellt. Nicht die großen, gut besuchten Versammlungen, nicht die Wunder und Zeichen, die geschehen waren, nicht die Bewahrung in den Verfolgungen und in der Steinigung war ihnen die Hauptsache, sondern die Menschen, die durch Gottes Wirken zum Glauben gekommen waren (‚wie er den Heiden hatte die Tür des Glaubens aufgetan‘). Es gibt in aller Arbeit im Reiche Gottes Dinge, die nötig und wichtig sein mögen. Vergessen wir aber eines nie: Das wichtigste Ziel, dem alles andere nur Hilfsdienst leistet, ist: dass Seelen zum lebendigen Glauben an Jesus kommen (Apg 8,37; 11,21; 16,34; 17,34; 18,8)“ (entnommen aus Christlieb, Apostel Paulus, S. 122f).

3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Unsere Predigtübersicht 2009 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Gemeindeaufbau“. In diesem Monat stehen unsere Predigten unter dem Generalthema: Leben in der Gemeinde des Herrn. Als durchgehende Linie ergibt sich in Apg 14,19-28 die erfahrene Leidens-, Dienst- und Verkündigungsgemeinschaft der Apostel und der Gemeinden (= Predigtthema: „geschenkte Gemeinschaft“).

4. PREDIGTGLIEDERUNG

Geschenkte Gemeinschaft erleichtert das
a) dranbleiben im Dienst (V. 19-21)
b) dranbleiben am Auftrag (V. 21-26)
c) dranbleiben zum Zeugnis (V. 27+28)

Gemeinschaft bewährt sich im
a) Leiden (V. 19-21)
b) Aufbauen (V. 22+23)
c) Bezeugen (V. 24-28)

Nach Wilhelm Wagner: Gemeinden werden gebaut – wie?
a) Evangelisieren
b) Zu Jüngern machen
c) Festmachen
d) Ordnen
c) Informieren