2.Chronik

Predigthilfe vom 29. Oktober 2017 – 2. Chronik 24, 1-16

Predigtthema: Persönliche Reformation: („Meine Gaben für’s Reich Gottes“) bzw. „Wie Reformation praktisch wird“ (König Joasch)

Predigttext: 2Chronik 24,1-16

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Finden wir z.B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag) und natürlich in diversen Studienbibeln, von denen man als Verkündiger verschiedene haben sollte.

Gerade bei alttestamentlichen Texten ist es wichtig, sich einen groben Überblick über die Geschichte Israels zu verschaffen. Dies findet man z.B. in einigen Studienbibeln (z.B. Genfer Studienbibel) als Einleitung zu den jeweiligen Bibelbüchern. Auch ist es hilfreich, sich die geographische Situation mit einem Bibelatlas vor Augen zu führen.

Geschichtlicher Abriss:

Nach Salomos Tod zerfällt das Königreich Israel in ein Nordreich (Israel) und ein Südreich (Juda) (2Chr 10). Die Geschichte der zwei Reiche ist von da ab von Kriegen und Auseinandersetzungen geprägt.

Über diese Zeit berichten sowohl das Buch der Könige als auch das Buch der Chronik. Das zweite Chronikbuch beschäftigt sich hauptsächlich mit den Königen von Juda, wohingegen das Buch der Könige von beiden Reichen berichtet, aber einen Schwerpunkt auf Israel legt.

Auf die zwei überwiegend positiven Könige Asa (Kap. 13-16) und Joschafat (Kap. 17-20), die jeweils umfangreiche Reformen in Gang setzen und den Götzendienst in Juda bekämpfen,  folgt Joram, der Sohn Joschafats (Kap. 21). Nach seiner Thronbesteigung lässt er alle seine Brüder ermorden und wendet sich gegen Gott. Er führt nach dem Vorbild des Nordreiches Israel die Götzenkulte wieder in Juda ein und verführt das Volk zum Götzendienst. Gott straft ihn dafür mit der Tötung seiner Kinder und Frauen durch seine Feinde und mit einer schweren Krankheit, an der er dann qualvoll stirbt. Nur sein jüngster Sohn Ahasja und seine Frau Atalja überleben. Ahasja regiert nur ein Jahr in Juda. Er lebt nicht nach Gottes Willen und wird von Jehu, einem israelitischen Heerführer, ermordet. Der jung verstorbene Ahasja hinterlässt keinen Sohn, der in einem Alter gewesen wäre, in dem er die Thronfolge hätte antreten können (22,1-9).

Atalja, die Mutter Ahasjas, eine Tochter des Königs Ahab aus dem Nordreich, ergreift daraufhin die Königsherrschaft und lässt die gesamte Nachkommenschaft des Königshauses von Juda umbringen (also ihre eigene Familie) (22,1-10).

Doch Joscheba, eine Halbschwester Ahasjas und gleichzeitig Ehefrau des Hohenpriesters Jojada, gelingt es, Joasch, den einjährigen Sohn Ahasjas, zur retten. Sie versteckt ihn sechs Jahre lang im Tempel. Damit rettet sie die Linie des davidischen Königtums (22,1-12).

Als Joasch 7 Jahre alt ist, wird er vom Hohenpriester in Gegenwart der Familienoberhäupter von Juda in einer Art „Staatsstreich“ zum König von Juda gesalbt (23,1-11). Die (selbst ernannte) Königin Atalja wird getötet.

Der Hohepriester Jojada führt das Volk Juda zu einem neuen Bundesschluss mit Jahwe und lässt den Baalstempel Ataljas zerstören. Er schafft eine Erneuerung des Gottesdienstes im Tempel Jahwes (23,12-21).

Hier steigt unser Predigttext über die erste Zeit des Königs Joasch (836-797) ein.

Joasch bedeutet „Jahwe hat gegeben“.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Bräumer, Hansjörg.  Das zweite Buch der Chronik. Maier, Gerhard [Hrsg.] 1. Aufl.. Wuppertaler Studienbibel, Reihe: Altes Testament. – Wuppertal : R. Brockhaus Verlag. 2002.

Anmerkungen:

Der Bericht über die erste Zeit des Königs Joasch findet sich sowohl hier (2.Chronik 24,1-16) als auch in 2.Könige 12,1-17. Die Berichte weisen einige Unterschiede auf, die zunächst verwirren können, sich jedoch mit etwas Mühe harmonisieren lassen. Wir gehen in den jeweiligen Versen z.T. darauf ein.

V1-3

Aufgrund des sehr jungen Alters von Joasch bei der Thronbesteigung und da die Eltern Joaschs tot sind, handelt der Hohepriester Jojada als sein Vormund.

In den ersten Jahren bedeutet dies, dass Jojada die Regierungsgeschäfte übernimmt. Er bringt Joasch das Regieren bei und bleibt auch später sein Mentor.

Dies erklärt auch, warum Jojada zwei Frauen für Joasch sucht. Hierbei ist wichtig, dass Jojada die Nachfolge auf dem davidischen Königsthron sichern will, da es ja außer Joasch keine Nachkommen mehr gibt.

V2

lässt schon den zweiten Teil des Lebens von Joasch anklingen (24,17-27). Nach einer sehr guten ersten Phase unter der Mitregentschaft und später Mentorschaft Jojadas hört Joasch nach dem Tod Jojadas auf gottlose Menschen und wendet sich von Gott ab. Er lässt den Propheten Secharja, einen Sohn Jojadas, umbringen. Später wird Joasch von seinen eigenen Leuten getötet und bekommt kein Grab bei den Königen Judas.

V4

Es wird nicht genauer gesagt, wann Joasch die Tempelrestauration in Angriff nimmt.

Seit dem Bau des Tempels unter König Salomo sind über 100 Jahre vergangen. Zudem hat die Königin Atalja nicht nur dem Tempel verfallen lassen, sondern sogar Gerätschaften aus dem Tempel für den Baalskult missbraucht (siehe V7). Dies erklärt die Dringlichkeit der Tempelrestauration.

So wie der Bau des Tempels die Aufgabe des Königs war, ist auch die Instanthaltung des Tempels Aufgabe des Königs von Juda.

V5-7

Die Tempelrestauration will Joasch aus den Einnahmen des Tempels finanzieren. Die Priester und Leviten werden beauftragt, die Einnahmen des Tempels für Ausbesserungsarbeiten zu verwenden.

2Chr 24 benennt diese Einnahmen nicht genauer, nur (V7) mit dem Hinweis, dass es sich um Abgaben für den Tempel handelt, die im mosaischen Gesetz verankert sind. in 2Kö 12,5 werden die verschiedenen Abgaben genauer ausgeführt, allerdings ist nicht immer ganz klar, was damit gemeint ist. Dazu kommen freiwillige Spenden.

V5

„Jahr für Jahr“

Entweder Joasch hat den Plan, dass die Reparaturarbeiten sich über viele Jahre hinziehen würden, oder es ist hier gemeint, dass die Priester Abgaben des Volkes einsammeln sollen, die schon lange nicht mehr eingezogen worden waren.  Zweiteres ist eher wahrscheinlich, da Joasch den Priestern Druck macht, zügig vorzugehen (5b).

„Als sich die Leviten nicht beeilten“

In 2Kö12,7 wird eher deutlich, dass die Priester und Leviten sich über lange Zeit um nichts kümmern („ Als aber die Priester im dreiundzwanzigsten Jahr des Königs Joasch die Schäden des Hauses noch nicht beseitigt hatten,“) – wobei auch hier keine Angaben gemacht werden, wie lange sich die Weigerung der Priester hinzieht.

V6

Joasch zieht den Hohenpriester Jojada zur Rechenschaft, warum seine Restaurationspläne nicht umgesetzt wurden.

2Kö 12,8-9 wirft Licht auf die Situation:

Es scheint so, dass die Priester die Einnahmen des Tempels für sich in Anspruch genommen haben und nicht für die Tempelrestauration ausgeben wollten. Evtl. sahen sie es als die Aufgabe des Königs und nicht der Priesterschaft an, sich um die Restauration des Tempels zu kümmern – auch in finanzieller Hinsicht (siehe auch Anmerkungen zu V4). Die Lösung scheint eine Art Kompromiss gewesen zu sein (V9): die Priester dürfen die genannten Abgaben nicht mehr für sich verwenden, müssen sich aber auch nicht mehr um die Tempelrestauration kümmern. Dies übernimmt nun komplett der König.

2Kö 12,17 präzisiert, dass das Geld für die Schuld- und Sündopfer nicht unter die genannten „Abgaben“ für den Tempel fällt, sondern den Priestern für ihren Lebensunterhalt gehört. Die Priester wurden also nicht mittellos.

„Zelt der Bundesurkunde“

die „Bundesurkunde“ bzw. wörtlich „Zeugnisse“ sind die Gesetzestafeln in der Stiftshütte.

V7

macht noch einmal die Dringlichkeit der Reparaturarbeiten deutlich (siehe „Geschichtlicher Abriss“)

V8-14

Da der bisherige Plan Joaschs der Finanzierung und Durchführung der Tempelrestauration nicht funktioniert hat, ändert Joasch seinen Plan:

Die Abgaben werden in einen speziell dafür hergestellten Kasten eingelegt, der im Tempel steht. Zu bestimmten Zeiten wird der Kasten geleert, wenn er voll ist. Die Zählung geschieht unter den Augen von zwei Zeugen, ein Zeuge der königlichen Seite und einer der priesterlichen  Seite. Damit werden Korruption und Streitigkeiten vermieden.

Das Geld wird dann den Handwerkern übergeben, die die Reparaturarbeiten vornehmen.

V14

zeigt die Integrität der Handwerker. Dies wird in 2Kö 12,16 explizit erwähnt.

Es scheint einen Widerspruch zu geben zw. V14 und 2Kö 12,14.

Dies lässt sich auflösen: es werden keine Gelder für die Geräte des Tempels ausgegeben (2Kö12,14), bis die Reparaturarbeiten am Tempel fertig gestellt sind. Das Geld, das nun „übrig“ ist, wird dann anschließend für die Geräte des Tempels ausgegeben.

„Solange Jojada lebte…“

nimmt V2 auf und deutet schon an, dass Joasch nach dem Tod von Jojada vom Weg Gottes abkommt. V2 und V14 bilden eine Klammer um die Reform Joaschs, der positiven Seite seines Lebens. Der Rest berichtet von seinem Abfall von Gott.

V15-16

„alt und lebenssatt“ bedeutet, dass er ein langes, erfülltes Leben hatte.

Das Begräbnis mit königlichen Ehren für den Hohepriester Jojada steht im Gegensatz zum späteren Begräbnis Joaschs, der nicht bei den Gräbern der davidischen Könige beigesetzt wird (24,25).

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Es handelt sich bei unserem Text um eine alttestamentliche Geschichte des Volkes Israel (bzw. Juda). Dabei ist es wichtig, zuerst einmal die Geschichte in ihrer Zeit zu verstehen, ohne sofort zur Anwendung heute zu springen. So ist ein alttestamentlicher König eben nicht gleichzusetzen mit z.B. einem Gemeindeleiter in Deutschland.

Geistliche Prinzipien, die wir im Text entdecken sollten daher immer am Neuen Testament geprüft werden.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Der Text ist nicht in einen fortlaufenden Predigttext eingebettet, sondern als Thema herausgegriffen.

Dies stellt uns als Prediger vor die Herausforderung, zum besseren Verständnis des Textes zumindest einen sehr groben geschichtlichen Abriss geben zu müssen. Gleichzeitig soll die Predigt keine Unterrichtsstunde in Geschichte Israels werden.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Ich halte diese Predigt…

… um die Gemeindeglieder zu ermutigen, nötige Reformen –  egal in welchem Lebensbereich – mutig und kreativ anzugehen, sich nicht entmutigen zu lassen und die  Flamme zu erhalten und an andere weiterzugeben

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

„Persönliche Reformation: Wie Reformation praktisch wird“

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Den Willen Gottes erkennen und tun (V4-5)
  • Joasch kennt seine Verantwortung für den Tempel und nimmt den schlechten Zustand / die Not wahr. Dies bringt ihn in Aktion.
  • Joh 3,16; Mt 8,14-15 (Jesus);
  1. Widerstände kreativ überwinden (V6-14)
  • Joasch lässt sich von Widerständen (aus den eigenen Reihen!) nicht entmutigen.
  • Er findet einen Kompromiss mit seinen „Mitarbeitern“ und eine kreative Art, zum geplanten Ziel zu kommen
  • Mt 14,13-21 (Jesus – Speisung d. 5000); Apg 6 (Einsetzung der Diakone)
  1. Andere mit hineinnehmen und ihnen die Möglichkeit zum fröhlichen Dienen geben (V10)
  • anstatt die Reparaturen aus der „Staatskasse“ zu zahlen, gibt Joasch der Bevölkerung die Gelegenheit, sich aktiv zu beteiligen und die Freude des Gebens und Dienens zu erfahren
  • Lk 9,1-6 (Aussendung der 12 Jünger); Phil 4,10.17 (Gaben der Philipper für Paulus)
  1. Die Flamme erhalten und weitergeben (V14-16)
  • die Tragik Joaschs ist, dass er nach dem Tod Jojadas seine persönliche Reformation nicht mehr weiterführt
  • auch hier sehen wir wieder, dass es um eine ständige Reformation geht und nie um einen einmaligen Akt

=> Das Leben mit Jesus muss täglich gelebt und die Beziehung zu ihm erneuert werden. Dabei geht es aber nicht darum, sich sein Heil zu verdienen – das hat Jesus ein für alle Mal für uns getan -, sondern in einer lebendigen Beziehung zu Jesus zu bleiben. Dies geschieht nicht automatisch.

  • Phil 2,12-13

(Günther Ott)