Matthäus

Predigthilfe vom 12. November 2017 – Matthäus 6, 12a

Predigtthema:         Und führe uns nicht in Versuchung – „VATER UNSER“ Teil 8

Predigttext:              Mat 6,13 und Mat 4,1-11   (Vorschlag zur Textlesung)

Die Predigthilfe zum Vater Unser enthält einen Einleitung und eine jeweils aktuelle Auslegung zum Text bzw. Thema. Wer bereits die Einleitung von den vorherigen Sonntagen gelesen und bearbeitet hat, kann direkt weiter gehen zu: 1.3 Anmerkungen zum Verständnis des aktuellen Predigttextes

Einleitende Gedanken – Was soll man da bloß predigen? 

Mancher fragt sich vielleicht: Warum muss man 9 Sonntag lang über das Vater unser (sechs Verse der Bibel) predigen? Wie soll man eine Sonntagspredigt gefüllt bekommen, wenn man nur einen Teil eines Verses oder Satzes als Textgrundlage zur Verfügung hat?

Keine Angst – die Bibel gibt uns genügend Material!

Lass Dich darauf ein, sei gespannt und staune selbst – was Gott Dir in der Vorbereitung schenken will.

Die Themenpredigt – was ist das?

Die Predigtreihe über das VATER UNSER gibt uns einen Einblick in die verschiedenen Themenbereiche, die Jesus in seiner Gebetsanleitung für seinen Jünger anspricht. Dazu dienen die jeweiligen Versteile des Textes als Ausgang. Verbunden mit weiteren Parallelstellen aus anderen Büchern der Bibel, wird sich das Verständnis und die Bedeutung des VATER UNSER vertiefen und uns praktisch Anwendungen geben.

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes.

Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum „VATER UNSER“.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Lehrstunde über das Gebet

Das Gebet ist immer ein Indikator für die Gottesbeziehung. Es ist das natürliche Gespräch zwischen einem Kind Gottes mit seinem Vater im Himmel. Wer nicht betet, schwächt seine geistliche Beziehung zu Gott und vergisst welch ein Vorrecht es ist mit dem heiligen Gott reden zu dürfen.

Jesus und sein Gebetsleben ist daher ein Vorbild für uns und lehrt uns die rechte Art und Weise des Gebetes. In den Evangelien erleben wir Jesus in seiner tiefen und lebendigen Beziehung zum heiligen Gott. Jesus betete in vielen Situationen – oft auch allein (Lk 6,12, 9,28-29). Sein vertrautes und vollmächtiges Gespräch (Gebet) mit dem Vater, war der Anlass, dass die Jünger selbst lernen wollten, so zu beten wie Jesus. (Lk. 11,1)

Das Vater UNSER ist also eine Antwort auf die Frage – wie man richtig betet.

  • Das „VATER UNSER“ ist eine Anleitung zum Gebet

Jesus sagt in Mt 6,9 „Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten“. Jesus betont damit, dass das VATER UNSER kein vorformuliertes Gebet sein möchte, das man wörtlich runterbetet oder gar runterleiert. Vielmehr ist es eine Gebrauchsanweisung, die uns aufzeigt, welche Motivation, Inhalte und Ziele ein Gebet enthalten soll. Wir finden in Matthäus 6:

Mt 6,5             Motivation des Gebets       – aufrichtig, nicht wie die Heuchler

Mt 6,6             Orte des Gebets                  – verborgen, nicht zur öffentlichen Show

Mt 6,7             Form des Gebets                – überlegt, nicht wie die Gottlosen

Das VATER UNSER zeigt also die wesentlichen Inhalte eines Gebetes: (In Klammer der Aufbau unserer Predigtreihe):

Mt 6,9             Adressierung            : An Gott den Vater

V.9a    Gottes Wesen (Predigt Teil 1: Vater unser im Himmel)

Mt 6,9-10       Orientierung: Zuerst kommen die Anliegen des Schöpfers

V.9b    Gottes Name (Predigt Teil 2: Geheiligt werde dein Name)

V.10a Gottes Reich  (Predigt Teil 3: Dein Reich komme)

V.10b Gottes Wille   (Predigt Teil 4: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden)

Mt 6,11-13    Konkretisierungen: dann die Anliegen der Geschöpfe

V.11    Gegenwart: Versorgung  (Predigt Teil 5: Unser tägliches Brot gib uns heute)

V.12    Vergangenheit: Vergebung (Predigt Teil 6: Und vergib uns unsere Schuld)

(Predigt Teil 7: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern)

V.13    Zukunft: Versuchung (Predigt Teil 8: Und führe uns nicht in Versuchung)

(Predigt Teil 9: Erlöse uns von dem Bösen)

  • Das „VATER UNSER“ ist ein prophetisches Gebet

Das Gebet greift die alttestamentlichen Verheißungen für das Volk Israel auf und richtet den Blick auf das kommende messianische Königreich auf Erden. Es ist ein weitreichendes Gebet, das über unser gegenwärtiges Gemeindezeitalter hinausgeht und seine Erfüllung durch das zweite Kommen Jesu erbittet (Mt 10a Dein Reich komme…).

Das VATER UNSER ist eingebettet im Kontext der Bergpredigt (Mt 5,1ff bis 7,28f), die eben dieses kommende irdische Königreich verkündigt. Wenngleich sich das Gebet vor allem an einen jüdischen Jüngerkreis richtet, so ist es kein ausschließliches Gebet für Israel. Auch die Gemeinde erwartet das zweite Kommen des Herrn und die Aufrichtung des 1000jährigen messianischen Königreichs hier auf Erden, in dem dann sein Wille wie im Himmel, so auch auf Erden geschehen wird (Mt.10b).

  • Das „Vater Unser“ ist kein frommes Gebetsritual

In Matthäus 6 spricht sich Jesus gegen eine falsche Frömmigkeit aus, die den Glauben vor den Menschen zur Schau stellen aber nicht im Herzen tragen. Jesus spricht

  • vom „rechten Almosen“ Mt 6,1-4
  • vom „rechte Beten“ Mt 6,5-15
  • vom „rechten Fasten“ Mt 6,16-18, welches im Verborgenen geschieht.

Das VATER UNSER soll eben nichts Aufgesetztes sein, das man in der Öffentlichkeit oder im Gottesdienst einfach betet um von Anderen gehört oder gesehen zu werden. Nur weil jemand das VATER Unser betet ist das noch kein Anzeichen von echter Frömmigkeit. Es besteht eher die Gefahr, dass das VATER UNSER durch eine feste Gottesdienstliturgie nur oberflächlich als ein traditionelles Gebetsritual herunter geplappert wird. Hier stellt sich die Frage, ob Jesus das wörtliche VATER UNSER für die Gemeinde wirklich angeordnet hat.

Wenn, dann kann das VATER UNSER nur im selben Sinn ein wörtliches Gebet sein, wie es die Psalmen (z.B. Ps. 23) auch sein können. Bibelabschnitte auswendig zu lernen oder Gottes Wort betend zu lesen ist eine wertvolle Hilfe – nicht nur in persönlichen Notzeiten. Doch die Motivation des Gebets ist und bleibt der entscheidende Faktor.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Adams, Yay E. „70 x 7: Das Einmalsein der Vergebung“ CMV

Barclay, William: Matthäusevangelium 1 – Auslegung des Neuen Testamentes, Aussaat Verlag; Neukirchen Vluyn

Platte, Eberhard „Lehre uns beten, Herr (Gedanken zum Vater unser)“ 2011, Eigenverlag E. Platte, Wuppertal

Sorg, Theo „Wenn ihr aber betet…“ 1989, Verlag Junge Gemeinde Stuttgart

Wasserzug, Gertrud „Vater-Unser-Betrachtungen über das Gebet des Herrn“ 1994, Schriftenmission Bibelheim Böblingen

  • Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Mit der vorletzten Bitte richtet sich nun das Anliegen des Beters auf die Zukunft. Es ist hilfreich den Zuhörern nochmals den Überblick und die Struktur im VATER UNSER aufzuzeigen.

V.11    Gegenwart: Versorgung   (Unser tägliches Brot gib uns heute)

V.12    Vergangenheit: Vergebung (Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben)

V.13    Zukunft: Versuchung          (Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen)

Immer wieder muss der Verkündiger sich bewusst werden und auch die Zuhörer daran erinnern, dass es beim VATER UNSER um das Gebet geht und nicht nur um eine Abhandlung eines Themas! Im Gebet dürfen wir unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor Gott ausbreiten ganz so, wie es einst Ernst Modersohn formulierte.

„Gott kennt dein Gestern. Gib ihm dein Heute. Er sorgt für dein Morgen.“

Im Gebet dürfen wir unsere Sorgen von morgen beruhigt in Gottes Hand legen, dürfen um Bewahrung vor schädlicher Versuchung des Bösen bitten und wissen, der Herr sorgt auch für mein Morgen. Der HERR kennt die Zukunft, die Gefahren und die möglichen Angriffe und daher gibt es nichts Besseres, als sich dem Allmächtigen zuzuwenden, der gestern, heute und bis in alle Ewigkeit der Selbe ist und bleibt.

Folgende Hinweise sind zum Verständnis hilfreich:

  • Die doppelte Wortbedeutung von „Versuchung“

Das griechische Wort „peirasmos“ bedeutet Prüfung, Probe oder Versuch und wird in der Bibel in drei unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht.

  1. Versuchung im guten Sinne: Gott prüft, erprobt und testet den Menschen indem er z.B. Schwierigkeiten oder Mangel zulässt. Damit stellt Gott den Menschen vor eine Glaubensprüfung. Denken wir an Hiob der alles verlor (Hi 1,1ff) oder Abraham als er seinen Sohn Isaak opfern sollte (1Mo 22,1), da prüfte Gott deren Glaube. Denken wir an das Volk Israel als es 40 Jahre in der Wüste war und Gottes Wundertaten erlebte. Vor jedem Wunder stand eine Schwierigkeit, in der Gott das Vertrauen seines Volkes prüfte (5Mo 4,34; 7,18-19; 29,1-2). Auch erprobte z.B. Jesus den Glauben seiner Jünger auf dem See Genezareth (Mk 4,38ff) oder Philippus bei der Speisung der 5000 Menschen (Joh 6,6).

Gottes Ziel dabei ist, dass der Mensch die Prüfung oder den Test besteht und sein Glaube sich dadurch bewährt und festigt (Jak 1,12). Vielleicht vergleichbar mit einer Schulprüfung, einem Klassentest oder dem TÜV bevor ein PKW zugelassen wird.

  1. Versuchung im bösen Sinne: Der Teufel versucht den Menschen indem er ihn zur Sünde lockt. Hier denken wir vor allem an Adam und Eva im Garten Eden, als er den Menschen zur Sündentat versuchte (1Mo 3,1-6; 2Kor 11,3; 1Tim 2,14) oder an David als er durch seine Lust zur Sünde mit Bathseba versucht wurde (2Sam 11,2ff). Vor allem aber sehen wir die boshafte Prüfung in der Versuchung Jesu in der Wüste (Lk 4,2.13).

Das Ziel dabei ist immer, den Menschen zum Abfall von Gott zu verführen, Zweifel an Gottes Wort zu streuen, den Glauben in Frage zu stellen und wo möglich zu zerstören. Solche Versuchung im bösen Sinne, kommt niemals von Gott (Jak 1,13). Vergleichbar ist das z.B. mit einer Verführung zu einem Verbrechen oder das Locken in einen Hinterhalt.

Für beide Bedeutungen wird derselbe griechische Begriff verwendet. Eine Klärung lässt sich meist aus dem Kontext erschließen. Mat 6,13 steht in direkten Zusammenhang mit dem „Bösen“. Um die Bedeutung zu unterscheiden hat Luther in seiner Übersetzung teils den Begriff Anfechtung oder Versuchung gebraucht.

 

Versuchung (griech. peirasmos)   im zweifachen Sinne
Anfechtung Versuchung
Auf die Probe stellen An den Abgrund stellen
Im Sinne von Prüfung Im Sinne von Verführung
Von Gott – mit guter Absicht Vom Bösen – mit schlechter Absicht
Zur Glaubensbewährung Zum Glaubensabfall
Treibt zu Jesus Treibt von Jesus weg
Göttliche Prüfung Satanische Versuchung

3. Versuchung im Sinne von Rebellion gegen Gott: Ein dritter Zusammenhang findet sich in Ereignissen, wo Menschen Gott mit ihrem Handel auf die Probe gestellt haben. So z.B. als das Volk Israel sich weigerte Gott zu vertrauen obwohl sie so viele Wunder erlebt hatten (5Mo 6,16; 9,22). Die jüdischen Menschen (Pharisäer und Schriftgelehrten) zur Zeit Jesu, die nicht glaubten obwohl Gottes Evangelium unter ihnen bestätigt war (Apg 19,9; Heb. 3,8-9). Paulus nennt diese widerstrebende und rebellische Haltung eine Versuchung Gottes. Sogar Christen sind gewarnt Gott nicht mit ihrem Ungehorsam und Unglauben herauszufordern oder böswillig auf die Probe zu stellen (Gal 6,7).

  • Verschiedene Formen der Versuchungen

Satan versucht mit einer Vielzahl von hinterlistigen Anschlägen den Menschen zu verführen und im Glauben zu Fall zu bringen. Es hilft uns, die Gefahr der Versuchung bewusst zu werden, wenn wir die Formen der Versuchung kennen.

  1. Versuchungen offener und verborgener Art

Gemeint ist die Versuchung, wenn der Teufel auftritt als brüllender Löwe (1Pet. 5,8) und im anderen Moment als ein Engel des Lichtes (1Kor 11,14). Sünde kann uns offensichtlich, vorsätzlich, mit Ansage und frontal treffen und zu Fall bringen. Oder aber sie schleicht sich an, indem sie harmlos auftritt. Versuchungen verborgener Art geschehen da, wo eine entsprechende Sünde gesellschaftsfähig geworden ist und selbst unter Christen längst akzeptiert wird und man müde geworden ist, dagegen anzuhalten und man sich an Sünde gewöhnt hat.

  1. Versuchungen von Innen und Außen

Hier versteht man einmal die Versuchungen, die aus dem eigenen sündigen Herzen hervorgehen (Jak 1,14). Bedenken wir, dass der Mensch sich selbst durch seine bösen Gedanken und Triebe zur Sünde verführt (Mt 15,18-19). Unser Hochmut, Stolz und Eigenwille verführen uns, selbst frommen Taten zum Eigennutz zu nutzen und Gottes Gaben für eigene Ziele zu missbrauchen. Angereizt oftmals von außen findet die Versuchung Eingang auch in unser Herz. Die Welt ist ein Schauplatz und Jahrmarkt der Versuchungen, die mit ihren Reizen um unsere Aufmerksamkeit buhlt. Johannes nennt drei Prinzipen mit der die Welt den Menschen zur Sünde versucht (1Joh 2,15-16). Es ist die Befriedigung der Fleischeslust, die Gier der Augenlust und der Stolz der Lebenslust – kurz um gesagt: Sex, Geld und Macht.

  1. Versuchungen, die wehtun und die wohltun

Zwei extreme Gegensätze führen uns manchmal auf einen Grat der Versuchung. Da sind auf der einen Seite Krankheiten, Unfall, Unglück und unbegreifliche Verluste, die uns in die Tiefe reißen möchten. Wo wir unsäglichen Schmerz und Trauer empfinden und anfangen an Gottes Güte und Gnade zu zweifeln und fragen, wo Gott in solchen Situationen ist. Auf der anderen Seite erfahren wir Reichtum, Wohlstand und Luxus, die uns die Abhängigkeit und Dankbarkeit gegenüber Gott vergessen lassen, weil wir viel zu schnell Gottes Güte für selbstverständlich nehmen. Beides trifft uns manchmal gleichermaßen und kann zur Versuchung werden (1Tim 6,9).

Zwei wichtige Hinweise:

– Versuchungen gehören zum Leben und wir können uns ihnen nicht ganz entziehen (1Pet 4,12)

– Versuchungen sind kein Zeichen von Sünde, sie können aber zur Sünde werden (Jak 1,14).

  • Erfolgreicher Wiederstand gegen Versuchungen
  • Die Bitte um Führung

„Führe uns“ – der Beter bittet um Gottes Führung durch diese Welt. Er bringt sein Vertrauen zum Ausdruck, dass er Leitung und Begleitung im Lebensalltag benötigt. Es ist überheblich, wenn Christen denken, sie könnten Versuchungen allein widerstehen (1Kor 12,10). Wir benötigen die gute Führung Gottes, die uns nicht ungeprüft lässt, aber uns oft vor Schlimmerem bewahrt (2Mo 13,17). Jemand sagte mal: „Entweder lass ich mich von Gott führen oder ich werde vom Teufel verführt.“

  • Die Bitte um Bewahrung

Der Beter weiß um die Gefahren der Verführung und bittet daher um Bewahrung in der Versuchung. Dies setzt das Anliegen voraus, dass der Beter selbst die Versuchung verabscheut und nicht mit ihr spielen will. Die Bitte bedeutet nicht die Verschonung vor Prüfungen, sondern die Bitte um Bewahrung, Hilfe und Rettung in und aus den Versuchungen (1Kor 10,13).

  • Die Bitte um Gehorsam zum Wort Gottes

Um Versuchungen standhalten zu können braucht es den Beistand des Heiligen Geistes, das Gebet und das Wort Gottes. Alle drei finden wir bei der Versuchung Jesu in der Wüste (Mat 4,1-11). Vom Geist wurde Jesus geführt (V.1), im Fasten und Beten hängte sich Jesus an den Vater (V. 2) und im Vertrauen und Gehorsam zum Wort Gottes (Zitat stammen alle aus dem 5.Buch Mose) argumentierte Jesus gegen die Versuchungen des Satans.

  • Die Bitte um den gottgewollten Segen

Da es für uns manchmal schwer ist zu erkennen ob es Anfechtung oder Versuchung ist und uns oft der Anlass und die Bedeutung verborgen bleibt, bittet der Beter im VATER UNSER um den gottgewollten Segen. Denn alles was uns begegnet soll uns zum Besten dienen (Röm 8,28), ganz gleich welche Art von Versuchungen uns treffen mögen. Im Gebet können bösgemeinte Versuchungen in nützliche Anfechtungen verwandelt werden, die uns dann näher zu Jesus treiben und am Ende unseren Glauben stärken und unser Leben reinigen bzw. läutern.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Versuchung und Verführung ist von Anbeginn das Hauptwerkzeug des Teufels, um den Menschen von seiner Beziehung zu Gott zu trennen. Dies zieht sich wie ein schwarzer Faden durch die Bibel. Satan versucht auf allen möglichen Weisen die Menschheit, das auserwählte Volk Israel und auch die Gemeinde aus der Gottesgemeinschaft zu reißen oder davon fern zu halten.

Es ist zu beachten, dass gerade das VATER UNSER eine besondere heilsgeschichtliche Bedeutung hat. Mit dem ersten Kommen Jesu begann die letzte Zeit vor der Vollendung. Das VATER UNSER ist das Gebet, das der Messias für die Zeit seiner Abwesenheit seinem irdischen Volk anvertraut hat. Es ist das Gebet der Endzeit, die vor allem auch von der letzten und großen Versuchung des Teufels geprägt ist. Hier ist zu überlegen, warum Jesus im VATER UNSER von Versuchung spricht und nicht von Versuchungen. Versuchungen gibt es viele, aber die Versuchung des Bösen deutet auf eine besondere Zeit hin.

In diesem Sinne hat diese Bitte nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für das irdische Volk Israel seine heilsgeschichtliche Bedeutung. Solange Jesus noch nicht wiedergekommen ist, ist das VATER UNSER die Einladung an das jüdische Volk, ihren Messias anzunehmen, denn

  • Israel hat Gott zum gemeinsamen Vater (Jes 63,16; Jer 31,9)
  • Israel wartet auf das kommende messianische Königreich
  • Israel soll um Vergebung ihrer Sünden bitten (die Ablehnung des Messias, beim ersten Kommen)
  • Israel geht mit der ganzen Menschheit der großen Versuchung (Trübsalszeit) entgegen, die in der letzten Zeit über den ganzen Erdkreis kommen wird (Offb. 3,10; 2Pet 2,9).

Die Ansichten über den Zeitpunkt der Entrückung mögen auseinandergehen. Wenn aber Jesus selbst anordnet, dass wir beten sollen, dass der Vater uns nicht in die Versuchung (Trübsal) führen möchte, stellt sich die Frage, ob dieses Gebet dann unbeantwortet bleibt, wenn die Gemeinde doch in die Trübsalszeit der letzten Tage kommen sollte. Oder aber die Bitte im VATER UNSER enthält einen Hinweis, dass die Gemeinde doch vor der Versuchung entrückt und vom Bösen erlöst wird, bevor das messianische Reich mit Jesus Christus kommt.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Als Einstiegshilfe in das Thema können folgende Beispiele nützlich sein.

Wer kennt das nicht? Der unwiderstehliche Griff zur Schokolade, der begehrenswerte Blick zum anderen Geschlecht, der unkontrollierbare Neid, mehr haben zu wollen als der Andere usw.

Man denke z.B. an die lilla Kuh und die „zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt“. Man könnte für das Beispiel ausnahmsweise auch mal eine „Milka Tafel“ gebrauchen, statt einer „Ritter Sport“ J.

Die Versuchungen der Narrenzeit

Am 11.11. um 11.11 Uhr begann für viele Menschen in Teilen Deutschlands wieder die Narrenzeit. Eine Zeit in der Menschen der Versuchung erliegen und jegliche Hemmungen verlieren. Ein Volksfest, das Menschenmassen durch Lust und Begierde in seinen Bann zieht.

Definition von Wikipedia: Versuchung ist der starke Wunsch etwas zu tun, das man nicht tun sollte.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Es hilft, sich bewusst zu machen, dass Zuhörer vielleicht mitten in Anfechtungen und Versuchungen stecken oder bereits ihren Versuchungen unterlegen sind und nun mit den Folgen ihrer Sünde zu kämpfen haben. Die Anwendungen sollten daher möglichst verschiedene Aspekte aufgreifen.

Versuchungen kann Gott zum Hilfsmittel des geistlichen Wachstums machen

  • Gott lässt Versuchungen zu, will uns aber nicht durchfallen lassen

Wenn Gott uns prüft ist das keine Versuchung. Manchmal testet Gott nur unseren Glauben. Wie bei Hiob wird der Glaube belastet und gerät unter Druck – aber nur, um die Tragkraft unseres Vertrauens zu erproben. Es kann sein, dass Gott alles nimmt worauf wir uns stützen könnten – denn nur dann zeigt es sich, ob wir uns allein auf Gott verlassen. Dabei achtet der Herr selbst darauf, dass die Belastung nicht über unsere Tragkraft hinausgeht (1Kor 10,13) und hält für uns einen Ausweg bereit (2Pet 2,9). Auch in Situationen, wo die Versuchungen unerträglich werden und wir nicht mehr vertrauen können, da hat der Herr bereits all unsere Last getragen (Ps 68,20).

  • Gott lässt Versuchungen zu, aber er lässt uns nicht allein

Bevor Jesus in den Himmel aufgefahren ist, hat er seinen Jüngern versprochen sie nicht allein zu lassen, sondern sie mit dem Heiligen Geist auszustatten. Wir sind zwar noch in dieser Welt, aber wir sind nicht allein in dieser Welt (Joh 14,18). ER ist der Tröster, der Beistand, der uns mit Kraft und Vertrauen ausstattet.

  • Gott lässt Versuchungen zu, weiß aber wie es uns dabei geht

Da Jesus zu seiner Erdenzeit selbst, wie wir, mit allen Versuchungen versucht wurde, kann er uns verstehen (Heb 2,18). Jesus hat Verständnis, kann mitfühlen und daher auch helfen Versuchungen siegriech zu bestehen. Jesus kennt die Gefahr, hat Versuchungen selbst durchlitten und durchlebt und überwunden. Mit Ihm dürfen und können auch wir Versuchungen überwinden (1Joh 5,4; 1Kor 15,57).

  • Gott lässt Versuchungen zu und ruft uns zur Wachsamkeit auf (Mk 14,38)

Jesus gab bereits seinen Jüngern die Anweisung im Gebet zu wachen (Lk 22,40). Wer aufhört zu beten und seine Beziehung mit Jesus vernachlässigt wird früher oder später gegenüber Versuchungen schwach werden. Doch beten allein ist es nicht, sondern die geistliche Waffenrüstung (Eph 6,10-18) anzuziehen und vor offensichtlichen Gefahren der Verführung zu fliehen (2Tim 2,22) sind ebenso zwei unabdingbare Maßnahmen zur Bewahrung vor Versuchung.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

In der Welt müssen wir mit den Versuchungen zur Sünde lernen umzugehen. Wir können weder den Versuchungen noch der Gegenwart der Sünde ganz entfliehen. Daher benötigt es das Gebet um Führung und Bewahrung. Jesus selbst hat diesbezüglich schon für seinen Jünger und für uns gebetet (Joh 17,15).

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Das Gebet öffnet dem Beter die Freiheit mit seinen Schwachheiten und Anfälligkeiten zu Gott zu kommen. Ich darf meinem Vater sagen wo ich in der Gefahr stehe immer und immer wieder zu sündigen, wo ich versucht werde oder Neigungen zu bestimmten Sünden habe.

Das VATER UNSER ist nicht nur die Bitte um Vergebung meiner begangenen Sünden, sondern auch die Bitte um Bewahrung vor Sünden, die ich versucht bin zu tun.

Versuchungen sind immer eine Gradwanderung zwischen Sieg oder Niederlage, bezwingen oder bezwungen werden, aufsteigen oder abfallen. Adam und Eva unterlagen der Versuchung, wurden bezwungen und sind gefallen. Die Folgen waren schwerwiegend.

Doch im Mittelpunkt steht, dass Jesus Christus, obwohl er in allem wie wir versucht wurde doch ohne Sünde war. Er hat über die Versuchung gesiegt und den Versucher bezwungen.

Wer sich zu Jesus hält, der wird selbst in Versuchungen oder gerade durch Versuchungen großen geistlichen Gewinn davontragen können (Joh 15,5).

Versuchungen sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn ein Fehltritt oder ein Ausrutscher kann unwiderrufliche Konsequenzen haben. Daher sollten wir die Gefahren der Versuchungen, sowie die Dringlichkeit der Bitte um Bewahrung vor der Versuchung ernst nehmen.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Erfolgreicher Widerstand gegen die Versuchungen

  • Durch die Führung des Heiligen Geistes
    • Fliehen vor den Versuchungen und Lüsten
  • Durch das ernsthafte Gebet
    • Abhängigkeit von Gott
  • Durch das Vertrauen in Gottes Wort
    • Festhalten an der Bibel (Waffenrüstung Gottes)

Der Glaubens-Check: Wenn Gott Versuchungen zulässt

–    Gott lässt uns nicht durchfallen

–    Gott lässt uns nicht allein (er ist bei uns und weiß wie es uns dabei geht)

–    Gott lässt uns nicht schutzlos (er ruft zur Wachsamkeit im Gebet und Gehorsam auf (Mk 14,38)

Führe uns nicht in Versuchung – ein Gebet mit Auswirkung

–    Es ist eine Bitte um Führung

–    Es ist eine Bitte um Bewahrung

–    Es ist eine Bitte um den gottgewollten Segen

Der Zweck der Versuchungen

  • Versuchungen – ein Mittel zur Verführung: böser Sinn
  • Versuchungen – ein Mittel zur Glaubensprobe: guter Sinn
  • Versuchungen – ein Mittel zur Erziehung: heilsamer Sinn

Formen der Versuchungen (nach Theo Sorg)

  • Versuchungen offener und verborgener Art
  • Versuchungen von innen und außen
  • Versuchungen die wehtun und die wohltun

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

„Ein jeglicher, der ein rechtschaffener Christ sein will, der gedenke, dass er Christentum ohne Anfechtung nicht lernen kann.“ & „Nach dem Zeugnis und der Erfahrung aller Frommen ist die größte Anfechtung, keine Anfechtung zu haben.“ (Martin Luther)

Der kleine Katechismus von Dr.Martin Luther

DIE SECHSTE BITTE

Und führe uns nicht in Versuchung.       Was ist das?

Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, dass Gott uns wolle behüten und erhalten, auf dass uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Mißglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und ob wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.

„Manch einer, der vor der Versuchung flieht, hofft doch heimlich, dass sie ihn einholt. (Giovanni Guareschi)

„Versuchungen sind wie Vagabunden: Wenn man sie freundlich behandelt, kommen sie wieder und bringen andere mit.“ (Mark Twain)

L. Richter, früher einer der beliebtesten Maler Deutschlands, erzählt in seinen Lebenserinnerungen: „Als ich mich im Jahre 1821 längere Zeit in Paris aufhalten durfte, wandelte ich in den Boulevards der Großstadt umher wie ein Hans im Schlaraffenland, manchmal wie betäubt von dem bunten Glanz des Lebens, der mich hier umgab. Doch alle diese Verlockungen, denen so mancher unterliegt, der besser oder klüger war wie ich, verschwendeten ihre Macht an mir vergeblich. Ich war gefeit durch einen Begleiter, der mich auch späterhin eine lange Strecke meines Lebens nicht ganz verlassen hat, den ich mir zwar nicht erwählt, dessen ich mich sogar gern entledigt hätte, welcher hier aber Engeldienste vertrat: Das war die Armut.“

Klaus Eberwein