Predigtthema: Sondern erlöse uns von dem Bösen – „VATER UNSER“ Teil 9
Predigttext: Mat 6,13 und Joh 17,11-19 (Vorschlag zur Textlesung)
Die Predigthilfe zum Vater Unser enthält einen Einleitung und eine jeweils aktuelle Auslegung zum Text bzw. Thema. Wer bereits die Einleitung von den vorherigen Sonntagen gelesen und bearbeitet hat, kann direkt weiter gehen zu: 1.3 Anmerkungen zum Verständnis des aktuellen Predigttextes
Einleitende Gedanken – Was soll man da bloß predigen?
Mancher fragt sich vielleicht: Warum muss man 9 Sonntag lang über das Vater unser (sechs Verse der Bibel) predigen? Wie soll man eine Sonntagspredigt gefüllt bekommen, wenn man nur einen Teil eines Verses oder Satzes als Textgrundlage zur Verfügung hat?
Keine Angst – die Bibel gibt uns genügend Material!
Lass Dich darauf ein, sei gespannt und staune selbst – was Gott Dir in der Vorbereitung schenken will.
Die Themenpredigt – was ist das?
Die Predigtreihe über das VATER UNSER gibt uns einen Einblick in die verschiedenen Themenbereiche, die Jesus in seiner Gebetsanleitung für seinen Jünger anspricht. Dazu dienen die jeweiligen Versteile des Textes als Ausgang. Verbunden mit weiteren Parallelstellen aus anderen Büchern der Bibel, wird sich das Verständnis und die Bedeutung des VATER UNSER vertiefen und uns praktisch Anwendungen geben.
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes.
Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum „VATER UNSER“.
- Das „VATER UNSER“ ist eine Lehrstunde über das Gebet
Das Gebet ist immer ein Indikator für die Gottesbeziehung. Es ist das natürliche Gespräch zwischen einem Kind Gottes mit seinem Vater im Himmel. Wer nicht betet, schwächt seine geistliche Beziehung zu Gott und vergisst welch ein Vorrecht es ist mit dem heiligen Gott reden zu dürfen.
Jesus und sein Gebetsleben ist daher ein Vorbild für uns und lehrt uns die rechte Art und Weise des Gebetes. In den Evangelien erleben wir Jesus in seiner tiefen und lebendigen Beziehung zum heiligen Gott. Jesus betete in vielen Situationen – oft auch allein (Lk 6,12, 9,28-29). Sein vertrautes und vollmächtiges Gespräch (Gebet) mit dem Vater, war der Anlass, dass die Jünger selbst lernen wollten, so zu beten wie Jesus. (Lk. 11,1)
Das Vater UNSER ist also eine Antwort auf die Frage – wie man richtig betet.
- Das „VATER UNSER“ ist eine Anleitung zum Gebet
Jesus sagt in Mt 6,9 „Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten“. Jesus betont damit, dass das VATER UNSER kein vorformuliertes Gebet sein möchte, das man wörtlich runterbetet oder gar runterleiert. Vielmehr ist es eine Gebrauchsanweisung, die uns aufzeigt, welche Motivation, Inhalte und Ziele ein Gebet enthalten soll. Wir finden in Matthäus 6:
Mt 6,5 Motivation des Gebets – aufrichtig, nicht wie die Heuchler
Mt 6,6 Orte des Gebets – verborgen, nicht zur öffentlichen Show
Mt 6,7 Form des Gebets – überlegt, nicht wie die Gottlosen
Das VATER UNSER zeigt also die wesentlichen Inhalte eines Gebetes: (In Klammer der Aufbau unserer Predigtreihe):
Mt 6,9 Adressierung : An Gott den Vater
V.9a Gottes Wesen (Predigt Teil 1: Vater unser im Himmel)
Mt 6,9-10 Orientierung: Zuerst kommen die Anliegen des Schöpfers
V.9b Gottes Name (Predigt Teil 2: Geheiligt werde dein Name)
V.10a Gottes Reich (Predigt Teil 3: Dein Reich komme)
V.10b Gottes Wille (Predigt Teil 4: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden)
Mt 6,11-13 Konkretisierungen: dann die Anliegen der Geschöpfe
V.11 Gegenwart: Versorgung (Predigt Teil 5: Unser tägliches Brot gib uns heute)
V.12 Vergangenheit: Vergebung (Predigt Teil 6: Und vergib uns unsere Schuld)
(Predigt Teil 7: Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern)
V.13 Zukunft: Versuchung (Predigt Teil 8: Und führe uns nicht in Versuchung
(Predigt Teil 9: Erlöse uns von dem Bösen)
- Das „VATER UNSER“ ist ein prophetisches Gebet
Das Gebet greift die alttestamentlichen Verheißungen für das Volk Israel auf und richtet den Blick auf das kommende messianische Königreich auf Erden. Es ist ein weitreichendes Gebet, das über unser gegenwärtiges Gemeindezeitalter hinausgeht und seine Erfüllung durch das zweite Kommen Jesu erbittet (Mt 10a Dein Reich komme…).
Das VATER UNSER ist eingebettet im Kontext der Bergpredigt (Mt 5,1ff bis 7,28f), die eben dieses kommende irdische Königreich verkündigt. Wenngleich sich das Gebet vor allem an einen jüdischen Jüngerkreis richtet, so ist es kein ausschließliches Gebet für Israel. Auch die Gemeinde erwartet das zweite Kommen des Herrn und die Aufrichtung des 1000jährigen messianischen Königreichs hier auf Erden, in dem dann sein Wille wie im Himmel, so auch auf Erden geschehen wird (Mt.10b).
- Das „Vater Unser“ ist kein frommes Gebetsritual
In Matthäus 6 spricht sich Jesus gegen eine falsche Frömmigkeit aus, die den Glauben vor den Menschen zur Schau stellen aber nicht im Herzen tragen. Jesus spricht
- vom „rechten Almosen“ Mt 6,1-4
- vom „rechte Beten“ Mt 6,5-15
- vom „rechten Fasten“ Mt 6,16-18, welches im Verborgenen geschieht.
Das VATER UNSER soll eben nichts Aufgesetztes sein, das man in der Öffentlichkeit oder im Gottesdienst einfach betet um von Anderen gehört oder gesehen zu werden. Nur weil jemand das VATER Unser betet ist das noch kein Anzeichen von echter Frömmigkeit. Es besteht eher die Gefahr, dass das VATER UNSER durch eine feste Gottesdienstliturgie nur oberflächlich als ein traditionelles Gebetsritual herunter geplappert wird. Hier stellt sich die Frage, ob Jesus das wörtliche VATER UNSER für die Gemeinde wirklich angeordnet hat.
Wenn, dann kann das VATER UNSER nur im selben Sinn ein wörtliches Gebet sein, wie es die Psalmen (z.B. Ps. 23) auch sein können. Bibelabschnitte auswendig zu lernen oder Gottes Wort betend zu lesen ist eine wertvolle Hilfe – nicht nur in persönlichen Notzeiten. Doch die Motivation des Gebets ist und bleibt der entscheidende Faktor.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Adams, Yay E. „70 x 7: Das einmalsein der Vergebung“ CMV
Barclay, William: Matthäusevangelium 1 – Auslegung des Neuen Testamentes, Aussaat Verlag; Neukirchen Vluyn
Platte, Eberhard „Lehre uns beten, Herr (Gedanken zum Vater unser)“ 2011, Eigenverlag E. Platte, Wuppertal
Sorg, Theo „Wenn ihr aber betet…“ 1989, Verlag Junge Gemeinde Stuttgart
Wasserzug, Gertrud „Vater-Unser-Betrachtungen über das Gebet des Herrn“ 1994, Schriftenmission Bibelheim Böblingen
- Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Die letzte Bitte im VATER UNSER behandelt die „Errettung von dem Bösen“ und ist sehr eng mit der vorangehenden Bitte verbunden:
„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen.“ Mt 6,12
Der Ziel- und Schlusspunkt vom VATER UNSER richtet den Blick auf die Loslösung und Befreiung des Menschen von finsteren Einflüssen des Bösen.
Einmal ist es die Bitte, dass der HERR uns in der heutigen und gegenwärtigen Weltzeit vom Bösen befreit und bewahrt. Aber sie enthält auch den Ausblick auf das Ende der Zeit, wenn Jesus wiederkommt und an dem großen Drachen, der alten Schlange, genannt der Teufel und der Satan (Off 12,9) das endgültige Gerichtsurteil vollstrecken wird. Voraussetzung der Bitte ist die Gewissheit des Beters, dass Jesus der Sieger ist und dass letzten Endes die Strafe und das ewige Gericht über den Verführer bereits fest steht (Offb 20,10).
Wozu aber fordert Jesus dann noch auf, für die Errettung vom Bösen zu bitten?
Das Böse ist immer noch eine Realität
- Im Gebet bekennt der Beter die Tatsache des Bösen.
Das im VATER UNSER verwendete griechische Wort „poneros“ bedeutet: schlecht, verkommen, schlimm, bösartig, verdorben oder unbrauchbar. Es wird im Neuen Testament in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht.
Zum Beispiel: Böser Zustand des Menschen (Mt 7,11; Apg 17,5); böse Menschen (2Thess 3,2; 2Tim 3,16); böse Handlungen (Apg 18,14); böse Werke (1Joh 1,11); böse Worte (3Joh 1,10); böse Gedanken (Lk 6,45); böse Geister – Dämonen (Lk 7,21; Apg 19,15); Böse Tage und Zeiten (Eph 5,16); der Böse – Satan (Mat 13,19; 1Joh 5,18).
Das Böse ist untrennbar verbunden mit dem Bösen. Das Böse ist immer Auswirkung des Bösen. Der Teufel der im Neuen Testament mit dem griechischen Wort „diabolos“, dem Durcheinanderbringer wiedergegeben wird (1Pet 5,8; Mt 4,1.5; Joh 13,2), versucht den Menschen zum Bösen (poneros). Seit dem Sündenfall steht der Widersacher im Kampf gegen Gott und das Gute und versucht den Menschen auf ewig an die böse Seite zu binden.
- Das Gebet bekennt sich zum Guten
Es verneint das Böse, bezieht eine Ja-Stellung zu Gott und dem Guten und eine Nein- Stellung zum Teufel und dem Bösen.
- Das Gebet nimmt das Böse ernst
Gleichzeitig versteht und gesteht der Beter ein, dass er das Böse ernst nimmt und die Gefahr kennt, dem Bösen nachzugeben. Der Beter hasst das Böse, will mit ihm nichts zu tun haben und bittet daher um die Errettung und Loslösung vom Bösen.
- Das VATER UNSER bekennt damit:
- die existierende und vernichtende Realität des Bösen
- die menschliche Schwachheit gegenüber dem Bösen
- die dringende Hilfe zur Befreiung vom Bösen
Die Welt ist das Kampffeld des Bösen
Es scheint, dass auch unter Christen die Realität des Bösen und des Teufels weichgespült wurde. Aus Angst davor, dass wir bei Menschen anecken, hat man den Mut verloren das Böse böse zu nennen und das Getrenntsein von Gott Hölle. Man duldet und spielt mit dem Bösen, statt sich klar davon zu trennen. Zerstörerische Einflüsse des Teufels oder dämonische Bindungen werden kaum ernstgenommen. Wir machen uns schuldig und angreifbar, wenn wir vergessen, dass die Welt das Kampffeld des Bösen ist und Christen sich im geistlichen Krieg befinden und so tun als ob die Türen zur Hölle geschlossen wären und Satan seinen Job niedergelegt hätte. Dabei sind unzählige Menschen von den finsteren und bösen Mächten gebunden, geplagt und werden von der Errettung in Jesus abgehalten (Eph 6,12).
Es muss uns bewusst sein, dass wir in einer gefallenen und bösen Welt leben (1Joh 5,19), in der der Fürst dieser Welt (Eph 2,2) die Menschen knechtet, in Sünde gefangen hält und alle Menschen, auch Christen zum Bösen verführt.
Auf der einen Seite ist der Christ bereits erlöst auch wenn die vollkommene Erlösung noch aussteht. Durch den Glauben ist der Christ in das Reich des Sohnes Gottes versetzt (Kol 1,13), hat die Vergebung seiner Sünden erfahren (Eph 1,7), ist in Jesus Christus wirklich frei (Joh 8,36) und hat auch die Verheißung Gottes, dass der Teufel den Gläubigen nicht antasten kann (1Joh 5,18).
Aber das gegenwärtige Zeitalter ist noch nicht die sichtbare Königsherrschaft Jesu Christi, in der das Böse gebunden ist. Wir befinden uns in der Haushaltung der Gnade Gottes, in der Gott den Menschen Zeit zur Umkehr und Buße gibt (2Pet 3,9), aber in der das Böse noch gegenwärtig und mächtig ist.
Doch Gottes Zusage, dass er seine Kinder vom Bösen bewahrt, steht fest. Seine Treue und Gnade versichert uns diese Rettung vom Bösen (2Thess 3,3; Jud 1,24; 2Pet 2,9; 2 Tim 4,18; Ps 121,7).
In Jesus Christus
- haben wir den Bösen überwunden 1Joh 2,13f
- sind wir frei von der Gewalt des Todes und des Bösen Heb 2,15
- werden wir in dieser Welt bewahrt vor dem Bösen (Argen) Joh 17,15
Warum aber sollen wir dennoch um Erlösung vom Bösen beten?
In Jesus ist der Christ heute und jetzt von der Schuld, Strafe und Macht der Sünde (Röm 6,14) befreit. Aber eben nicht frei von der Gegenwart der Sünde und des Bösen! Der Böse geht umher, versucht Christen und bringt auch sie immer wieder zu Fall (1Pet 5,8). Erst wenn wir vollendet und von dieser Erde los in der Ewigkeit sein werden, sind wir auch los von der Gegenwart des Bösen (Heb 9,28).
Die Bitte im VATER UNSER um Erlösung von dem Bösen bedeutet einmal das machtvolle Eingreifen Jesu, wenn er Menschen rettet und von bösen Bindungen befreit, seine Kinder schützt und bewahrt – aber eben auch, wenn er sie von dieser Welt des Bösen zu sich in die Ewigkeit heimruft.
Der Umgang mit dem Bösen
Wir können uns dem bösen Weltlauf nicht entziehen. Auch erleben wir, dass wir nicht vor allem Bösen (Unheil) bewahrt bleiben. Darum gehört auch zu dieser Bitte im VATER UNSER der Umgang mit dem Bösen. Die Bibel gibt viele Hinweise wie wir als Christen mit dem Bösen umgehen sollen.
- Christen sind in der Welt, aber nicht von dieser Welt Joh 17,14.16
- Jesus hat für unsere Bewahrung gebetet Joh 17,15
- Du darfst um Bewahrung vor dem Bösen beten Mt 6,13
- Du sollst dem Bösen keinen Raum geben Eph 4,27
- Du sollst dem Teufel widerstehen Jak 4,7
- Sei geschult im Wort Gottes Heb 5,14
- Sei weise, klar und entschieden und unvermischt mit dem Bösen Rö 16,19; Mt 5,37
- Meide das Böse 2Joh 1,11
- Bewahrt euch selbst in Jesus 1Joh 5,18; Jud 1,21
- Tue das Böse aus der Mitte hinaus 1Kor 5,13
- Lass dich nicht reizen vom Bösen 1Kor 10,6
- reizen zur Lust, das Böse zu tun
- reizen zum Zorn, weil wir das Böse hassen
- kehre dem Bösen den Rücken zu und wende dich zum Guten 1Pet 3,11
- Überwinde das Böse indem du bewusst das Gute tust Röm 12,21
Die angeführten Bibelstellen sind eine Auswahl, die uns helfen können unseren Teil dazu beizutragen, uns dem Bösen zu entziehen. Dazu benötigt es eine feste Beziehung zu Jesus und einen willigen Gehorsam gegenüber Gottes Wort (Jak 4,8).
Der Teufel ist erfinderisch im Bösen (Rö 1,30). Schnell können wir als Christen verzagen, verzweifeln oder uns reizen lassen. Weil aber Jesus der Sieger über den Bösen ist, dürfen wir gelassen sein. So gelassen, dass Jesus in der Bergpredigt sogar sagt:
„Ich aber sage euch: Ihr sollt dem Bösen nicht widerstehen; sondern wenn dich jemand auf deinen rechten Backen schlägt, so biete ihm auch den andern dar;“ (Mt 5,39 )
Jesus allein hat die Macht uns aus der Gewalt des Bösen zu erlösen. Er hat es am Kreuz bereits getan (2Kor 2,14; Kol 2,15).
Jesus hat uns gestern erlöst von dem Bösen durch die Vergebung von Schuld und Sünde
Jesus schützt uns heute vor dem Bösen durch seine Bewahrung vor der Macht des Bösen
Jesus errettet uns morgen von dem Bösen durch die Entrückung seiner Gemeinde.
Jesus wird den Bösen im letzte Gericht endgültig verderben.
Die letzten Worte des VATER UNSERS sind eine Zusammenfassung und Bestätigung des Ganzen. Es ist das AMEN: „- denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. AMEN.“
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Wir leben heute in bösen Tagen (Eph 5,16) – wir leben heute noch nicht im Reich Gottes auf Erden und noch herrscht der Fürst dieser Welt über die Menschheit, die nicht an Jesus glaubt (Eph 2,2). Die Gemeinde ist in dieser Zeit das geistliche Reich auf dieser Erde (Kol 1,13) und Gottes Werkzeug zur Verkündigung der frohen Botschaft von der Errettung des Bösen.
Heilsgeschichtlich wird der Böse (Satan) auf Erden erst gebunden sein, wenn Jesus wiederkommt (Off 20,1ff). Dann wird Jesus auf Erden sichtbar herrschen (Sach 14,9; Off 11,15; Heb 2,8) und sein Wille geschehen wie im Himmel so auch auf Erden (Mt 6,10).
Die zukünftige Errettung von dem Bösen geschieht für den Gläubigen, wenn er von seinem irdischen Leib los sein wird (Röm 8,23).
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
An diesem Sonntag ist Volkstrauertag: Ein staatlicher Gedenktag in Deutschland, der 1952 eingeführt wurde und an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen erinnert. Der Feiertag kann als Beispiel gebraucht werden, was das Böse (Kriege) in dieser Welt anrichtet. Wie das Böse, meist durch böse Menschen kam und welche abscheulichen Werke es mit sich brachte. Das Böse hat immer den Tod und die Vernichtung des Menschen zur Folge.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Unter den Zuhörern sind evtl. Menschen, die viel Böses erlebt haben oder erleben. Ältere Menschen oder Geflüchtete haben das böse Leid und Elend von Krieg, Verfolgung, Mord, Verbrechen erlebt. Wie viel bösen Streit, Misshandlungen und Scheidungen erleben Menschen. Erleben die Bindungen von Süchten und Hass. Christen verzagen oder klagen vielleicht Gott an, warum gerade Gottes Kindern so viel Böses zustößt. (vgl. Ps. 73)
Wir müssen den Mut aufbringen in der Predigt über die Realität des Bösen und die Person des Teufels zu sprechen. Diese Welt ist eine böse Welt! Wenn es auch kein erbauliches Thema ist, so müssen wir doch auch die Werke des Teufels, den Ernst der Folgen und den wahren Zustand der Welt verdeutlichen.
Dabei darf der Sieg Jesu über den Bösen, nicht verloren gehen!!
Wir predigen nicht den Teufel, sondern wir predigen Christus, der gekommen ist um die Werke des Teufels zu zerstören (1Joh 3,8). Wir würden der Versuchung des Bösen unterliegen, wenn am Ende der Predigt der Teufel im Mittelpunkt der Botschaft stand.
Es ist der letzte Teil der Predigtreihe vom VATER UNSER und dieser endet mit der Bitte um die triumphale Erlösung von dem Bösen. Die Tatsache über die Entmachtung des Bösen am Kreuz darf uns dankbar machen. Die Gewissheit über die zukünftige Erlösung vom Bösen darf uns Trost und Hoffnung sein. Die Zusage über die gegenwärtige Hilfe und Bewahrung vor dem Bösen, darf uns Mut machen am Glauben an Jesus festzuhalten.
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Zuhörer sollen neu ermutigt werden im Gebet klar Stellung zum Bösen zu beziehen und für Bewahrung und wo nötig um Befreiung vom Bösen zu beten. Als Christen sind wir von der Macht des Bösen befreit, aber wir stehen immer noch unter der Versuchung zum Bösen.
Die Botschaft soll dem Christen die Angst nehmen, dass er der Willkür des Bösen oder des Teufels ausgeliefert ist. Jesus ist Sieger und Jesus hat bereits den Bösen am Kreuz gerichtet. Wenn auch das Urteil über den Bösen noch nicht vollzogen ist, so ist er bereits als der Böse überführt und gerichtet.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Jesus Christus bietet die Erlösung von bösen Bindungen an und möchte den Menschen frei machen von der Macht der Sünde.
Wenngleich auch der Christ nicht ganz frei von der Gegenwart des Bösen ist, so hat doch der Teufel kein Anrecht mehr auf ihn.
Die Bibel gibt uns eine Anleitung zum Schutz vor dem Bösen. Diese gilt es unter der Gnade Gottes auszuleben. Das Gebet entbindet uns nicht von unserer Verantwortung, dem Bösen keinen Raum in unserem Leben zu geben.
Das Böse findet sein endgültiges Ende wenn Jesus Christus wiederkommt um das Urteil über den Satan im letzten Gericht zu vollziehen.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Die Erlösung vom Bösen
- Er löst vom Bösen
- Er bewahrt vor dem Bösen
- Er setzt ein Ende dem Bösen
Mein Umgang mit dem Bösen
- Der Böse versucht uns immer zur Sünde
- Die Welt ist das Kampffeld des Bösen
- Der Umgang mit dem Bösen
Die letzte Bitte im VATER UNSER bekennt:
- die existierende und vernichtende Realität des Bösen
- die menschliche Schwachheit gegenüber dem Bösen
- die dringende Hilfe zur Befreiung vom Bösen
Am Kreuz von Golgatha
- wird das Böse vom Menschen bekannt
- wird dem Menschen das Böse vergeben
- wird der Böse von Jesus gerichtet
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Lieder:
Keine Macht der Welt
Jesus Christus ist der Sieger… (193 Ich will dir danken)
Jesus ist immer noch größer (300 Ich will dir danken)
DIE SIEBTE BITTE „Sondern erlöse uns von dem Bösen.“
Was ist das?
Wir bitten in diesem Gebet als in der Summa, dass uns der Vater im Himmel von allerlei Übel an Leib und Seele, Gut und Ehre erlöse und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere und mit Gnaden von diesem Jammertal zu sich nehme in den Himmel. (Dr. Martin Luther, kleiner Katechismus)
Martin Luther war einst in einer sehr bedenklichen Lage. Da nahm er seinen Hut, ging in den Wald hinaus und stimmte ein Lied des Vertrauens auf den lebendigen Gott an, dann ein zweites und ein drittes. So sang er sich den Sorgendruck vom Herzen und kam gestärkt und freudig zu den Seinen zurück. „Unsere Gesänge verdrießen den Teufel und tun ihm weh, denn dadurch wird er besiegt!“, pflegte er zu sagen; „Unsere Ungeduld im Leiden hingegen, unser Klagen und Wehgeschrei gefallen ihm wohl und er lacht sich darüber ins Fäustchen; denn damit bekommt er uns unter seinen Bann.“ Wie wahr ist das! Darum ist in schweren Zeiten nichts verderblicher als Mutlosigkeit oder gar Missmut und Misstrauen unserem Gott gegenüber.
Wiedersteht dem Teufel
Ein Prediger fragte einen Knaben, der bekehrt worden war: „Sagt dir der Teufel nicht zuweilen, dass du gar kein Christ bist?“ „Ja, das tut er zuweilen.“ „Nun und was sagst du dann zu ihm?“
„Ich sage ihm“, erwiderte der Knabe, der so etwas von Luthers Geist verriet: „Ich sage ihm, dass ihn das gar nichts angehe, ob ich ein Christ bin oder nicht.“
(C. H. Spurgeon)
Vergelte nicht Böses mit Bösem
Dorothea Trudel, die Gründerin des Bibelheims Männedorf am Zürichsee, das später unter dem Namen „Zellersche Anstalten“ bekannt geworden ist, hatte einen Vater, der unmäßig trank und gegen seine Familie oft brutal und hart war. Die Mutter aber war eine Beterin!
Einmal im Winter ging der Vater von zu Hause fort. Als er im Frühjahr wieder heimkam, war seine erste Frage: „Wovon habt ihr gelebt?“ „Die Kuh hat jeden Tag 25 Liter Milch gegeben“, sagte die Mutter.
Da band er die Kuh los und bot sie jedem Vorübergehenden für 100 Franken an. Die Mutter aber ging in ihr Kämmerlein und schrie zu Gott. Als der Viehhändler des Dorfes dazu kam – er war als ein habgieriger Mann bekannt! – geschah etwas Seltsames. Mit gewaltiger Stimme schrie er den Vater an: „Du Lump, du schlechter! Deine Frau und deine elf Kinder lässt du hungern und jetzt willst du ihnen auch noch die Kuh verkaufen? Du bist noch schlechter als der Teufel!“
Darauf stellte der Vater die Kuh wieder in den Stall und machte sich davon. Erst nach Jahren kam er wieder zurück.
„Willst du mich wieder aufnehmen?“, bat er die Mutter, „Ich bin krank.“
Da hat die Frau ihm nicht seine Sünden vorgehalten, sondern ihm die Tür aufgemacht und ihn gepflegt. Sie durfte es noch erleben, dass er Buße tat und im Frieden mit Gott starb.
Klaus Eberwein