Kolosser

Predigthilfe vom 29. August 2021 – Kolosser 3,1-17

Jahresthema:Für ein gutes MITEINANDER
Predigtthema:Einander vergeben
Predigttext:Kolosser 3,1-17
Autor:Tobias Schurr

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1 Überblick über das Jahresthema 2021

Ein gutes Miteinander, wer wünscht sich das nicht? Eine Gemeinschaft, die unser Leben bereichert, belebt und stärkt, wollen wir doch alle. Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir auf Gemeinschaft angelegt sind. Und obwohl wir uns nach Gemeinschaft sehnen und auch auf Gemeinschaft hin gemacht sind, erleben wir, dass menschliche Gemeinschaft sehr zerbrechlich ist und sehr leicht gestört oder sogar zerstört werden kann. Diese Herausforderung sehen wir auch im Miteinander von Christen in der Gemeinde und es ist aus diesem Grund immer wieder sehr wichtig darüber nachzudenken, wie Gemeinschaft gelingen kann, wie unser Miteinander von Gott geprägt, immer mehr wachsen kann.

In der Bibel sehen wir, dass es Gott ein großes Anliegen ist, dass seine Kinder in seinem Sinne Gemeinschaft leben und er gibt uns viele Aufforderungen, wie Miteinander gelingen kann. In unserem Jahresthema wollen wir im Jahr 2021 (jeweils am letzten Sonntag des Monats) dieses Miteinander bedenken und uns von Gott prägen lassen. Unser großer Wunsch ist es, dass unsere Gemeinden dadurch gemeinsam in ihrer Beziehung zu Jesus und auch in ihrer Beziehung zueinander wachsen. Und wir beten, dass durch die Art wie sie miteinander leben auch für andere immer mehr sichtbar wird, welcher Herr sie zusammengeführt hat.

Umrahmt wird dabei unser Jahresthema von der großen Aufforderung, die Jesus seinen Jüngern mitgibt (Joh 15) und die auch Paulus aufgreift (Röm 13,8-10), dass wir uns als Kinder Gottes untereinander lieben sollen (Januar & Dezember). Unter diesem Oberthema lassen sich schlussendlich alle anderen Themen, die wir unter dem Jahresthema behandeln, zusammenfassen. Die Liebe, die Jesus auf unvergleichliche Weise vorgelebt hat ist eine Liebe, die bereit ist, sich für den anderen hinzugeben. Eine Liebe, die ein großes Zeugnis für unseren Gott ist.

  • Diese Liebe äußert sich zunächst darin, dass wir als Kinder Gottes bereit sind, uns gegenseitig in Liebe anzunehmen (Februar), weil wir wissen, dass Christus derjenige ist, der uns in Liebe angenommen hat.
  • Weiter zeichnet sich dieses Miteinander in Liebe dadurch aus, dass Kinder Gottes bereit sind einander zu dienen (März). Auch dies hat Jesus vorgelebt und war bereit sein Leben als Lösegeld für uns zu geben.
  • Ein liebevolles Miteinander lebt auch davon, dass wir aufeinander achten und uns dazu ermuntern im Glauben wirklich dran zu bleiben (April) und in der Heiligung zu leben.
  • Für eine gute Gemeinschaft ist es zudem wichtig unnötige Konflikte zu vermeiden und sorgfältig darauf zu achten, andere nicht auf falsche Weise zu provozieren (Mai).
  • Echtes Miteinander unter Glaubensgeschwistern lebt auch davon, dass wir füreinander im Gebet einstehen (Juni), weil wir genau wissen, wie abhängig wir alle davon sind, dass unser Herr uns führt, leitet und bewahrt.
  • Zu diesem füreinander einstehen, gehört natürlich auch, dass wir als Kinder Gottes umeinander wissen, die Verbindung zueinander suchen und so als Nachfolger Jesu eine Einheit bilden (Juli).
  • Weil wir auch als Christen immer wieder untereinander schuldig werden, ist auch das Thema Vergebung ein sehr wichtiger Grundstein für ein gutes Miteinander (August). Auch hier haben in Jesus Christus das große Vorbild, was Vergebung bedeutet. Und gleichzeitig ist Jesus derjenige, der echte Vergebung erst ermöglicht, weil er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist.
  • Geistliches Miteinander beinhaltet auch, dass wir lernen uns in eine geistliche Gemeinschaft einzuordnen. Dazu gehört, dass wir verstehen, wie Gott sich das Miteinander unter seinen Kindern vorgestellt hat und die Bereitschaft sowohl demütig Verantwortung zu übernehmen wie auch sich auf eine gute geistliche Weise unterzuordnen (September).
  • Das Leben als Christ ist kein Sprint, sondern eher ein Langstreckenlauf, bei dem es immer mal wieder auch Durststrecken gibt. Auch hier braucht es ein gutes geistliches Miteinander, um uns immer wieder zu einem Leben in der treuen Nachfolge anzuspornen und nicht müde zu werden die Liebe Gottes in die Welt zu tragen (Oktober).
  • Geistliche Durststrecken und Herausforderungen können immer wieder auch entmutigend sein und auch hier ist es ein Geschenk Gottes, dass er uns als Glaubensgeschwister zusammengestellt hat. So können wir uns gegenseitig ermutigen die richtige Ausrichtung zu behalten und den Blick auf Jesus, auf sein Werk und auf seine Wiederkunft nicht zu verlieren (November).

Schlussendlich bleibt die Liebe, das Oberthema, das unser Miteinander zusammenhält. Wenn wir aus der Liebe Jesu leben, wenn seine Liebe unser Leben prägt, wird dies auch in einem guten Miteinander unter Glaubensgeschwistern, in der Liebe zueinander sichtbar werden. Bildlich dargestellt könnte das Thema so aussehen: Unser „Miteinander“ ist eine Frucht mit verschiedenen Beeren, die sich ergänzen und von denen jede einzelne sehr wichtig ist. Im Laufe des Jahres werden wir die einzelnen Beeren nacheinander betrachten.

Eine PowerPoint-Vorlage mit der Grafik findet ihr unter: https://christusbund.sharepoint.com/:p:/s/medien/EQTQFa12LktBqBCcQsW9qmcBi9et5hf-ZzzoObTt-zou1g?e=Xauf41

2.1 Hinweise zum Textverständnis

Vers 1-4: Paulus spricht in diesen Versen, die grundsätzliche Ausrichtung des Lebens als Christ an. Neues Leben in Christus führt zu einem veränderten Leben in dieser Welt. Die Prioritäten für Kinder Gottes müssen sich verschieben. Der natürliche, gefallene Mensch hat die Dinge im Blick, die hier auf der Erde Bedeutung zu haben scheinen. Wenn Gott in das Leben tritt, öffnet sich ein ganz neuer Horizont, eine neue, ewige Realität wird sichtbar. Diese neue Realität soll das Leben der Nachfolger Jesu bestimmen. Vers 3 unterstreicht noch einmal, wie grundsätzlich die Veränderung ist, die geschieht, wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus findet. Er stirbt seinem alten Leben, und hat in Christus neues ewiges Leben. Dieses neue Leben ist in seiner ganzen Fülle noch nicht sichtbar, es ist noch verborgen (vgl. 1.Joh 3,1ff), besonders für die Menschen, die Gott nicht kennen. Aber es ist ein Leben, das durch Christus für immer zu Gott gehört und das schon hier auf der Erde durch seine Ausrichtung sichtbar werden soll.

Als Christen brauchen wir immer wieder die Erinnerung und Aufforderung unser Leben wirklich mit dieser Ausrichtung zu führen, bis eben zu dem Zeitpunkt, an dem Jesus Christus für alle offenbar wird und mit ihm auch die, die zu ihm gehören.

Vers 5-8: Paulus wird nun konkret, wie diese Ausrichtung auf die Ewigkeit aussehen soll. Er beginnt mit dem, was es im Leben zu meiden gilt. Handlungsweisen, die nicht zu einem Leben mit Gott passen, die seinem Wort und Wesen widersprechen. Durch das Wort „töten“, das Paulus in Vers 5 benutzt sehen wir, wie radikal diese Trennung sein soll. Als Christen sollen wir keine falschen Kompromisse mit der Sünde eingehen. Paulus weist auch auf die Konsequenz eines solchen Lebens im Ungehorsam hin. Die Konsequenz ist der Zorn Gottes, der in seinem Gericht mündet. Für Kinder Gottes dagegen soll sehr klar sein, dass ein solches Leben für sie in der Vergangenheit liegt. Gott hat sie aus ihrem Wandel in der geistlichen Finsternis herausgerettet. Als Nachfolger Jesu wollen sie sich radikal davon trennen, und das betrifft das ganze Leben, das Denken, das Reden und das Handeln.

Vers 9-11: Paulus beschreibt noch einmal die Veränderung und Konsequenzen der Bekehrung. Das alte Leben in der Trennung von Gott mit allen Handlungen, die daraus resultieren, wurde ausgezogen und das neue Leben angezogen. Dieses neue Leben wächst immer weiter in der Erkenntnis Jesu. Gerade diese Verse unterstreichen, warum es eben nicht reicht eine christliche Moral zu verkünden und die Menschen aufzufordern nach dieser Moral zu leben. Das alte Leben zeigt sich in ganz unterschiedlichen Schattierungen und Gestalten. Aber es ist deutlich, dass es ganz grundsätzlich nicht zu Gott passt, weil es eben nicht in Verbindung zu Gott und im Vertrauen auf ihn gelebt wird. Und es passt vor allem deshalb nicht zu Gott, weil es nicht aus seiner Gnade und Erneuerung gelebt wird. Damit ist es im tiefsten Sinne gottlos. Egal welche Moral wir in ein solches Leben hineinsetzen, es wird immer gottlos bleiben.

Der entscheidende Schritt ist, dass durch Gottes Gnade, durch Buße und Glauben, dieses alte Leben abgelegt wird und wir in Christus zu einem neuen Leben wiedergeboren werden. Dieser neue Mensch in Christus beginnt dann immer mehr in uns Gestalt zu gewinnen. Und im Blick auf dieses neue Leben in Christus sind wir Menschen alle gleich. Wir stehen vor Gott als Sünder und brauchen seine Gnade und seine Erneuerung. Gott möchte uns neues Leben schenken, ein Leben, in dem es dann nicht mehr um menschliche Unterschiede geht, sondern in dem entscheidend ist, dass wir für immer zu Jesus Christus gehören.

Vers 12-14: Paulus beschreibt nun das Kleid des Christen, also wodurch sich dieses neue Leben in Christus auszeichnen soll. Natürlich ist dies hier nicht eine vollständige Liste. Paulus nennt beispielhaft einige wichtige Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die ein Leben in der Nachfolge Jesu kennzeichnen sollen. Wenn wir Gal 5,22-23 hinzunehmen, dann finden wir noch eine Reihe von weiteren Kennzeichen des geistlichen Lebens und wir sehen auch, dass dieses Anziehen auf der einen Seite Aufforderung an Christen und zugleich das Wirken des Heiligen Geistes ist.

In Vers 13 hat Paulus besonders das Miteinander in der Gemeinde im Blick. Paulus weiß, dass es auch im Untereinander von Christen immer wieder zu Schwierigkeiten oder Streit kommen kann. Er ermahnt deshalb hier, diese Konflikte sehr aktiv anzugehen. Auf der einen Seite ist es immer wieder dran, dass Christen ihre Glaubensgeschwister ertragen in ihrer Unterschiedlichkeit, mit den Eigenarten und Unvollkommenheiten. Es soll eben nicht so sein, dass sich Nachfolger Jesu direkt bei der ersten Auseinandersetzung zurückziehen, sondern dass man sich bewusst entschließt, den anderen zu ertragen, und damit sich und die eigenen Präferenzen immer wieder zurückstellt. Aber es gibt nicht nur Unterschiede, es gibt auch Schuld zwischen Christen und auch die gilt es sehr aktiv anzugehen. Paulus fordert uns auf, Vergebung nicht nur von Gott anzunehmen, sondern sie eben auch im Blick auf die anderen zu gewähren. Hier greift Paulus ein Thema auf, das auch Jesus betont hat (Vgl. Mt 6,12-15 par; Mt 18,21-35; …). Vergebung ist ein Grundkennzeichen des neuen Lebens. Zunächst beginnt es damit, dass Jesus Christus unsere Schuld am Kreuz getragen hat, und uns Vergebung anbietet. Wir dürfen dieses Geschenk der Vergebung aus Gnade annehmen, und gleichzeitig verpflichtet uns die Gnade Jesu dazu, selbst diese Gnade zu leben und anderen Menschen mit Vergebungsbereitschaft zu begegnen. Wie Petrus von Jesus sehr deutlich lernen musste, beschränkt sich diese Vergebungsbereitschaft nicht auf eine bestimmte Anzahl von Fällen, nein sie soll vielmehr unser ganzes Leben, unseren ganzen Umgang mit anderen Menschen kennzeichnen und damit unterstreichen, dass wir selbst Gnadenkinder sind, die zutiefst von der Liebe und Gnade Jesu geprägt sind.

Deshalb umfasst auch die Liebe das ganze Kleid der Kinder Gottes und hält alles zusammen (vgl. 1.Joh 4,19).

Vers 15-17: Paulus schließt diesen Abschnitt ab, indem er noch einmal die Ewigkeitsperspektive in den Blick rückt. Leben als Christ darf leben im Frieden Christi sein, der unser Leben neu gemacht hat, der uns in seine Nachfolge berufen hat. Diese Realität, dieser wunderbare Frieden, soll in unserem Leben zu einer tiefen, echten Dankbarkeit führen, die immer wieder neu dadurch entfacht werden kann, dass wir auf das hören, was Gott in seinem Wort sagt, indem wir uns als Christen gegenseitig lehren, ermahnen und trösten. All dies soll dazu führen, dass unser Herz mit dem Lob Gottes erfüllt ist.

Vers 17 stellt dann nochmal heraus, wie umfassend diese geistliche Ausrichtung sein soll. Es geht nicht nur um einzelne geistliche Stunden am Tag oder in der der Woche. Das ganze Leben eines Christen soll im Namen Jesu gelebt werden, in der Dankbarkeit Gott gegenüber.

2.2 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Krimmer, Heiko. Kolosserbrief (Edition C Bibelkommentar)
  • Reinecker, Fritz. Der Brief des Paulus an die Kolosser (Wuppertaler Studienbibel)
  • Moo, Douglas. The letters to the Colossians and to Philemon (Pillar New Testament Commentary)

3 Erklärungen zum Thema (Einander vergeben)

3.1 Einander vergeben – Welche Folgen hat es, wenn wir uns daran orientieren?

  • Vergebung ist eines der zentralen Themen, das sich durch die ganze Bibel hindurchzieht. Seitdem Sünde in dieser Welt ist, ist die Frage der Vergebung für uns Menschen absolut existenziell. Das betrifft natürlich zuerst die Frage der Vergebung durch Gott im Blick unsere Rettung, aber Vergebung betrifft auch ganz zentral den Umgang von Menschen untereinander, die seit dem Sündenfall immer wieder aneinander schuldig werden.
  • Als Kinder Gottes haben wir erlebt, was es bedeutet, dass Gott uns vergibt. Jesus Christus hat die Strafe für unsere Schuld am Kreuz getragen, und Gott schenkt allen Vergebung, die an Jesus Christus glauben, die ihre Hoffnung auf Rettung allein auf Jesus setzen. In 1.Joh 1,9 lesen wir, dass die Verheißung der Vergebung all denen gilt, die Gott ihre Sünde bekennen.
  • Auch im Miteinander unter Christen werden wir immer wieder in Situationen kommen, in denen Vergebung ganz zentral wird. Als Petrus Jesus fragt, wie er mit einem Bruder umgehen soll, dem er schon zum wiederholten Male vergeben hat, fordert Jesus auf mit dem Vergeben einfach nicht aufzuhören (Mt 18,21ff).
  • Für das Miteinander in der Gemeinde ist Vergebung deshalb so wichtig, weil nur so gestörte Beziehungen wieder in Ordnung kommen können, weil nur so die Liebe untereinander wieder wachsen kann.
  • Durch gelebte Vergebungsbereitschaft zeigen wir auch, dass die Gnade, die wir von Gott erfahren haben, auch unser menschliches Miteinander prägt.
  • Gelebte Vergebungsbereitschaft ermöglich es Menschen auch mit ihrer Schuld gegenüber Menschen abzuschließen und neu anzufangen.
  • Gemeinde kann so immer mehr zu einem Ort des echten Friedens werden.

3.2 Einander vergeben – Was sind die Konsequenzen, wenn wir uns nicht daran orientieren?

  • Ohne Vergebungsbereitschaft wird es in der Gemeinde unweigerlich zu Streit, und zu verhärteten Fronten kommen.
  • Gestörte Beziehungen werden eben nicht in Ordnung gebracht und geheilt, sondern nur unter einem Deckmantel des Schweigens verborgen.
  • Mangelnde Vergebungsbereitschaft hat ein großes Potential die Einheit der Gemeinde zu zerstören und sogar zu Spaltungen von Gemeinden zu führen.
  • Am schlimmsten erscheint mir aber, dass Jesu Charakter ohne Vergebungsbereitschaft in der Gemeinde nicht sichtbar wird und so die Gemeinde eben kein Licht für die Welt, kein Zeugnis für Jesus ist.

3.3 Einander vergeben – Worin liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

  • Als Petrus Jesus fragte, wie oft er seinem Bruder vergeben soll, zeigt er uns eine der großen Schwierigkeiten beim Vergeben. Wir tun uns alle so schwer damit, wenn ein anderer Mensch immer wieder an uns schuldig wird. Unsere Geduld ist immer wieder so schnell am Ende.
  • Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass Menschen die Vergebungsbereitschaft ausnützen können und nur die Vergebung annehmen, ohne zu einer Verhaltensänderung bereit zu sein. Hier müssen wir sehen, dass zu echter Vergebung auch gehört, dass Schuld klar als solche angesprochen werden muss und dass auch echte Reue und Buße zum „einander vergeben“ dazugehört.

3.4 Einander vergeben – Wie geht unsere Gesellschaft damit um?

  • Wenn man unsere Gesellschaft betrachte, kann man einen sehr ambivalenten Umgang mit Vergebung erkennen. Auf der einen Seite sehen wir, dass Vergebung sehr stark gefordert wird, vor allem dann, wenn es um die eigenen scheinbar kleinen Fehler und Vergehen geht.
  • Auf der anderen Seite finden wir aber auch eine große Gnadenlosigkeit in der Art und Weise, wie über Menschen geurteilt wird, wie sie z.T. medial an den Pranger gestellt werden.
  • Gerade, wenn Unglücke geschehen, ist der Aufschrei oft groß, und man sucht Verantwortliche, oder Sündenböcke, die für das, was geschehen ist, die Verantwortung übernehmen sollen.
  • Die geistliche Tatsache, dass wir alle Sünder sind, die Gottes Vergebung brauchen, wird leider von vielen Menschen abgelehnt oder ignoriert, was dazu führt, dass viele Menschen nie erfahren, was ewige, echte Vergebung wirklich bedeutet und damit auch nicht aus dieser Vergebung leben können.

4 Veranschaulichungen

4.1 Einander vergeben – Wie hat Jesus uns Vergebung vorgelebt?

  • Jesus ist das größte Vorbild für Vergebungsbereitschaft. Jesus fordert nicht nur dazu auf, einander zu vergeben, er hat es auf wunderbare Weise vorgelebt. Als Jesus am Kreuz hängt und von den Menschen aufs Übelste verspottet wird, bittet er: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun (Lk 23,34).
  • Auch die Art, wie Jesus mit Petrus vor der Kreuzigung und nach der Auferstehung umgeht zeigt, wie wunderbar Jesus vergibt (vgl. Lk 22,31-34; Joh 21,15-19).

4.2 Einander vergeben – Welche weiteren Beispiele finden wir in der Bibel?

  • Im Alten Testament ist die Geschichte von Josef nicht nur ein wunderbares Beispiel für Gottes Führung und Versorgung. In Josef und dem Umgang mit seinen Brüdern sehen wir auch einen Menschen, der echte Vergebungsbereitschaft gelebt hat.
  • Auch die Art und Weise, wie Paulus durch die Christen in Damaskus oder Jerusalem aufgenommen wurde, zeigt Vergebungsbereitschaft. Sie haben natürlich gerungen, wie sie sich gegenüber dem ehemaligen Verfolger verhalten sollen, aber sie haben Paulus wirklich in ihrer Mitte aufgenommen.
  • Der Philemonbrief ist ebenfalls ein wichtiges Dokument für das Thema Vergebung. Paulus tritt für Onesimus, den entlaufenen Sklaven ein und fordert Philemon auf, seinen Sklaven wirklich von Herzen als einen Bruder anzunehmen.
  • In 2.Kor 2,5ff fordert Paulus die Gemeinde in Korinth auf, einen Bruder, der von seiner Schuld umgekehrt ist, wieder von Herzen aufzunehmen, ihm zu vergeben und ihn wieder zu ermutigen.

4.3 Einander vergeben – Was lehrt uns das über die Gemeinde?

  • Gemeinde ist völlig abhängig von der Gnade Gottes. Alle Christen sind „Gnadenkinder“, die durch die Vergebung mit Freimut zum Thron der Gnade Gottes können.
  • Diese empfangene Gnade muss auch das Miteinander der Gemeinde prägen. Gerade durch das Gleichnis vom undankbaren Knecht in Mt 18 zeigt uns Jesus, dass fehlende Vergebungsbereitschaft überhaupt nicht zu einem Leben von uns Kindern Gottes passt.

5 Anwendung

5.1 Wie werden wir von Jesus ausgerüstet, um einander zu vergeben?

  • In Kol 3 schließt uns Paulus den Zusammenhang sehr deutlich auf. In Christus dürfen wir ein neues Leben haben. Ein Leben, das nur deshalb möglich ist, weil Gott uns unsere Schuld vergeben hat. Ein entscheidendes Kennzeichen des neuen Lebens, das durch den Heiligen Geist in uns gestaltet wird, ist die Bereitschaft zu Vergebung.
  • Sowohl im ‚Vater unser`, wie auch in Kol 3,14 wird der klare Zusammenhang hergestellt, zwischen der Vergebung Gottes für uns, die zuerst geschieht und unserer Vergebungsbereitschaft unseren Mitmenschen, besonders Mitchristen gegenüber.

5.2 Was sollen wir in unserem Leben unternehmen?

  • Gerade wenn es um Vergebungsbereitschaft geht, brauchen wir immer wieder Klarheit darüber, wer wir sind. Wir sind Menschen, die Jesus, in seiner Gnade aus der Macht der Sünde gerettet hat. Er hat uns die Schuld vergeben und uns ein neues Leben geschenkt. Wir leben aus der Gnade Gottes.
  • Wir müssen uns bewusst machen, wie viel Jesus auf sich genommen hat, um uns vergeben zu können. Seine Worte der Vergebung, die er am Kreuz gesprochen hat, sollten wir regelmäßig intensiv bedenken.
  • Wir dürfen und sollen in der Kraft Gottes Vergebung zusprechen, wenn Menschen an uns schuldig geworden sind. Auch dabei soll uns die Zielrichtung leiten, die Paulus uns in Kol 3 vergibt. Wir sollen das suchen, was droben ist, also was für die Ewigkeit relevant ist.

6 Sagen, wo es hingeht

6.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Hörer sollen dazu ermutigt werden, ganz bewusst aus der Gnade Gottes zu leben, und durch den Blick auf diese Gnade ermutigt werden, selbst anderen von Herzen zu vergeben.

6.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Einander vergeben

6.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

1. Die Basis für echte Vergebung: Ein neues Leben aus Gottes Gnade (Kol 3,1-3; 9-11)

2. Das Beispiel für echte Vergebung: Jesus am Kreuz (Lk 23,34)

3. Echte Nachfolge in der Vergebung: Wir wollen anderen gerne vergeben (Kol 3,13; Mt 6,12-15; Mt 18,35)