Jahresthema: Für ein gutes Mit-EINANDER.
Monatsthema: Römerbrief – Glauben mit gutem Grund
Predigtthema: Neues Leben: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Unter Umständen kann sich auch mal der Blick in eine englische Übersetzung lohnen, weil auch in modernen deutschen Übersetzungen manchmal „fromm-deutsche“ Begriffe benutzt werden, die im Englischen viel direkter und „normaler“ übersetzt sind.
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Nachdem es in Römer 1-5 um die Problematik der Sünde (alle Menschen sind Sünder, Juden wie auch der Rest) und die Lösung dieses Problems ging (Rechtfertigung aus Glauben an das Evangelium von Jesus Christus), deren prominentes Beispiel (Abraham) eingeführt wurde und Jesus als Retter vorgestellt wurde (Umkehrung des Sündenfalls, Röm 5), sind wir am letzten Sonntag eingestiegen in das neue Thema, welche Konsequenzen sich daraus für ein Leben als Christ ergeben.
In der vorletzten Predigt (Römer 6,1-7,6) zeigte die Bibel auf, dass ein Christ ein neuer Mensch ist, der auch anders lebt. Er ist frei von der Sünde und damit frei, Gott zu dienen. Christen können nicht einfach weiter machen wie bisher, denn sie leben jetzt für Jesus.
In der letzten Predigt (Römer 7,7-8,16) ging es um die Bedeutung des Gesetzes und wie Christen nach dem Willen Gottes leben können. Wie müssen wir Christen das Gesetz verstehen und wie leben wir damit? Wie können Christen ein Leben führen, das Gott gefällt? Der Abschnitt wird uns zeigen, dass das nur durch den Heiligen Geist möglich ist.
Im heutigen Abschnitt (Römer 8,17-39) redet Paulus über den „Alltag“ in der gefallenen Welt. Es geht um leidende Christen, die in einer leidenden Schöpfung leben. Beide, Christen und Schöpfung, haben jedoch die große Hoffnung am Ende der Zeit erlöst zu werden. Dadurch, dass sie lernen nach vorne zu schauen, können sie bestehen. Und bis dahin stehen sie unter dem Schutz und der Liebe Gottes.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Bevor ich mit dir etwas in die Details zum Text gehen will, möchte ich dich einladen, den Text erst einmal in aller Ruhe zu lesen. Am besten, du liest den Text einmal in der Luther-/Elberfelderübersetzung und danach in einer neueren Übersetzung (Ich empfehle Neue Genfer Übersetzung (NGÜ), oder Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ)). Ich persönlich mache es meistens so, dass ich den Text ausdrucke und beim Lesen schon ein paar Anmerkungen, Unterstreichungen oder Fragezeichen mache. Das hilft mir dann, den Text besser zu verstehen und ich bin fokussierter auf den Gedankengang des Textes.
Gute Hilfen in der Vorbereitung leisten folgende Dinge:
* MacArthur Studienbibel -> ist sehr zu empfehlen, da sie sehr bibeltreu ist und sogar gratis (www.sermononline.de) als pdf zur Verfügung steht.
* Die Ryrie-Studienbibel -> nicht ganz so umfangreiche Textkommentierung wie die von MacArthur, aber kann ergänzend mit hinzugezogen werden.
* https://dasbibelprojekt.visiomedia.org/ Hier findest du kurze Videoclips über den Römerbrief. Diese helfen einen Gesamtüberblick über den Brief zu bekommen.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Wichtig für das Verständnis des Textes ist der Blick für „das Ganze“ zu behalten. Wo kommt Paulus her und wo will er hin. Was wir in der Bibel und vor allem im Römerbrief sehen ist, dass Christsein keine Verhaltensveränderung, sondern eine Wesensveränderung ist. Jesus hat mich grundlegend neu gemacht. Diese Neuschöpfung verändert mein Leben und wirkt sich aus. Natürlich gibt es dann durch die Wesensveränderung (Status) nach und nach eine Verhaltensveränderung (Performance, bibl. Heiligung), die nach außen sichtbar sein muss. Damit verbunden ist dann die spannende Frage: Wie lebe ich als Christ? Paulusbeantwortet diese Frage in Kapitel 8,1-17. Christen leben aus der Kraft des Heiligen Geistes.
Zusätzlich müssen wir uns folgender Frage stellen: Was erlebe ich als Christ? Christen leben in einer gefallenen Welt! Sie leiden, mitunter sehr stark aufgrund ihres Glaubens und aufgrund ihrer eigenen Schwachheiten. Deswegen braucht es den Blick nach vorne. Es braucht die Gewissheit, auch und gerade im Leiden und im eigenen Versagen, dass Gott, der liebende Vater, einen durchatragen wird bis zum Ziel.
Hoffnungsvolles Leiden (V18-27):
Paulus endet im vorherigen Abschnitt in V17 mit dem Zusammenhang von jetzigem Leiden und kommender Herrlichkeit. Die Bibel redet sehr offen über des Thema Leid. Menschen, die zu Jesus Christus gehören, sind Kinder Gottes. Sie leben in der Gemeinschaft mit ihrem HERRN Jesus (1Kor 1,9). Das heißt aber nicht, dass Jesus ihnen mitunter auch manches Schwere zumutet. Nicht umsonst redet König David im bekannten Psalm 23 davon, dass manchmal der Lebensweg auch durchs „Tal der Todesschatten“ geht. Auch Paulus enthält uns diese Wahrheit nicht vor. Christen leiden. Christen leiden zunächst immer um des Evangeliums willen. Paulus schreibt in seinem zweiten Brief an Timotheus, dass jeder, der gottesfürchtig lebt, Verfolgung ertragen muss (2Tim 3,12). Petrus redet in seinem 1. Brief über das Feuer der Verfolgung, das uns Christen nicht befremden sollte. Im Gegenteil!
„Sondern freut euch, insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, damit ihr euch auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freut! Wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet, glückselig ⟨seid ihr⟩! Denn der Geist der Herrlichkeit und Gottes ruht auf euch.“ (1Petr 4,13-14)
Leid um Jesu Willen gehört zum Leben eines Christen genauso dazu, wie das Erleben der Herrlichkeit in Ewigkeit. Deswegen betrachtet die Bibel Leid ganz oft in Verbindung mit der kommenden Herrlichkeit. Jesus selbst ist das große Vorbild. Was sagte er dem Emmaus Jüngern auf dem Weg nach Galiläa? „Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen?“ (Lk 24,26)! Durch Leiden geht also der Weg von Jesus zur Herrlichkeit und unserer übrigens auch!
In Apg 14,22 heißt es: „Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und ⟨sagten⟩, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen.“
Deswegen ist es wichtig, dass wir über das Leid offen reden. Paulus geht davon aus, dass Leid zur Nachfolge Christi dazugehört. Aber irdisches Leid muss immer in Relation zur kommenden Herrlichkeit gesehen werden. Und da gilt das, was wir in Vers 18 lesen: „die Leiden der jetzigen Zeit fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit nicht ins Gewicht.“ (Siehe auch Mk 10,39-30; 2Kor 4,17-18; 1Petr. 5,10)Man kann hier auch übersetzen: Sie stehen in keinem Verhältnis. Die Herrlichkeit, auf die Christen zugehen, wird alles Leiden in dieser Welt mehr als aufwiegen. Wichtig: Es gibt Leid in der jetzigen Zeit und oftmals wenig Herrlichkeit. Das sollte uns Christen nicht verwundern, sondern es entspricht der Realität. Aber: Die Herrlichkeit ist für Christen bereits jetzt ein mit Sicherheit kommende Realität. Die Abfolge in Vers 30 macht das deutlich. Wer an Jesus glaubt und ein neuer Mensch ist, der steht in einem automatisch ablaufenden Prozesse, der in der Herrlichkeit Gottes endet. Deswegen sollten Christen Leiden um Jesu-willen „fröhlich“ ertragen, weil sie um das Zukünftige wissen. Ein schönes ergänzendes Kapitel ist 2Kor 1. Hier stellt Paulus uns den Gott des Trostes vor, der uns tröstet in unserem Leiden.
Interessant ist jetzt der Zusammenhang der „Schicksale“ von Schöpfung und Mensch. Paulus erläutert nun den Zusammenhang von jetzigem Leiden und zukünftiger Herrlichkeit anhand der Schöpfung. V19-22 machen deutlich, dass auch die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen wurde, sozusagen leidet und auf die Erlösung, die zukünftige Herrlichkeit wartet. Gesamtbiblisch muss man sagen, dass durch den Sündenfall des Menschen die ganze Welt von Gott der Vergänglichkeit (wörtl. Verwesung) unterworfen wurde. Die Schöpfung selber ist nicht schuld an dieser Unterwerfung, sondern der Mensch. Allerdings wird die Schöpfung, die ja ursprünglich für den Mensch da war, jetzt zum Gegner des Menschen wird. Sie macht ihm das Leben schwer (Folgen des Sündenfalls -> 1Mo 3,17-18). Die Schöpfung hat auch eine sehnsüchtige Hoffnung: Endlich erlöst zu werden. Römer 8,21 sagt, sie wird frei gemacht werden zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Eine erlöste, herrliche Schöpfung wartet also auf uns, wenn Jesus wiederkommt. Die Schöpfung wird dann von dieser Vergänglichkeit befreit, wenn die Söhne Gottes offenbart werden. Söhne Gottes sind die Jesusbekenner (Röm 8,14; Gal 3,26). Kol 3,3-4 redet davon, dass unser jetziges, irdisches Leben noch ein „verborgenes“ Leben ist. Erst wenn Jesus wiederkommt, dann wird auch die Herrlichkeit Gottes an uns offenbar werden. Wir werden dann nämlich verwandelt werden ebenso wie die Schöpfung um uns herum (Phil 3,21; 2Thes 2,14; 1Joh 3,2).
Nachdem Paulus in V19-22 die Situation der Schöpfung und ihre Leiden beschrieben hat, wendet er sich der Situation der Jesusleute in V23-25 zu. V23 beschreibt den Alltag als Christ (der den Geist Gottes hat = „Erstlingsgabe des Geistes“) als ein „seufzen in uns selbst“. Christen stecken eben noch im „Alten“, in ihrem vergänglichen Leib. Deswegen ist das Leben als Jesusnachfolger oftmals beschwerlich. Es ist ein ständiger Kampf gegen das alte Ich, der auch Niederlagen kennt. Wir wissen um unsere Schwachheiten, unsere „grauen Flecken“, unser Versagen. Je älter man wird, desto mehr sehnt man sich nach der Erlösung! Man wünscht sich förmlich den Tag herbei, an dem unser HERR unseren Leib der Schwachheit umgestalten wird (Phil 3,21). Dieser Vers sollte uns „bodenständig“ halten in unserer Jesusnachfolge. So lange die Wiederkunft Jesu noch aussteht, wird das Leben in der Nachfolge auch von Schwäche, Versagen und Seufzen geprägt sein. Jedoch das Wissen um diese noch anhaltenden Schwächen sollten uns je älter je mehr freuen lassen auf den Himmel und die Erlösung unseres Leibes herbeisehnen lassen. Hier empfehle ich 2Kor 5,1-10 zu lesen.
V24 macht deutlich, dass unsere Erlösung eine 2-stufige ist. Zunächst wird unser Inneres belebt. Der Geist Gottes zieht in uns ein (Eph 1,13). Das ist sozusagen unsere Anzahlung (je nach Übersetzung auch Unterpfand/Angeld in 2Kor 1,22; 5,5; Eph 1,14) auf das, was noch kommen wird, nämlich komplette Verwandlung in den neuen Menschen mit neuem Leib. Aber bis dahin steckt sozusagen der Keim des Neuen im Alten und hofft auf den Tag der Umgestaltung (1Kor 15,51-53; 1Thes 4,13-17). Die Bibel macht immer wieder klar: Wir leben im Glauben und nicht im Schauen (2Kor 5,7). Deswegen ist unser Leben geprägt von der Hoffnung auf das, was kommt. Und diese Hoffnung, so Vers 25, soll geprägt sein mit „Ausharren“. Wörtl. bedeutet der Begriff „darunterbleiben“. Christen dürfen unter dem bleiben, was Gott ihnen zumutet. Manches Leid, das uns widerfährt. Manches Alte in unserem Leben, das noch sehr an den alten Menschen erinnert. Die Hoffnung auf die vor uns liegende Herrlichkeit lässt uns diese Dinge ertragen.
In V26-27 schwenkt der Blick von Paulus weg von den vergänglichen Dingen und den Leiden in dieser Welt hin zur festen und beständigen Größe in der Jesusnachfolge – den Geist Gottes. Er ist ein weiteres Argument, warum die Leiden der jetzigen Welt nicht ins Gewicht fallen. Es tut gut, dass sich gerade der Heilige Geist um unsere Schwachheiten kümmert. Er möchte ja die Kraftquelle unseres Lebens sein (siehe Röm 8,1-17). Wie gut lesen sich diese Verse, dass er sich für uns verwendet, für unsere Kommunikation mit unserem Vater im Himmel. Gebet ist nicht immer eine einfache Sache. Viele empfinden es als schwierig. Wer kennt das nicht, dass er sich Zeit für Gebet nimmt und dann nicht weiß, was er beten soll. Und bei dem Wenigen, was wir zu Beten wissen, steht oft das wie im Raum. Der Heilige Geist ist der große Übersetzer unserer Gebete. Er weiß ja ganz genau, wie es in unserem Herzen ausschaut (V27). Und er setzt sich für uns im Sinne Gottes ein. Was für ein Trost.
Nachdem es in den Versen 18-27 um ein hoffnungsvolles Leiden ging, schwenkt jetzt der Blick weg vom leidenden Menschen in einer leidenden Schöpfung hin zu Gott! Lag der Fokus in den Versen 18-27 auf der Zukunft (Hoffnung auf die Herrlichkeit), so schwenkt der Blick auf das hier und jetzt. Christsein ist eben nicht ausschließlich eine Vertröstung auf das Jenseits, sondern hat sehr wohl sein Fundament im Jetzt, nämlich in Gott.
Standhaft im Jetzt (V28-39):
Dieser Abschnitt rückt plötzlich das Leiden der jetzigen Zeit beiseite und zeigt uns Gott! Für Jesusleute (die, die Gott lieben, die mit ihm leben, der Vater im Himmel er geworden ist) eröffnet sich im Moment der Adoption in die Familie Gottes ein völlig neuer Horizont, eine völlig neue Sichtweise des Lebens. Wir dürfen in diesem Abschnitt unser irdisches Leben durch die Brille Gottes sehen. Es ist enorm, was in diesen Versen alles an Inhalt steckt. Das, was alles umspannt, ist ein Gott, der seine Kinder unendlich liebt. Liebe (gr. agape) ist kein Gefühl oder Gedanke, sondern eine Tat. Wenn Gott uns Menschen liebt, dann tut er was. Und wenn Gott seine Kinder liebt, dann wirkt sich das aus. Diese Auswirkungen sind in diesen Versen beschrieben.
V28: Weil Gott seine Kinder liebt, ist es eine unumstößliche Wahrheit („wir wissen aber…“), dass er alle Dinge in deren Leben gebrauchen kann und wird, damit letztlich Gutes entstehen kann. Und das gilt gerade auch im Kontext des Leidens. Selbst das Leiden kann und wird Gott gebrauchen, um das Leben von Christen zum Guten zu wenden. Die Erklärung dieser Aussage steckt in dem Nachsatz „denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind.“ Diesen Vers kann man in zwei Richtungen verstehen. Zum einen deterministisch. Gott hat vor Anbeginn der Zeit festgelegt, wer dazugehören darf (also nach seinem Plan, seiner Wahl, berufen ist) und wer eben nicht. In der Theologie spricht man hier von der Prädestination, bzw. Vorherbestimmung. Heute ist diese theologische Richtung sehr stark in der reformierten Theologie zu finden und natürlich im Calvinismus. Man kann das aber genau so gut so verstehen, dass die Christen (die, die Gott lieben) die sind, die sich haben rufen lassen in den Heilsplan Gottes, der eben heißt. Glaube dem Evangelium von Jesus Christus. In dem Wort „berufen“ (siehe Wortbedeutung). Es war der Plan Gottes, sein ewiger Vorsatz, die Menschen durch den Sühnetod Jesu zu retten. Christen sind die Gruppe von Menschen, die sich dazu haben rufen lassen.
Letztlich muss man diese Frage Gesamttheologisch beantworten, also die ganze Bibel im Blick haben. Für den Inhalt unseres Abschnitts tut weder diese noch jene Position einen Abbruch. Christen sind im Plan Gottes. Sie sind in der Spur Gottes. Sie sind auf dem Weg, der ans Ziel führt. Deswegen lässt Gott alles zum Guten mitwirken.
V29 -30
Dieser Verse erläutern uns eine Kettenreaktion, eine Abfolge, die für Jesusleute gilt. Zu beachten ist, dass diese in der Vergangenheit stehen, obwohl (egal welche theologische Position wir vertreten) alle mit Sicherheit aus irdischer Perspektive noch nicht real sind. Für Gott aber schon. Weil sie so sicher sind, wie das Amen in der Kirche.
Die Liebe Gottes setzt sie in Bewegung. Es ist eine Abfolge von Realitäten, die uns Christen Heilsgewissheit geben. Und sie haben ihren Grund alleine in Gott. Weil Gott vor Anbeginn der Zeit seinen Heilsplan festgelegt hat, kommt jeder, der in diesem Heilsplan integriert ist, am Ziel an. Und das gilt übrigens unabhängig davon, ob ich theologisch vertrete, dass Gott mich völlig unabhängig von mir in diesen Heilsplan integriert hat, im Sinne eines prädestinativen Ansatzes (Calvinismus, Vorherbestimmung) oder ob ich vertrete, dass der Mensch dem Rufen Gottes antworten muss damit er in diesen Heilsmechanismus integriert wird. Die, die zur Familie Gottes gehören, haben ein geniales Ziel, eine geniale Bestimmung: Sie werden dem Sohn Gottes gleichförmig sein. Biblisch müssen wir sagen, dass das zweifach zu verstehen ist. Zum einen ist das ein irdisches Ziel/Vorgabe für jeden Gläubigen – Jesus ähnlich zu werden. Davon reden viele Bibelstellen (u.a. Röm 12,2: 2Kor 3,18). Die Bibel gebraucht die Begrifflichkeit der Heiligung. Zum anderen ist es eine himmlische Realität. Kein Mensch wird auf dieser Welt dem Wesen Jesu entsprechen. Das wird erst im Himmel der Fall sein, wenn wir umgestaltet werden. Egal, was ich in dieser Welt für Schwächen an mir registriere. Es kommt die Zeit, da werden diese abgetan sein. Was für eine geniale Sache. Und das liegt nicht an mir und meinem Willen, sondern an Gottes Willen, seinem Beschluss.
Wer sind diese Leute? Es sind die, die Gott berufen (rufen) hat. Kein Christ kann sagen, dass Gott ihn nicht gerufen hat. Gottes Ruf ergeht in die Welt und hat seinen Anfang im Garten Eden: Adam, wo bist du? Den Ruf per se gibt Jesus in Mt 11,28: Kommt her zu mir alle…. Deswegen ist jeder Christ ein Berufener, da er dem Ruf Gottes gefolgt ist. Er ist kein Zufallsprodukt, sondern es ist der Wille Gottes. Diejenigen, die also jetzt in diesem Heilsmechanismus/Heilsabfolge drinstecken, gilt auch: sie sind gerechtfertigt. Ihnen wurde die göttliche Gerechtigkeit zugesprochen. 2Kor 5,21 bringt das sehr gut zum Ausdruck. Jesus Christus wechselt mit uns die Plätze. Er nimmt meine Sünde und ich bekomme seine göttliche Gerechtigkeit. Das letzte Glied in der Kette ist die Verherrlichung. Auch das gilt für Jesusleute. Sie haben die Garantie einmal in der Herrlichkeit Jesu zu sein, völlig umgestaltet zu werden. Das steht zweifelsohne noch aus. Aber in den Augen Gottes ist das längst Realität. Deswegen kann er es hier in der Vergangenheit sagen.
Diese Abfolge sollte uns in der Tat ins Staunen und in die Anbetung führen. Das zeigt uns sehr deutlich die Liebe Gottes, die dafür sorgt, dass wir am Ziel ankommen.
V31 bringt es auf den Punkt! Was gibt´s da noch zu sagen: Dieser Gott hat sich durch Jesus Christus auf unsere Seite gestellt. Wir gehören jetzt zu ihm. Kann es noch jemand geben, der gegen uns ist? Natürlich mag es noch jemand geben, aber erscheint der im Angesicht des großen Gottes auf meiner Seite zu einem Zwerg, einer echten Witzfigur?
In den Versen 32-34 bringt Paulus nochmals Gründe, warum Gott für uns ist.
V32: Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont. Gott hat das Kostbarste, was er hatte in die Waagschale geworfen: Seinen geliebten Sohn Jesus Christus. Und weil Gott das tat ist klar: Er wird uns alles schenken, was wir brauchen.
V33: Gott hat uns gerechtfertigt. Durch den Sühnetod Jesu am Kreuz und unseren Glauben an ihn sind wir gerechtfertigt. Wenn wir also in den Augen Gottes, des Weltenrichters, für gerecht erklärt werden, wer bleibt denn dann noch übrig, der dieses Urteil anfechten könnte? Antwort: Niemand!
V34: Jesus ist an unserer Stelle gestorben und auferweckt worden. Er sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns dort. Er hat den Fluch getragen, den wir verdient hätten (Gal 3,13). Er hat die Strafe getragen, die wir hätten bekommen sollen (Jes 53,5)! Es bleibt damit also keine Verdammung mehr für uns! Jegliche Konsequenz unserer Sünde hat Jesus bezahlt.
Die Verse 35-39 reden wie kein anderer Abschnitt in der Bibel von der Gewissheit des Heils, das wir durch Jesus Christus geschenkt bekommen haben. Weil Gott für uns ist und er uns alles schenken möchte. Weil wir gerecht gemachte sind, deren Strafe vollständig bezahlt wurde. Deswegen kann uns niemand mehr scheiden von Jesus Christus! Die Bibel verwendet mehrere Bilder für die Beziehung von Jesus zur Gemeinde, die diese untrennbare Verbindung beschreiben. Zum einen sind wir der Leib Christi. Wir gehören also zu Jesus dazu! Wir hängen an ihm dran. In Vers 35b zeigt Paulus uns alle möglichen irdischen Dinge auf, die uns trennen könnten. Aber das Fazit ist klar. Nichts davon kann uns trennen. Nicht Bedrängnis, Angst, Verfolgung, Hungersnot, Blöße, Gefahr oder Schwert. Hier sind mitunter Dinge dabei, die uns durchaus Angst machen können. Wer weiß denn schon, ob er unter Verfolgung am Herrn bleiben wird? Also ich nicht! Aber das ist gar nicht entscheidend, denn unser HERR hält uns in all diesen Dingen ganz fest.
Und ja, Christen müssen in der Welt mitunter sehr stark leiden und ihren Glauben mit dem Leben bezahlen, so wie wir es in Vers 36 lesen, einem Zitat aus Ps 44,23. Aber gerade in solchen Extremsituationen gilt die Zusage: Nichts kann uns trennen!
Wenn also keine irdischen Dinge uns trennen können, was ist dann mit dem „Außerirdischen“? Geht nicht der Satan umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge (1Petr 5,8)? Müssen wir uns nicht davor fürchten und hoffen, dass er uns nicht verschlingt? Für all diese Dinge gilt, dass Christen durch ihren HERRN Jesus Überwinder sind. So steht es in Vers 37. Weil er die Welt überwunden hat (Joh 16,33), können wir durch ihn zu Überwinder werden. Deswegen kann uns keine Macht der Welt den Armen Jesu entreißen. In Vers 38 benutzt Paulus einen sehr starken Begriff. „Ich bin überzeugt“. Es gibt keine Macht in diesem Kosmos, die der Macht Jesu etwas entgegenzusetzen hätte. Er ist ja der, dem alle Macht gegeben ist nach Mt 28,18!
Was für triumphale Sätze, die die Bibel uns hier zusagt! Wer an Jesus glaubt, hat Anteil an seinem Sieg. Er hat eine Garantie, sicher im Himmel anzukommen. Das sollte uns unendlich dankbar machen.
Thema Vorherbestimmung/Prädestination:
Ist nur als Zusatz gedacht und kann auch ausgelassen werden!
Dieses „heiße Eisen“ wird in unserem Abschnitt in Vers 28-30 thematisiert. Es ist in der Kirchengeschichte rauf und runter diskutiert worden. In der heutigen Zeit stelle ich leider fest, dass diese Thematik eher spaltende als erbauende Kräfte entwickelt. In manchen Kreisen wird man zuerst gefragt, ob man Calvinist (glaubt an die souveräne Vorauswahl Gottes) oder Armenianer (freier Wille) ist, bevor man gefragt wird, ob man Christ ist. Ich plädiere sehr stark dafür, diese Thematik nicht zum Dreh- und Angelpunkt der Lehre zu machen und es auch in diesem Abschnitt nicht zum Hauptpunkt zu machen. Egal welche Position man in dieser Diskussion vertreten mag, ob rechts oder links außen oder gar eine Mittenposition (sowohl also auch), für den theologischen Ertrag von Römer 8,28-30 ist es irrelevant. Unsere Heilssicherheit und Heilsgewissheit liegen bei Gott. Das sollten wir hier predigen. Und das macht uns unendlich entspannt und lässt uns Gott loben.
Zum Thema selbst möchte ich überhaupt nicht sagen, dass ich es schon begriffen habe. Ich halte mich bei diesem Thema (wie auch bei vielen anderen) an das, was Paulus in Phil 3,12 sagt: „Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet bin; ich jage ⟨ihm⟩ aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen bin“.
Ich stelle fest, dass dieses Thema (wie auch andere, z.B. die Dreieinigkeit Gottes) an meine denkerischen Grenzen stößt. Ich meine biblisch zu entdecken, dass Gott Dinge zusammenbringen kann, die mir schwerfallen. Gott kann souverän sein und dem Menschen trotzdem einen (freien?) Willen lassen. Kann Gott erwählen und kann er das mit der „Berücksichtigung“ der Entscheidung des Menschen tun? Passt denn eine Vorauswahl, eine Vorherbestimmung mit einem Gott der Liebe zusammen? Heißt es nicht auch in 1Kor 13,7: „Sie (die Liebe) erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“ Erduldet und erträgt nicht Liebe auch, abgelehnt zu werden? Ich möchte an dieser Stelle auf einen Artikel aus der KFG Zeitschrift (Konferenz für Gemeindegründung) Nr 141 aus dem Jahr 2020 verweisen. Hier sagt der bereits verstorbene Theologe A.W. Tozer in seinem Buch „The Attributes of God. Christian Publications, 2003, ISBN: 978-0875099880, S.149-150 “ folgendes:
Die Problematik des freien Willens versus Gottes Souveränität kann in dieser Weise erklärt werden: Gottes Souveränität bedeutet, dass er alles unter seiner Kontrolle hat, dass er alles von Anfang an geplant hatte. Der freie Wille des Menschen bedeutet, dass er, wann immer er will, meistens die Entscheidung treffen kann, die ihm gefällt (natürlich innerhalb der Grenzen, die ihm als Mensch gesetzt sind). Der freie Wille des Menschen kann scheinbar den Ratschluss Gottes durchkreuzen und mit seinem Willen dem Willen Gottes widerstehen. Wie lösen wir diesen scheinbaren Widerspruch? In all den Jahren haben zwei Gruppen innerhalb der Gemeinde versucht, dieses Dilemma auf unterschiedliche Weise zu lösen. Die eine Gruppe betont die Souveränität Gottes und glaubt, dass Gott alles von Anfang an geplant hat, dass Gott einige auserwählt hat, die errettet werden und einige, die verloren gehen, dass Christus für diejenigen starb, die errettet werden sollten, aber er starb nicht für diejenigen, die nicht errettet werden sollten. Das glauben die Anhänger von Calvin. Auf der anderen Seite gibt es jene, die sagen, dass Christus für alle starb und dass der Mensch frei ist, eine Entscheidung zu treffen. Aber diejenigen, die die Souveränität Gottes in ausschließlicher Weise [aus calvinistischer Sicht] lehren, sagen, dass Gott nicht mehr souverän ist, wenn der Mensch in seiner Entscheidung frei ist. Denn, wenn ein Mensch eine Entscheidung treffen kann, die Gott nicht gefällt, dann kann Gott seine Pläne nicht ausführen. Ich habe darüber immer wieder nachgedacht und bin zu einer Lösung dieses Dilemmas gekommen. Ich kenne niemanden, der in Predigt oder Schrift die gleiche Theorie zum Ausdruck gebracht hat. Theologen können mich korrigieren, wenn dies falsch ist. (Ich habe dies einst in der Gegenwart von Dr. Martin Lloyd-Jones, einer großen Autorität unter britischen Theologen, gepredigt, und er hat mir nicht widersprochen; er hat nur gelächelt. Er sagte nicht, dass er dies nicht glaube, aber er hat auch nicht gesagt, dass er dies glaube!) Aber ich möchte Ihnen dies gerne weitergeben und sehen, wie Sie darüber denken. Gottes Souveränität bedeutet absolute Freiheit, oder? Gott ist absolut frei zu tun, was er tun will – überall, allezeit, in Ewigkeit. Und der freie Wille des Menschen bedeutet, dass er jede Entscheidung treffen kann, die er treffen will, selbst wenn er eine Entscheidung gegen Gottes Willen trifft. Hier prallen die Theologen aufeinander wie die Geweihe zweier Hirsche im Wald, welche sich solange winden, bis sie tot sind. Ich weigere mich, Partei für das eine oder andere Geweih dieses Dilemmas zu ergreifen! Ich sehe das so: Der allmächtige Gott ist souverän, er ist frei zu tun, was ihm gefällt. Zu den Dingen, die ihm wohlgefällig sind, gehört, dass er mir die Freiheit gibt zu tun, was ich will. Und wenn ich tue, was mir gefällt, dann erfülle ich den Willen Gottes, ich widerstehe ihm nicht, denn Gott in seiner Souveränität hat mir souverän die Freiheit gegeben, eine Entscheidung zu treffen. Selbst wenn die Entscheidung, die ich treffe, nicht diejenige ist, die Gott an meiner Stelle getroffen hätte, wird seine Souveränität darin erfüllt, dass ich meine Entscheidung treffe. Und ich kann eine Entscheidung treffen, weil der große souveräne Gott, der vollkommen frei ist, zu mir sagte: „In meiner souveränen Freiheit schenke ich dir ein wenig Freiheit. Nun ‚wähle an diesem Tag, wem du dienen willst‘ (Jos 24,15). Entscheide dich für das Gute oder Schlechte, wie es dir gefällt. Folge mir oder folge mir nicht, komme oder wende dich ab, Gehe in den Himmel oder in die Hölle.“
Ich persönlich kann sehr gut in dieser Spannung leben. In der Bibel finden wir eben beides. Gott, der erwählt in Jesus Christus (Eph 1,3), der aber den Menschen die Wahl lässt und immer wieder auch werbend auftritt.
1.4 Struktur des Abschnittes:
In den Versen 18-27 beschreibt uns Paulus, warum die Leiden der jetzigen Zeit gegenüber der kommenden Herrlichkeit nicht ins Gewicht fallen und wir eine Hoffnung haben dürfen im Angesicht von Leid, sozusagen ein hoffnungsvolles Leiden. Er gibt drei Antworten darauf:
- Weil auch die Schöpfung leidet und ihre Erlösung erwartet (V19-22)
- Weil wir Menschen die Erlösung unseres Leibes erwarten, die Sohnschaft (V23-25)
- Weil wir den Heiligen Geist haben, der sich in diese Leidenszeit für uns verwendet (V26-27)
In den Versen 28-39 geht der Fokus auf das Hier und Jetzt. Gottes Liebe ist es, die uns einen festen und sicheren Stand gibt. Paulus gibt uns die Begründung dafür, warum wir auch gerade in den Leiden Trost und Sicherheit bei Gott finden:
- Weil Christen in einem „Heilsautomatismus“ stehen (V28-30)
- Weil Gott für uns ist (V31-34)
- Weil uns nichts scheiden kann von Jesus Christus (V35-39)
Es ist ein sehr ermutigender Abschnitt, der ganz klar Gott und seine Liebe zu uns im Fokus hat. Er ist es, der das gute Werk in uns begonnen hat und es auch vollenden wird (Phil 1,6)! Er ist für uns, was kann uns da noch passieren?
1.5 Wichtige Begriffe:
Ich möchte versuchen euch ein paar Begriffe aus dem Text zu erläutern, die mir wichtig erscheinen, bzw. die sehr häufig vorkommen. Es werden bei weitem nicht alle Wichtigen sein, aber ein paar. Die Begriffe sind nach der Elberfelderübersetzung aufgelistet.
Herrlichkeit (gr. doxa): 2mal in unserem Abschnitt
Bedeutung: Ruhm, Glanz, Ehre, Strahlen. Nach Röm 3,23 etwas, was Sünder niemals erreichen. Es gehört zum Wesen Gottes. Es ist seine Ausstrahlung, etwas was ihn ausmacht. Nach 1Tim 6,16 bewohnt Gott ein unzugängliches Licht, eine andere Beschreibung für seine Herrlichkeit.
Nichtigkeit (gr. mataiotes): 1mal in unserem Abschnitt in Vers 20.
Nichtigkeit, Sinnlosigkeit, Hohlheit, Vergänglichkeit. Dieses Wort ist das gleiche, das das Buch Prediger verwendet und prinzipiell die Sinnlosigkeit eines Lebens ohne Gott beschreibt.
Liebe, lieben (gr. agape): 4mal in unserem Abschnitt, 2x als Verb, 2x als Substantiv
Beschreibt die göttliche, selbstlose, sich schenkende Liebe. Ihre Begründung und Definition hat sie letztlich im Kreuzestod Jesu für den Sünder. Diese Liebe ist immer eine handelnde und tätige Liebe. Der bekannteste Vers, der das zum Ausdruck bringt ist wohl Joh 3,16.
Vorsatz (gr. prothesis): 1mal in unserem Abschnitt in Vers 28
Vorsatz, Ratschluss, Plan, Beschluss, Absicht. Dahinter steckt der große Heilsplan Gottes, die Menschen allein aus Gnade durch seinen Sohn Jesus Christus zu retten.
Berufen (gr. kletos): 1mal in unserem Abschnitt in Vers 28
Rufen, nennen, zusammenrufen. Die Gemeinde selbst wird im NT die Ekklesia genannt, die Herausgerufenen. Dahinter steckt immer der rufende Gott und der auf den Ruf antwortende Mensch.
Vorher erkennen (gr. proginosko): 1mal in unserem Abschnitt in Vers 29
Der Begriff beschreibt uns ein Wissen im Voraus. Dahinter steht natürlich ein allwissender Gott, der genau weiß, welcher Mensch mit ihm lebt und welcher nicht. Nach Ps 139 sind alle Tage unseres Lebens schon längst klar, noch ehe einer gewesen ist. Man muss allerdings an dieser Stelle nicht verstehen, dass Gott all diese Tage festgelegt, bzw. vorprogrammiert hat. So, also ob jeder Mensch das Programm abspult, das Gott vorher programmiert hat.
2. Verstehen, worum es geht
Was gibt uns Hoffnung in diesem irdischen Leben, das geprägt ist von Leiden um des Evangeliums willen, Leiden in einer gefallenen Schöpfung, Leiden unter der eigenen Schwachheit und dem eigenen Versagen gerade auch als Kind Gottes? Die Bibel verschließt nicht den Blick für diese Realitäten des Alltags.
Das Leben als Christ ist eben nicht immer leicht und keineswegs ein ständiges Leben im Sieg!
Was hilft uns in dieser gefallenen Welt? Was gibt uns Sicherheit? Alleine Jesus Christus. Durch seinen Sieg am Kreuz dürfen wir die Hoffnung auf die Herrlichkeit bei Gott haben. Darauf leben wir zu. Aber auch im Hier und Jetzt wissen wir um Gott, unseren Vater, der uns Sicherheit und einen festen Stand gibt. Nichts und niemand kann uns die Gotteskindschaft streitig machen. Was sind das für überwältigend gute Nachrichten, die wir in unserem Abschnitt lesen.
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir befinden uns mitten in einer Reihe zum Römerbrief. In der letzten Predigt über Röm 7,7-8,17 ging es um das alte Leben im Fleisch und das neue Leben im Geist Gottes. Der Abschnitt beantwortete die Frage, wie man denn nach Gottes Willen leben kann – nur durch den Geist Gottes, der in jedem Gläubigen lebt.
In unserem heutigen Abschnitt liegt der Fokus im Alltag und der Herausforderung der gefallenen Welt. Wie gehen wir mit dem Thema Leid um? Wie kommen wir auch mit unseren persönlichen Schwächen als Kinder Gottes klar? Hier sollte der Fokus darauf gelegt werden, dass Christen mit Blick auf die Ewigkeit leben. Sie haben die Herrlichkeit Gottes als Ziel im Blick. Wie aber dieses Ziel erreichen? Es scheint so unendlich weit weg und der Weg dahin so unendlich schwer! Gott ist für uns! Weil er auf unserer Seite ist, können wir unbeschwert und völlig gelassen an seiner Hand diesem Ziel entgegen gehen. Am Ende der Predigt über diesen Abschnitt sollte immer Gottes Liebe zu uns groß rauskommen, die uns festhält und sicher ans Ziel bringt.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Der Römerbrief erklärt uns beinahe wie kein anderer Brief aus dem NT, wie wir die gesamte bibl. Geschichte zu verstehen haben. Der Sündenfall und seine Folgen im Garten Eden und seine Auswirkung auf die gesamte Menschheitsgeschichte können nur durch Christus „umgekehrt“ werden. Römer 5 bringt ja diesen Vergleich zwischen Adam und Jesus. Durch Adam wurden alle zu Sündern (Status) und durch Jesus können alle zu Gerechten werden (neuer Status) (Röm 5,19). Damit haben wir hier die theologische Erklärung von 1Mo 3,15, dem „Protoevangelium“, dem ersten Evangelium in der Bibel. Der „Schlangenzertreter“ heißt Jesus Christus und die Macht des Todes und der Sünde können nur durch den Tod des einen („der Biss in die Ferse“) zunichte gemacht werden.
Das Geheimnis, wie jetzt die sündige Natur überwunden werden kann, ist gelüftet. Weil Gott uns durch Jesus den Sieg über Tod und Sünde schenkt (1Kor 15,57), dürfen wir selber sterben und zu neuem Leben durchdringen. Dieses neue Leben ist eine geistliche Realität (Status), die sich im Alltag auswirken darf (Performance). Natürlich haben wir aktuell noch eine Zwischenzeit, die ihre Herausforderungen hat, nämlich, dass diese neue Schöpfung „noch“ im alten Leib (Bibel nennt das Fleisch) ist. Diese beiden stehen im Widerstand gegeneinander und machen das Christsein zu einem täglichen Kampf (siehe dazu Röm 8 und Gal 5). Die herrliche Aussicht ist die Wiederkunft unseres Herrn, wenn das Alte endgültig abgetan werden wird und wir komplett neu sein werden und auch dieser Kampf mit seinen Siegen, aber auch Niederlagen, vollständig in einen Sieg verwandelt werden wird.
Wir stehen heute genau an der gleichen heilsgeschichtlichen Stelle wie die Gemeinde in Rom damals. Aus diesem Grund sind alle Dinge, die Paulus in unserem Textabschnitt anspricht, 1:1 für uns heute gültig und müssen in diesem Sinne nicht übertragen werden, wie bspw. Inhalte aus dem AT.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Der Text ist relativ lang. Allerdings ist auf jeden Fall zu empfehlen, den Text komplett zu lesen. Evtl. könnte man überlegen, ob man das Thema in zwei Schritten bearbeitet und das Lesen des Bibeltextes teilt. Einmal Röm 8,18-27 unter dem Thema „Hoffnungsvolles Leiden“ und dann Röm 8,28-39 unter dem Thema „Standhaft im Jetzt“. Es ist zu empfehlen evtl. aufgrund des Verständnisses eine neuere Übersetzung zu nehmen. Zu empfehlen sind auf jeden Fall die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) oder auch die Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ). Beide wurden direkt aus dem Urtext übersetzt im Gegensatz zur Neuen Leben, Gute Nachricht oder Hoffnung für alle Übersetzung.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Wir alle wissen um die Schwierigkeiten und Herausforderungen der Nachfolge. Ist es normal, dass uns auch manches Schwere um Christi willen trifft? Ist es normal, dass wir immer noch unter unserem alten Ich leiden und vielleicht manche alte sündige Neigung nicht loswerden? Hier malt uns die Bibel kein geschöntes Bild, von wegen: „Werde Christ und dein Leben gelingt und du lebst sündlos und dir widerfährt nur menschlich Gutes.“ Nein, Christen leiden. Christen haben Probleme mit ihrem alten Ich. Sie stehen im Kampf und manchmal gewinnt die alte Natur. Die Sehnsucht nach einer kompletten Erneuerung ist doch da. Hier müssen wir zwingend die Aussicht nach vorne predigen. Wir gehen der Herrlichkeit Gottes entgegen, in der auch wir dank Gott, herrlich sein werden. Das wird so genial sein, dass all das Schwierige hier vergessen sein wird. Aber Christen können auch im Hier und Jetzt standhaft leben, weil sie wissen: Gott ist für uns! Seine Liebe trägt uns durch diese schwierigen Zeiten durch. Sie sind untrennbar mit Jesus verbunden und haben die absolute Gewissheit in der Herrlichkeit anzukommen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
(Vorschlag)
Ich mache dir hier ein paar Themenvorschläge:
„Neues Leben: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi“ Textplan Christusbund
„Durch Leiden zur Herrlichkeit“
„Leben auf sicherem Grund“
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Hoffnungsvolles Leiden (V18-27)
Christen sind keine Übermenschen, sondern stecken in der gefallenen Welt. Auch sie haben ihre Herausforderungen und Leiden in dieser gefallenen Welt. Hier sollte das Thema Leid angesprochen werden. Allerdings sind die Leidensrubriken, die uns der Text gibt folgende: Von V17 herkommend geht es um ein mitleiden mit Christus in V18, also ein Leiden, weil wir zu Jesus gehören. Da die Schöpfung der Nichtigkeit/Vergänglichkeit unterworfen und auch leidet (V19-22), haben auch wir in dieser Schöpfung zu leiden. Folgen des Sündenfalls, harte Arbeit, Krankheit, Geburt etc. Die dritte Leidensrubrik befasst sich mit dem Leiden in uns selbst, dem alten Leib (V23). Seinen Schwächen, seinen Unvollkommenheiten, seinem Versagen. All diese Dinge erleben wir ja als Christen, die wir Jesus liebhaben und doch immer wieder entdecken: Hier habe ich versagt. Dort bin ich der Versuchung erlegen. All diese wiegen schwer und machen unseren Alltag als Christen nicht immer leicht. Hier sollten wir wirklich Klartext reden, dass Christsein ein tägliches Kreuz tragen ist (Lk 9,23). Aber, der Text führt uns nicht in Selbstmitleid, sondern Gott weitet uns hier den Blick auf das, was kommt. Die Herrlichkeit Gottes. Wie sieht diese aus? (Offb 21) Warum sollte ich mich danach sehnen? Diese Fragen müssen wir beantworten in der Predigt. Das, was kommt, wird alles Schwierige im Hier und Jetzt vergessen lassen. Beispiel sollte an dieser Stelle Jesus sein. Auch sein Weg ging durch die Erniedrigung in den Himmel (Phil 2,5ff). In all dem Leiden und all der persönlichen Not haben wir ja den Geist Gottes, der sich für uns einsetzt und unser oft erbärmliches, geistliches Leben in rechter Weise vor Gott bringen kann. Welch eine Ermutigung für alle schlechten Beter und Stammler vor dem HERRN. Dieser Geist nimmt sich unserer Schwachheiten an. Schwächen sind für den Geist Gottes kein Problem. Sie sind Quellen der Stärke (2Kor 12,9-10).
2. Standhaft im Jetzt (V28-39)
Mit diesem Blick erscheint unser Leben als Christen so ganz anders als standhaft und souverän. Aber wir sind nicht die Standhaften. Nur einer ist der Fels der Brandung und das ist Jesus Christus. Warum kommen wir am Ziel an? Warum können wir auch tiefe und dunkle Täler in unserem Leben durchschreiten? Ja weil der gute Hirte dabei ist. Hier biete sich Ps 23 an. Gott ist es, der uns zur Standhaftigkeit verhilft. Es ist sein Entschluss, die Kinder Gottes sicher ans Ziel zu bringen. Für ihn ist das bereits Fakt -> Verweis auf die Kette in V29-30. Gott hat uns sozusagen an sich „gekettet“. Gott steht auf unserer Seite! Was kann uns denn dann noch Angst machen oder uns gefährden? Nichts, rein gar nichts! Wer soll uns anklagen? Niemand, denn durch Christus sind wir gerecht. Niemand kann uns dann verdammen (denn das macht Gott). Niemand kann uns vom dem trennen, dem alle Macht gegen ist (Mt 28,18)! Was für eine Sicherheit, die wir in Jesus haben. Seine Liebe bindet und hält uns untrennbar an ihm. Das ist Heilsgewissheit!
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
In dieser Predigt sollte das eigene Zeugnis nicht zu kurz kommen. Wo habe ich Leid um Christi willen erlebt? Wo leide ich unter meinem alten Ich, meinem Fleisch? Wo leide ich in der gefallenen Schöpfung? Es sollte rüberkommen, dass das, was der Abschnitt sagt, von uns Christen erlebt wird. Dabei dürfen wir weitergeben, wie genial es ist, diesen Gott der Hoffnung zu kennen. Er, der auch mit uns durch diese Schwachheiten geht und uns ans Ziel bringt.
(Manuel Nowak)