Monatsthema: Durchblick haben
Predigtthema: Der Blick auf den Retter
Bibelstelle: Micha 5,1-14
Verfasser: Stefan Greiner
1. Zusammenhang + Erklärungen zum Propheten Micha
Micha ist trotz der Kürze seines Buches einer der wichtigsten Propheten.
Micha bedeutet „Wer ist gleich dem Herrn?“. Über seine Person wissen wir nur sehr wenig. Er war gebürtig von Moreseth-Gad, dem Ackerbaustädtchen zwischen Hebron und Gaza im Südreich. Sehr wahrscheinlich war er wie Amos Landwirt. Es kann sein, dass er sich mit anderen Flüchtlingen vor dem heranstürmenden Assyrerheer nach Jerusalem geflohen war, wo er sein Prophetenamt ausübte.
Micha hat unter den Königen Judas: Jotham, Ahas und Hiskia prophezeit.
Er war ein Zeitgenosse von Jesaja und Hosea (Nordreich).
Micha trat noch vor dem Fall Samarias (Hauptstadt des Nordreiches) auf, das im 16.Regierungsjahr des Königs Ahas zerstört wurde (722 v.Chr.). Micha trat zwischen 740 und 700 v.Chr. als Prophet auf.
Die Botschaft von Micha: Gottes Gericht und späteres Heil. Jahwe ist ein heiliger und gerechter Gott, welcher Ungerechtigkeit bestraft, aber dann auch Gnade schenkt. Wie Amos sieht Micha Israel und Juda in ihrem Ungehorsam dem Bund Jahwes gegenüber. Es gibt Götzendienst, soziale und juristische Ungerechtigkeit, und darauf steht Gericht. Dem gegenüber hat aber auch Micha die Botschaft der Hoffnung und Verheißungen für den „Überrest“.
Zusammenhang zu Micha 5,1-14:
Kapitel 4,1-8: Die zukünftigen Herrlichkeit der Stadt verbunden mit dem Friedensreich (1000-jährige Reich) Gottes.
Kapitel 4,9-14: Jetzt geht es um die nähere Zukunft Judas und um Ereignisse, welche unmittelbar vor dem tausendjährigen Reich stattfinden werden.
Kapitel 5: Vers 1 beschreibt die erste Ankunft des Messias und ab Vers 2 die zweite Ankunft des Messias. Es werden beide Kommen des Messias als ein Ereignis gesehen. Aber im Abschnitt V.2-14 wird deutlich das es sich um das tausendjährige Friedensreich handelt, welches Jesus bei seinem zweiten Kommen auf der Erde aufrichtet.
Heilsgeschichtliche Zusammenhang:
Micha 5,1: Erfüllte Prophetie über den Geburtsort des Messias.
Micha 5,2-14 spricht vom kommenden Gottesreich. Es handelt sich um eine Prophetie / Vorhersage auf das tausendjährige Friedensreich auf der Erde. Der biblische „Stationenplan“ für die Weltgeschichte sagt uns die Zeit des Antichristen (Drangsals-, Trübsalszeit) voraus, verbunden mit der Auferstehung der verstorbenen Christen und der Entrückung der lebenden Christen (vor, während oder nach dem antichristlichem Reich – hier gehen die Meinungen auseinander). Um das Reich des Antichristen zu beenden und den Antichrist zu besiegen kommt Jesus wieder und richtet auf der Erde das tausendjährige Friedensreich auf. Micha 5,2-14 nennt besondere Merkmale dieses künftigen Gottesreiches.
2. Biblische Parallelen
V.1: Geburtsort Bethlehem: Mt.2,1+5-6
V.1: Präexistenz Jesu: Joh.1,1-2; Kol.1,17
V.2-14: Beschreibungen und Merkmale des tausendjährigen Reiches: Hos.3,5; Sach.3,10; 8,20-23; 14,9-10; Jes.11,6-10; 35,10; 41,18-19; Am.9,13-15; Offb.20,2
3. Der Aufbau des Textes
V.1-3: Der zukünftige König Zions
V.4-5: Der zukünftige Friede Zions
V.6-8: Die zukünftige Rechtfertigung Zions
V.9-14: Die zukünftige Reinigung Zions
4. Einzelerklärungen
V.1: In Micha 4,14 ist die Rede von der babylonischen Belagerung und der Schmach und Schande, welche der Richter Israels (König Zedekia) auf sich nehmen muss. Nun kommt es zum Kontrast zwischen Untergang und Hoffnung. Micha stellt den König vor, der Israel zum Sieg führen wird. Der „Herr“ wird aus Bethlehem Efrata (7,5 km entfernt von Jerusalem) hervorgehen. Efrata (1.Mo.35,16.19) war der ältere Name für Bethlehem. Neben Jesus war auch David in Bethlehem geboren (1.Sam.16,1,18-19). Der Messias-König, der sein Volk erretten wird, wird in einer unbedeutenden kleinen Stadt in Juda geboren (kleiner als 1000 Familien). Nach Gottes Willen sollte dieser Eine, der Gott („mir“) dienen wird, Israels Herr sein. Als weitere Kennzeichnung ist dieser Herr von Ewigkeit her. Es ist die Präexistenz von Jesus.
V.2: Israels innerer Schmerz über das Verlassenseins (Mi.4,9) ist wie der Schmerz einer Gebärenden. Doch die Zeit wird kommen, da die Wehen ein Ende haben und sie geboren hat. Damit ist die Sammlung Israels gemeint, bei der der Rest seiner Brüder zu den Söhnen Israels zurückkehren wird (Hes.11,17).
V.1-2: Wie in Jesaja 9,5-6; 61,1-2 wird hier die zweimalige Ankunft Christi zu einem Ereignis zusammengefasst.
V.3: Der Messias wird seine Herde weiden (vgl. Mi.2,12; 7,14; Jer.31,10). Er tut dies in der Kraft des Herrn. Wenn er das Volk leitet, wird es Frieden und Sicherheit finden (Sach.14,11). Christus wird über die ganze Welt herrschen (Mal.1,11; Sach.14,9).
V.4+5: Der Messias wird der Friede für Israel sein, denn er wird die feindlichen Mächte niederwerfen. Assur steht für die Völker, die, wie Assyrien zu Michas Zeit, Israel bedrohen und angreifen werden (Sach.12,9; 14,2-3). Das Land Nimrods ist ein Synonym für Assyrien. Mit Christus als Herrscher werden die Israeliten ihre Widersacher besiegen können. Die sieben Hirten und acht Fürsten machen deutlich, dass mehr als genug Kraft da sein wird. Mögen auch noch so viele Völker Israel im Verlauf seiner Geschichte mit dem Schwert regiert haben, im tausendjährigen Reich wird sich das Blatt wenden, und Israel wird über seine Widersacher herrschen, weil der Messias es erretten wird.
V.6: Wenn Christus Israels Feinde vernichtet hat, werden die Übriggebliebenen (vgl. 2,12; 4,7; 5,7; 7,18) der gläubigen Israeliten unter vielen Völkern einen so wohltuenden Einfluss haben wie Tau und Regen. Wie Tau und Regen zu ihrer Zeit von Gott geschickt werden („sie warten nicht auf Menschen“), so wird Gott die Völker zu der von ihm bestimmten Zeit, auf die Menschen keinen Einfluss haben, erquicken.
V.7: Aber die Übriggebliebenen werden auch die Herrscher über die Heiden sein. Israel ist Vollstrecker des Heils aber auch des Gerichts.
V.8: Israels Hand wird siegen und die Feinde vernichtet werden
V.9+10: Dieser Sieg des Gottesvolkes wird jedoch nicht durch menschliche Gewalt oder militärischen Mittel errungen werden. Gott wird ihnen alle menschliche Machtmittel (Pferde und Streitwagen – vgl. 5.Mo.17,16) und alle äußeren Sicherungen (Festung) nehmen. Alles, was der Herrschaft Gottes im Wege steht, alle Hilfe, auf die sie ihr Vertrauen setzen, werden ihnen aus der Hand geschlagen.
V.11: Neben der Vernichtung der äußeren Feinde Israels wird der Messias auch jede Spur von Okkultismus und Götzendienst, den „inneren Feinden“ des Volkes, austilgen.
V.12+13: Durch diese „innere Reinigung“ wird Jesus die Götzenbilder, Steinmahle und Ascherabilder niederreißen und vernichten. Dadurch sollen sie und werden sie nicht mehr ihrer Hände Werk anbeten, sondern den einzig wahren Gott.
V.14: Alle Nationen, die dem Herrn nicht gehorchen, werden Gottes Grimm und Zorn zu spüren bekommen. Er wird mit Stärke, Strenge und Gerechtigkeit regieren.
5. Spitze des Textes
Der Messias erfüllt den Plan Gottes (Geburtsort, Aufrichtung des tausendjährigen Reich mit seinen Inhalten und Merkmale).
6. Der Text heute
6.1 Die Frage nach der Erfüllung von Micha 2-14 (ich schreibe hier von meinem persönlichen Verstehen des Textes (Schriftverständnis) – andere mögen anderer Meinung sein):
Micha 5,2-14 wird zukünftig buchstäblich im tausendjährigen Reich in Erfüllung gehen.
Warum? Literalprinzip – ich nehme den Text buchstäblich, so wie er da steht. So hat der Text sich noch nicht erfüllt, aber Gott hat es so verheißen, also muss es und wird es noch so kommen. Ich traue Gott alles zu, auch die wortwörtliche Erfüllung dieser Vorhersagen.
Andere Meinungen: Ideale Schilderung (= Utopie) ohne wirkliche Erfüllung; Hoffnungsbild (Frieden) für die Menschen, ohne es aber je zu erreichen; geistliche Erfüllung in der Gemeinde – symbolische Redeweise (als geistliche Übertragungen möglich); es sind weltliche Bilder zur Beschreibung der Ewigkeit.
6.2 Jesus wird der Hirte und König sein. Er wird sein Volk weiden und König sein über alle Völker. Geistlich ist Jesus das heute schon für uns. Er ist unser Hirte (Joh.10), der uns führt und leitet. Er ist unser König, der über unserem Leben herrscht. Sind wir die abhängigen Schafe, die gehorsamen Diener?
6.3 Der Herr wird für und mit Israel kämpfen und siegen. Ihr ganzes Vertrauen müssen sie auf
ihren Herrn setzen und nicht auf menschliche Möglichkeiten. Auch wir müssen / dürfen uns auf unseren Herrn verlassen. Es gibt keine „menschlichen“ Möglichkeiten gegen die Sünde anzukämpfen, gegen den Teufel zu siegen. Wir verlassen uns ganz auf unseren Heiland. Er hat für uns gekämpft und gewonnen – den geistlichen Kampf gegen Sünde, Tod und Teufel.
6.4 Im tausendjährigen Reich wird Friede sein, weil Jesus, der Friedefürst, die Welt regiert. Wie sehr sehnen wir uns nach Frieden. Im Kleinen: zwischenmenschliche Beziehungen. Im Grossen: die Kriege auf der Welt. Den Frieden auf Erden wird es nie geben, solange Jesus nicht kommt. Aber wir dürfen Frieden im Herzen haben. Frieden mit Gott ist möglich durch die Annahme des Opfertodes Jesu. Dadurch haben wir den Frieden Gottes im Herzen und den Auftrag diesen Frieden in die Welt zu tragen.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1 Viele Völker haben sich gegen Israel erhoben und erheben sich über Israel mit dem Ziel dieses Volk zu vernichten. Das Volk Israel hat eine Zukunft, welche bei Gott bestimmt ist. Mit ihrem Messias werden sie ihre Feinde vernichten. Das ist Gottes Verheißung.
7.2 Das Volk Israel wird erst siegen, wenn Jesus, ihr Messias, sichtbar das zweite mal auf die Erde kommt. Dann wird er für sie streiten. Haben wir nicht auch manche „Feinde“ gegen uns? Auch wir wollen auf den Herrn vertrauen, stille sein und ihn kämpfen lassen – 2.Mose 14,14.
7.3 Muss der Messias auch bei mir eine „innere Reinigung“ vollziehen. Was steht zwischen mir und Jesus im Weg, dass ich nicht voll und ganz vertraue.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Zusammenhang mit Kapitel 4 erklären
1. Der zukünftige König – V.1-3
2. Der zukünftige Frieden – V.4-5
3. Die zukünftige Rechtfertigung – V.6-8
4. Die zukünftige Reinigung – V.9-14
Wer ist Jesus?
1. Als Kind in Bethlehem geboren
2. Von Ewigkeit her am Wirken
3. Hirte und König
4. Friedensbringer und Erretter seines Volkes
5. Richter über die Feinde
Schluss: Lied Nr.193 (Ich will dir danken): „Jesus Christus ist der Sieger“