Monatsthema: Durchblick haben
Predigtthema: Der Blick auf das Heil
Bibelstelle: Micha 4, 6-14
Verfasser: Stefan Greiner
1. Zusammenhang und Erklärungen zum Propheten Micha
Micha ist trotz der Kürze seines Buches einer der wichtigsten Propheten.
Micha bedeutet „Wer ist gleich dem Herrn?“. Über seine Person wissen wir nur sehr wenig. Er war gebürtig von Moreseth-Gad, dem Ackerbaustädtchen zwischen Hebron und Gaza im Südreich. Sehr wahrscheinlich war er wie Amos Landwirt. Es kann sein, dass er sich mit anderen Flüchtlingen vor dem heranstürmenden Assyrerheer nach Jerusalem geflohen war, wo er sein Prophetenamt ausübte.
Micha hat unter den Königen Judas: Jotham, Ahas und Hiskia prophezeit.
Er war ein Zeitgenosse von Jesaja und Hosea (Nordreich).
Micha trat noch vor dem Fall Samarias (Hauptstadt des Nordreiches) auf, das im 16.Regierungsjahr des Königs Ahas zerstört wurde (722 v.Chr.). Micha trat zwischen 740 und 700 v.Chr. als Prophet auf.
Die Botschaft von Micha: Gottes Gericht und späteres Heil. Jahwe ist ein heiliger und gerechter Gott, welcher Ungerechtigkeit bestraft, aber dann auch Gnade schenkt. Wie Amos sieht Micha Israel und Juda in ihrem Ungehorsam dem Bund Jahwes gegenüber. Es gibt Götzendienst, soziale und juristische Ungerechtigkeit, und darauf steht Gericht. Dem gegenüber hat aber auch Micha die Botschaft der Hoffnung und Verheißungen für den „Überrest“.
Zusammenhang zu Micha 4,6-14:
Kapitel 1: Das Gericht über Samaria und Jerusalem wird angekündigt.
Kapitel 2,1-11: Die Ursachen für dieses Gericht wird geschildert.
Kapitel 2, 12-13: Vorhersage von der zukünftigen Sammlung des Volkes Israels.
Kapitel 3,1-8: Die Verurteilung der Führer Israels.
Kapitel 3,9-12: Die Folge der Korruption der Führer: Die Zerstörung Jerusalems
Kapitel 4,1-5: Die zukünftigen Herrlichkeit der Stadt verbunden mit dem Friedensreich (1000-jährige Reich) Gottes.
In den ersten Versen unseres Abschnitts (V. 6-8) geht es weiter um das tausendjährige Reich. Gehört also eng zu den vorhergehenden Abschnitt (V.1-5). Ab V.9 geht es um die nähere Zukunft Judas und um Ereignisse, welche unmittelbar vor dem tausendjährigen Reich stattfinden werden.
Heilsgeschichtlicher Zusammenhang:
Micha 4,6-8 spricht vom kommenden Gottesreich. Es handelt sich um eine Prophetie / Vorhersage auf das tausendjährige Friedensreich auf der Erde. Der biblische „Stationenplan“ für die Weltgeschichte sagt uns die Zeit des Antichristen (Drangsals-, Trübsalszeit) voraus, verbunden mit der Auferstehung der verstorbenen Christen und der Entrückung der lebenden Christen (vor, während oder nach dem antichristlichem Reich – hier gehen die Meinungen auseinander). Um das Reich des Antichristen zu beenden und den Antichrist zu besiegen kommt Jesus wieder und richtet auf der Erde das tausendjährige Friedensreich auf. Micha 4,1-5 nennt besondere Merkmale dieses künftigen Gottesreiches.
Micha 4,9-10+14 prophezeit Micha die Gefangenschaft in Babylon aber auch die Befreiung voraus. Dies ist so in Erfüllung gegangen.
Micha 4,11-13 prophezeit Micha das Zusammenrotten der Völker gegen Israel aber auch den Sieg über diese Völker. Dies wird unmittelbar vor dem tausendjährigen Reich stattfinden.
2. Biblische Parallelen
V.6-8: Beschreibungen und Merkmale des tausendjährigen Reiches: Hos.3,5; Sach.3,10; 8,20-23; 14,9-10; Jes.11,6-10; 35,10; 41,18-19; Am.9,13-15; Offb.20,2
V.6: Sammlung: Jer.31,8; Mt.24,31
V.9-10: Verschleppung nach Babylon: 2.Kö.24+25; 2.Chr.36; Jer.52
V.11-13: Letzte Kampf gegen Jerusalem: Joel 4,12; Jes.29,1ff; 31,4f; Sach.12,3; 14,2ff
V.13: Die zukünftige Macht Zions: Jes.41,15-16;
3. Der Aufbau des Textes
V.6-8: Merkmale des zukünftigen tausendjähriges Reiches.
V.9-10: Prophezeiung der babylonischen Gefangenschaft und der Befreiung.
V.11-12: Völker werden sich gegen Israel zusammenrotten.
V.13: Der Sieg über die Völker.
V.14: Nochmaliger Blick auf die babylonische Gefangenschaft.
4. Einzelerklärungen
V.6: Zur selben Zeit: weist nochmals auf die messianische Zeit hin, d.h. Beginn des tausendjährigen Reiches (vgl. V.1): In dieser zukünftigen Wiederherstellung des Gottesvolkes werden die Lahmen und Verstoßenen zurückgeführt. Gott tritt hier als der gute Hirte auf, der das Lahmende und Versprengte aus seiner Herde liebevoll zurückbringt. Er wird das Volk, das er gezüchtigt hat und das die Leiden des Exils hinter sich hat, wieder sammeln und heimführen. Micha wußte nicht, wann es zu dieser Sammlung des Volkes kommen würde. Bei der Wiederkunft Christi (Ende der Drangsal, Beginn des tausendjährigen Reich) wird diese Sammlung stattfinden (vgl. Mt.24,31).
V.7: Gerade die „Verstoßenen“ werden zu einem großen Volk werden. „Ich mache“ – so spricht Gott, er ist der Handelnde. Der Herr wird König sein in Jerusalem. Jesus, der Messias sitzt auf dem Davidsthron in Jerusalem.
V.8: Die Herrschaft (des Hauses Davids) wird nach Jerusalem zurückkehren. Die Feste (hebr. ´ophel) von Zion war das Südende des Tempelberges, wo die Burg Salomos lag. Dort stand der Turm der Herde – ein Wachturm, von dem aus der Hirte seine Herde bewachte. Im tausendjährigen Reich wird Jerusalem über das Volk wachen. Jerusalems Herrschaft wird wiederkehren, weil der Messias selbst vom Zion aus regieren wird.
V.9: Hier ist zunächst die Rede von Ereignissen, die vor der Aufrichtung des Reiches geschehen werden. Micha kehrt zurück in die naheliegende Zukunft. Wegen Judas Untreue und Abfall von Gott wird das Reich der fähigen Führer beraubt werden. König Zedekia wurde nach Babel verschleppt. Wie eine Frau in den Wehen wird Israel bei seiner Verschleppung ins Exil aus Angst und Schmerz laut schreien.
V.10a: Die gefangen aus ihrer Heimat weggeführten Juden werden stöhnen wie eine Frau bei der Geburt. Unerbittlich kommt das Strafgericht Gottes über das Land. Seine Städte werden zerstört, das Land verwüstet und die Überlebenden werden in ein fremdes Land deportiert. Auf dem Zug aus der Heimat werden die Gefangenen gezwungen sein, auf dem Feld zu wohnen. Micha nennt das Land der Gefangenschaft. Erstaunlicherweise ist es nicht Assyrien, das zur Zeit Michas den mittleren Osten beherrschte, sondern Babel, das damals nur eine Provinz Assyriens war.
V.10b: Gott aber wird das Volk erlösen und erretten von den Feinden. Ein herrlicher, mutmachender Ausblick. Das Exil war nicht nur als Strafe gedacht, sondern sollte auch der Läuterung des Volkes und seiner Ermutigung zu einem gottgefälligen Leben dienen. Die Strafe muss erleidet werden, doch das Ende wird Freude sein.
V.11: Viele Heiden werden sich daraufhin wider Jerusalem sich verbünden und versuchen, die Stadt zu zerstören. Diese Bedrängnis Israels bedeutet für diese Nationen einen großen Genuss.
V.12: Aber die Feinde sind unwissend bezüglich des Vorhabens Gottes. Gott hat, was die Feinde nicht wissen, sie alle nur zusammengebracht, wie man Getreidegarben auf der Tenne zusammenträgt, damit man sie besser dreschen kann.
V.13: Wie der Ochse auf dem Dreschplatz mit seinen Hufen das Getreide ausdrischt, so soll die Tochter Zion (d.h. die Einwohner Jerusalems) die Völker zermalmen, also besiegen und vernichten. Die ehernen Klauen und eiserne Hörner stehen für die unwiderstehliche Härte ihrer Vernichtungsmacht und die aggressive Kraft des Heeres. Der Reichtum der Völker aber wird Gott gehören. Das Hab und Gut der Feinde wird Israel dem Herrscher der ganzen Welt weihen.
V.11-13: Micha macht keine Angaben darüber, wann diese kriegerische Auseinandersetzung stattfinden wird. Schon zu Michas Zeiten bis zum heutigen Tag hat Israel viele Feinde gegen sich. Die Verse 12-13 weisen jedoch auf ein noch zukünftiges Ereignis, bei dem alle Völker, welche sich gegen Israel zusammenrotten, vernichtet werden. Dieser Kampf und Sieg wird bei der Schlacht von Harmagedon stattfinden (Offb.16,16; 19,11-21). Es geht also um die letzte Belagerung Judas, bevor der Messias seine Herrschaft antritt.
V.14: Dieser Vers schaut wieder zurück auf die naheliegendere Belagerung Jerusalems. Micha fordert das Volk auf, seine Truppen zu ordnen, obwohl alle Verteidigungsbemühungen gegen Nebukadnezars Belagerung natürlich vergeblich waren. Das hier verwendete hebr. Wort für „belagern“ steht im AT nur im Zusammenhang mit der Belagerung Jerusalems durch Nebukadnezar (2.Kön.24,10; Jer.52,5; Hes.5,2). Mit dem Richter, dem mit der Rute auf die Backe geschlagen wird, ist vermutlich König Zedekia gemeint. Jemanden auf die Wange schlagen bedeutet eine Erniedrigung und bedeutet, dass der König besiegt und unterworfen wird.
5. Spitze des Textes
Wegen ihren Sünden muss das Volk Israel die Strafe durch die Feinde erleben, aber Gott lässt sie nicht im Stich und wird das Volk eines Tages sammeln, ihre Feinde besiegen und der Messias ihr König sein.
6. Der Text heute
6.1 Die Frage nach der Erfüllung von Micha 4,6-8 im Zusammenhang mit V.1-5 (ich schreibe hier von meinem persönlichen Verstehen des Textes (Schriftverständnis) – andere mögen anderer Meinung sein):
Micha 4,1-8 wird zukünftig buchstäblich im tausendjährigen Reich in Erfüllung gehen.
Warum? Literalprinzip – ich nehme den Text buchstäblich, so wie er da steht. So hat der Text sich noch nicht erfüllt, aber Gott hat es so verheißen, also muss es und wird es noch so kommen. Ich traue Gott alles zu, auch die wortwörtliche Erfüllung dieser Vorhersagen.
Andere Meinungen: Ideale Schilderung (= Utopie) ohne wirkliche Erfüllung; Hoffnungsbild (Frieden) für die Menschen, ohne es aber je zu erreichen; geistliche Erfüllung in der Gemeinde – symbolische Redeweise (als geistliche Übertragungen möglich); es sind weltliche Bilder zur Beschreibung der Ewigkeit.
6.2 Gott musste das Volk wegen seiner Sünde züchtigen. Aber er gibt sie nicht auf, lässt sie nicht fallen. Unsere Sünde liegt auf Jesus. Er wurde für meine Sünde geplagt. Aber auch für uns bleibt: Sünde zieht Folgen nach sich. Sünde hat immer Auswirkungen auf mein Leben und auf das Leben anderer. Gott züchtigt, erzieht mich, weil ich sein Kind bin. Seine Erziehung entspringt aus seiner Liebe zu mir.
6.3 Gottes Zusagen haben sich erfüllt. Die Gefangenschaft und das Exil nach Babel, aber auch die Errettung und Rückkehr des Volkes haben sich erfüllt. Unser Gott ist ein Gott der Wahrheit. Keine Lüge kommt aus seinem Mund. Deshalb können wir ihm voll und ganz vertrauen. Auch die noch ausstehenden Zusagen und Verheißungen werden sich erfüllen. Darauf ist 100 % Verlass. Auch auf die Vernichtung der Feinde Israels. Schon in der heutigen Weltlage ist der kleine Staat Israel ein Pulverfass und Israel hat viele Feinde auf der ganzen Welt. Aber Gott steht zu seinem Volk und hat einen Plan mit seinem Volk.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1 Gott wird sein Volk sammeln. Sein irdisches Volk (Israel) auf der Erde zu Beginn des tausendjährigen Reiches. Sein geistliches Volk (Gemeinde) im Himmel. Die Großfamilie Gottes (die Kinder Gottes) werden eines Tages bei Gott versammelt sein.
7.2 Jesus wird König in Jerusalem sein. Geistlich ist er jetzt und heute unser König. Wirklich?
Darf er der König über deinem Leben (Hobby, Familie, Geld, Besitz, Zeit) sein.
7.3 Gott wird die Feinde Israels schlagen. Unser Feind hat Jesus geschlagen durch sein Sterben am Kreuz und durch seine Auferstehung. Der Teufel wurde besiegt. Aber noch hat er Macht und ist unser Feind. Auch er wird eines Tages für immer besiegt. Als Christen haben wir auch menschliche Feinde. Auch über diese wird Gott siegen, über sie gerecht urteilen.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Zusammenhang erklären (V.1-5)
1. Erfüllte Prophetie
a. Gefangenschaft nach Babylon V.9-10a+14
b. Befreiung aus Babylon V.10b
2. Noch nicht erfüllte Prophetie
a. Schlacht von Harmagedon V.10-13
b. Das tausendjährige Reich V.6-8
Sammlung der Israelis, Jesus als König in Jerusalem