Micha

Predigthilfe vom 15.6.2003 – Micha 4,1-5

Monatsthema: Durchblick haben
Predigtthema: Der Blick auf Frieden

Bibelstelle: Micha 4,1-5

Verfasser: Stefan Greiner

1. Zusammenhang und Erklärungen zum Propheten Micha
Micha ist trotz der Kürze seines Buches einer der wichtigsten Propheten.
Micha bedeutet „Wer ist gleich dem Herrn?“. Über seine Person wissen wir nur sehr wenig. Er war gebürtig von Moreseth-Gad, dem Ackerbaustädtchen zwischen Hebron und Gaza im Südreich. Sehr wahrscheinlich war er wie Amos Landwirt. Es kann sein, dass er sich mit anderen Flüchtlingen vor dem heranstürmenden Assyrerheer nach Jerusalem geflohen war, wo er sein Prophetenamt ausübte.
Micha hat unter den Königen Judas: Jotham, Ahas und Hiskia prophezeit.
Er war ein Zeitgenosse von Jesaja und Hosea (Nordreich).
Micha trat noch vor dem Fall Samarias (Hauptstadt des Nordreiches) auf, das im 16.Regierungsjahr des Königs Ahas zerstört wurde (722 v.Chr.). Micha trat zwischen 740 und 700 v.Chr. als Prophet auf.
Die Botschaft von Micha: Gottes Gericht und späteres Heil. Jahwe ist ein heiliger und gerechter Gott, welcher Ungerechtigkeit bestraft, aber dann auch Gnade schenkt. Wie Amos sieht Micha Israel und Juda in ihrem Ungehorsam dem Bund Jahwes gegenüber. Es gibt Götzendienst, soziale und juristische Ungerechtigkeit, und darauf steht Gericht. Dem gegenüber hat aber auch Micha die Botschaft der Hoffnung und Verheißungen für den „Überrest“.

Zusammenhang zu Micha 4,1-5:
Kapitel 1: Das Gericht über Samaria und Jerusalem wird angekündigt.
Kapitel 2,1-11: Die Ursachen für dieses Gericht wird geschildert.
Kapitel 2, 12-13: Vorhersage von der zukünftigen Sammlung des Volkes Israels.
Kapitel 3,1-8: Die Verurteilung der Führer Israels.
Kapitel 3,9-12: Die Folge der Korruption der Führer: Die Zerstörung Jerusalems
In unserem Abschnitt (Kapitel 4,1-5) geht es nun mit dem Thema „Jerusalem“ weiter. Hier haben wir es jedoch mit der zukünftigen Herrlichkeit der Stadt zu tun.

Heilsgeschichtlicher Zusammenhang:
Micha 4,1-5 spricht vom kommenden Gottesreich. Es handelt sich um eine Prophetie / Vorhersage auf das tausendjährige Friedensreich auf der Erde. Der biblische „Stationenplan“ für die Weltgeschichte sagt uns die Zeit des Antichristen (Drangsals-, Trübsalszeit) voraus, verbunden mit der Auferstehung der verstorbenen Christen und der Entrückung der lebenden Christen (vor, während oder nach dem antichristlichem Reich – hier gehen die Meinungen auseinander). Um das Reich des Antichristen zu beenden und den Antichrist zu besiegen kommt Jesus wieder und richtet auf der Erde das tausendjährige Friedensreich auf. Micha 4,1-5 nennt besondere Merkmale dieses künftigen Gottesreiches.

2. Biblische Parallelen
V.1-3 sind fast identisch mit Jes.2,2-4
Beschreibungen und Merkmale des tausendjährigen Reiches: Hos.3,5; Sach.3,10; 8,20-23; 14,9-10; Jes.11,6-10; 35,10; 41,18-19; Am.9,13-15; Offb.20,2

3. Der Aufbau des Textes
V.1-5: Merkmale des zukünftigen tausendjähriges Reiches.

4. Einzelerklärungen
V.1a: „Am Ende der Tage“ – bezeichnet die Zeit, da Gott alle Ereignisse der Geschichte zur Vollendung bringen wird. Diese Wendung bezieht sich gewöhnlich auf die Drangsal oder auf das tausendjährige Reich (so wie hier). Des Herrn Haus ist der Tempel, welcher auf dem Berg Zion steht. Dieser wird höher als alle Berge und erhaben über die Hügel sein. Buchstäbliche Deutung: Der Tempel in Jerusalem auf dem Berg Zion wird das höchste Gebäude sein und alle anderen Gebäuden überragen, verbunden mit geographischen Veränderungen (vgl. Hes.40-43; Sach.14,10). Übertragene Bedeutung (das eine schließt aber das andere nicht aus): Der Tempel wird große Wichtigkeit besitzen und eine herausragende Stellung einnehmen. Somit wird der Tempelberg das Zentrum des tausendjährigen Reiches sein, der Ort, von aus Christus herrschen wird (Sach.8,3).

V.1b: Viele Völker werden nach Jerusalem und seinem Tempel herzulaufen. Im tausend-jährigen Reich wird von Jerusalem eine große Anziehungskraft ausgehen.

V.2: Menschen wollen lernen und in den Wegen des Herrn zu gehen. Der Herr soll sie lehren. Das ist der Grund, warum viele nach Jerusalem zum Tempelbezirk pilgern (vgl. Sach.8,20-22), denn von dort wird Weisung (Lehre) und des Herrn Wort ausgehen. Christus wird die Menschen in Jerusalem lehren . . .

V.3a: . . . und richten. Dann werden viele Heiden und große Völker ihre Streitigkeiten vor den Herrn bringen. Sie werden sich Gottes Urteil unterwerfen in der Einsicht, dass er entscheidet, was richtig ist und wer recht hat. Am Ende der Zeiten wird sich die ganze Welt willig dem Wort Gottes und seinem Ratschluß beugen. Das tausendjährige Reich ist ein Reich der Gerechtigkeit, weil der König der Gerechtigkeit selbst regiert.

V.3b: Umstellung der Kriegsproduktion auf Zivilproduktion. Es wird kein Krieg mehr geben, ja die Menschen werden sogar verlernen was Krieg bedeutet. Das tausendjährige Reich ist ein Friedensreich (sogar in der Tierwelt – Jes.11,6-10).

V.4: Ein Bild der Sicherheit und des allgemeinen Wohlstandes ist die Aussage, dass ein jeder unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen werde (vgl. 1.Kö.5,5; Sach.3,10). Alles was bisher Micha schrieb ist kein Märchen oder menschlicher Wunschtraum, sondern die Wahrheit, denn der Mund des Herrn Zebaoth hat es geredet.

V.5: Dieser Vers bezieht sich auf die heidnischen Völker zu Michas Zeit. Es können hier nicht die Völker des tausendjährigen Reiches gemeint sein, von denen Micha in V.2+3 sagte, dass sie nach Jerusalem gehen werden, um sich in der Lehre des Herrn unterweisen zu lassen. Auch wenn die heidnischen Völker Götzen anbeten, so wird Micha sich nicht abbringen lassen im Namen seines Herrn zu wandeln (d.h. nach seinem Willen leben und ihm dienen) und zukünftig ganz Israel im tausendjährigen Reich.

5. Spitze des Textes
Gottes Vorhersagen über sein künftiges tausendjähriges Friedensreich.

6. Der Text heute
6.1 Die Frage nach der Erfüllung von Micha 4,1-5 (ich schreibe hier von meinem persönlichen Verstehen des Textes (Schriftverständnis) – andere mögen anderer Meinung sein):
Micha 4,1-5 wird zukünftig buchstäblich im tausendjährigen Reich in Erfüllung gehen.
Warum? Literalprinzip – ich nehme den Text buchstäblich, so wie er da steht. So hat der Text sich noch nicht erfüllt, aber Gott hat es so verheißen, also muss es und wird es noch so kommen. Ich traue Gott alles zu, auch die wortwörtliche Erfüllung dieser Vorhersagen.

Andere Meinungen: Ideale Schilderung (= Utopie) ohne wirkliche Erfüllung; Hoffnungsbild (Frieden) für die Menschen, ohne es aber je zu erreichen; geistliche Erfüllung in der Gemeinde – symbolische Redeweise (als geistliche Übertragungen möglich); es sind weltliche Bilder zur Beschreibung der Ewigkeit.

6.2 Wir müssen es erleben, wie Gottes Worte in den Schmutz gezogen werden, verlästert werden, für Werbeslogan missbraucht werden und falsch ausgelegt werden. Aber es wird die Zeit kommen, in der alle Menschen acht haben auf die Worte des Herrn, sein Reden ernst genommen wird und die Menschen sich danach ausrichten.

6.3 Wir groß ist doch heute der Wunsch nach Friede und Gerechtigkeit. Bei der UNO in New York hängt ein Bild mit der Aufschrift „Schwerter zu Pflugscharen“. Das wird es aber auf der Erde nie geben, die Menschen werden es nicht von sich schaffen, bis zu dem Tag, an dem Jesus (Friedefürst und Richter) sein Reich auf Erden aufrichtet. Aber im Kleinen soll es und kann es anfangen. Friede mit Gott bekomme ich durch den stellvertretenden Tod von Jesus. Gerechtigkeit vor Gott bekomme ich, weil Jesus für meine Schuld bezahlt hat. Nach dem Empfang von Friede und Gerechtigkeit sollen wir es wieder weitergeben an unsere Mitmenschen.

6.4 Viele Menschen um uns herum „wandeln im Namen seines Gottes“. Jeder macht was er will, was er für richtig erachtet. Wir wollen fest stehen wir Micha – „aber wir“. Aber wir bleiben fest bei unserem Glauben an unseren Gott. Wir lassen uns nicht durch Zeitströmungen, Auflösung der Werte von unserem Wandel abbringen. Wir leben in unserer Zeit nach dem Willen Gottes und dienen alleine ihm.

7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1 Fragen wir noch nach dem Herrn? „Gehen“ wir zum Herrn um einen Rat, Weisung zu empfangen. Hören wir auf ihn und seine Worte, bei Streitigkeiten. Durch seinen Geist lehrt er uns heute schon. Wir dürfen und wollen lernen von ihm. Wir dürfen und wollen auf seinen Wegen gehen, auf seinen Pfaden wandeln.

7.2 Gott hält die Welt und ihre Geschichte in seiner Hand. Nicht die Menschen bestimmen die Weltgeschichte, sondern Gott. Gott führt seinen Plan aus. Ihm dürfen wir vertrauen, dass seine Zusagen eintreffen. Alle Verheißungen auf Jesu erstes Kommen, auf die Gemeinde, teilweise auf Israel sind treu in Erfüllung gegangen. Deshalb werden die Ausstehenden sich auch treu, wörtlich erfüllen. Wir glauben an den Herrn der Welt.

8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Zusammenhang erklären; Thema Friede einsteigen; kurze Einführung über die Aussagen zum tausendjährigen Reich.

Wir bekommen 8 Merkmale des künftigen Gottesreichen:
(Gliederung nach „Das Alte Testament – erklärt und ausgelegt“)

1. Der Tempel im tausendjährigen Reich wird die ganze Welt überragen – 4,1a
2. Die Völker der ganzen Welt werden nach Jerusalem kommen – 4,1b
3. Jerusalem wird der Ort der Weisung für die ganze Welt sein – 4,2a
4. Die Offenbarung wird von Jerusalem ausgehen – 4,2b
5. Der Herr wird Richter sein in Jerusalem – 4,3a
6. Überall wird Friede herrschen – 4,3b
7. Israel wird in Sicherheit und Frieden wohnen – 4,4
8. Israel wird zu seiner Religion zurückkehren – 4,5
(Evtl. mit Folie die einzelnen Punkte während der Predigt aufdecken)

Oder:
1. Von Jerusalem geht die Lehre aus
2. Von Jerusalem geht die Rechtsprechung aus
3. Von Jerusalem geht der Frieden und Sicherheit aus

Schluss: „Wir wandeln im Namen des Herrn“

Abrundung: Lied Nr.74 (Ich will dir danken): „Wüst ist das Land“