1.Petrus

Predigthilfe vom 28. August 2016 – 1. Petrus 2, 11-17

Predigtthema: „Ich war fremd“: Die geistliche Dimension von Fremdheit: Wir waren entfremdet (V.21) und sind nun versöhnt.

Predigttext: 1. Petrus 2, 11-17

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. SEHEN, WAS DASTEHT
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Verwendete Übersetzung in der Predigthilfe: Schlachter 2000

1.1 ALLGEMEINE HINWEISE ZUM PREDIGTTEXT
Hilfreiches Basiswissen findet sich z. B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag) und natürlich in diversen Studienbibeln, von denen man als Verkündiger verschiedene haben sollte.

1.2 HILFEN ZUM VERSTÄNDNIS DES PREDIGTTEXTES

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Wuppertaler Studienbibel
* hilfreiche Querverweise in die ganze Bibel bietet die Thompson Studienbibel.
* hilfreiche Infos zum Text liefert hier die MacArthur Studienbibel (gibt es als pdf zum Downloaden auch auf www.sermon-online.de.
Hinweise: Das Jahresthema „Ich war fremd“ möchte uns immer wieder am letzten Sonntag im Monat für die Situation der Flüchtlinge in unserem Land sensibilisieren und uns an den Auftrag erinnern, den ausländischen Gästen nicht nur mit Gastfreundschaft, sondern auch mit der frohen Botschaft des Evangeliums zu begegnen. Dabei wollen wir uns auch immer wieder ins Gedächtnis rufen lassen, dass auch wir als Christen in der Bibel als Fremdlinge und Gäste auf dieser Welt bezeichnet (Heb 11,13) werden.

  1. VERSTEHEN, WORUM ES GEHT
    Der Predigttext aus 1. Petrus 2,11-17 möchte uns die geistliche und praktische Dimension von einer christlichen Fremdlingschaft in dieser Welt verdeutlichen. Jeder Christ sollte Klarheit über die gottgewollte Stellung haben, die er gegenüber der Welt nach biblischem Gesichtspunkt einnehmen soll. Dabei werden zwei Bereiche angesprochen.

Die grundsätzliche Verhaltensweise der Christen gegenüber…

  • einer Ungläubigen oder heidnischen Gesellschaft (Menschen)

V 11 -12 Geliebte, ich ermahne euch als Gäste und Fremdlinge: Enthaltet euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten; und führt einen guten Wandel unter den Heiden, damit sie da, wo sie euch als Übeltäter verleumden, doch aufgrund der guten Werke, die sie gesehen haben, Gott preisen am Tag der Untersuchung.

  • dem Staat oder einer weltlichen Obrigkeit

V 13-14 Ordnet euch deshalb aller menschlichen Ordnung unter, um des Herrn Willen, es sei dem König als dem Oberhaupt oder den Statthaltern als seinen Gesandten zur Bestrafung der Übeltäter und zum Lob derer, die Gutes tun.

Die besondere Herausforderung besteht darin, die Beziehung von Gemeinde (Kirche) und Staat aufzuzeigen. Der Christ untersteht der staatlichen Ordnung, doch wo sind Grenzen? Wann gilt es Gott mehr zu gehorchen als Menschen (Apg 5,29). Wie sollen sich Christen verhalten, wenn die staatliche Obrigkeit die göttliche Autorität ablehnt oder wenn eine weltliche Gesetzgebung konträr zu Gottes Gebot steht. Welcher Autorität und Obrigkeit ist der Christ in letzter Instanz gegenüber verantwortlich? Darf er um Gottes Gebote willen der weltlichen Obrigkeit ungehorsam sein?

Hier sollten keine plakativen oder polemischen Aussagen geäußert werden, die Christen dazu veranlassen könnte leichtfertig oder überheblich, sich ihren bürgerlichen Pflichten gegenüber einer staatlichen Obrigkeit zu entziehen. Dennoch gilt es, die biblischen Aussagen zu diesem Thema in ihrer Klarheit sprechen zu lassen.
2.1 HINWEISE FÜR SITUATIVE ÜBERLEGUNGEN
Petrus schreibt diesen Brief ca. 60 – 63 v.Chr. an Christen, die auf Grund ihres Glaubens ihre irdische Heimat verlassen mussten (1Pet 1,1). Ihre Bekehrung zu Jesus führte dazu, dass sie vielerorts unter Diskriminierung, Bedrängnis, Verfolgung und Vertreibung zu leiden hatten. Die erste Zerstreuung von Christen aus Jerusalem begann ca. 31 n.Chr. (Apg 8,1). Selbst Saulus, der zuvor noch Christen selbst verfolgte, wurde sofort nach seiner Bekehrung ein Fremdling und Feind seiner jüdischen Religionsgemeinschaft, die versucht hatten ihn zu töten (Apg 9,23-24).

Hinweise deuten darauf hin, dass die Briefempfänger sowohl Judenchristen (1Pet 1,9-12, 2,9) als auch Heidenchristen (4,3) waren. Dies ist insofern von Bedeutung, dass damit deutlich wird, dass

  • Juden und Heiden mit ihrer Bekehrung zu Christus eine neue und gemeinsame Identität bekamen (Glieder am Leib Jesu = Gemeinde/ 1Kor 12,12-13)
  • diese Christus-Identität von der Gesellschaft wahrgenommen wurde, aber kaum akzeptiert war, sondern eher als Ärgernis empfunden wurde (z.B. Apg 17,6)
  • Christen oftmals ihren Status und ihre Anerkennung in der Welt verloren
  • Christen eine Entfremdung in der Welt erlebten und dabei spielte es keine Rolle aus welcher ethnischen Herkunft sie kamen
  • der Christ in seiner neuen Schöpfung (Eph 2,10; 2Kor 5,17) ein Fremdling in dieser Welt ist (1Pet 1,17; Heb 11,13)

Die Herausforderung bestand für die Christen nun darin, wie man sich in einem fremden Land unter einer heidnischen Gesellschaft verhält, die ethisch und moralisch völlig andere Maßstäbe lebt. Die Frage stand damals im Raum: Können oder sollen Christen sich der staatlichen Obrigkeit eines antigöttlichen römischen Kaiserreichs unterordnen?

2.2 HINWEISE FÜR HERMENEUTISCHE ÜBERLEGUNGEN
Petrus stellt den bedrängten Christen im ersten Kapitel zuerst die Hoffnung ihres Glaubens vor Augen. Im Glauben an Jesus Christus sind sie wiedergeboren und gerettet. Das unverwelkliche Erbe ist ihnen gewiss und auf ihre irdischen Leiden wird Gottes Herrlichkeit folgen (1,1-12). Petrus ermahnt die Christen, trotz ihrer schweren und bedrückten Situation zu einem heiligen Lebenswandel (1,13-24). Keine Lebenslage oder -Situation entbindet den Christen von einem heiligen und gehorsamen Glaubensleben. Kapitel zwei verdeutlicht die hohe Berufung des Gläubigen als Glieder des geistlichen und lebendigen Tempels. Der Christ ist Eigentum Gottes, mit einverleibt in das auserwählte Volk und somit zum königlichen Priestertum berufen (2,1-10).

Auf Grundlage dieser festen und unverlierbaren Hoffnung der ewigen Heimat im Himmel und der hohen Berufung ermahnt Petrus die Christen zu einem vorbildlichen Leben in dieser Welt.

V 11 Der Christ ist Fremdling (Ausländer) und Gast (Asylant) auf dieser Welt. Ein Fremder, der sein Bürgerrecht wo anders hat. Ein Pilgirm (Wanderer) der seiner eigentlichen Heimat entgegengeht. Des Christen wahre Heimat ist die Herrlichkeit im Himmel, wo er sein eigentliches Bürgerrecht hat (Phil 3,20). In der Christus-Identität findet er auf Erden in der Gemeinde sein geistliches Zuhause, indem er dort kein Fremdling ist (Eph. 2,19). Umgekehrt wird ein Ungläubiger Mensch in der christlichen Gemeinde so lange geistlich ein Fremder sein, bis er sich bekehrt hat.

Weil der Christ ein Fremder in dieser Welt ist, durch Jesu Gnade von der Sünde befreit wurde, soll er auch von den sündhaften und fleischlichen Begierden der Welt Abstand halten. Die Welt und der ungläubige Mensch unterliegen der Sünde (Eph 2,1ff). Der Christ dagegen ist aufgefordert sich in seiner Gesinnung und inneren Haltung diesem Weltlauf nicht mehr anzupassen (Röm 12,2).

V 12 Der Christ soll unter den ungläubigen Menschen (Heiden) ein beispielhaftes Leben führen. Ein guter Wandel (Benehmen) und gute Werke (Arbeit, Taten, Handlungen) sollten ihn auszeichnen auch dann, wenn die Ungläubigen schlecht über Christen reden oder verleugnen. Wenn Christen schon zum Anstoß und Ärgernis für Ungläubige werden, dann doch nur wegen der guten und gottwohlgefälligen Taten. Spätestens am Tage des Gerichtes werden die guten Taten bei den Menschen ein Lob zur Ehre Gottes auslösen (Mat 5,16).

V.13-14 „Deshalb“ – bezieht sich auf einen ausgezeichneten Lebenswandel. Ein Christ muss sich der staatlichen Obrigkeit unterordnen. Wer sich der Obrigkeit widersetzt oder sie nicht anerkennt wird Gott gegenüber ungehorsam. Hier stehen wir in einem möglichen Dilemma, wenn derselbe Petrus einmal sagt, wir sollen uns der Obrigkeit unterordnen (1Pet 2,13) aber in Apg 5,29 sagt, man muss Gott mehr gehorchen als Menschen. Einige Gedanken die etwas Klarheit schaffen:

  • Weltliche Obrigkeiten sind von Gott eingesetzt und zur Bestrafung bevollmächtigt (1Mo 9,5-6; Röm 13,1-7; Tit 3,1)
    Bedenke: Röm 13 schreibt Paulus sogar in der Regierungszeit unter Kaiser Nero.
  • Unterordnung meint kein schweigender und kritikloser Gehorsam (Apg 4,19). Petrus setzt beim Hohen Rat voraus, dass göttliche Autorität über der weltlichen Obrigkeit steht.
  • Petrus warnt aber vor einer geistlichen Überheblichkeit (1Pet 2,13ff). Der Christ steht in gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen. Ob z.B. in Vereinen, Schulen, Arbeitsleben (2,18), Kommunen oder einem Bundesland oder Regierung. Der Christ ist von den irdischen Pflichten als Erdenbürger nicht entbunden.
  • Jesus selbst betont diese irdischen Pflichten mit den Worten: „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist“ (Mk 12,17). Vermutlich greift Petrus diesen Gedanken hier auf.
  • Wir haben eine Verantwortung für die Obrigkeit zu beten (1Tim 2,1ff).
  • Der Mensch ist immer der obersten Instanz verpflichtet zu gehorchen. Die höchste Autorität ist immer der wahre Gott (Apg 5,29).

Als Jesus aufgefordert wurde die Tempelsteuer zu bezahlen, sandte der HERR bewusst den Jünger Petrus an den See um Geld aus dem Mund eines Fisches zu holen (Mt 17,26-27). Zwei Gedanken veranschaulicht Jesus dabei:

(1) Wir verhalten uns wie Fremde

(2) Wir geben keinen Anstoß und ordnen uns unter.

V.15       Vorbildliches und unanstößiges Verhalten, sowie ein Leben in Unterordnung der staatlichen Obrigkeit sind die besten Argumente gegen üble Nachrede. Christen können sich nicht bei Verleugnung auf verbale Kämpfe einlassen. Vielmehr verstummen dann die Kritiker, wenn unsere guten Taten sie zu Lügnern macht (Tit 2,8).

V.16       Christen sind durch die Erlösung von der weltlichen Obrigkeit befreit, weil sie einem anderen, himmlischen Reich angehören. Wie aber Jesus, als Gottes Knechte, sich der weltlichen Obrigkeit freiwillig unterstellt hat (Gal 4,4), so sollen auch wir uns der menschlichen Obrigkeit unterstellen. Die Christus-Identität gibt mir die Freiheit mich aus freien Stücken dem Gesetz der Obrigkeit unterzuordnen. Nur soll diese Freiheit nicht zur Bosheit und Sünde missbraucht werden.

Dies kann in zweifachem Sinne verstanden werden:

  • Christen dürfen ihre Freiheit nicht zum zügellosen oder sündhaften Verhalten ausnutzen (Gal 5,1.13;
  • Christen sollen sich nicht ihrer Verantwortung entziehen. Durch eine falsch verstandene Unterordnung kann die Freiheit zum Schleier der Bosheit werden, in dem Christen schweigen, wenn sie vor offensichtlicher Sünde wegschauen (z.B. 1Sam 12,23).

V17   Christen sollen alle Menschen, vor allem auch den Königen Achtung und Respekt erweisen. Aber Gott gebührt Ehrerbietung und Ehrfurcht die zum freiwilligen Gehorsam führen soll. Gemeint ist nicht Furcht im Sinne von Angst, sondern von Gottesfurcht und Verehrung (vgl. Spr. 24,21; 2Kor 7,11; Eph 5,21).

2.3 HINWEISE FÜR HOMILETISCHE ÜBERLEGUNGEN
Die Relevanz dieses Themas ist brandaktuell. Auch heute leben Christen weltweit in einer gemeinsamen Identität im Glauben an den Einen und wahren Erlöser Jesus Christus und erfahren die Entfremdung in dieser Welt.

Je mehr eine Gesellschaft oder eine staatliche Obrigkeit (z.B. in Europa) sich von christlichen Werten und Maßstäben ablöst, umso stärker werden die Entfremdung und die Herausforderung der Christen in dieser Welt zunehmen.

  1. SAGEN, WO ES HINGEHT

3.1 PREDIGTZIEL – WARUM HALTE ICH DIESE PREDIGT?

  • Um das Spannungsfeld zwischen göttlicher und staatlicher Obrigkeit aufzuzeigen, das in der gegenwärtigen Zeit immer mehr zunimmt.
  • Verdeutlichen, dass wir immer noch eine große Religions- und Glaubensfreiheit besitzen in der wir die Freiheit haben, biblische Maßstäbe zu leben.
  • Der Christ darf nicht erwarten, dass eine staatliche Obrigkeit biblische Werte vertritt oder umsetzt. Aber Paulus bittet die Gläubigen für die Obrigkeit zu beten, dass sie ein ruhiges Leben führen können indem ein Staat Religions-, Meinungs- und Glaubensfreiheit garantiert.
  • Wir müssen dann mit Konflikten rechnen,
    • wo die Obrigkeit die Glaubens- und Meinungsfreiheit von Christen einschränkt oder verbietet (Apg 4,18-21). Z.B. Verbot von Mission, biblischen Werten und Ansichten
    • wo eine Obrigkeit in ihrer Gesetzgebung gegen Gottes Gebote widerspricht

Hier müssen wir Gott mehr gehorchen als Menschen, auch wenn es Nachteile und Leid zur Folge hat. Doch Petrus legt im Konflikt mit der Obrigkeit besonderen Wert auf die Art und Weise unseres Verhaltens. War es doch gerade Petrus, der gegen die Obrigkeit das Schwert zog und lernen musste, dass gegen jegliche Obrigkeit keine Gewalt anzuwenden ist (Joh 18,10ff; Lk 22,28).

3.2 PREDIGTTHEMA – WAS SAGE ICH IN DIESER PREDIGT?

Wir sollten nicht anfangen für oder um diese Welt zu kämpfen – als Fremdlinge ist die Welt nicht unsere Heimat und als Gäste haben wir keine Befugnis dazu! Selbst Jesus sagte: Mein Reich ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36) und unterstellte sich der menschlichen Obrigkeit bis zur Hinrichtung.

Vielmehr sollten wir als Fremdlinge der Stadt Bestes suchen (Jer 29,7), damit Menschen Jesus als Herrn kennen lernen – angereizt durch beispielhaftes Verhalten und klares Bekenntnis des Glaubens.

Fragen zur Vertiefung:

Wo erleben wir bereits Situationen in denen die staatliche Obrigkeit den biblischen Maßstäben widerspricht?

Woran liegt es, dass Christen sich in der Welt mehr oder weniger als Fremdkörper empfinden?

Gibt es noch eine bewusste Haltung als Gäste und Fremdlinge unter Christen oder hat der Christ sich bereits in der Welt geistlich integriert und angepasst?

Wo erleben wir bereits Einschränkungen unserer Glaubensüberzeugung und wie können wir damit in rechter Weise umgehen?

3.3 Mögliche PREDIGTGliederung

1) Sei enthaltsam – gegenüber der Sünde            V.11

2) Sei vorbildlich – gegenüber den Heiden           V.12

3) Sei ordentlich – gegenüber der Obrigkeit         V.13

4) Sei respektvoll – gegenüber Jedermann           V.17

  • Der Befehl zur Unterordnung – Gottes Ordnung
  • Der Umfang der Unterordnung – aller Obrigkeit
  • Die Motivation zur Unterordnung – um des Herrn Willen
  • Die Einstellung der Unterordnung – freiwillig
  1. Vorbild im Umgang mit sündhafter Begierde
  2. Vorbild im Verhalten durch gute Werke
  3. Vorbild in der Stellung zu Staat/ Obrigkeit
  • Ehrt Jedermann
  • Respektiert die Obrigkeit
  • Fürchtet Gott

3.4 PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN – WIE VERDEUTLICHE ICH ES IN DIESER PREDIGT?

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erhielt der Landrat des ostpreußischen Kreises Schlossberg, Wichard von Bredow, ein Fernschreiben der Gauleitung, dass in diesen Stunden alle Synagogen in Deutschland brennen. Polizei und Feuerwehr sollten nicht eingreifen. Bredow zog sich seine Wehrmachtuniform an, nahm Abschied von seiner Frau und den fünf Kindern, steckte seine Pistole in die Tasche und fuhr nach Schierwindt zur Synagoge. Er wusste, dass er sein Leben riskierte oder von der Gestapo in ein KZ eingewiesen werden konnte. „Ich kann nicht anders handeln!“ Als SA, SS und Parteifreunde auftauchten, lud er vor ihnen die Pistole – der Weg zur Synagoge ginge nur über seine Leiche. Die Synagoge blieb als Einzige im Regierungsbezirk unzerstört. Niemand hatte es gewagt, gegen den Landrat vorzugehen. (idea spektrum 45/94)

Kurz nach seiner Bekehrung wollte Ernst Vatter seine von der Regierung erhaltenen Schuhe zurückschicken. Alle rieten ihm ab: seine Verwandten, selbst der Ortspfarrer. Er aber war entschlossen sie zurückzuschicken, obwohl er kein zweites Paar hatte. Wochen später erhielt er ein Paket: Es waren dieselben Schuhe mit einem Brief. Da er der Einzige war, der die verlangten Schuhe zurückgeschickt hatte, konnten die Behörden ihr Programm gar nicht starten und schickten sie zurück. „Jetzt habe ich ein Paar Schuhe und ein reines Gewissen!“ (Ron Susek, Ernst Vatter, Hänssler + VLM, 2004)

„Gott allein beten wir an, aber in weltlichen Dingen dienen wir euch gern und erkennen euch als Könige und Herrscher über Menschen. Wir beten darum, dass man bei der Ausübung der königlichen Macht auch gesundes Urteilsvermögen finden möge.“
(Justin der Märtyrer, ca. 100-165, christlicher Apologet)

1787 war B. Franklin, der bekannte Erfinder, Christ und Politiker, der älteste Abgeordnete der verfassungsgebenden Versammlung in Philadelphia. In einer schwierigen politischen Situation sagte er: „Im Anfang unseres Kampfes um die Unabhängigkeit von Britannien, als wir uns der Gefahr bewusst waren, da beteten wir in diesem Hause täglich um Gottes Schutz. Und unsere Gebete, meine Herren, fanden Gehör und gnädige Antwort… Dieser gütigen Vorsehung verdanken wir es, dass es uns jetzt möglich ist, im Frieden darüber zu beraten, wie wir unser künftiges nationales Glück aufrichten können. Haben wir jetzt jenen mächtigen Freund vergessen? Oder bilden wir uns etwa ein, wir bedürfen seines Beistandes nicht mehr? Ich habe schon ein langes Leben (81 Jahre) hinter mir, und je länger ich lebe, desto überzeugendere Beweise sehe ich von der Wahrheit, dass Gott in der Angelegenheit der Menschen das führt… Uns wurde versichert: Wenn der Herr nicht das Haus baut, ist die Arbeit des Baumeisters nutzlos (Ps. 127,1). Ohne seine Hilfe haben wir bei der Errichtung dieses politischen Gebäudes nicht mehr Erfolg als die Erbauer des Turms von Babel. … Ich erlaube mir daher den Antrag zu stellen, dass hinfort jeden Morgen, ehe wir zu den Geschäften übergehen, in diesem Hause Gebete dargebracht werden mögen, in denen der Beistand des Himmels und Gottes Segen zu unseren Beratungen erfleht werden… .“ (Benjamin Franklin 1787, Rede im Konvent zum Verfassungsentwurf von Nord-Amerika)

Am 26. Juli 53 war ein erster Aufstandsversuch unter Fidel Castro gegen das korrupte Batista-Regime gescheitert. Seit seiner Rückkehr aus dem Asyl im Dezember 1956 führte Castro einen Guerillakrieg gegen die Regierung, die sich dem zunehmenden Druck am 1. Januar 1959, durch Flucht ins Ausland entzog. In deren Gefolge entschieden sich etwa 1 Million Kubaner für den Gang ins amerikanische Exil. Der Großteil dieser Flüchtlinge bezeichnet sich auch heute noch als »Exilkubaner«. Sie pflegen Brauchtum und Sprache, so dass die Rückkehr in ihre »Heimat« jederzeit möglich ist. Die Annahme der amerikanischen Staatsbürgerschaft ist für sie undenkbar.

Wenn Christen sagen, ihre Heimat sei im Himmel, und sie seien Fremdlinge auf der Erde, dann sollte man das auch an ihrem Verhalten erkennen. Zum »Brauchtum« der Christen gehörte stets das Abstandhalten vom Bösen und die Hinwendung zu den Schwächeren; weiter, dass man im fremden Land die Flagge der Heimat zeigt, wenn dies auch manche Nackenschläge einbringt. Und die »Sprache« der Heimat sollen sie auch wie die Exilkubaner beibehalten. Christen müssen »anhalten am Gebet« und einander die Heimat lieb und wert machen.

Nur wenn Christen »Brauchtum« und »Sprache« pflegen, werden sie die Hoffnung auf die Heimkehr aufrechterhalten. Und wenn sie dabei den »Einheimischen« nicht arrogant, sondern mit Respekt und Liebe und dem Gefühl, geduldet zu sein begegnen, werden sie auch diese auf die himmlische Heimat neugierig machen.

Klaus Eberwein