Monatsthema: Jesus, der Herr.
Bibelstelle: Markus 8,22-26
Predigtthema: Jesus, der Herr, öffnet die Augen
Verfasser: Dr. Heiko Krimmer
1.Zusammenhang
Aus der Hauptzeit des Wirkens Jesu, jetzt wieder in Galiläa. Voraus geht ein Gespräch Jesu mit seinen Jüngern, in dem er ihre geistliche „Blindheit“ feststellt. Jetzt macht er einen Blinden sehend. Es folgt das Petrusbekenntnis: “Du bist der Christus!“ Auch den Jüngern sind die „Augen“ aufgegangen.
2.Biblische Parallelen
Nur Markus berichtet diese Blindenheilung. Es erfüllen sich aber die atl. Messiasweissagungen (vgl. Ps. 146,8; Jes. 29,18; 35,5)
3.Der Aufbau des Textes
V.22: Orts- und Situationsangabe
V.23+24: Der Beginn der Heilung
V.25: Die vollendete Heilung
V.26: „Das Schweigegebot“
4.Einzelerklärung
V.22: Betsaida, deutsch: Fischhausen. Heimat des Petrus, Andreas und Philippus.
Dort sind mehrere Wunder geschehen (vgl. Lk. 9,10; 10,13; Mt. 11,21)
Jesus ruft nicht auf zu „Heilungsgottesdiensten“, sie bringen den Blinden zu ihm. Darin liegt die Bitte um Heilung: „Dass er ihn anrühre“. Er soll die Kraft Jesu erleben.
V.23: Jesus nimmt ihn von der Menge weg. Er ist nicht auf „Schau“ aus. Der Speichel soll dem Blinden verdeutlichen, dass Jesus an ihm handelt, auch die Handauflegung. Die Frage:“ siehst du etwas?“ nimmt den Blinden ganz in das Geschehen hinein.
V.24: „Er sah auf“, auch: Er schlug die Augen auf. „Menschen wie Bäume“, zeigt zweierlei:
a) Er hatte früher gesehen, kannte das Aussehen von Menschen und Bäumen,
b) er sieht noch verzerrt.
V.25: Jesus berührt direkt die Augen, dort also, wo die Not sitzt. Die vollendete Heilung wird doppelt festgestellt: Er sieht deutlich, wörtl.: genau sehen und er sah „scharf“, wörtl.: fernhin leuchtend, also ganz scharf in Nähe und Ferne. Jesus handelt hier in Stufen und nimmt so den Kranken ganz hinein und mit in sein heilendes Tun.
V.26: Der Geheilte wohnte wohl am Rande des Dorfes. Jesus will alle Sensation vermeiden.
5.Die Spitze des Textes
Jesus handelt als der Messias: Er tut dem Blinden die Augen auf.
6.Der Text heute
a) Wir bezeugen bis heute und gerade heute die Heilungsmacht Jesu. Wir sollen Jakobus 5,13ff in unseren Gemeinschaften ganz neu einüben.
b) Beachten wir das Verhalten Jesu. Er benützt Wunder nie zur Schau! Er will keine Sensation. Er hält keine „Heilungsgottesdienste“, sondern:“ sie brachten zu ihm …“. Wer sucht, findet Hilfe.
c) In Verbindung mit dem vorhergehenden Jüngergespräch ist durchaus auch die innerliche Blindheit Thema. Wir rufen dazu, dass wir unsere geistliche Blindheit erkennen und Heilung erbitten
7.Beispiele und Verdeutlichungen
A.Blindheit
a) Der „blinde Paul“: Ein Bruder, über lange Jahre im Verkündigungsdienst in Ruit. Er hatte geistlich weit offene Augen und hat vielen zum geistlichen Sehen geholfen.
b) Die Pharisäer nennt Jesus „blinde Blindenleiter“. Sie sehen mit ihren Augen, lesen die Schriften: sie sind aber geistlich erblindet.
c) Der Blinde hier lässt sich mitnehmen zu Jesus. Er erwartet also wirklich Hilfe.
B.Heilung
a) Die behutsame Seel- und Leibsorge Jesu. Er sieht den Blinden nicht als Objekt, sondern nimmt ihn persönlich ganz ernst und Schritt für Schritt in das Heilungsgeschehen hinein.
b) Die Heilung soll nicht Sensationsgier befriedigen. Jesus nimmt den Blinden vor das Dorf, weg von der Menge. Achtung vor allen öffentlichen „Schau“-Heilungen. Da schleicht sich ein anderer Geist ein.
c) Jesus handelt nach Jakobus 5,13ff.
C.Der Helfer
a) Hier handelt Jesus als Gott (vgl. Ps. 146,8), als der Messias (Jes. 29,18; 35,5)
b) Das führt zum Messiasbekenntnis der Jünger (V.29). Die geistlichen Augen sind aufgegangen.
c) Jesus benützt Speichel und Handauflegung, nicht als „magisches“ Tun, sondern um den Blinden ganz miteinzubeziehen in sein Helfen. Er handelt nicht nur an ihm, sondern mit ihm.
8.Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Blindheit galt in Israel als Gottes Strafe. Blinde konnten nicht zum Tempel, nicht am Gottesdienst teilnehmen. Doch Jesus, der Sohn Gottes, er nimmt den Blinden an und ernst.
1.) Zu Jesus hingebracht
Hier ist das ganze Evangelium, in dieser knappen Geschichte:
a) Jesus ist für die Ausgestoßenen da. Er verurteilt nicht. Er hilft.
b) Menschen zu Jesus zu bringen, gerade mit ihrer Not. Das ist das Vorrecht der Leute Jesu: Sehende Blindenleiter. Hin zu dem, der die Augen öffnet.
c) 10ff: Die Pharisäer wollen Zeichen sehen, aber sie sind blind und sehen nichts. V. 14ff: Auch die Jünger sind noch blind für Jesus. Die, die den Blinden zu Jesus bringen, haben angefangen zu sehen. Die Einladung bis heute: Komm in deiner Not zu Jesus. Blinde zu Jesus bringen: Eltern ihre Kinder, Frau ihren Mann. Hast du in der vergangenen Woche jemand zu Jesus gebracht?
2.) Von Jesus angenommen
Jesus wendet sich nicht ab; er nimmt den Blinden in die Einzelseelsorge. Keine Schau, dieser eine ist ihm jetzt wichtig. Er nimmt ihn ganz real hinein in sein Heilandstun: von Stufe zu Stufe, bis die Not behoben ist. Speichel, ganz sinnfällig; Handauflegung, sein Segen. Frage: Der Blinde wird nicht „überfahren“, sondern „willst du?“.
Jesus nimmt den Einzelnen ernst. Achtung vor aller „Massenabfertigung“ bei Heilungen. Da ist ein anderer Geist. Auch Jakobus 5,13ff ist Einzelseelsorge. Dass wir dazu wieder Mut gewinnen.
3.) Durch Jesus zurechtgebracht
Er sieht deutlich, sieht genau; auch übertragen: nicht nur schemenhaft und verschattet. Gottes Wort gibt klaren Blick: Wir können die Welt erkennen, wie sie ist und Gott erkennen, was er will und tut. Er sieht scharf, auch übertragen: sehen, worauf es ankommt, „fernhin leuchtend“ = den Glanz der Herrlichkeit und Ewigkeit sehen.
Er sieht alles: Den weiten Blick haben. Mit der Bibel gewinnen wir Weitblick, Durchblick und Zielblick. Auch den Jüngern gehen die Augen auf: Hier steht der Messias (Jes. 29,18; 35,5). V. 29 „Du bist der Christus“.
Schluss: Herr hilf uns, dass wir sehen.