Monatsthema: Jesus, der Herr.
Predigttext: Markus 8, 27-38
Predigtthema: Jesus, der Herr, erwartet Selbstverleugnung
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfreiches Basiswissen findet sich z. B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag) oder in diversen Studienbibeln.
siehe auch Predigtvorbereitungen von Heiko Krimmer vom 21.5.2000 und 28.5.2000
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Wuppertaler Studienbibel
* Edition C
* Hilfreiche Querverweise in die ganze Bibel bietet die Thompson Studienbibel.
* Hilfreiche Infos zum Text liefert hier die MacArthur Studienbibel (gibt es als pdf zum Downloaden auch auf www.sermon-online.de )
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
In der Geschichte von dem Blinden hat Jesus seinen Jüngern eine ganz praktische Anschauungslektion gegeben. Ein Blinder wird sehend, besser noch er sah scharf, er sah klar. Die Jünger sind so viel mit Jesus unterwegs gewesen, sie haben Wunder erlebt, Jesu Handeln mit eigenen Augen gesehen. Und noch immer fehlt ihnen der Blick für den Messias und seinen Weg. Die Verse 14 bis 21 in Kap. 8 enthalten deshalb auch einen der längsten Tadel an die Jünger. Noch nicht, sagt Jesus, seid ihr zum richtigen Verständnis gekommen. Ihr habt vieles miterlebt, ward beteiligt an der Speisung der Menschen, habt mit ausgeteilt, ward handgreiflich dabei. Als wollte Jesu sie zurückholen, fragt er sie „wie viel Körbe habt ihr denn eingesammelt bei den 5000. Zwölf sagen die Jünger. Und wie viele waren es bei den 4000 – 7 sagen sie. Versteht ihr denn immer noch nicht? So war das, die Jünger hatten Augen und sahen nicht, hatten noch keinen tieferen Blick für den Messias, seinen Leidensweg zur Erlösung für uns.
Jesus ist mit seinen Jüngern weiter unterwegs, d.h. weg von Bethsaida, Richtung Norden zu den Dörfern in der Nähe von Cäsarea Philippi am Fuße des Hermon Gebirges, ein heidnisch geprägtes Umfeld. In diesem Umfeld stellt Jesus seinen Jüngern die Kernfrage:
Was sagen die Menschen wer ich sei, was redet man über mich. So manche Einschätzung lag ja im Volk schon vor:
*seine Familie erklärte ihn für unzurechnungsfähig Mark. 3,22
*in seiner Heimatstadt lehnte man ihn ab 3,21
*Herodes wurde von seinem Gewissen geplagt und hält ihn für den Auferstandenen Johannes.
* wieder andere: er ist Prophet.
* ein guter Mensch, ein Revolutionär
Auch die Jünger fangen nun an aufzuzählen – man gestand ihm zu, du bist ein Prophet, man konnte dabei sogar die Auferstehung akzeptieren. Man ahnte oder wünschte, dass irgendeiner der großen Propheten zurückgekommen wäre. Es sind aber alles Meinungen aus der Distanz und Einschätzungen auf der menschlichen Ebene. Viele der Zeitgenossen Jesu waren aufgewühlt, beeindruckt von der Art Jesu, sicherlich auch von den Wundern. Aber weit entfernt von einer persönlichen Beziehung. Viele wissen von Jesus und bleiben doch lieber in einer sicheren Distanz. Das gefährlichste ist, über Jahre von Jesus zu wissen und nicht fest zu machen mit ihm. Dann wird das Distanzverhältnis zum Normalverhältnis – und die Freude an Jesus fehlt.
Jesus wird konkret, verlangt scharfes sehen, was denkt ihr. Was bin ich für Euch, für Dich.
In dieser Frage liegt das Wesen meines Christseins, was ist mir Jesus. Ich muss mich dieser Frage stellen: wer ist Jesus für mich?
2.2 Hinweise zu den einzelnen Versen
Vers 27
Jesus verlässt die Gegend um Betsaida, auch Galiläa war nicht mehr ratsam und so wandert Jesus mit seinen Jüngern nach Norden in ein Gebiet in dem die Juden eher die Minderheit waren. Auf dem Weg stellt Jesus an seine Jünger die entscheidende Frage.
Zuerst für: für wen halten mich die Leute?
Vers 28
Die Jünger geben eine weit verbreitete Meinung weiter – für Johannes den Täufer. Für viele war das eine plausible Antwort, glaubten doch viele Juden an die Auferstehung (außer den Sadduzäern).
Vers 29
die 2. Frage wird persönlicher – für wen haltet ihr mich, wer bin ich für euch. Die Frage geht an alle Jünger, Petrus wird zum Sprecher und spricht aus was unseren Glauben ausmacht. Jesus als der Messias, als der Sohn Gottes macht den Unterschied und die Einzigartigkeit Jesu deutlich. Deshalb wurde Jesus gekreuzigt.
Vers 30
Nun sollte man meinen, dass Jesus auf die Antwort des Petrus mit Begeisterung reagiert, endlich hat es einer verstanden. Doch Jesus untersagt aufs strengste zu diesem Zeitpunkt darüber zu reden. Jesus hatte seinen Kampf im Garten Gethsemane zu diesem Zeitpunkt noch vor sich, noch konnte er der Versuchung erliegen, den Willen des Vaters nicht zu tun. Noch war die Zeit noch nicht reif ihn als Messias und Erlöser öffentlich zu verkündigen.
Vers 31 – 33
Leiden und Auferstehung – kontra Selbstverwirklichung und „Überleben“
Jesus stellt in diesen Versen das Programm seiner „Herrschaft“ vor. Es beinhaltet Leiden und Sterben und ist menschlich gesehen wenig attraktiv. Petrus meint es menschlich sicher gut in seiner Sorge um seinen Herrn, geistlich gesehen wird er zum Versucher. Jesus reagiert hier so scharf, weil der menschliche Weg kein Weg der Erlösung ist. Jesus „muss“ leiden, verworfen werden und sterben, ohne Selbstverleugnung und Kreuz gibt es keine Vergebung und keine Erlösung.
Auch für die Nachfolger Jesu gilt: „Wer sein Leben gewinnen will wird es verlieren und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um der Heilsbotschaft willen, der wird es retten. Markus 8, 35
Jesus benutzt den Begriff Menschsohn (Daniel 7,13; Markus 2,10 und 28).
„Man kann es als eine geniale Leistung Jesu bezeichnen, dass er den himmlischen Menschensohn mit dem Weg des Leidens verbunden hat. Durch die Passion zur Himmelfahrt, durch Leiden zur Herrlichkeit – so verlief sein Weg. So wird auch der Weg der Jünger und der ganzen Gemeinde verlaufen“ Zitat Gerhard Maier, Kommentar Edition C.
Verse 34 – 38
Mit Vers 34 beginnt ein neuer Abschnitt, die sehr persönliche Unterhaltung zwischen Jesus und seinen Jüngern ist beendet. Jesus das Volk hinzu um grundlegendes zu Nachfolge zu verdeutlichen.
Nachfolge Jesu ist ohne Selbstverleugnung nicht zu haben. Ganz praktisch heißt das Ja, ich gebe stelle meine Lebensvorstellung, meine Lebensplanung unter die meines Herrn. Eigentlich logisch, wenn wir sagen Jesus ist mein Herr. Damit bejahen wir den Herrschaftswechsel und stellen uns unter den Willen Gottes. Nachfolge Jesu ist auch ohne Leiden und Kreuz nicht zu haben. Schauen wir die weltweite Gemeinde Jesu an, dann wird uns das erschreckend deutlich. Und doch haben wir die Zusage Gottes, dass wir getragen sind.
Bonhoeffer:
Der Mensch kann die ihm auferlegte Last auch abschütteln. Aber er wird damit nicht von der Last überhaupt frei, sondern er trägt nun eine viel schwerere, unerträglichere Last. Er trägt das selbstgewählte Joch seiner selbst. Jesus hat alle, die mit mancherlei Leiden und Lasten beladen sind, gerufen, ihr Joch abzuwerfen und sein Joch auf sich zu nehmen, das sanft, und seine Last, die leicht ist. Sein Joch und seine Last ist das Kreuz. Unter seinem Joch sind wir seiner Nähe und Gemeinschaft gewiss. Er selbst ist es, den der Nachfolgende findet, wenn er sein Kreuz aufnimmt.
2.3 homiletische Überlegungen
Das Wort „Selbstverleugnung“ drückt etwas aus, was uns Menschen total zuwider ist: Von sich selbst wegsehen, von seinen eigenen Bedürfnissen und seinen eigenen Wünschen, das liegt nicht in unserer Natur. Dazu braucht es eine neue Geburt. … Gott arbeitet nicht mit Zwang.
Jesus gibt in seinem Leben das beste Beispiel für Selbstverleugnung und stellt sich unter den Willen des Vaters. Sein Beispiel ist die Vorgabe für unsere Nachfolge.
3. Warum halte ich diese Predigt?
Wir haben die Ansage von Leiden und Selbstverleugnung heute genauso notwendig wie die Jünger damals. Allzu oft wird heute ein Wohlfühl-Evangelium verkündigt das keine Grundlage in der Schrift hat. Längst leidet die Gemeinde Jesu in dieser Welt oft auf ganz grausame Weise, auch wenn wir in unserem Land zumindest äußerlich noch sehr verschont sind.
Wer sich meiner und meiner Worte vor diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen… Vers 38.
3.1 mögliche Punkte für die Predigt
Jesus, der Herr, erwartet Selbstverleugnung
- Jesus erkennen – du bist der Messias
- Jesus anerkennen – dein Wille geschehe
- Jesus nachfolgen – das Ja zur Selbstverleugnung
Beispiele: Selbstverleugnung, sich selbst „aufgeben“ und an einen anderen hängen.
Klettern: Klettergurt, Seil, die schwierigste Sache ist der Augenblick wo ich mich loslassen muss in den Klettergurt hinein sitze und mich in das Seil hänge.
Hans Pfau