Apostelgeschichte

Predigthilfe vom 28.6.2009 – Apostelgeschichte 17, 16-34

Monatsthema: In der Gemeinde des Herrn leben
Predigtthema: Die Auseinandersetzung akzeptieren

Bibelstelle: Apostelgeschichte 17, 16-34

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B. Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. 7. Aufl. Liebenzell: VLM, 1996. S. 181-209 (nachfolgend zum Teil in den Predigttipp eingearbeitet) und Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil / Edition C Bibelkommentar 9. Neuhausen: Hänssler, 1990. S. 158-169.

1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Bei unserem Predigttext handelt es sich um eine ausführliche Predigt an Heiden, die in der Hauptstadt der griechischen Philosophie gehalten wird. Exemplarisch können wir hier lernen, wie die Auseinandersetzung mit einer heidnischen Religiösität zu führen ist und was eine evangelistische Predigt ausmacht. Die Vertreibungs- und Verfolgungssituation von Apg 17,1-15 wird nun weiter fortgeführt.

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

A. Die Auseinandersetzung akzeptieren, aber mit welcher Motivation? (V. 16-21)

Beachten: Die Missionsstrategie wird nicht geändert, zuerst erfolgt die Synagogenpredigt. Paulus setzt sich mit drei Kontexten in Athen auseinander: Synagoge (= ‚Kirche‘) – Agora (= ‚Marktplatz‘) – Areopag (= ‚Universität‘).

„Paulus betrachtet die Stadt Athen (V. 16):
1. Worauf Paulus beim Anschauen der Stadt besonders achtete – Die Stadt Athen war eine herrliche Stadt. Aus V. 21 erfahren wir, dass viele fremde Personen aus anderen Ländern kamen, die Stadt zu besuchen. Das war nicht zu verwundern. Sie bot sehr vieles. An ‚goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht‘ (V. 29), fehlte es nicht. Allerlei schöne Tempel und Altäre (V. 23) zierten die Straßen. Der berühmte Areopag (‚Richtplatz‘, V. 22) wurde von Tausenden besucht. Das Auge des Paulus hat auf allen diesen Sehenswürdigkeiten geruht. Er ging. wie andere Ausländer durch die Stadt hindurch und schaute alles an. Und doch betrachtete er die Stadt ganz anders als andere Besucher. Ihm war es nicht um Augenweide und Bereicherung an Kunstkenntnissen zu tun. Ihm kam es auf etwas ganz anderes an. Er suchte zu erkunden, wie es in dieser Stadt in der wichtigsten, inneren Beziehung aussehe. Wie es mit der Gotteserkenntnis in Athen stünde, darauf war das Augenmerk des Paulus bei dem Durchwandern der Stadt gerichtet. Dementsprechend war auch das Resultat seines Betrachtens ein ganz anderes als das der meisten Besucher. Mochten Tausende von Ausländern bei dem Anblick Athens unter dem Eindruck stehen: Welch eine herrliche Stadt!, so stand Paulus in erster Linie unter dem Eindruck: Welch eine abgöttische Stadt! Wie voll ist sie doch von Götzenbildern! Wie blind sind diese Menschen doch in der wichtigsten Frage, die es gibt! Die äußere Pracht des Ortes hatte ihn nicht so geblendet und bestochen, dass er dessen innere Dürftigkeit nicht durchschaut hatte. ‚Er sah die Stadt so gar abgöttisch!‘ So wie jener Knecht Gottes die Stadt Athen betrachtete, so sieht der Herr auch unsere Städte, Dörfer und Häuser an. Er kennt die Orte mitten in der Christenheit; die zwar keine Götzenaltäre an den Straßen zeigen, aber dennoch unter das Urteil fallen: ‚Er sah jenen Ort so gar abgöttisch‘.
2. Welche Gefühle durch den Anblick der Stadt in Paulus erweckt wurden – Es gibt Menschen, die das ganz kalt lässt, wenn sie um sich her die schrecklichste Abgötterei sehen. Sie glauben, es sei genug, wenn sie selbst nur außerhalb dieser heidnischen Finsternis stehen (1Mose 4,9). Dies war nicht die Stellung des Paulus. Ihn ließ der Anblick jener vielen Götzenbilder nicht gleichgültig. Eine heilige Entrüstung erfasste sein Herz dabei. ‚Er ergrimmte im Geist‘. Was sagt uns dieses Ergrimmen des Paulus in Athen? Es beweist uns den Eifer des Apostels für die Ehre seines Gottes und sein Interesse für das Heil der Menschen. Wenn Paulus nicht die Sache des Herrn so voll und ganz zur seinigen gemacht hatte, dann wäre sein Gemüt nicht in solche Wallung geraten beim Anblick der zahlreichen Götzenaltäre. Nun aber konnte er nicht ruhig dabei bleiben, wenn er sah, wie die Ehre, die dem Herrn allein zukam, den Götzen gegeben wurde und wie zahllose Menschen ohne die rechte Gotteserkenntnis dahinlebten. Die Herzensstellung, welche sich in diesem Ergrimmen zeigt, ist das Geheimnis einer gesegneten und fruchtbaren Arbeit im Reiche Gottes. Sie beschämt unseren Mangel an heiligem Eifer und unsere Lauheit beim Anblick der uns umgebenden Sündenmacht (vgl. Hes 9,4; Lk 19,41).
3. Das heilige Ergrimmen des Paulus darf mit dem sündlichen Grimm unserer Natur nicht verwechselt werden (Jak 1,19f; Eph 4,31) – Es gibt allerlei Ingrimm, der uns erfassen kann. Von manchem Grimm gilt das Wort des sterbenden Erzvaters Jakob an seine Sane Simeon und Levi: ‚Verflucht sei ihr Zorn, dass er so heftig ist, und ihr Grimm, dass er so störrig ist‘ (1Mose 49,5-7; vgl. Kap. 34). Wenn dem David beim Empfang der abweisenden und höhnischen ‚Nabalsantwort‘ die Zornesader derart schwillt, dass er alles, was männlich ist in Nabals Haus, umbringen will, so ist das menschliches Ergrimmen, das niemand, auch er selbst nicht, billigen kann (1Sam 25,21f. 32-34). Wenn Petrus das Ohr des Malchus abschlägt (Joh 18,10) und Abisai dem fluchenden Simei gleich den Kopf abreißen will (2Sam 16,9), so beweisen diese Geschichten, dass man nicht jedem gut gemeinten Ergrimmen gleich trauen darf, sondern allen Grund hat, gegen das eigene Herz recht misstrauisch zu sein. Es gibt auch einen ‚Kainsgrimm‘, der aus der Hölle stammt (1Mose 4,5; Joh 3,12). Derselbe steckt viel tiefer in uns, als wir denken, und kann sich sogar recht fromme Mäntelchen umhängen und als Eifer für Gott erscheinen. Derselbe Paulus, der hier in Athen über die Abgötterei ergrimmte, hielt es einstmals für heiligen Grimm, als er gegen die gläubigen Christen wie ein wildes Tier ‚mit Drohen und Morden schnaubte‘. Und heute noch glaubt mancher, dass es ein heiliger Zorn sei, der ihn treibe, gegen die Jünger Jesu zu kämpfen, weil er weder die Schrift noch sein eigenes Herz recht erkannt hat.
a) Das heilige Ergrimmen eifert nicht für das eigene, sondern für Gottes Interesse (Joh 2,17) – Weil wir uns so leicht über uns selbst täuschen und unseren sündlichen Grimm für heiligen Zorn halten können, deshalb tut es dringend not, nach bestimmten biblischen Kennzeichen zu forschen, durch die man ein heiliges Ergrimmen von dem sündlichen Zorn unterscheiden kann. Das erste Kennzeichen eines heiligen Ergrimmens besteht darin, dass dieses niemals für eigenes, persönliches, sondern nur für göttliches In¬teresse eifert. Wenn im Herzen des Paulus grimmige Gefühle aufgestiegen waren im Rückblick auf die neidischen Gegner, die ihn von Beröa vertrieben hatten, so wäre dies kein heiliger Zorn, sondern eine Anwandlung von Rachsucht gewesen. Oder wenn ihn der Unmut darüber erfasst hatte, dass die sehnlichst erwartete Ankunft von Silas und Timotheus sich so lange verzögerte, so hatte dies Gefühl in der menschlichen Ungeduld seinen Ursprung gehabt. Oder wenn er einige Tage später darüber erregt worden wäre, dass man ihn auf offenem Marktplatz in Gegenwart anderer Leute einen Lotterbuben nannte, so wäre dies eher gekränkte Eigenliebe als göttlicher Zorn gewesen. Aber Paulus ergrimmte weder über alte noch über neue persönliche Kränkungen, auch nicht über Geduldsproben, sondern über die große Zahl der Götzenbilder, welche Gottes Ehre schädigten. Das war heiliger Grimm. Wenn heute bei uns einer darüber ergrimmt, dass der Nachbar über seinen Acker fährt oder ein anderer Böses über ihn redet und dergleichen, so können wir gewiss sein, dass dies solcher Zorn ist, von dem das Apostelwort gilt: ‚AIle Bitterkeit und Grimm und Zorn sei ferne von euch‘ (Eph 4,31). Wenn aber ein bewährter Christ darüber entrüstet ist, dass von einflussreichen Personen unserm Heiland die Krone geraubt wird, die ihm gebührt, so ist solches Ergrimmen ganz anders zu bewerten. Wollen wir Nachfolger dessen sein, der in heiligem Grimm den Tempel reinigte, so lasst uns sorgfältig darauf acht haben, dass auch ‚der Eifer um sein Haus‘ und nicht der um unser eigenes uns ‚fresse‘ und fortreiße!
b) Das heilige Ergrimmen ist nicht mit Hass, sondern mit erbarmender Liebe verbunden (2Mose 32,7-35). Ein zweites Kennzeichen des heiligen Ergrimmens ist, dass es nicht mit Hass gegen den Fehlenden, sondern mit erbarmender Liebe gegen ihn verbunden ist. Das Beispiel von dem Ergrimmen des Mose bei dem goldenen Kalb kann uns das besonders deutlich zeigen. Als dieser Knecht Gottes von dem Berge herabstieg und das Volk bei seiner Gesetzesübertretung in lustigem Tanz sah, erfasste ihn ein heiliger Ingrimm (‚er ergrimmte mit Zorn‘, V. 19), so dass er die Gesetzestafeln zerbrach, das Kalb mit Feuer zerschmolz und strenges Gericht übte. Wollen wir diesen Grimm des Mose recht verstehen und ist es uns darum zu tun, dass unser Ergrimmen über alle heutige Abgötterei so rein und heilig sei wie das seinige, so dürfen wir einen Zug in jener Geschichte nicht vergessen: Bevor Mose im Grimm das goldene Kalb zu Pulver zermalmte, hat er vorher auf einsamer Bergeshöhe zu Gott um Erbarmen für die verirrten Tänzer gefleht. Mancher Grimm würde wohl anders aussehen oder gänzlich erlöschen, wenn solche Fürbitte einer Zornesäußerung vorausginge. Mose trat wohl zornig auf gegen die leichtfertigen und frechen Übertreter des göttlichen Gesetzes, aber sein innerster Herzensgrund war mit erbarmender Liebe zu dem verirrten Volk erfüllt, wie auch die nachfolgende Fürbitte so herrlich zeigt (V. 32). Er hasste den Frevel, aber er suchte das Beste der Frevler. So handelt der heilige Grimm. Er stammt von dem, der die Liebe ist und verleugnet diesen Ursprung nicht, wenn er echt ist. Auch Paulus hegte bei seinem Ergrimmen in Athen keinerlei Hass im Herzen, wie sein treues Bemühen um das Heil der Athener zur Genüge beweist.
c) Das heilige Ergrimmen raubt nie die ruhige Überlegung, sondern treibt zu weisem und besonnenem Handeln – Noch ein drittes Kennzeichen des heiligen Ergrimmens soll uns beschäftigen. Man erkennt es an der Klarheit des Geistes, an der Ruhe, Besonnenheit und Weisheit der Handlungen, zu denen es antreibt. Der falsche, sündliche Zorn macht die Menschen blind und unweise (Spr 29,22). Wie töricht wollte doch David in seinem menschlichen Ingrimm gegen Nabal handeln (1Sam 25,13.22)! Wie viel Fehler werden durch übereiltes Ergrimmen gemacht auf dem Gebiet der Erziehung, der Seelsorge, des Strafens, bei der Wortverkündigung und anderswo! Immer wieder erfährt man: ‚Das Gesetz richtet nur Zorn an‘ (Röm 4,15). Wie weise und besonnen handelte dagegen der in heiligen Ingrimm geratene Paulus zu Athen! Wäre sein Grimm ein fleischlicher gewesen, so hätte er vielleicht einige Götzenaltäre jener Stadt beschädigt oder zerstört. Aber wie er später in Ephesus ‚kein Lästerer der Göttin Diana‘ war (Apg 19,37), so vermied er auch hier eine derartige Kampfesart gegen das Heidentum. Der Ingrimm des Heiligen Geistes gab ihm die beste Waffe der klaren, besonnenen und entschiedenen Wortverkündigung in die Hand und auf die Lippen. So lasst uns denn vorsichtig sein im Gebiet unserer GefühlswalIungen und sie nach Gottes Wort prüfen! Der Herr aber reinige unsere Herzen von jedem sündlichen Grimm und erfülle uns zur rechten Stunde mit dem göttlichen Feuer, das in Paulus beim Anblick der Götzenaltäre entbrannte! (Christlieb, Apostel Paulus, S. 181-185).

Nutzbringende Wartezeit:
1. Paulus sammelte in der Wartezeit Kenntnisse, die dem Bau des Reiches Gottes zugute kamen. Im Leben der einzelnen Christen kommen bisweilen Zeiten und Umstände vor, wo man in besonderer Weise auf Warten angewiesen ist. Wenn man in der Fremde durch Verkehrsstörungen nicht weiterreisen oder in der Heimat wegen der Witterung seinem Beruf nicht nachkommen kann, wenn man durch einen allgemeinen Streik gezwungen ist, mit seiner Arbeit aufzuhören, so mussf man auf den Zeitpunkt warten, wo sich diese Umstände ändern. Da kann für manche die Frage entstehen: Was fange ich mit dieser Wartezeit an? Viele sind mit der Beantwortung dieser Frage schnell fertig. Sie verträumen oder vertrödeln solche Stunden oder Tage auf allerlei Weise, wenn sie nicht gar dieselben noch schlimmer verwerten. Wie aber beantwortet ein Nachfolger Jesu diese Frage? Er glaubt doch in allen Lagen an eine göttliche Vorsehung. Kein Zuganschluss geht verloren, keine Arbeitsmöglichkeit wird ihm genommen, ohne den Willen seines himmlischen Vaters. Er nimmt also auch im Gegensatz zur ungläubigen Welt solche oft recht unangenehm oder langweilig erscheinende Wartezeit aus Gottes Hand an und prüft nach der Schrift, wie solche nutzbringend angewandt werden kann. Des Paulus Aufenthalt in Athen kann uns eine Antwort auf diese Frage geben. Dort sehen wir den Apostel ebenfalls warten. Er wartete auf seine beiden Mitarbeiter Silas und Timotheus. Offenbar wollte er ursprünglich seine Missionsarbeit erst nach deren Ankunft beginnen. Was machte er nun in der Zwischenzeit, ‚da er zu Athen wartete? Er vertrieb sich die Zeit nicht durch ziel- und zweckloses Umherwandern. Er zerstreute sich nicht durch unnützes Besehen von allen möglichen äußeren Sachen, deren es in Athen genug gab. Vielmehr sehen wir ihn, wie er aufmerksam. die mannigfachen Altäre betrachtet, ihre Inschrift liest und auf diese Weise Kenntnisse sammelt, die nicht nur der Vermehrung seiner allgemeinen Welt- und Menschenkenntnis, sondern ganz besonders der nachfolgenden Arbeit im Reiche Gottes dienen. Auch wir können oft durch aufmerksames Beobachten und nützliches Lesen eine Wartezeit fruchtbringend ausfüllen (vgl. Eph 5,16).
2. Paulus gab in der Wartezeit solchen Gedanken im Herzen Raum, die dem Bau des Reiches Gottes zugute kamen. Welch falsche und verkehrte Gedanken und Gemütsbewegungen dringen oft gerade in Wartezeiten in unser Inneres ein! Bald reißt uns die Ungeduld mit sich fort, die nicht warten kann, bis das Erwartete endIich eintrifft; bald fasst uns der Ärger über die, welche vielleicht die Wartezeit verschuldet haben. Wie manche Gefahr des Missmutes, des Neides oder der Lüsternheit entsteht auch dadurch, dass man in solcher Zeit mehr als sonst in der Umgebung Beobachtungen anstellt! Wir nehmen oft gerade im Umherblicken unbewusst allerlei schlimme Einflüsse in unser Seelenleben auf, die schlecht wieder zu vertreiben sind. Auch das Gedanken- und Gemütsleben des wartenden Paulus war vielen Versuchungen ausgesetzt. Der Rückblick auf die bisherigen Erfolge konnte hochmütige Gefühle in ihm wecken. Der Gedanke an seine Verfolger konnte den Sorgengeist wachrufen. Der Anblick der Hindernisse für das Reich Gottes legte ihm die Verzagtheit nahe, und die Begegnungen mit geachteten Philosophen konnten ihn neidisch machen, wenn er ihr Ansehen mit seiner eigenen Verachtung verglich. Hatte er solchen Gedanken Raum gegeben, so würden diese ihn innerlich geschwächt und zur Arbeit für Gott untüchtig gemacht haben. Aber statt dessen öffnete er sein Herz für jene göttliche Betrübnis und heilige Entrüstung über all die Gottentfremdung, die er vorfand. Das gereichte seiner Missionsarbeit zur Förderung. Lasst uns gerade in Wartezeiten aber unser Gemüts- und Gedankenleben wachen und beten, dass wir nicht geschwächt, sondern gestärkt werden für den wichtigsten Dienst, der unsere Aufgabe bildet (Mt 26,41; Ps 119,148; Jer 4,14)!
3. Paulus knüpfte solche Gespräche an, die dem Bau des Reiches Gottes zugute kämen. Nicht nur durch Sammeln nützlicher Kenntnisse und durch das Bewegen guter Gedanken, sondern auch durch richtige Gespräche und Unterhaltungen hat Paulus die Wartezeit in Athen trefflich ausgenutzt. Er redete mit Juden und Griechen vom Heiland (vgl. V. 18b). Wie lieblich solche Ausnutzung einer Wartezeit ist, dafür ein Bei¬spiel: Dem Missionar Nommensen von Sumatra war einst auf der Heimreise nach Europa ein Schiff fortgefahren, das er benutzen wollte. Er sah eine unangenehme Wartezeit am Hafen vor sich und erwog, wie er sie auskaufen solle. Da fiel ihm ein, dass nach einer Zeitungsmeldung eine schlimme Mordtat dort vorgekommen war und der Mörder an diesem Orte seiner Hinrichtung entgegensehe. Er beschloss, diese Wartezeit zu einem Besuch bei diesem Mörder zu benutzen und mit ihm von Jesus zu reden. Als er die Erlaubnis hierzu erlangt hatte, ging er zu dem Mann, der zwar anfangs völlig unzugänglich schien, aber allmählich dem Einfluss Nommensens und dem des guten Hirten sich entschloss und zu einer wirklichen Herzenserneuerung kam. Die Gespräche mit diesem Mörder waren die beste Ausnutzung einer Wartezeit am Hafenplatz. Dort erfüllte sich in lieblicher Weise das Wort: ‚Des Gerechten Mund ist ein Brunnen des Lebens‘ (Spr 10,11; vgl. Kol 4,6; Spr 16,24). (Christlieb, Apostel Paulus, S. 185-187).

Zum Nachdenken: „Erst wenn Sie so sehen, wie Paulus sah, können Sie fühlen wie er und erst wenn sie fühlen wie er, können Sie sprechen wie er“ (John Stott)!

B. Die Auseinandersetzung akzeptieren, aber mit welcher Reaktion? (V. 22-34)

Beachten: Die Verkündigung beginnt mit der Gotteslehre. Am Anfang steht die Frage nach dem Wesen Gottes. Im Gegensatz zu der Verkündigung unter Juden (vgl. hierzu Apg 17,1-15), nimmt Paulus in der Verkündigung nicht so stark Bezug auf die Schrift, sondern er beginnt mit der Natur als Anknüpfungspunkt. Aber alles was er sagt, basiert auf der Schrift, dem ewig gültigen Gotteswort.

V. 24f: Im Gegensatz zum heidnischen Götterkult, der Gott zu einem Empfangenden macht, betont Paulus das Wesen Gottes: Gott gibt, er empfängt nicht. Hier liegt ein fundamentaler Unterschied, den Paulus als Anknüpfungs- und Einstiegspunkt wählt. Allerdings geht Paulus auch in seiner Verkündigung an Heiden von einem Wissen um Gott aus, er setzt die Existenz Gottes voraus (vgl. Röm 1,18ff).

Drei Hilfsmittel zu fruchtbarer Wortverkündigung:
„Das wichtigste Hilfsmittel zu fruchtbarer Wortverkündigung ist die Salbung mit dem Heiligen Geist, das Gebet um Erleuchtung und Kraft aus der Höhe. Ohne dies wird die beste Vorbereitung wenig helfen. Jedoch schließt diese wichtigste Voraussetzung die Verwertung guter menschlicher Hilfsmittel durchaus nicht aus. Gerade bei dem Vortrag des Paulus in Athen können wir das beobachten. Bei diesem Meisterstück einer wohldurchdachten und zielbewussten Predigt können wir drei Hilfsmittel erkennen, die dem Apostel dienen mussten und die auch heute noch bei dem göttlichen Zeugendienst treffliche Dienste tun können.
Erstes Hilfsmittel: Unterredung mit Menschen über göttliche Dinge – Paulus ließ sich auf dem Marktplatz in Athen zuerst mit einer größeren Anzahl von Personen ins Gespräch über den Weg zur Seligkeit ein. Bei diesen Gesprächen hörte er, was für Gedanken und Fragen die Athener beschäftigten. Er lernte ihre Anschauungen kennen. Nachher sprach er in seiner öffentlichen Rede gerade über die Dinge, welche die Athener, auch die zahlreichen Philosophen unter ihnen, bewegten. Er predigte nicht über Dinge, die ihnen ganz fern lagen. Man hörte es seiner Rede an, dass er die richtige Fühlung mit seinen Zuhörern vorher gewonnen hatte. Er hatte gelernt, seine Zuhörer zu verstehen. Deshalb verstanden seine Zuhörer auch ihn. Auch heute noch können die Unterredungen über göttliche Dinge, die seelsorgerlichen Gespräche, allen Zeugen des Evangeliums ein treffliches Hilfsmittel zu verständlicher und praktischer Wortverkündigung werden (Mt 12,42).
Zweites Hilfsmittel: Aufmerksames Beobachten dessen, was im Leben angetroffen wird – Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel zu fruchtbarer Wortverkündigung wurde für Paulus die aufmerksame Beobachtung dessen, was er im Leben antraf. Gewiss war sein Inneres bei seinen Gängen vor allen Dingen auf den Herrn selbst gerichtet. Aber diese treu-innige Gemeinschaft mit Gott ließ ihn nicht etwa einseitig nur tief in sich gekehrt durch die Straßen Athens dahinwandern, sondern machte ihn zugleich in gutem Sinne weltoffen. Er beobachtete das, was am Wege lag. Aber nicht so, dass er dadurch zerstreut und von Gott abgezogen wurde, sondern so, dass er göttliche Fingerzeige für seinen Dienst entdeckte. Es gibt eine falsche Weltoffenheit; die uns schädigt und schwächt. Aber die Weltoffenheit des Paulus war gesund und wurde zum Hilfsmittel für die Arbeit im Reiche Gottes. Der Anblick jenes Altars gab ihm Ausgangspunkt und Thema für seine Rede. So haben die Gottesknechte oft durch das, was sie auf ihren Wegen sahen oder hörten, Stoff für ihre Wortverkündigung erhalten. Spurgeon erzählt, wie einst der Anblick eines gesprenkelten Vogels, der von andersfarbigen Vögeln gepickt wurde, ihm Licht über den rechten Gegenstand seiner Predigt gab. Er sprach darüber, wie die Jünger Jesu von den andersgearteten Weltmenschen gehasst und verfolgt werden müssen. Ein anderes Mal bot ihm der Gang einer Gerichtsverhandlung, an der er während eines Sonnabends als Zeuge teilnehmen musste, Thema und Teile, um am folgenden Tage von dem künftigen Gericht, dem Ankläger, Verteidiger und Richter usw. zu reden. Samuel Zeller fand durch das Schild auf einem Bahnhof: ‚Vor Taschendieben wird gewarnt!‘ ein Thema und sprach längere Zeit über die Dinge, die uns innerlich um den wichtigsten Besitz bringen können. Wie hat Jesus selbst alle Beobachtungen in der Natur und im Menschenleben zu fruchtbarer Wortverkündigung verwertet, z.B. die Küchlein, die Schafe und Böcke, den Weinstock, die Lilie, die Bauarbeit usw.! Lasst uns mit offenen Augen durchs Leben gehen und alles in den Dienst des himmlischen Meisters und seiner Sache stellen (Mt 6,26-30; Spr 30,24ff)!
Drittes Hilfsmittel: Worte großer Denker und Dichter – Auf ein drittes Hilfsmittel macht uns V. 28 aufmerksam. Paulus verschmäht es nicht, auch aus dem Schatz der griechischen Dichter und Denker ein Wort zu entnehmen, um seine Zuhörer der Wahrheit näher zu bringen. Mochten jene Dichter im übrigen zur göttlichen Wahrheit stehen, wie sie wollten, eines war gewiss: Es lag in ihren Worten ein Ahnen von einem höheren göttlichen Ursprung der Menschen. Daran konnte Paulus anknüpfen, und er tat es. Diese griechischen Dichter mussten mithelfen, die Seelen zu Jesus zu führen. Wenn Paulus solche Hilfsmittel nicht verwirft, brauchen wir dies auch nicht zu tun. Nur lasst uns dabei auf eines achten: Die Worte menschlicher Dichter nehmen in der Rede des Paulus eine dienende und nicht eine herrschende Stellung ein. Es gibt geistliche Reden, in denen sehr viel von Dichtern und Denkern, aber sehr wenig von Gott und dem Himmelreich die Rede ist. Die Verfasser solcher Reden haben kein Recht, sich auf die Predigt des Paulus in Athen zu berufen. Nie sollen unsere Predigten Menschen verherrlichen, auch nicht Poeten, sondern allein den Herrn. Wo aber das Wort eines anerkannten Dichters dazu geeignet ist, Seelen zum Heil zu locken, wollen wir es an der rechten Stelle gern benutzen. Lasst uns jedes gottgewollte und biblisch berechtigte Hilfsmittel zur Wortverkündigung dankbar gebrauchen und dazu Paulus als Vorbild benutzen (vgl. Tit 1,12)!“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 193-195).

Drei Fragen, die Paulus in seiner Predigt beantwortet:
„Erste Frage: Wer ist der unbekannte Gott? Drei Fragen lagen in der Inschrift jenes Altars. Drei Antworten gab Paulus in seiner Predigt. Die erste Frage lautete: Von wem stammt unser Leiden? Wer ist es, der es über uns verhängt und Macht hat, es hinweg zu nehmen? An welchen Gott müssen wir uns deshalb wenden? Paulus zeigt seinen Hörern den, von dem alles herkommt, von dem wir ganz abhängig sind. Während die Griechen in ihren falschen heidnischen Vorstellungen immer an mancherlei besondere Götter der einzelnen Länder und Gegenden dachten, zeigt ihnen Paulus den einen Gott, der die ganze Welt geschaffen hat, der alle Menschengeschlechter in seiner Gewalt hat. Damit führt er sie aus ihren engen, beschränkten und falschen Vorstellungen heraus zu einer herrlichen Weite und Klarheit des Blickes. Der wahre Gott ist nicht der Gott eines Landes und Geschlechtes, sondern aller Länder. Jedem Volk wird Ziel und Grenze von ihm bestimmt. Das hat auch uns etwas zu sagen. Wenn wir auch alle von der heidnischen Anschauung der Vielgötterei frei sind, so haben wir doch gerade durch den furchtbaren Weltkrieg 1914-1918 oft zu sehr vergessen, dass Gott nicht der Gott eines Volkes, sondern aller Völker der Erde ist. Gott hat sie alle geschaffen und waltet über ihnen allen. Wenn unser Land verkleinert und beschnitten wurde, so wollen wir nicht über Menschen zürnen, sondern an dem Wort festhalten: Gott, der ein Herr ist Himmels und der Erde, hat Ziel gesetzt und vorgesehen, wie lang und wie weit die einzelnen Völker wohnen sollen. Von ihm kommt auch unser Leid. Er hat es verhängt und hat Macht, es wegzunehmen. Dieser Schöpfer der ganzen Welt und Leiter aller ihrer Geschicke, das ist ‚der unbekannte Gott‘, an den wir glauben.
Zweite Frage: Was will der unbekannte Gott? – Die Athener hatten durch jenen Altarbau auch bewiesen, dass sie sich in völliger Unwissenheit über den Willen Gottes befanden. Deshalb entspricht Paulus einem Bedürfnis seiner Zuhörer, wenn er ihnen Licht darüber gibt, was der unbekannte Gott will. Er fasst den ganzen Willen Gottes für die Menschen in dem einen Wort zusammen: ‚… dass sie den Herrn suchen sollten‘. Es ist von allergrößter Bedeutung für uns, dass wir die Absicht, auf die Gott bei uns hinzielt, verstehen. Bekommen wir Licht über dieselbe und gehen darauf ein, so werden wir glückliche und gesegnete Menschen. Verstehen wir sie nicht und handeln ihr entgegen, so werden wir unbefriedigte und unglückliche Leute. Hier wird uns Licht über das Ziel, welches Gott bei uns verfolgt, gegeben. Bei allen seinen Taten in Schöpfung und Weltregierung arbeitet der Herr darauf hin, dass er selbst von uns gesucht wird. Die Leute, welche ihn suchen, sind auf der richtigen Fährte. Von dem König Josia heißt es: ‚Da er noch ein Knabe war, fing er an zu suchen den Gott seines Vaters David‘. Er ging den gottgewollten Weg (2Chr 34,3). Wenn das Suchen unseres innersten Herzens auf andere Ziele, z.B. Geld, Lust, Ehre und dergleichen gerichtet ist, so erzürnen wir Gott und handeln seinem Willen entgegen. Suchen wir aber ihn, so dürfen wir uns freuen, denn wir sind auf dem göttlichen Pfad. ‚Es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen‘ (Ps 105,3; vgl. Jes 55,6; Amos 5,4-6).
Dritte Frage: Wie finde ich den unbekannten Gott? Unter den bisherigen Worten des Paulus mochte es wohl manchem aufrichtigen Zuhörer bange zumute geworden sein. Der Apostel hatte die Torheit ihres Götzendienstes dargelegt. Damit war das Leben der Athener als ein verirrtes hingestellt und ihr Gottesdienst als ein falscher und vergeblicher verurteilt. Es musste die Frage in den Herzen entstehen: Wie können wir das Verfehlte gutmachen? Wie können wir die Gunst dieses wahren Gottes erlangen und mit ihm in die rechte Gemeinschaft kommen? Hierauf geht nun Paulus ein und beantwortet auch jene dritte Frage: Wie kann man mit der Gottheit versöhnt werden? Er zeigt zuerst das, was auf göttlicher Seite nötig ist, damit dieses Ziel zustande komme, und sodann das, was auf menschlicher Seite erforderlich ist. Von Gottes Seite wird ein großer Gnadenerlass angeboten. Er kommt den Menschen mit wunderbarer Huld entgegen. Die ganze Zeit der Unwissenheit soll übersehen werden. Des bisherigen Lebens mit seinen Irrungen, Sünden und dunkelsten Flecken soll nicht gedacht werden. Welch eine Barmherzigkeit Gottes! Auf Seiten des Menschen ist nur eins not: ‚Gott gebietet allen Menschen an allen Enden, Buße zu tun‘. Buße heißt Sinnesänderung. Nicht Religionsformen, nicht Mienen oder Worte, sondern Herz und Leben müssen geändert werden, indem man nicht mehr seinen eigenen, sondern Gottes Willen zur Richtschnur nimmt. Der Weg der Buße ist nicht nur für die Athener, sondern für alle Menschen der Weg zu Gott. Wer von Buße und Bekehrung nichts wissen will, der behält in seinem Herzen den Altar: ‚Dem unbekannten Gott‘.“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 198-200).

Dreierlei Zuhörer in Athen:
„Erste Zuhörergruppe: Die Spötter – Nach der Rede des Paulus auf dem Areopag können wir drei Klassen von Zuhörern beobachten, die sich heute noch bei mancher Wortverkündigung wiederfinden. Zuerst machten sich die Spötter bemerkbar. An dem Wort ‚Auferstehung der Toten‘ haben sie sich gestoßen. Das war ja etwas Übernatürliches. Ein Redner, der dem gebildeten Publikum von Athen solchen Glauben zumutete, war in ihren Augen rückständig. Mit dem Augenblick, wo Paulus dieses Wort gebraucht hatte, war ihr Urteil über den ganzen Vortrag fertig. Ein Mann, der einen derartigen Ausdruck brauchen konnte, war bei ihnen abgetan und erledigt. Sie hielten es gar nicht für der Mühe wert, den Schluss des Vortrags anzuhören, sondern unterbrachen Paulus mit ihrem beißenden Spott. Es war ihnen unbegreiflich, wie jetzt noch, wo das Licht der griechischen Bildung überall anerkannt war, jemand an eine Auferstehung glauben konnte. Auch heute noch gibt es mitten in der Christenheit ähnliche Zuhörer, die so verstrickt sind in eine ungläubige, materialistische Weltanschauung, dass jede Erwähnung von etwas Übernatürlichem ihren Widerspruch hervorruft. Sie wissen es ganz genau, dass mit dem Tode alles aus ist. Alles, was sie mit ihrem Verstand nicht begreifen können, wird von ihnen ins Lächerliche gezogen. Sie wähnen sich hoch erhaben über solchen ‚Köhlerglauben‘ (1Kor 1,18-25; 2Kor 4,3f; 2Tim 3,8f; Spr 21,24).
Zweite Zuhörergruppe: Die Entscheidung aufschieben – Eine zweite Gruppe von Zuhörern war nicht so taktlos und benahm sich nicht so ungebildet wie die erste. Sie bestand aus denen, welche die Entscheidung hinausschoben. Sie sagten: ‚Wir wollen dich davon weiter hören‘. In dieser zweiten Gruppe mögen solche gewesen sein, die im tiefsten Grunde den Standpunkt der Spötter teilten, aber aus Rücksicht auf Paulus ihre ablehnende Stellung etwas vornehmer bemäntelten und verbargen. Es werden aber auch solche darunter gewesen sein, die einen tieferen Eindruck von dem Zeugnis des Paulus empfangen hatten. Aber es fehlte ihnen die innere Kraft, der Stimme der Wahrheit zu folgen. Jedenfalls stellte diese Gruppe eine weitere, Beschäftigung mit der Lehre des Paulus in Aussicht. Wenn dieses Vorhaben verwirklicht wurde, so dürfen wir für diese Leute Hoffnung haben, zumal durch die Unterbrechung jener Spötter der Name Jesus noch gar nicht genannt und die Herrlichkeit seiner Gabe noch nicht gezeigt war. Die köstliche Perle hat ihnen noch gar nicht in ihrem Glanz voll und ganz leuchten können. Ob aber alle diejenigen, die es hier versprachen, wirklich später weiteren Aufschluss über die göttliche Wahrheit bei Paulus suchten und fanden, das be¬zweifeln wir ernstlich. Wer weiß, ob nicht manche von ihnen später bald durch diese und jene Freunde von der Fährte, die Paulus gezeigt hatte, abgelenkt und in die Bahnen ihres altgewohnten Heidentums zurückgeführt wurden? Jedenfalls ist es ein ernstes Ding um das Aufschieben nach empfangenen Segenseindrücken (Apg 24,25; Ps 95,6-11).
Dritte Zuhörergruppe: Etliche wurden gläubig – Wir wenden uns jetzt zur dritten und schönsten Gruppe. Gott sei Dank, es gab in Athen nicht nur Spötter und Schwankende, sondern auch solche, welche die Wahrheit annahmen und gläubig wurden. Wenn es auch nicht ‚eine große Menge‘ war wie in Ikonion (Kap 14,1) oder in Thessalonich (Kap 17,4), wenn auch nicht ‚viele‘ glaubten wie in Beröa (Kap 17,12), so waren es doch immerhin ‚etliche‘, die gläubig wurden. Wir wollen nicht meinen, es müsse überall große Zahlen von Bekeh¬rungen geben, wenn ein Zeuge voll Geist und Leben an einem Ort auftritt. Lasst uns aus der Verschiedenheit der Erfolge bei Paulus etwas lernen! Wie die Jünger nicht jeden Tag ganze Scharen von Fischen fingen, so dass die Netze zerrissen und Schiffe davon sanken (Lk 5,4-7), sondern später gewiss auch für geringeren Erfolg dankbar waren, so geht es auch in der Menschenfischerei verschieden zu. Nicht auf die Größe, sondern auf die Echtheit eines Erfolges kommt es an. Lasst uns niemals geringe Zahlen verachten, sondern vielmehr dankbar auch für wenige sein, die das Wort aufnehmen und selig werden (Mt 13,31f; Mt 11,25f)!“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 207f).

Zum Nachdenken: Wie sieht meine Reaktion auf die Predigt des Wortes Gottes aus? Ablehnung – Aufschub – Annahme?

3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Unsere Predigtübersicht 2009 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Herausforderung“.

Nach Armin Baum (zu V. 22-31): Das Evangelium füllt eine Leerstelle der heidnischen Theologie (V. 22f). Weil Gott der transzendente Schöpfer der Welt ist, sind Tempel und Kulthandlungen seinem Wesen unangemessen (V. 24f). Dass Gott den Lauf der Welt lenkt, bietet Heiden Anlass, nach ihm zu suchen (V. 26f). Weil Gott und Mensch einander ähnlich sind, sind Gottesbilder dem Wesen Gottes unangemessen (V. 28f). Weil Gott am jüngsten Tag Gericht halten wird, müssen alle Menschen Buße tun (V. 30f).

In Apg 17,16-34 entdecken wir die Anknüpfungspunkte (V. 16-21), den Inhalt (V. 22-31) und die Reaktion (V. 32-34) auf eine evangelistische Predigt.

4. PREDIGTGLIEDERUNG

Die Auseinandersetzung akzeptieren, aber mit welcher
A. Motivation? (V. 16-21)
a) Fühlen – aber was empfinden wir noch? (V. 16a)
b) Sehen – aber was sehen wir noch? (V. 16b)
c) Reden – aber was sagen wir noch? (V. 17-21)
B. Reaktion? (V. 22-34)
a) Erkennen – Gott ist der allmächtige Schöpfer (V. 21-25)
b) Erkennen – Gott ist der liebevolle Vater (V. 26-29)
d) Erkennen – Gott ist der gerechte Richter (V. 30f)
c) Erkennen – Gott ist der bestimmende Herr (V. 32-34)

oder nach Wilhelm Wagner (Predigtvorbereitung für den 11.09.1988):
A. Die Situation erkennen
B. Sich den Fragen stellen
C. Die Fakten klarstellen

oder nach John MacArthur:
A. Erkenne, dass Gott ist!
B. Erkenne, wer Gott ist!
C. Erkenne, was Gott gesagt hat!

oder nach John Stott:
A. Was Paulus sah!
B. Was Paulus empfand!
C. Was Paulus tat!
D. Was Paulus sagte!