Monatsthema: In der Gemeinde des Herrn leben
Predigtthema: Die Ablehnung aushalten
Bibelstelle: Apostelgeschichte 17, 1-15
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B. Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. 7. Aufl. Liebenzell: VLM, 1996. S. 173-181 (nachfolgend zu einem großen Teil in den Predigttipp eingearbeitet) und Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil / Edition C Bibelkommentar 9. Neuhausen: Hänssler, 1990. S. 148-157.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Trotz der Erfahrung, dass die Verkündigung und der Dienst für Jesus in Bedrängnis führen kann, bleiben Paulus und seine Mitarbeiter ihrer Berufung treu, denn der Herr führt nicht nur in Bedrängnis hinein, er hilft auch in ihr und kann auch wieder herausführen. So setzen sie ihren Dienst fort, lassen nicht nach, aber machen darin gegensätzliche Erfahrungen im Hinblick auf die Reaktion auf ihre Botschaft. Entscheidend ist für Paulus und seine Mitarbeiter aber nicht die Wirkung ihres Dienstes, sondern die Treue zur Berufung durch den Herrn (vgl. 16,9f). Aus diesem Grund gilt es im Dienst auch Ablehnung auszuhalten (= Predigtthema von Apg 17,1-15).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Die Verkündigung in Thessalonich (V. 1-9) und Beröa (V. 10-15) ist gleich, aber die Wirkung des Wortes ist sehr verschieden.
A. Verkündigung und Verfolgung in Thessalonich (V. 1-9)
V. 2: dialegomai = miteinander reden / sprechen zu – aber „aus den Schriften“. Verkündigung ist nicht nur ein Monolog, sondern auch ein Dialog, aber der entscheidende ‚Gesprächspartner‘ ist die Bibel.
Das die Botschaft in Frage gestellt wird, ist eine Erfahrung die wir im Dienst immer wieder machen müssen. Die Frage ist, wie wir darauf reagieren?
„Drei Fehler sind es vor allen Dingen, die uns beim Anblick jener Gegner des Paulus entgegentreten:
1. Die erste Sünde der Feinde: Neid – ‚Die halsstarrigen Juden neideten‘, d.h. sie missgönnten dem Paulus den großen Erfolg, den seine Evangeliumsverkündigung hatte. Sie selbst hatten niemals solchen Anklang finden, niemals ähnliche Begeisterung hervorrufen können. Nun gönnten sie auch diesen Fremden solches nicht. Der Neid, den die Schrift zu den Werken des Fleisches zählt (Gal 5,20) und als Eiter in den Gebeinen bezeichnet (Spr 14,30), sucht auch in unsere Herzen einzudringen. Wenn wir bei unserem Nächsten irgendeinen besonderen Segen etwa im geschäftlichen Leben oder in der Erlangung einer einflussreichen Stellung bemerken, so ist der böse Neid nahe und will sich bei uns einschleichen. Hüten wir uns vor diesem Schlangengift, damit wir jenen Widersachern des Paulus nicht ähnlich werden (2Kor 12,20)!
2. Die zweite Sünde der Feinde: Verleumdung – Bei den Widersachern des Paulus in Thessalonich blieb es nicht nur bei neidischen Gedanken, sondern es kam auch zu Zungensünden. Sie verleumdeten Paulus vor den Stadtobersten, indem sie ihn als einen Unruhestifter und politisch gefährlichen Menschen hinstellten. Beides war natürlich unwahr. Wohl war bei mancher Arbeit des Paulus Unruhe entstanden, aber nicht durch seine, sondern seiner Feinde Schuld, wie man dies gerade hier in Thessalonich deutlich erkennen kann. Wohl lehrte er von einem Königreiche Jesu, aber nicht in dem politischen Sinn der Anklage. Die Worte, welche der Neid den Männern eingab, waren also boshafte Entstellung und gehässige Unwahrheit. Lasst uns nie in die Fußstapfen dieser Verleumder treten! Die Schrift warnt vielfach vor der Sünde der Verleumdung. Sie sagt: ‚Du sollst kein Verleumder sein unter deinem Volk‘ (3Mose 19,16). ‚Afterredet nicht untereinander, liebe Brüder‘ (Jak 4,11). ‚Ein böses Maul wird kein Glück haben auf Erden‘ (Ps 140,12; vergleiche 2 Mose 20,16; Eph 4,25; Röm 1,30). […]. In Davids Umgebung durfte niemand sein, ‚der seinen Nächsten heimlich verleumdet‘ (Ps 101,5). Der himmlische Davidssohn wird solche noch weniger in seiner Gemeinde dulden. Bei seinem Volk bleiben zuletzt keine ‚Doegszungen‘ (Ps 52,4; 1Sam 22,9-19), die mit Lügen schneiden wie mit einem scharfen Schermesser (Ps 52,4), auch keine Nachfolger des Diotrephes, der mit bösen Worten wider Johannes schwatzte (3Joh 10). Nur ‚wer mit seiner Zunge nicht verleumdet‘, wird nach Psalm 15,3 Heimatrecht auf dem heiligen Berge der bleibenden Gottesgemeinschaft behalten.
3. Die dritte Sünde der Feinde: Andauernder Hass – Die neidischen Verleumder in Thessalonich brachten es fertig, dass Paulus von Thessalonich weichen musste. Er reiste nach Beröa. Man hätte denken können, dass sie sich nun beruhigt und Paulus für die Zukunft nicht mehr belästigt hätten. Aber das war nicht der Fall. Ihre Wut gegen diesen Zeugen schlief auch nach dessen Abreise nicht ein. Als sie von der Verkündigung des Evangeliums in Beröa hörten, eilten sie auch dorthin, um die Arbeit des Paulus zu hindern. Aus dieser ihrer Reise nach Beröa können wir die Nachhaltigkeit ihres Hasses gegen Paulus erkennen. Wie tief hatte sich doch der Groll gegen ihn in ihrem Herzen festgesetzt.! Auch dieser Anblick weist uns auf eine Sünde hin, vor der niemand sich sicher wähnen soll. Welchen Schaden hat doch ein tief im Herzen wurzelnder Hass schon angerichtet, auch wenn es äußerlich nicht zu solchen Ausbrüchen gekommen ist wie bei jenen Widersachern von Thessalonich! Wie gefährlich ist die bittere Wurzel (Hebr 12,15), die oft durch eine Kleinigkeit im Herzen entstehen kann! Es gibt nur einen Hass, der erlaubt ist, ja sogar geboten ist. ‚Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge‘ (Ps 97,10; Röm 12,9). Hassen wollen wir alle falschen Wege (Ps 119,104.128). Hassen wollen wir den vom Fleisch befleckten Rock (Jud 23), aber niemals einen Mitmenschen, auch wenn er eine ganz andere Überzeugung hat als wir (3Mose 19,17; Ps 34,22).
Was haben Neid, Verleumdung und Hass bei Paulus ausgerichtet?
Wenn jemand in damaliger Zeit den Neid, die Verleumdungen und den anhaltenden Hass der Widersacher des Paulus beobachtet hätte, so hätte ihm wohl angst und bange werden können um den Apostel. Auch heute noch neigt manches Jüngerherz zur Verzagtheit im Blick auf den Hass und die Feindschaft der Welt gegen die kleine Herde. Demgegenüber ist erquickend und glaubensstärkend zu sehen, was denn eigentlich jene Feinde des Paulus fertig gebracht haben. Gewiss haben sie ihn von Thessalonich vertrieben und später auch seine Abreise von Beröa veranlasst. Aber was bedeutete denn seine Flucht von Thessalonich nach Beröa? Sie bedeutete eine große Segensvermehrung für Paulus. Er kam an einen Ort, wo er ganz besonders liebliche Erfahrungen machte (Apg 17,11f) und reiche Frucht für Gott bringen durfte. Der Hass der Feinde wurde von Gott als Mittel benutzt, um seine Knechte zu größeren Segnungen und neuen Erquickungen zu führen. Die zurückbleibende Gemeinde vermochten die Gegner nicht zu vernichten. Diese göttliche Pflanzung fasste unter den Verfolgungsstürmen nur noch tiefere Wurzeln, wie die Thessalonicherbriefe beweisen. Und dem Apostel konnten sie erst recht nicht schaden. Wohl konnten sie ihm als Menschen manche harte Stunde bereiten. Aber dieses achtete Paulus kaum (Röm 8,18). Wohl konnten sie ihm manchen Seufzer auspressen, aber diese Seufzer verbanden ihn nur inniger mit dem Herrn, zu dem sie aufstiegen. Wohl konnten sie ihn in der Geduld üben, aber die Geduld brachte ihm nur Bewährung (Römer 5,4; wörtlich). Trotz ihrer Scheinerfolge mussten die Feinde den göttlichen Sieg durch Paulus nur vermehren helfen. Ebenso war es mit seiner Vertreibung von Beröa nach Athen, die nur zur Gewinnung anderer Seelen, sogar eines hochgestellten Ratsherrn (V. 34) führte. Wahrlich, die Feinde haben dem Apostel nicht schaden dürfen.Auch heute noch gilt allen Nachfolgern Jesu das Petruswort [1Petr 3,13]: ‚Wer ist, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nachkommt‘ (vergleiche Röm 8,28)?“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 173-175).
„Streue deinen Samen aus, dann lass Gott segnen“
B. Verkündigung und Verfolgung in Beröa (V. 10-15)
„Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir; denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun“ (Zinzendorf).
„Lasst uns bei dem Aufenthalt des Paulus in Beröa auf die Evangeliumsboten, die Evangeliumsempfänger und die Evangeliumsfeinde achten! Von jeder dieser drei Klassen können wir für unseren praktischen Christenwandel etwas lernen:
1. Die Evangeliumsboten – Paulus und Silas hatten soeben in der Synagoge zu Thessalonich recht böse Erfahrungen gemacht. Die halsstarrigen Juden hatten sie aus Neid und Hass vertrieben. Manchem wäre nach solchen Erlebnissen die Lust vergangen, an einem anderen Orte wieder in die Synagoge zu gehen. Trotzdem heißt das erste Wort über die Arbeit in Beröa: ‚Da sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge. Wie tief beschämt uns doch jedesmal diese Liebe des Paulus zu seinen Landsleuten! Er wusste, wie fest diese an der Synagoge hielten und wie er an diesem Orte die günstigste Gelegenheit hatte, sie alle mit dem Evangelium zu erreichen. So trieb ihn das Erbarmen mit seinem Volk immer wieder gerade dorthin. Wie Gott einst mit ihm Geduld gehabt hatte, so zeigte er jetzt wiederum Geduld anderen gegenüber. Er bewies die Liebe, ‚die sich nicht erbittern‘ (1Kor 13,5).
2. Die Evangeliumsempfänger – Bei den Evangeliumsempfängern wollen wir auf einen doppelten Vorzug achten:
a) Diese standen zunächst in einem wohltuenden Gegensatz zu den Hörern in Thessalonich. Letztere hatten sich sehr roh und unanständig gegen Paulus benommen, indem sie seine Arbeit mit Hilfe des Pöbels von der Gasse zu unterdrücken suchten. Ein solches Verhalten war ungebildet. Demgegenüber zeigten sich die Leute von Beröa vornehm und anständig (Luther: ‚edel‘), indem sie das Wort ruhig anhörten. Solches Benehmen zeugte von Takt und Anstand.
b) Dabei waren sie in gutem Sinne selbständige Leute. Bei allem Wohlwollen prüften sie doch die ihnen bisher unbekannte Lehre des fremden Predigers erst nach der Schrift, bevor sie dieselbe annahmen. Solche Selbständigkeit, die das Gehörte genau mit dem ganzen Worte Gottes vergleicht, tut in unserer Zeit dringend not, wo mehr und mehr allerlei Irrtümer in die Kreise der ernsten Christen hineingetragen werden (1Thess 5,21; 1Joh 4,1). Die Leute von Beröa können uns in ihrer Verbindung von Freundlichkeit und Vorsicht zum Vorbild dienen.
3. Die Evangeliumsfeinde – Endlich wollen wir auch von den Evangeliumsfeinden etwas lernen. Zwar ihre Feindschaft müssen wir verurteilen. Aber ihr Eifer für den falschen Weg kann unsern Eifer für den guten beschämen. Wie zäh verfolgten sie ihr Ziel, das Evangelium zu hindern! Wie leicht lassen wir nach in dem Bemühen, es zu fördern! Sie waren sofort zur Stelle, als es galt, den Sieg des Wortes aufzuhalten. Lasst uns wie jene gleich am Platze sein, wo es gilt, diesen Sieg weiterzutragen I Sie waren glühend im Hassen. So lasst uns brennend werden im Lieben! Sie waren ganze Leute für ihre falsche Überzeugung. So lasst uns ganze Leute werden für unsere richtige! (Christlieb, Apostel Paulus, S. 176f).
„Nimm mein Herz, ich will es geben auf ewig dir zum Eigentum. Ich will mir selbst nicht länger leben, mein Herzenskönig, Jesu komm“ (Tersteegen)!
Hören bedeutet: ich nehme mir Zeit – ich will mir was sagen lassen – es redet ein anderer! Die für uns entscheidende Frage ist: Was erwarten wir vom Lesen der Bibel, vom Hören der Predigt (vgl. z.B. Ps 119,133; 2Tim 3,7)? Wenn wir die Bibel lesen und auf die Predigt achten, dann tun wir nicht Gott einen Gefallen, sondern uns!
„Die vorliegenden Betrachtungen sollen Anleitung geben zu rechtem Gebrauch der Schrift. Zur Erreichung dieses Zieles kann uns gerade der Anblick der Christen in Beröa recht behilflich sein. Lasst uns beachten: wann, wie und mit welchem Erfolg sie ihre Bibel gebrauchten!
Wann die Leute zu Berk ihre Bibel benutzten – Wann nahmen sie das Wort Gottes zur Hand? Nicht etwa nur am Sabbat oder an besonderen Feiertagen, sondern auch außer dieser Zeit. Jeden Tag sah man sie in diesem Buch lesen. So wollen auch wir uns nicht auf die Sonntage, auf die Gottesdienste und Versammlungen beschränken, sondern auch außerhalb derselben in der Heiligen Schrift lesen. Wollte doch Gott schon im Alten Testament, dass man das Gesetzbuch Moses bei jeder Gelegenheit daheim und auf den Reisen, bei Tag und Nacht benutzte (5Mose 6,6-9; Ps 1; 119,97.148). Viel mehr gilt dies von dem Evangelium, das im ganzen Worte Gottes enthalten ist. Wie könnten einst die Leute von Beröa gegen die Christen der heutigen Zeit auftreten, weil sie ihr Altes Testament so treu gebrauchten, während heute so viele über dem Lesen weltlicher und christlicher Blätter ihr bestes Buch verstauben lassen!
2. Wie die Leute zu Berk ihre Bibel benutzten – (Johannes 5, 39). Wie soll man seine Bibel gebrauchen? Diese Frage ist von größter Wichtigkeit. Die Leute von Beröa können es uns zeigen. ‚Sie forschten im Worte‘. Sie lasen nicht nur einen biblischen Abschnitt, um eine religiöse Pflicht erfüllt zu haben. Sie suchten etwas im Worte. Sie wollten wissen, ob die Botschaft von Christus im Alten Testament bezeugt sei, wie Paulus es gesagt hatte. Sie überließen diese Frage nicht den gelehrten Theologen. Sie wollten selbst im Worte Gottes Klarheit und Gewissheit hierüber erlangen. Die göttlichen Zeugnisse im Worte waren in Wahrheit ihre ‚Ratsleute‘ (Ps 119,24), mit denen sie sich über die wichtigste Frage des rechten Weges zur Seligkeit berieten. Und weil ihnen Paulus den Heiland als einzigen Weg zum Himmel bezeugt hatte, so suchten sie im Worte nach diesem Jesus, den der Apostel gepredigt hatte. Das ist der rechte Gebrauch des Bibelbuches auch für uns. Es gilt für jeden, den richtigen Weg zur Seligkeit in demselben zu suchen und den Heiland darin finden zu wollen, wie jene es taten. Wer also täglich im Worte forscht, dem wird der Segen nicht fehlen.
3. Mit welchem Erfolg die Leute zu Beröa ihre Bibel benutzten – Der Segen des treuen Forschens im Worte Gottes bestand für die Leute in Beröa darin, dass sie zum Glauben geführt wurden. Sie wurden von der Richtigkeit der Predigt des Paulus überzeugt. Sie erkannten den von ihm gepredigten Jesus als wahren Messias, den auch sie als ihren Retter und Heiland annehmen durften und annahmen. Sie waren sich auch klar darüber, dass sie damit nicht etwa die Religion der Väter verleugneten, sondern sich im Gegenteil auf dem Wege befanden, den Gott schon dem Abraham und anderen Gottesmännern gewiesen hatte. Wenn man sie etwa von ungläubiger Seite aus der Sektiererei beschuldigte, so wussten sie: Nicht wir sind eine Sekte; vielmehr trennen diejenigen sich von der großen Gottesgemeinde auf Erden, welche diesen Weg des Glaubens an Jesus ablehnen, obwohl er klar und deutlich in der Schrift bezeugt ist. Auch für uns besteht die Segenswirkung eines rechten Bibelgebrauches darin, dass wir zum Glauben geführt und immer tiefer in demselben gegründet werden. Jeder Lichtstrahl, der durch den Geist Gottes aus der Bibel in unser Herz dringt, bringt uns Glaubenslicht und führt uns auf den Glaubensweg. Wohl uns, wenn wir zu der Zeit, auf die Art und mit dem Erfolg jener Leute unser Bibelbuch brauchen! (Christlieb, Apostel Paulus, S. 177f).
„Es ist nicht genug, Gott zu suchen, täglich in der Schrift zu forschen, ob sich’s also verhalte, sondern es muss einmal der Punkt kommen, wo der Hörer des Wortes sein Forschen und Prüfen verlässt, den Sprung des Glaubens wagt und bereit ist, für Jesus zu leben und zu leiden“ (Hansjörg Bräumer).
Vgl. Röm 10,17: „Der Glaube kommt aus dem ‚Hören‘.“ Zu Recht wies Georg Müller darauf: „Die geistliche Kraft in unserem Leben steht in einem genauen Verhältnis zu dem Platz, den die Bibel in unserem Leben und in unseren Gedanken einnimmt“.
„Wenn wir jene Zuhörer des Paulus in Beröa in ihrem Schriftgebrauch beobachten und damit vergleichen, wie heute viele Christen ihre Bibel zur Hand nehmen, so fällt uns ein Unterschied auf, der uns mit tiefer Wehmut erfüllt. Den Zuhörern des PauIus in Beröa war es eine selbstverständliche Sache, dass die Schrift ausschlaggebend sei, weil Gott in ihr seinen heiligen Willen kundgetan und sich darin geoffenbart hat. Leider können wir diesen richtigen Standpunkt jener Leute heutigentags nicht bei jedem Christen voraussetzen. Das Schlangengift einer hochmütigen Kritik hat viele verdorben. Statt diesem Worte Gottes untertan zu sein, stellen viele ihre eigene Vernunft und Meinung über dasselbe. Über diesen Hochmut und Mangel an Gottesfurcht gilt es Buße zu tun, wenn das Wort Gottes seine ganze Segenskraft bei uns entfalten soll. Die Leute zu Beröa kamen mit ihrer kindlichen und demütigen Stellung zur Bibel unendlich weiter in göttlicher Erkenntnis als viele Weise nach dem Fleisch (1Kor 1,26), denen dies fehlt. Es ist besser, mit dem Psalmisten nach Luthers Übersetzung zu flehen: ‚Lass deinen Knecht dein Gebot fest für dein Wort halten, dass ich dich fürchte‘ (Ps 119,38), statt dem Versucher unser Ohr zu leihen, wenn er seine Zweifelsfrage ‚Sollte Gott gesagt haben?‘ in unser Herz werfen will. Wollen wir die Gotteskraft, die im Worte liegt, am eigenen Herzen erfahren, so müssen wir auch um die Stellung zur Bibel beten, die nach Gottes Willen die richtige ist“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 179).
„Wer zum Dienst Gottes hinzutritt, der wisse, dass er zur Kelter gekommen ist. Er wird bedrängt, zerstampft, niedergetreten, aber nicht um in dieser Welt zugrunde zu gehen, sondern um hinüber zufließen in die Weinkammern unseres Gottes“ (Augustinus)!
3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2009 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Verfolgung und Treue“. Die Verkündigung bewirkt sowohl in Thessalonich als auch in Beröa sowohl Annahme als auch Ablehnung. Entscheidend ist nicht, wie es uns im Dienst ergeht, sondern dass wir treu zu der Berufung Gottes in unserem Leben stehen (1Kor 4,1f). Eine ganz zentrale Stellung im Hinblick auf die Wirkung des Dienstes an uns selbst und an den Hörern nimmt das Wort Gottes ein. Die Stellung und Zentralität des Wortes Gottes für unsere Lehre und Leben ist im Rahmen der Predigt zu betonen (vgl. Apg 17,2.11 mit 1Kor 4,6).
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Die Ablehnung aushalten:
A. Verkündigung und Verfolgung in Thessalonich (V. 1-9)
a) Das alte Leben wird abgelehnt (V. 1-4)
b) Das neue Leben wird abgelehnt (V. 5-9)
B. Verkündigung und Verfolgung in Beröa (V. 10-15)
a) Hören, was der Herr sagt (V. 10+11a)
b) Lesen, was der Herr sagt (V. 11b)
c) Glauben, was der Herr sagt (V. 12)
d) Befolgen, was der Herr sagt (V. 13-15)