Monatsthema: Innehalten – Gottesdienst
Predigtthema: Alles hat seine Zeit!
Bibelstelle: Prediger 3, 1-9
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Der Predigtanlass ist ein „Innehalten-Gottesdienst“. Der Schwerpunkt in diesem Gottesdienst liegt auf dem gemeinsamen „zur Ruhe kommen und Hören“. Innehalten heißt, dass wir nicht einfach von einem Monat in den anderen eilen, sondern immer wieder anhalten – Atemholen und uns dabei neu ausrichten bevor es weitergeht. Von daher hat in diesem Gottesdienst auch der Rückblick seinen Raum. Wir wollen bewusst weitergehen und von daher überlegen, was wir in den nächsten Monat mitnehmen und was wir zurück- bzw. loslassen. Zentral geht es im Gottesdienst darum, dass wir wahrnehmen, dass sich der Alltag sehr gegensätzlich gestaltet und z.B. „Entstehen und Vergehen“, „Freud und Leid“ und „Gewinn und Verlust“ im Leben abwechseln. Somit ergibt sich für die Predigt das Thema: „Alles hat seine Zeit“.
Die Abgrenzung des Predigttextes orientiert sich an der Einteilung in der Elberfelder Bibel 2006. Der Vers 1 enthält die Hauptaussage (= Einführung) – die Verse 2-8 bilden die Hauptaussage (= Entfaltung) – V. 9 stellt abschließende Frage, was nun daraus zu lernen ist (= Ertrag). Da Einführung und Ertrag sehr kurz sind und die Entfaltung ausführlich, erscheint es hilfreich die Predigt nicht durch drei ungleiche Teile zu strukturieren und die Entfaltung dann wiederum in drei Unterpunkte zu gliedern. Es dürfte für die Hörer leichter zu erfassen sein, wenn die Predigt in fünf gleich umfangreiche Abschnitte gegliedert wird, die dafür „leicht merkbar“ formuliert werden.
Das zentrale Thema der Predigt „Alles hat seine Zeit“ (= Predigtthema) wird in V. 1 eingeführt. Dann in 3 praktischen Themenbereiche über Gegensatzpaare verdeutlicht. Zusammenfassend lässt sich diese Entfaltung inhaltlich durch die Themenfelder „Entstehen und Vergehen“ (V. 2f), „Freud und Leid“ (V. 4f) und „Gewinn und Verlust“ (V. 6-8) zusammenfassen. Alles hat seine Zeit! Dies gilt es zuerst einmal wahrzunehmen (V. 1). Diese Erkenntnis gilt es dann anzunehmen (V. 2f: „Entstehen und Vergehen“) und hinzunehmen (V. 4f: „Freud und Leid“), weil wir daran teilzunehmen (V. 6-8: „Gewinn und Verlust“) haben. Diese Erkenntnis und Erfahrung wird uns aber nur etwas nützen, wenn wir sie auch mitnehmen (V. 9) und anerkennen.
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Claus-Dieter Stoll. Der Prediger. Wuppertaler Studienbibel AT. Wuppertal: R. Brockhaus, 1993. S. 66-71.
* Benedikt Peters. Das Buch Prediger: ‚Sphinx‘ der hebräischen Literatur. 2. Aufl. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 2006. S. 62-65.
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext empfehlen wir das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der textbezogenen Predigten von Samuel R. Külling mit dem Titel „Eine Zeit für alles unter dem Himmel“ (Prediger 3,1-15) und von Benedikt Peters mit dem Titel „Zeit und Ewigkeit“ (Prediger 3,1-22). Viele praktische Anregungen und Veranschaulichungen enthält die Bibelarbeit von Hans-Peter Royer mit dem Titel „Prediger 04/12“ (Prediger 3,1-22). Die vorgenannten Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle [z.B. Prediger 3]“ und „Autor“ ausfüllt.
„Auf dichterische Weise vergleicht der Prediger immer einzelne Gegensatzpaare (Beispiele). Es ist nicht Gottes Ziel, dass unser Leben monoton abläuft, sondern von Abwechslung und Spannungen bestimmt ist, in denen alles seinen Platz findet. Nie kann alles gleichzeitig geschehen, aber für alles gibt es eben eine bestimmte Zeit. []. Unsere Zeit, gute und weniger angenehme Zeiten, sind von seinen Vaterhänden umschlossen“ (Walter Hilbrands). Aus diesem Grund empfiehlt es sich zum Predigteinstieg z.B. das Verhältnis der Jahreszeiten zum pflanzlichen Wachstum anzusprechen: „Alles hat seine Zeit“ und alles ist notwendig – nichts ist umsonst!
A) Alles hat seine Zeit – deshalb: Wahrnehmen (V. 1)
Zuerst einmal gilt es wahrzunehmen: „Alles, was Menschen tun, hat seine bestimmte Zeit, nicht mehr. Es ist nicht ewig, daher sollen wir unserem Tun und den Geschehnissen in der Zeit kein größeres Gewicht geben, als sie haben. [.]. Toren sind wir hingegen, wenn wir Zeitliches so ernst nehmen, als sei es Ewiges. Es gehört zu den Merkmalen der Torheit, dass sie zwischen Zeit und Ewigkeit nicht zu unterscheiden vermag. Der Tor gewichtet die Dinge der Zeit so, als blieben sie für immer (Ps 49,12f); dafür gibt er den Dingen der Ewigkeit so geringes Gewicht, als seien sie eine Belanglosigkeit (Lk 12,20). Das ist eine schlimme Verirrung des Urteils“ (Peters, Prediger, S. 62).
Vgl. V. 1 mit Gal 4,4; Spr 26,1-12
B) Alles hat seine Zeit – deshalb: Annehmen (V. 2+3)
„Der erlebende Mensch ist nicht der Willkür irgendwelcher Mächte oder Ereignisse ausgeliefert, sondern eingeordnet in eine Welt, über die Gott die Hand hält“ (Stoll, Prediger, S. 66).
Inhaltlich beziehen sich die Gegensatzpaare auf den Zusammenhang von „Entstehen und Vergehen“.
Vgl. V. 2 mit Ps 139,15f; Hiob 14,5f; Mt 6,27
Vgl. V. 3 mit 1Kön 22,34; 5Mose 32,39
C) Alles hat seine Zeit – deshalb: Hinnehmen (V. 4+5)
Inhaltlich beziehen sich die Gegensatzpaare auf den Zusammenhang von „Freud und Leid“.
Vgl. V. 4 mit Ps 30,6; 126,2
D) Alles hat seine Zeit – deshalb: Teilnehmen (V. 6-8)
Inhaltlich beziehen sich die Gegensatzpaare auf den Zusammenhang von „Gewinn und Verlust“.
Vgl. V. 7 mit 1Mose 37,29; 2Sam 13,31
E) Alles hat seine Zeit – deshalb: Mitnehmen (V. 9)
„Alles Erleben ist eingeordnet in einen göttlichen Zeitplan, der dem Menschen ‚unter der Sonne‘ allerdings verborgen ist“ (Stoll, Prediger, S. 66).
Vgl. V. 9 mit 1Kor 15,58
3. PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Stille“. Stille bedeutet nicht, dass alles zum erliegen kommt und nichts mehr geschieht, sondern das wir im Herrn zur Ruhe kommen. Prediger „lehrt hier keine Vorherbestimmung in dem Sinne, dass alles Tun und Lassen des Menschen von Gott schon immer so geplant sei und der Mensch wie eine Maschine danach laufe. Genau so wenig vertritt er die Auffassung, der Mensch sei nur ein Spielball von Kräften, über die er keinerlei Verfügung habe. Vielmehr beschreibt er die vertrauensvolle Erfahrung, dass der Mensch in all seinem Erleben, ob gut oder böse, letztlich doch in Gottes Hand geborgen ist. Damit wird er nicht seiner Verantwortlichkeit enthoben. Aber er wird befreit von dem Druck, immer mehr tun zu müssen, um möglichst viel zu verbessern, als ob der Mensch für alles selbst und ausschließlich verantwortlich sei (Stoll, Prediger, S. 66f).
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Alles hat seine Zeit! Deshalb:
a) Wahrnehmen (V. 1)
b) Annehmen – Entstehen und Vergehen (V. 2+3)
c) Hinnehmen – Freud und Leid (V. 4+5)
d) Teilnehmen – Gewinn und Verlust (V. 6-8)
e) Mitnehmen (V. 9)