Monatsthema: Kurs halten in stürmischen Zeiten
Predigtthema: Auf Kurs bleiben – zur Klarstellung
Bibelstelle: Apostelgeschichte 19, 1-20
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Die Apostelgeschichte wird durch 5 wiederkehrende Formulierungen in 6 Hauptabschnitte strukturiert (Apg 6,7; 9,31; 12,24; 16,5; 19,20). Mit Apg 19,20 endet von der fünfte große Abschnitt der Apostelgeschichte und aus diesem Grund markiert dieser Vers auch den Abschluss unseres Predigttextes (Apg 19,1-20).
Im Predigttext werden Erweckungssituationen geschildert, die sich nach der Überwindung von Widerstand eingestellt haben (vgl. hierzu das Monatsthema: „Kurshalten in stürmischer Zeit“). Damit es zu diesen verschiedenen Erweckungssituationen kam, war es nötig, dass durch Paulus verschiedene Klarstellungen vorgenommen wurden, vor allem im Hinblick auf vorhandene religiöse Vorprägungen (vgl. Predigtthema: Auf Kurs bleiben – zur Klarstellung). In Apg 19,1-20 werden drei verschiedene „religiöse“ Gruppen erwähnt. Da ist zum einen das von Johannes dem Täufer her angeregte „Täufertum“ (19,1-7 = Johannesjünger), dann das „Judentum“ (19,8-10) und das „Heidentum“ (19,11-20). Paulus führt im Hinblick auf diese drei religiösen Gruppierungen in allen drei Fällen eine Klarstellung herbei, damit die einzigartige Bedeutung von Jesus im Hinblick auf den Empfang des Geistes (V. 1-7), die Verkündigung des Evangeliums (V.8-10) und die Auswirkungen des Glaubens (V. 11-20) deutlich wird (= Predigtthema).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Werner de Boor. Die Apostelgeschichte. Wuppertaler Studienbibel. 7. Aufl. Wuppertal: R. Brockhaus, 1980. S. 340-353.
* Heinz-Werner Neudorfer. Apostelgeschichte 2.Teil. Edition C-Bibelkommentar Bd. 9. Neuhausen: Hänssler, 1990. S. 188-205.
* Alfred Christlieb. Der Apostel Paulus. Herausgegeben von Arno Pagel. 7. Aufl. Lahr: VLM, 1996. S. 238-256 (nachfolgend in Auszügen).
V. 1: „* Unser Vers erwähnt in beachtenswerter Weise zwei gesegnete Reichsgottesarbeiter. Zwei Männer arbeiten hier gleichzeitig im Weinberg Gottes. Jeder kommt in das Arbeitsfeld des andern hinein und setzt dessen Arbeit fort: Apollos wirkt in Korinth, wo Paulus vorher gewesen war, und Paulus kommt nach Ephesus, wo Apollos bis dahin gewirkt hatte. Auch das hat uns etwas zu sagen. Unser Heiland braucht gar mancherlei Werkzeuge bei seinem großen Tempelbau. Der eine soll die Arbeit des anderen ergänzen. Einer muss pflanzen, der andere begießen (1Kor 3,6). Es gibt nur einen einzigen Baumeister droben, aber viele Knechte [drunten], die er benutzt.
* Die Reise des Paulus nach Ephesus war die Erfüllung eines von ihm gegebenen Versprechens. Bei seiner letzten Durchreise hatte er den Jüngern in Ephesus gesagt: ‚Will’s Gott, so will ich wieder zu euch kommen‘ (18,21). Diese Zusage löst er ein. Auch wir wollen gegebene Versprechungen halten, und uns hüten, Hoffnungen zu erwecken, die wir nicht erfüllen. Es macht der Sache des Herrn Unehre, wenn ein Arbeiter im Reich Gottes da und dort Zusagen gibt, die er ohne ganz klare und zwingende Gründe nicht erfüllt (Spr 25,14).
* In Ephesus angekommen, fand Paulus etliche Jünger. Jeder pflegt auf seinen Reisen das zu finden, was zu ihm passt und ihn interessiert. Der Weltmensch findet bald seine Vergnügungslokale, der Leichtsinnige hat schnell Anschluss an Leute, die ihm ähnlich sind. Paulus findet Menschen, die nach Gott fragen. Sie sind ihm noch wichtiger als allerlei Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wahre Gotteskinder freuen sich auf ihren Wanderungen, wenn sie ‚etliche Jünger finden‘. Bei ihnen finden sie Verständnis für die Dinge des Reiches Gottes, die ihnen die Hauptsache sind (Ps 50,18; 1Petr 4,4; Ps 1,1)“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 238f).
A) Ablösung – Klarstellung im Hinblick auf den Empfang des Geistes (V. 2-7)
V. 2-7: „Das Zusammentreffen des Apostels mit den zwölf Johannesjüngern soll uns beschäftigen. Gar verschieden sind jene Jünger beurteilt worden. Lasst uns versuchen, ihnen gerecht zu werden, indem wir beide Seiten, ihr Gutes und ihre Mängel, näher ins Auge fassen:
* Paulus findet etwas Gutes bei ihnen: Sie werden ‚Jünger‘ genannt, gingen also nicht mit der Welt auf dem breiten Weg dahin. Auch beweisen die Worte des Paulus: ‚Da ihr gläubig geworden seid‘, dass er zumindest einen Anfang von Glaubensleben bei ihnen anerkannte. Das will bei dem höchst mangelhaften Unterricht, den sie offenbar gehabt haben müssen, schon viel heißen. Anstatt über diese Leute gleich den Stab zu brechen und sie wegen ihres Mangels zu verurteilen, lasst uns sie lieber zuerst schätzen und anerkennen, dass sie bei dem geringen Licht, welches sie besaßen, sich doch schon von der Welt abzusondern und der kleinen Herde Christi anzuschließen suchten. Viele Tausende in der Christenheit haben ungleich größere Kenntnis des göttlichen Heilsweges, stehen aber im Gehorsam gegen die erkannte Wahrheit weit hinter den Johannesjüngern zurück. Viele, die alles das wissen, was jenen unbekannt war, sind in der Praxis viel zu stolz, sich dem Häuflein der Jünger des Herrn anzuschließen. Wohl dem, der dem Licht folgt, das er empfängt. Solchem wird Gott weiteres Licht zur rechten Zeit zufließen lassen (Lk 12,47f; Mt 11,23f; Lk 16,10).
* Paulus vermisst bei ihnen etwas: Neben der Anerkennung des Guten bei den Johannesjüngern gilt es auch, auf ihren Mangel zu achten. Paulus vermisst etwas bei ihnen. Woran lag das? Wir können aus dem Verlauf des Gesprächs erkennen, dass sich diese zwölf Jünger in ganz besonderer Weise an ein menschliches Werkzeug im Reich Gottes, nämlich an Johannes den Täufer, angeschlossen hatten. Von der großen Bußbewegung, die von diesem Mann ausging und die sich weithin erstreckte, wurden auch sie erfasst. Entweder durch Johannes selbst oder einen seiner Jünger empfingen sie einen Segen, blieben dann aber allzu sehr bei dem Täufer stehen. Dadurch entstand eine gewisse Enge und Einseitigkeit bei ihnen. ‚Eng‘ waren sie in ihrer Erkenntnis, die sich einseitig auf die Bußpredigt des Johannes gründete. ‚Eng‘ waren sie in ihrem Umgang und ihrer Gemeinschaft, denn wenn sie mit einem weiteren Kreis lebendig gläubiger Christen Verbindung gehabt hätten, so wäre die nachher von ihnen bezeugte Unkenntnis unmöglich gewesen. ‚Eng‘ muss auch ihre Segenswirkung nach außen gewesen sein, denn der treffliche Menschenkenner und scharfe Beobachter Paulus fühlte bei ihnen sofort den Mangel an Kraft und Fülle des Heiligen Geistes. Die herrlichen Geistesgaben, welche damals in der Gemeinde wohnten, fehlten ihnen ganz. Was sagt uns der Anblick dieses ihres Mangels? Er ruft uns zu: Man kann in seinem Leben vieles innerlich erfahren haben, man kann ein Verehrer großer Gottesmänner sein, man kann einem kleinen engen Kreis von Jüngern angehören und dennoch die rechte Fülle von Gotteskraft, die der Herr uns geben möchte, nicht in Besitz haben. Deshalb gilt es, nicht stehenzubleiben bei dem, was wir bisher empfangen haben. Es gilt uns das Josuawort: ‚Wie lange seid ihr so lässig, dass ihr nicht hingeht, das Land einzunehmen, dass euch der Herr, euer Väter Gott, gegeben hat?‘ (Jos 18,3). Lasst uns nicht ausruhen auf früheren Erweckungszeiten und Glaubenserfahrungen, sondern tief eindringen in die ganze Gnadenfülle, die uns in Christus geschenkt ist, und die Ermahnung des Paulus befolgen: ‚Werdet voll Geistes!‘ (Eph 5,18; vgl Offb 3,2; Phil 3,13f; Kol 1,11).
* Paulus hilft ihnen zu dem, was ihnen fehlte: Wie wichtig ist doch die richtige Behandlung unvollkommener Jünger. Bei Paulus kann man diese Kunst lernen. Lasst uns die Weisheit beachten, mit der er bei diesen Johannesjüngern vorging.
i) Er verachtete sie nicht wegen ihres Mangels. Er kränkte sie nicht mit halb spöttischem Hinweis auf das, was ihnen gebrach. Er ließ sie fühlen, dass er sie als Jünger und Gläubige anerkenne. Er ging in seiner Anerkennung aber auch nicht zu weit. Vielmehr deutete er ihnen an, dass es einen inneren Besitz gebe, der ihnen noch fehle. Aber sein Hinweis auf diesen Mangel hatte gar nichts Verletzendes oder Beleidigendes, weil er mit liebevoller Anerkennung ihres Glaubens verbunden war. Wenn wir nicht von oben herunter, sondern in brüderlicher Liebe an die Seelen herantreten, kann Gott solchen Dienst segnen (Spr 11,2;Joh 13,14).
ii) Nicht mit eigenen Worten gibt er ihnen die entscheidende Ermahnung, deren sie bedurften (V. 4), sondern mit Johannesworten (‚Johannes sagte dem Volk, dass sie glauben sollten‘). Von Johannes nahmen sie ja alles gern an. Seine Jünger wollten sie sein. Nun sollten sie sich auch von diesem Gottesmann weiter weisen lassen. Die Liebe sucht sich den richtigen Weg zu dem Herzen des Mitbruders.
iii) Das Erteilen der ihnen bis dahin fehlenden christlichen Taufe und das Auflegen der Hände beweist, dass Paulus ihre innere Echtheit nicht bezweifelte. Bei der Aufrichtigkeit dieser Jünger wäre ein Misstrauen oder bedenkliches Zögern nicht am Platz gewesen. So durfte er auch die Freude erleben und sehen, wie sie die fehlenden Gaben des Heiligen Geistes bekamen und mit neuen Zungen den Herrn verherrlichen konnten. Nun hatte er an ihnen rechte Helfer und Mitarbeiter für die ernste Arbeit, die ihm in Ephesus noch bevorstand. Wie falsch wäre es gewesen, wenn jemand diese Jüngerschar durch eine unfreundliche, misstrauische und schroffe Behandlung in die Bahn einer engen Sekte getrieben hätte. Wie leicht kann das geschehen, wenn die Weisheit des Paulus in der Seelenbehandlung fehlt (1Kor 13,7; 2Kor 5,14)“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 239-241).
Unser Predigtabschnitt verdeutlicht, dass die zwölf Männer im christlichen Sinne noch nicht getauft waren, da in der Schrift ein deutlicher Unterschied zwischen der Johannestaufe und der Jesustaufe gemacht wird (beachte hierzu Apg 1,5):
– Zuerst erfolgt die Befragung über die Johannestaufe: „Wassertaufe zur Buße“ (V. 2+3),
– dann erfolgt die Belehrung über die Jesustaufe: „Geistestaufe durch Glaube“ (V. 4-7).
Im Hinblick auf die Anwendung des Predigttextes ist zu beachten, dass die Johannestaufe also keine christliche Taufe war, da sie nicht im Namen Jesu vollzogen wurde und die zwölf Männer deshalb „ungetauft“ waren. Aus diesem Grund handelt es sich in diesem Abschnitt auch nicht um eine „Wiedertaufe“. Heilsgeschichtlich haben wir zu beachten, dass die hier genannten zwölf Jünger sich noch in einem geistlichen Zustand befinden, der dem der Jünger Jesu vor Pfingsten gleicht. Das Glaube und Geistempfang nun nach Pfingsten nicht mehr getrennt werden kann, verdeutlicht der Predigttext (heilsgeschichtlich wird hier noch einmal der Übergang vom AT zum NT markiert durch Paulus – bei Petrus vgl. Apg 8,4-25; 10f). Im Zentrum einer heilsgeschichtlich orientierten Schriftauslegung steht von daher in diesem Abschnitt das Thema der „Geistestaufe“ (= Geistempfang). Aus diesem Grund beachten wir drei Aspekte:
„i) Der Mangel: Es gibt mancherlei Mangel. Wenn die Achsa in ihr Erbteil einzieht und sieht, es fehlen Wasserquellen, so hat sie wohl Ursache, vom Esel zu steigen und den Vater um das Fehlende zu bitten (Jos 15,18f). Wenn jene Witwe bei Elisa im Hause nur einen leeren Ölkrug hat, aber keinen Tropfen Öl, so ist das ein empfindlicher Mangel (2Kön 4,2). […]. So war es bei den zwölf Johannesjüngern in Ephesus. Ihnen fehlte der Heilige Geist. Paulus muss dies mit göttlichem Scharfblick erkannt haben. Er wusste: ‚So trocken, saft- und kraftlos sehen wahre Geistesmenschen nicht aus‘. Was finden göttlich geschärfte Augen bei uns? Welcher Mangel drückt uns wohl am meisten: der an äußeren Reichtümern oder der an himmlischen Zuflüssen?
ii) Die Abhilfe: Nachdem Paulus den Mangel durchschaut hatte, legte er den Johannesjüngern die Frage vor: ‚Habt ihr den Heiligen Geist empfangen?‘ Damit fängt die Abhilfe oft an, dass ein Bruder das, was uns gebricht, in Liebe uns zum Bewusstsein bringt. Die Gefragten damals waren nicht beleidigt, sprachen auch nicht: ‚Wir sind reich und haben gar satt‘, sondern sie bekannten ihre Armut und völlige Unkenntnis in dieser wichtigen Sache ganz willig. Lasst uns jeden inneren Mangel offen eingestehen! Nur dem Hochmut wird dies schwer. Dies Eingestehen ist der erste Schritt zur Heilung. Mit der Klarstellung des Mangels damals war die Abhilfe noch nicht geschaffen. Wie kam diese denn? Hat Paulus etwa die Johannesjünger angeleitet, jetzt sofort um die Fülle des Heiligen Geistes zu beten? Nein, das tat er hier nicht. Vielmehr verwies er sie mit großer Weisheit, aber auch mit aller Bestimmtheit auf Christus und brachte sie dahin, dass sie allein auf ihn schauten und ihm vertrauten. Er brauchte die Worte des von ihnen verehrten Lehrers Johannes und zeigte, wie gerade dieser kein anderes Ziel im Auge gehabt hatte, als die Menschen zum Glauben an Christus zu führen. So bewies er ihnen, dass sie die Worte ihres eigenen Lehrmeisters nie wahrhaft befolgt hatten, sondern zu ihrem eigenen inneren Nachteil bei der Person des Johannes stehen geblieben waren, anstatt sich durch ihn zu Jesus selbst führen zu lassen. Sobald die Johannesjünger diesen Irrtum erkannten und von der Person des Johannes zum Heiland selbst weitergingen, sobald sie an Jesus in Wahrheit glaubten und diesen Glauben durch die Taufe bekannten, konnte ihr Herz mit dem erfüllt werden, was ihnen bis dahin gefehlt hatte […].
iii) Und heute? Wenn wir auf unsere Zeit blicken, so müssen wir sagen: Tausende von Christen befinden sich in dem Zustand, in dem sich jene zwölf Johannesjünger befanden. Wie viele gibt es doch, die vielleicht in großer Verehrung an gesegneten Gottesmännern hängen! Aber das Wort dieser Männer, das auf lebendige Gemeinschaft mit Christus hinzielt, befolgen sie nie wahrhaft. Zur ‚groben Welt‘ gehören sie nicht mehr, vor Gottes Wort haben sie eine gewisse Achtung, aber zu lebendigen Geistesmenschen werden sie nicht. Ihr Christentum bleibt beständig zwischen Tür und Angel. Ungläubig sind sie nicht, aber die Früchte des wahren Glaubens sieht man auch nicht bei ihnen. Es fehlt ihnen die rechte Verbindung mit Christus. Sie hängen nicht an ihm wie die Rebe am Weinstock. Deshalb bleibt ihr Christentum stets auf dem alten eingerosteten Fleck stehen. Möge der Herr uns allen klar machen, dass der größte Mangel das Fehlen des Heiligen Geistes ist und dass der Herzensglaube an Christus der einzige Weg zur Abhilfe ist!“ (Alfred Christlieb).
B) Loslösung – Klarstellung im Hinblick auf die Verkündigung des Evangeliums (V. 8-10)
V. 8: „Lasst uns auf die Art, die Dauer und den Inhalt derselben achthaben:
* Die Art seiner Predigt wird mit dem Ausdruck beschrieben: Er predigte frei, d.h. freimütig, mit innerer Freiheit und Freudigkeit. Diese freimütige Verkündigungsweise ist gerade an diesem Ort, wo er redete, merkwürdig. Er sprach in der Synagoge. Dieser Ort hätte ihm – menschlich gesprochen – die Freudigkeit rauben und ihn mit Furcht und Sorge erfüllen können. Wie schlecht war es ihm früher gerade in den Synagogen ergangen! Welch üble Erfahrungen hatte er dort gemacht! Welch ein Hass von Seiten der Juden pflegte dort zu entstehen! Trotzdem sehen wir ihn voller Freimütigkeit das Wort von Jesus reden. Gott nimmt ihm alle Furcht. Er stärkt ihn mit Mut und Kraft. So kann Gott seine Knechte gerade an solchen Orten, wo sie vielleicht das Schlimmste zu erwarten haben und sich auf alles gefasst machen müssen, mit getrostem Sinn und Freimut erfüllen (4,13+31; Eph 6,19).
* Auch die Dauer seiner dortigen Wirksamkeit ist beachtenswert. Ein Vierteljahr durfte er dort zeugen. Nicht immer war ihm so lange Aufenthaltszeit in den Synagogen vergönnt. In Antiochien entstand schon in der zweiten Woche seiner Wirksamkeit eine Verfolgung (13,44-51). In Thessalonich durfte er nur ‚drei Sabbate‘ Christus verkündigen, dann brach der Sturm los (17,2ff). So gehört Ephesus zu den Orten, wo er verhältnismäßig lange an dem gottesdienstlichen Ort seines Volkes den Samen des Wortes ausstreuen durfte. So kann Gott an gefährlichen Orten nicht nur seinen Knechten volle Freudigkeit schenken, sondern auch die Macht der Feindschaft so lange zurückhalten, bis seine Absicht voll und ganz erreicht ist.
* Der Inhalt der Predigt war ein ‚Lehren und Bereden vom Reiche Gottes‘. Die großen Reichspläne Gottes, die in Jesus erfüllt werden, legte er ihnen dar und forderte sie zum Eingehen in diese Gedanken Gottes auf. Dies sei auch heute noch der Inhalt aller evangelischen Predigt“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 242f).
V. 9: „Die Zahl der Juden, welcher der Arbeit des Paulus entgegentraten, war nicht groß. Es waren nur ‚etliche‘. Viele waren offenbar für das Evangelium gewonnen worden. Viele erkannten die Wahrheit des von Paulus verkündigten Wortes an. Aber einige lehnten sich dagegen auf und verstockten sich. Und diese kleine Zahl der feindseligen Leute, diese ‚etlichen‘ waren schuld daran, dass Paulus die Synagoge verließ und der Leuchter des Evangeliums von dieser Stätte genommen wurde. Wie kann doch eine geringe Zahl übel gesinnter Menschen für eine ganze Gegend oder Gemeinde viel Schlimmes anrichten! Als Martin Boos in Gallneukirchen (Österreich) eine herrliche Erweckung erleben durfte und fast die ganze Gemeinde dem Evangelium freundlich gesinnt zu werden schien, da waren es einige wenige Feinde, die ihn so lange verklagten, bis er von seiner Behörde von dort entfernt wurde. Dass doch niemals aus unserer Mitte jemand zu diesen ‚etlichen‘ gehöre! Ihre Verantwortung ist furchtbar (Gal 5,9; Jer 38,22; 2Tim 2,17; Apg 15,24).
Wie stellte sich Paulus zu der ausbrechenden Feindschaft in der Synagoge? Er vermied drei Gefahren, in die Knechte Gottes in ähnlichen Lagen leicht hineingeraten können:
* Wenn Menschen (wie jene ‚etliche‘) sich innerlich verhärten und dem Wort Gottes ‚ungehorsam‘ (wörtlich) sind, so entsteht leicht für den Prediger die Gefahr, in ein unfruchtbares Streiten und Disputieren hineinzugeraten. Er glaubt, solche Leute durch seine Gründe doch noch überzeugen zu können. Wenn aber Zuhörer sich derart verstocken, dass sie den göttlichen Heilsweg öffentlich schmähen, so gilt es sehr oft, sich still zurückzuziehen. Auch Paulus ‚wich von ihnen‘. Solches Weichen war keine feige Flucht, sondern demütige Nachfolge dessen, der nicht schrie noch rief (Jes 42,2; vgl. Jer 28,11c; 1Tim 6,5c).
* Sodann gilt es an eine zweite Gefahr zu denken: Man darf nicht die jung erweckten und bekehrten Seelen den Einflüssen solcher Lästerzungen aussetzen. Paulus ‚sonderte ab die Jünger‘. In treuer Fürsorge für die Herde suchte er alles zu vermeiden, was ihnen inneren Schaden bringen konnte. Auch heute ist es oft nötig, die anvertrauten Seelen ‚abzusondern‘ von solchen Orten und Kreisen, wo der Weg des Heils geschmäht wird. Das müssen auch gläubige Väter und Mütter im Blick auf ihre Kinder bedenken (2Kor 6,14-18).
* Eine dritte Gefahr besteht darin, dass die Knechte Gottes durch die ausbrechende Feindschaft entmutigt und verzagt werden können. Wie sehr Paulus diese Klippe vermied, zeigt der Schluss unseres Textes. Statt ängstlich die Verkündigung von Jesus jetzt aufzugeben, predigte er an einem anderen Ort jeden Tag auf das mutigste weiter. Man sieht, dass er kein Feigling war, der sich einschüchtern ließ. Aus der Synagoge ging er wohl fort. Aber die Predigt von Jesus setzte er eifrig fort. Lasst uns bei ausbrechender Feindschaft (besonders in Erweckungszeiten) diese Bahnen des Apostels beibehalten (Ps 40,10-12)“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 243-245).
V. 10: „* Die Dauer der Wortverkündigung in der Tyrannusschule betrug zwei Jahre. Im Vergleich mit der Arbeitszeit des Apostels an anderen Orten war diese Tätigkeit in Ephesus besonders lang. Ephesus wurde durch diese ausgedehnte Wirksamkeit des Apostels gewissermaßen vor vielen Orten bevorzugt und mit ihm die ganze (römische) Provinz Kleinasien, deren Hauptstadt Ephesus war. Aus einem ganz bestimmten Grund ist diese Bevorzugung des kleinasiatischen Landes beachtenswert: Als Paulus beim Beginn der zweiten Missionsreise in Kleinasien Missionsarbeit treiben wollte, wurde ihm dies von Gott verwehrt (16,6). Damals schien Kleinasien von Gott zurückgesetzt zu werden. Es sah aus, als ob Gott dieses Land weniger lieb habe als andere Gegenden. Aber nun wird dieser damals benachteiligt scheinende Landstrich wie kein zweiter mit einer Gnadenzeit bedacht. Er erfährt eine Heimsuchung, die ihresgleichen sucht. Das soll uns zur Lehre dienen. Gott kann wohl eine Zeitlang ungerecht erscheinen in der Austeilung seines Wortes in Völkern, Ländern und Gegenden. Wer aber warten lernt, der darf hier schon oft die Gerechtigkeit und Weisheit Gottes triumphieren sehen (5Mose 32,4; Ps 145,17; 2Sam 22,26f).
* Der Inhalt wird in dem Ausdruck ‚das Wort des Herrn Jesu‘ kurz zusammengefasst. Die Reden des Paulus hatten also bei aller Vielseitigkeit einen Inhalt, ein Ziel, einen Mittelpunkt. Immer war und blieb es ‚das Wort von Jesus‘. Dabei lasst uns bei aller Darbietung des Wortes Gottes in großen und kleinen Kreisen gedenken (Apg 8,35; 9,20+28; 16,31; 17,2f; 18,5; Gal 3,1).
* Die Wirkung bestand darin, dass sich dieses Wort durch die ganze römische Provinz Kleinasien (das ist unter Asien zu verstehen) ausbreitete. Von diesen Predigten gilt das, was man später von Luthers Thesen im Jahre 1517 sagte: ‚Die Engel trugen sie durchs ganze Land‘. Wie kann doch von der treuen Arbeit an einem einzigen Platz eine mächtige Wirkung auf die weiteste Umgegend ausgehen! Wenn Gott hinter dem Wort steht, so ist seine Tragweite unberechenbar groß. Manche Kirche und manches Versammlungshaus ist schon eine solche ‚Tyrannusschule‘ geworden, von der Segensströme in das ganze Land ausgingen (1Sam 3,19-21; Mt 3,5)“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 245f).
C) Erlösung – Klarstellung im Hinblick auf die Auswirkungen des Glaubens (V. 11-20)
V. 11-17: „Die Söhne des Skevas:
* Ihre Herkunft und ihr Beruf: In Zeiten der Erweckung pflegen auch unnüchterne und bedenkliche Begleiterscheinungen aufzutreten. Solche fehlen auch hier in Ephesus nicht, wie die ernste und lehrreiche Geschichte dieser sieben Skevassöhne beweist. Lehrreich ist schon die Betrachtung ihrer Herkunft. Sie entstammten dem alttestamentlichen Gottesvolk und noch dazu der Familie eines leitenden Priesters in diesem Volk. Wie müsste von Leuten solcher Abstammung eine Ehrfurcht vor dem göttlichen Gesetz und zumindest seine äußerliche Befolgung erwartet werden. Aber das Gegenteil war bei diesen der Fall. Sie ergriffen einen Beruf, der in direktem Gegensatz zu den göttlichen Geboten stand (5Mose 18,10f). Mit allerlei zauberhaften Mitteln und Formeln suchten sie Heilungen zu erzielen, die ihnen einen reichen Gewinn sichern sollten. In jenen heidnischen Ländern waren solche Leute sehr begehrt. Aber niemals hätte ein gesetzestreuer Jude und erst recht nicht der Sohn eines Lehrers im göttlichen Gesetz Derartiges tun dürfen. Wir sehen hier, dass die äußere Abstammung von einem Volk, das mit Gott bekannt ist, oder einem Vater, der ein Lehrer des göttlichen Wortes ist, uns keineswegs vor ungöttlichen Wegen und schweren Verirrungen schützt. Die Kinder derer, die berufsmäßig mit dem Heiligen zu tun hatten, sind gar manches Mal in traurige Bahnen hineingeraten (1Sam 2,12-22). Gott bewahre alle Kinder von Predigern vor den Wegen dieser Skevassöhne!
* Ihre Sünde: Diese Söhne des Skevas kamen in Ephesus mit dem Christentum in Berührung. Sie erfuhren die Heilungswunder des Paulus an Kranken und Besessenen (V. 11f). Was war die Frucht dieses Anblicks? Beugten sie sich etwa unter die sich hier offenbarende göttliche Macht? Nein! Zu innerer Umkehr wollten sie die göttlichen Kräfte nicht nutzen, sondern nur zu ihrem äußeren Vorteil. Sie glaubten in den Worten des Paulus eine neue Zauberformel zu finden, die sie ihren Zwecken dienlich machen wollten. Darauf lief ihr Versuch hinaus. Von einer Anerkennung Jesu als den Messias, von einer Unterwerfung unter ihn war bei ihnen keine Rede. Aber gern wollten sie durch diesen Jesusnamen noch bessere Erfolge erzielen und gute Geschäfte machen. Solch unlautere Art muss zuschanden werden. Wer den Namen Jesu zu seinem Heil annehmen und ihm untertan werden will, der darf die Balsamkraft derselben an Seele und Leib erfahren. Wer aber diesen teuren Namen seinen selbstsüchtigen Zwecken dienstbar machen möchte, den wird Gott richten (2Mose 20,7; Apg 8,21).
* Ihre Strafe: Ihre Strafe erfuhren die Skevassöhne durch ein beschämendes Wort und durch eine noch beschämendere Tat des Geistes, der aus dem Besessenen redete. Zuerst durch ein Wort. Wir möchten keinem empfehlen, sich mit Stimmen abzugeben, welche aus dem Gebiet der Finsternis kommen. Wo aber Gottes Wort uns einen Blick in dieses geheime Gebiet tun lässt, da wollen wir seine Belehrung dankbar annehmen. Hier ist dies der Fall. Wir vernehmen Worte eines Geistes aus dem Abgrund (die deutlich von dem Wort des armen Besessenen selbst unterschieden werden konnten). Wir lauschen gleichsam einer Predigt aus der Hölle. Diese Predigt kann uns eine Wahrheit unauslöschlich in die Seele einprägen, nämlich die Wahrheit, dass man auch im Reich der Finsternis genau unterscheiden kann zwischen dem, was echt und nicht echt ist. Vor Jesus selbst und denen, die in seiner Vollmacht stehen, muss sich der Feind zurückziehen. Aber vor Menschen, die diesen Namen nur im Mund führen, weicht er keinen Schritt zurück. Er spottet ihrer. Wir hören aus den Worten des bösen Geistes etwas vom Hohngelächter der Hölle über alle, die ohne göttlichen Auftrag etwas gegen das Reich der Finsternis ausrichten wollen. Vor Jesus und Paulus haben die Dämonen wohl Achtung, aber vor den Skevassöhnen niemals. Was nützt ihnen ihre Abstammung von einem Hohenpriester, wenn sie selbst von priesterlichem Sinn und Wesen nichts in sich haben! Was helfen ihnen ihre richtigen Worte von dem „Jesus, den Paulus predigt“, wenn sie von dem Geist dieses Heilandes nichts in Buße und Glauben empfangen haben! Trösten dürfen wir uns der Achtung, welche Jesus und seine wahren Knechte bis in die Welt der unreinen Geister hinein genießen. Aber prüfen wollen wir uns, ob nicht auch uns das Wort des bösen Geistes gilt: ‚Jesus kenne ich wohl, wer aber seid ihr?‘ (Eph 6,10-17; Lk 10,17; 11,20-23). Zu dem beschämenden Wort kam noch eine beschämende Tat. Die Beschwörer bekamen den grausamen und zerstörungslustigen Charakter des bösen Geistes an ihrem Leib zu erfahren. Der Besessene wurde in furchtbarer Weise gegen sie tätlich. Bloß und verwundet mussten sie fliehen. Der Anblick dieser so jämmerlich flüchtenden Skevassöhne kann uns gründlich davor warnen, jemals in eigener Kraft und Kühnheit irgendetwas gegen Satans Macht ausrichten zu wollen. Ohne göttlichen Schutz sind wir da völlig verloren. Dieser Anblick kann uns auch warnen, die Taten eines Gottesmannes nachmachen zu wollen. Was Paulus in göttlichem Auftrag tun muss, darf ein anderer nicht ohne weiteres auch versuchen. Endlich warnt uns dieses Schauspiel vor jedem Missbrauch des teuren Jesusnamens zu selbstsüchtigen Zwecken. ‚Der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht‘ (2Mose 20,7). Wie leicht können wir in einem dieser Punkte in die Bahnen der Skevassöhne geraten (Joh 15,4f; 2Kor 3,5; Lk 22,33f)! Die Strafe des Skevassöhne erhöhte sich noch durch die öffentliche Schande, welche sie traf. Das ganze Ereignis, ihr kläglich gescheiterter Versuch, mit den Worten des Paulus etwas zu erreichen, kam unter die Leute und wurde Tagesgespräch. Wie peinlich muss es diesen Hohenpriestersöhnen gewesen sein, dass ‚dasselbe allen kund wurde, die in Ephesus wohnten‘. Man wies gleichsam mit Fingern auf sie. Während sie gehofft hatten, durch eine erfolgreiche Beschwörung im Ansehen zu wachsen, verloren sie nun an Achtung. Ja, sie mussten sogar erfahren, dass durch ihre ganze Unternehmung der ihnen sonst so verhasste Jesusname zu großer Anerkennung kam. Der ganzen Einwohnerschaft bemächtigte sich eine heilsame Furcht. Man erkannte in dem Schicksal der Beschwörer ein Gericht und merkte, dass man mit dem Namen Jesu nicht leichtfertig umgehen dürfe, sondern ihn zu achten habe. Wie glaubensstärkend ist doch die Beobachtung, dass Gott auch das Treiben von gottlosen Menschen seinen Reichszwecken dienstbar machen und zur Verherrlichung des Jesusnamens benutzen kann (Ps 119,91; Dan 6,26-28; Apg 8,1+4)“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 247-250).
V. 18f: „Unter den einzelnen Bildern, die uns der Geist Gottes aus der großen Erweckungsbewegung in Ephesus aufbewahrt hat, befindet sich auch dieses ergreifende Bild öffentlicher Sündenbekenntnisse. Viele unter den Gläubigen ‚bekannten und verkündigten, was sie getrieben hatten‘. Wir treten im Geist in diese Zeugnisversammlung hinein. Wir beobachten und lauschen, was es zu sehen und zu hören gibt.
* Wer bekennt? Die Redenden sind ‚viele aus den Gläubigen‘. Es hat je und dann unnnüchterne Menschen gegeben, welche aus dem öffentlichen Bekenntnis vergangener Sünden ein Gesetz machen wollten, das sie heilsverlangenden Seelen auferlegten. Wer solches tut, darf sich niemals auf diese Stelle berufen. Hier reden nicht etwa Menschen, welche durch das Bekenntnis ihr Gewissen entlasten und zum Glauben oder irgendeinem Segen gelangen wollen. Hier reden Menschen, welche ihr Gewissen entlastet haben und gläubig geworden sind. Sie bekennen also nicht aus Gewissensnot, sondern aus freudigem Zeugendrang und Bekennermut. An dieser köstlichen Gnaden- und Geisteswirkung unseres Gottes wollen wir uns laben und erquicken, aber nicht dasselbe in ein drückendes Gebot verwandeln, wodurch unsere Freudigkeit gelähmt werden würde (Gal 5,18; Eph 2,3; 1Tim 1,13).
* Was wird bekannt? Nun lasst uns hören, was dort geredet wird. Wie gern redet der natürliche Mensch von dem, was andere getrieben haben. Darüber kann man oft stundenlange Gespräche, auch öffentliche Reden hören. Die Welt wird eben von einem Verkläger beherrscht, der seine Lust daran hat, auf die Sünden anderer hinzuweisen. Nun aber treten wir in eine Versammlung, wo nicht Satan, sondern der Geist Gottes die Redenden erfüllt. Wie ganz anders lauten hier die Worte! Nicht beißende gehässige Reden gegen die Fehler der anderen vernimmt man hier. Die Redner sprechen von ihren eigenen Sünden. Sie beschuldigen sich selbst. Sie bekennen ihre dunkle Vergangenheit. Welche Berge von Schuld, welche dunklen Fluten von Sünde liegen in den Worten ‚was sie getrieben hatten‘ umschlossen, besonders wenn wir an die in Ephesus herrschende Zauberei (V. 19), oder an den von Paulus selbst erwähnten früheren Wandel der Epheser ‚in den Lüsten des Fleisches‘ (Eph 2,2f) denken (wozu die wüsten Dianafeste in dieser Stadt sehr viel Anlass und Versuchung boten). Es mag erschütternd gewirkt haben, was man hier zu hören bekam. Dieses offene Bekenntnis beweist die Demut der Redenden und die Echtheit des Glaubensfeuers, das hier in Ephesus brannte (Eph 5,8).
* Warum Öffentlichkeit? Weshalb aber traten sie mit diesen Bekenntnissen so öffentlich hervor? Weshalb erzählten sie dieselben nicht lieber im kleinsten Kreis naher Freunde und gläubiger Christen (Sie ‚bekannten und verkündigten‘)? Wäre dieses öffentliche Heraustreten mit solchen Bekenntnissen ein eigenes sich Hervordrängen in fleischlicher Kühnheit gewesen. oder wäre es durch menschliches Treiben und Drängen veranlasst worden, dann müsste man es sicherlich als falsch verurteilen. Nun aber gewinnt man aus unserem Text den klaren Eindruck: Hier hat Gott sich Zeugen erweckt. so wie sie für jene Zeit und jenen Ort nötig waren. Diese Bekenntnisse werden für manche Seelen in Ephesus viel nützlicher und erwecklicher gewesen sein, als viele Belehrungen und Predigten. Wie fesselnd muss die Wirkung für einen in Sünden gebundenen Zuhörer gewesen sein, wenn er hier Leute sah und hörte, die in seinen Ketten auch einst gelebt und nun Befreiung in Jesus erfahren hatten und die Freude der Gotteskindschaft auf dem Antlitz trugen. Das konnte ihm einen Stachel mit Widerhaken ins Herz hineinwerfen und zur Nachfolge ermutigen wie kaum etwas anderes. Danken wir Gott auch für solche Werbemittel, wenn sie aus Demut fließen und von oben gewirkt sind (Apg 26,9-11; Neh 9,1-3)“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 250f)!
V. 20: „Der abschließende Satz in der Schilderung der Erweckungszeit weist uns auf dreierlei hin:
* Welches ist die verborgene Kraft, die der ganzen Segenszeit zu Grunde lag? Nicht Menschenwort, nicht natürliche Begabung, sondern ‚des Herrn Wort‘ hatte diese Bewegung hervorgerufen. Menschliche Reden mögen schöne Augenblickserfolge hervorbringen. Ewigkeitswirkungen wie hier kommen nur durch Gottes Wort. Deshalb sei es unser Anliegen, dass in allen Gemeinden und Versammlungshäusern das Menschenwort weniger und das göttliche Wort mehr werde.
* Wie entfaltet sich diese Gotteskraft? Die kurze Zusammenfassung von der Geschichte dieser Gnadenzeit antwortet: ‚Das Wort des Herrn wuchs‘. Es mehrte sich. Wie eine Pflanze von Tag zu Tag größer wird, wie ein Bau, dem ein Stein nach dem anderen beigefügt wird, so entfaltet sich die Kraft des göttlichen Wortes wachstümlich in Ephesus. Ganz still und klein fing es damit an, dass jene zwölf Johannesjünger gesegnet wurden. Dann kamen neue Gnadenwirkungen in der Judenschule. Endlich steigerte sich der Zudrang zum Lebenswort im Saal des Tyrannus, bis durch ganz Kleinasien das Wort von Jesus durchdrang. Ein seliges Wachsen! Herr, lass auch in unserem Land dein Volk nicht abnehmen, sondern wachsen.
* Den Höhepunkt dieser Entfaltung zeigen uns die Worte: Es wuchs ‚mächtig und nahm überhand‘. Die Anerkennung des Namens Jesu in der ganzen Stadt (V. 17), das öffentliche Bekenntnis vergangener Sünden (V. 18) und das Verbrennen der wertvollen Zauberbücher (V. 19) bewies, wie ‚das Wort mit göttlicher Stärke an Ausbreitung und Kraft zunahm‘ (wörtlich). Die Siegeskraft des Evangeliums wurde so stark, dass die Macht des Heidentums vor ihm nicht standhalten konnte. Wie zu Noahs Zeiten die Gerichtsfluten ‚überhand nahmen‘ (1Mose 7,18), so nahmen hier die Segensfluten überhand. Das ist das Schönste, was einer Gegend widerfahren kann. Je näher wir der Zeit kommen, in der ‚die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird‘ (Mt 24,12), desto mehr lasst uns fortfahren zu bitten, dass Gottes Wort überhand nehmen möchte, bis die Zeit kommt, wo einst ‚die Erde voll werden wird von Erkenntnis der Ehre des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt‘ (Hab 2,14; Jes 11,9)“ (Christlieb, Apostel Paulus, S. 255f).
3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Glaubensabgrenzungen“. Von daher ist im Rahmen der Predigt zu entfalten, wie der konkrete Ausdruck des Glaubens im Kontrast zum bisher Gewohnten seine Konturen verändert. Allerdings ist im Hinblick auf die Apostelgeschichte zu berücksichtigen, dass die Apg auch heilsgeschichtlich einmalige „Sondersituationen“ kennt. Das heißt, dass nicht der beschriebene Ablauf der Ereignisse das auch heutige gültige Muster für die Anwendung des Textes enthält, sondern der durch die berichteten Ereignisse dargelegte und heilsgeschichtlich verstandene gesamtbiblische Zusammenhang. Vor allem im Hinblick auf den Empfang des Geistes ist dies im Rahmen der Apostelgeschichte deutlich zu erkennen und in der Verkündigung zu berücksichtigen. Der Empfang des Heiligen Geistes an Pfingsten hat ein „stufenweises“ Missionsprogramm ausgelöst (Apg 1,8). Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass an diesen Grenzüberschreitungen der Empfang des Heiligen Geistes besonders betont wird. Den Anfang markierte das Pfingstereignis in Jerusalem mit dem von nun an universalen Empfang des Geistes (vgl. Apg 2,1-13 mit Joel 3,1-5), als Kennzeichen des von Jesus gestifteten Neuen Bundes (vgl. Lk 22,20 mit Jer 31,31-34). Da Petrus von Jesus im übertragenden Sinne die „Schlüsselgewalt“ zum Eintritt in das Reich Gottes erhalten hat (Mt 16,18; vgl. Joh 21,15-19), wird seine Anwesenheit in der Apostelgeschichte auch besonders betont, wenn die Grenzen des Gottesvolkes des Neuen Bundes nun schrittweise erweitert werden und als „göttliche“ Bestätigung ein „erneuter“ korporativer Geistempfang (wie an Pfingsten) für die gläubigen Juden (Apg 2,1-41), Samaritaner (Apg 8,14-17) und Heiden (Apg 10,44) erfolgt. Der besonders betonte Empfang des Heiligen Geistes bestätigt die Zugehörigkeit zum Volk Gottes (vgl. Apg 10,44-48 mit 11,15-18). Die Ereignisse in Apg 10+11 markieren das Ende der besonderen Mission des Petrus, da mit der Bestätigung der Möglichkeit des Geistempfangs für die „Heiden“ sein besonderer Auftrag erfüllend zum Abschluss gekommen ist. Nun beginnt die Mission bis an die Enden der Erde (vgl. Mt 28,18-20 mit Apg 1,8). Diese besondere Betonung des Geistempfangs erfolgt in der Apostelgeschichte zum Teil aber gerade als Ausnahme von der Regel (z.B. Glaube ohne Geistempfang). Diese Ausnahmen (z.B. Apg 8) werden aber als heilsgeschichtlich einmalige Ereignisse verständlich und fügen sich z.B. unter der Beachtung der betreffenden Personen und Berufungen (z.B. Petrus) in das biblische Grundschema ein (Röm 8,9+14; 1Kor 12,13; Eph 1,13f).
Der normalerweise unmittelbare Zusammenhang von Geisterfüllung und Glaube wird an zwei Stellen im NT markant durchbrochen (Apg 8,14-25; 19,1-7). In beiden Fällen erfolgt der Geistempfang in Verbindung mit apostolischer Handauflegung (Apg 8,17; 19,6). Auffällig ist, dass der im NT normative Zusammenhang von Glaube und „Geisttaufe“ nur dann durchbrochen wird, wenn „Körperschaften“ ins Blickfeld treten (Samaritaner) bzw. aus dem Blickfeld verschwinden (Johannesjünger), die in einem besonderen Verhältnis zum Volk Israel und zur Mission Jesu stehen. Aus diesem Grund ist auch in unserem Predigttext zwischen dem normativen Inhalt (= Notwendigkeit des Geistempfangs) und der beschriebenen Form zu unterscheiden. Im Predigttext wird somit der Übergang vom Alten zum Neuen Bund im Wirken des Apostels Paulus noch einmal abschließend und endgültig markiert und bestätigt (vgl. Apg 19,1-7 mit Lk 16,16; Mt 11,12f).
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Auf Kurs bleiben zur
a) Ablösung – Klarstellung im Hinblick auf den Empfang des Geistes (V. 1-7)
b) Loslösung – Klarstellung im Hinblick auf die Verkündigung des Evangeliums (V. 8-10)
c) Erlösung – Klarstellung im Hinblick auf die Auswirkungen des Glaubens (V. 11-20)