Jahresthema: Jeder Christ ein Mitarbeiter
Predigtthema (ursprünglicher Vorschlag): Epaphroditus – Mitarbeit mit ganzer Hingabe
Predigttext: Philipper 2, 25-30
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com
1.1 Allgemeine Hinweise zu Predigt und Predigttext
Die Predigt gehört zur Predigtreihe am Monatsende zu Aspekten der Mitarbeiterschaft. Der Predigttext bietet viele verschiedene Ansatzpunkte für die Mitarbeit, hier muss gut ausgewählt werden, was die jeweilige Gemeinde braucht. Es bleiben aber auch einige Details im Text offen, bei denen wir die Situation und Aussagen nicht voll erfassen. Da dürfen wir den Mut haben, uns auf das zu konzentrieren, was klar ist, und nicht zu spekulieren, sondern davon auszugehen, dass das, was wir wirklich wissen müssen, auch klar ist.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Der erste Gang sollte immer sein, sich anhand von verschiedenen Bibelübersetzungen ein Bild davon zu machen, was genau in einer bestimmten Situation passiert ist und welche geistlichen Aussagen im Bibeltext drinstecken.
Wenn dann Fragen offen bleiben, dann liest man im zweiten Gang Auslegungshilfen von anderen Auslegern. Im Sinne von Apg 17,11 darf man dabei durchaus prüfend lesen, ob die Argumente und Schlussfolgerungen der Autoren wirklich schlüssig und überzeugend sind. (Z.B. in der Frage, ob Epaphroditus ursprünglich selber aus Philippi stammte oder nicht.)
Als Hilfen zur Auslegung empfehle ich dabei jedem Verkündiger, sich folgende Studienbibeln zuzulegen: Elberfelder erklärt, MacArthur (gibt es auch als PDF zum Download), Ryrie, Genfer Studienbibel (gute theol. Ergänzung zu den Vorherigen!), Die Bibel mit Erklärungen von Hans Bruns.
Weitere gut verständliche Hilfen:
# Die entsprechenden Bände der Edition C und der Wuppertaler Studienbibel.
# „Das NEUE/ALTE Testament“ ausgelegt von Walvoord und Zuck (Hänssler-Verlag) ist eine weitere sehr gute Ergänzung im Sinne einer Studienbibel-Kommentierung.
# Die Kompaktkommentare von Warren Wiersbe (gibt es z.T. als englische pdf frei im Internet)
# Evtl. lohnt es sich nach dem Selbststudium dann auf sermon-online oder auch Youtube Predigten anderer Verkündiger zu diesem Abschnitt oder dieser Person zu suchen und anzuhören.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes (die Predigtrelevanten Punkte)
„Ephroditus“ („E.“)
Er wird nur noch in Kap. 4,18 erwähnt. Viele Ausleger (z. B. Edition C oder John McArthur) deuten unsere Verse so, dass E selber aus Philippi stammte. Genaugenommen steht es aber so nicht da. Er könnte auch einer der vielen Reisemitarbeiter von Paulus sein, der dann auch mal eine Zeitlang in Philippi war, bis er eben die Spende der Philipper zu Paulus nach Rom brachte. (Phil 4,18; Paulus ist gerade im Gefängnis (Phil 1,13), wahrscheinlich in seinem römischen Hausarrest: Apg 28 30-31 vgl. Phil 4,22).
Gerade Vers 29 müsste man so evtl. nicht formulieren, wenn E wirklich aus Philippi stammte.
Auffällig ist, dass Paulus die Wichtigkeit von E und auch seine „Todeskrankrankheit“ in diesen Versen sehr betont. Inwieweit dies aber tatsächlich auf irgendwelche Vorbehalte der Philipper gegenüber E schließen lässt, muss offen bleiben.
Klar ist: E war mit einer Spende der Philipper zu Paulus nach Rom gesandt worden. Dann bzw. dabei war er lebensgefährlich erkrankt. Und das hatten die Philipper auch irgendwie erfahren. Und die Verse 26-28 legen zumindest nahe, dass dann auch die Betroffenheit der Philipper über diese Nachricht irgendwie wieder in Rom angekommen war.
Deshalb ist es nicht nur E, sondern auch Paulus selber jetzt sehr wichtig, ihn nach Philippi zurückzusenden, damit sie sich leibhaftig an ihm und seiner Genesung erfreuen konnten.
Im Kolosserbrief (1,7; 4,12) und im Philemonbrief (23) (Philemon war auch aus Kolossä) wird ein „Epaphras“ erwähnt. Dies ist eine gängige Kurzform von „Epaphroditus“. Es bleibt aber Spekulation, dass es sich um dieselbe Person handelt, zumal dies ein relativ häufiger griech. Name ist. Es ist zwar nicht unmöglich, aber auch nicht wirklich naheliegend, dass er im Kolosserbrief „Epaphras“ genannt wird und im Philipperbrief auf einmal „Epaphroditus“. Alle drei Briefe sind wahrscheinlich aus dem römischen Hausarrest. Epaphras war ein Kolosser (Kol 4,12) und der Ausdruck „Mitgefangener“ in Philemon 23 legt eher nahe, dass Epaphras nicht die Reisefreiheit hatte, wie Epaphroditus sie hier im Philipperbrief offensichtlich hat.
Vers 25
„Mitarbeiter“ – wörtlich der „Mit-Wirkende“. Ich kann viel „arbeiten“, aber die Frage ist, was ich am Ende wirklich (bleibend) be-wirke. Der „Mit-wirkende“ betont die Wirkung in die Ewigkeit hinein.
„Mitstreiter“ – wörtlich der „Mit-Soldat“. In der heutigen Zeit ist die militärische Sprache verpönt und mit der Vergangenheit von Kreuzzügen und der Gegenwart von „heiligen Kriegen“ auch mit großer Vorsicht zu gebrauchen, und dennoch dürfen wir den Aspekt nicht außer Acht lassen, dass wir in einem Kampf stehen, gegen (unsichtbare) „Mächte und Gewalten“ (Eph 6,12), zu dem eine „Waffenrüstung“ gehört (Eph 6,13ff). Auch hinter Begriffen wie dem „Wachen“ oder der „Wachsamkeit“, steht das militärische Vorbild einer „Wache“, die in der Regel (auch) ein Soldat war. Dabei kämpfen wir vor allem gegen LÜGEN, mit denen der Teufel uns verblenden, „einlullen“ oder in Zweifel bringen will.
Vers 26
Epaphroditus hat eine starke Sehnsucht, die Philipper zu sehen, so wie Paulus selber auch (siehe 1,8). Es ist ein ganz starker Wunsch nach Gemeinschaft.
Dieser Vers gibt auch gewisse Einblicke in die Kommunikation und die Zeitabläufe: Epaphroditus ist in Rom bei Paulus krank geworden, dann kam diese Information in Philippi an, wahrscheinlich kam dann auch die Betroffenheit der Philipper wieder zurück nach Rom, und nun möchte Epaphroditus nach seiner Genesung aber auch so schnell wie möglich den Philippern „zeigen“, dass er wieder gesund ist und sie sich keine Sorgen machen brauchen.
Damit fasst dieser Vers einen Zeitraum von vielen Wochen oder gar Monaten zusammen, in dem ein Brief aber auch mündliche Informationen hin und her liefen.
Vers 29+30
Diese zwei Verse sind schwer zu verstehen, bzw. werfen Fragen auf, warum Paulus so um E „wirbt“ und was genau der „Mangel“ in Vers 30 ist. (Die Elberfelder übersetzt hier mit der größten Worttreue.)
Eine inhaltliche Parallele finden wir in 1. Kor 16,15-18. Auch dort betont Paulus den Wert der von Korinth Gesandten in besonderer Weise und wirbt um deren „Anerkennung“. Und auch dort ist in Vers 17 von einem „Mangel“ die Rede.
Das beste Verständnis scheint tatsächlich, den „Mangel“ als „Abwesenheit“ zu übersetzen, wie es in 1. Kor 16,17 die Elberfelder auch macht. Die Korinther bzw. Philipper fehlen Paulus. Dass sie nicht bei ihm sein können, ist für ihn ein echter „Mangel“ (ohne Vorwurf, sondern im Gegenteil als großen Ausdruck der Verbundenheit), aber diese Reisemitarbeiter sind ein guter und würdiger Ersatz.
Es entsteht etwas der Eindruck, dass man aus dem Werben des Paulus zurückschließen kann, dass zumindest manche Reisemitarbeiter nicht so angesehen waren, aber ein wirkliche klarer Grund dafür ist nicht ersichtlich.
„Haltet in Ehren“ – das „Ehren“ bezeichnet hier das Feststellen eines „Wertes“, bzw. einer Kostbarkeit. Nach biblischem Denken ist das nie nur Theorie (die sich letztlich nicht auswirkt), sondern diese „Wertschätzung“ soll tatsächlich beim Mitarbeiter ankommen!
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Grundsätzlich können wir diesen Abschnitt 1:1 übernehmen, es ist ein rein erzählender Abschnitt ohne besondere Stilmittel wie es in der Poesie oder auch Prophetie zu erwarten wäre.
Schwierig bleibt, dass wir gerne mehr Informationen zur Krankheit von Epaphroditus und welchen Anteil daran die Philipper hatten und welche Haltung sie ihm gegenüber eingenommen haben. Hier müssen wir demütig bei dem bleiben, WAS uns der Text eben ganz klar sagt.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Die Predigt ist zum Jahresthema „Jeder Christ ein Mitarbeiter“. Es ist abzusehen, dass unsere Gemeindearbeit weiterhin von den Corona-Maßnahmen geprägt sein wird. Es bleibt abzusehen, inwieweit diese „Krankheit“ sich mit Epaphroditus Krankheit verbinden lässt. In jedem Fall tut sich mancher Mitarbeiter schwer, seine Mitarbeit unter diesen erschwerten Bedingungen zu machen. Epaphroditus dagegen war bereit, „sein Leben zu riskieren“ … Wie leben wir „ganze Hingabe“ in Zeiten von Corona …
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Für die Anwendung eignen sich vor allem die Bezeichnungen von Epaphroditus in Vers 25 und dann eben seine Hingabe, die sich in Vers 30 wiederspiegelt – bei allen Ungewissheiten wie es genau zur Krankheit kam.
Andererseits bietet auch Vers 29 Raum zur Anwendung, nämlich wie wir als Gemeinde auf unsere Mitarbeiter reagieren, die sich engagieren und wie wir sie wertschätzen
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
(Es hilft, sich selber noch einmal in ein bis zwei prägnanten Sätzen deutlich vor Augen zu führen, was der Predigthörer am Ende der Predigt gelernt haben soll.)
Die Predigt wird gehalten, damit der Hörer neu versteht, dass Mitarbeit eine Frage der Hingabe ist, aber dass wir als Gemeinde gleichzeitig auch herausgefordert sind, unseren Mitarbeitern Freude und Ehre bzw. Respekt zu spiegeln.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Thema: Mitarbeit bedeutet Hingabe!
- Hingabe riskiert das eigene Leben (Vers 30)
- Hingabe hat Wirkung (Vers 25)
- Hingabe ist Kampf (Vers 25)
- Hingabe geschieht für die Gemeinde (Vers 30)
- Hingabe verdient Respekt (Vers 29)
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
[Dieses Konzept beinhaltet 5 kürzere Predigtpunkte, man kann natürlich auch die Punkte reduzieren und dafür dann zu den jeweiligen Punkten mehr entfalten.]
Einstieg über die Geschichte vom Huhn und vom Schwein (im Internet lassen sich auch Bilder mit einem Huhn und einem Schwein finden): Huhn und Schwein wollten eine gemeinsame Wanderung machen, leider waren beide nicht klug genug, ausreichend Proviant mitzunehmen, und so bekamen sie zwischendurch massiv Hunger. Lange fiel ihnen nicht ein, was sie tun könnten, bis das Huhn die rettende Idee hatte: „Ich bin ein Huhn, ich lege uns einfach ein Ei, und du bist ein Schwein, du gibst eine saftige Scheibe von deiner vorzüglichen Keule.“
Was ist der Punkt? Bin ich in meiner Mitarbeit eher das Huhn, das (nur) ein Ei gibt, etwas was abfällt, etwas, was mich nicht wirklich etwas kostet, oder bin ich das Schwein, das herausgefordert ist, wirklich sich selber zu geben, sich selber eben HINzugeben?
In der Predigt geht es heute um einen eher unbekannten Mitarbeiter von Paulus, der aber tatsächlich sein Leben gewagt hat in seiner Mitarbeit und er stellt uns vor die Frage, was uns die Mitarbeit kosten darf und ob wir bereit sind, uns selber zu geben.
Das Thema für die Predigt soll deshalb lauten:
Mitarbeit bedeutet Hingabe
Textlesung: Philipper 2, 25-30
Zunächst wird Epaphroditus vorgestellt und es wird zusammengefasst, was wir mit Sicherheit über ihn sagen können (siehe Punkt 1.3). Dabei wird auch gesagt, was letztlich nicht ganz geklärt werden kann.
Und nun haben wir gehört, dass Epaphroditus lebensbedrohlich krank war und für Paulus gibt es eine ganz klare Verbindung: Vers 30a
So wie Paulus formuliert können wir davon ausgehen, dass E sich ab einem bestimmten Zeitpunkt bewusst war, dass er sein Leben riskiert.
Leider wissen wir letztlich keine Details, ein Ausleger hat rekonstruiert, dass E wahrscheinlich in den besonders heißen und beschwerlichen Sommermonaten gereist ist und evtl. ist er auf der Reise krank geworden und hätte eigentlich besser umkehren oder vor Ort bleiben sollen, aber er ist weiter nach Rom gereist, um die Spende eben zu überbringen und hat sich damit letztlich überstrapaziert.
Aber das berichtet uns der Abschnitt nicht. Klar scheint, dass E sich durchaus bewusst war, ein Risiko einzugehen, und zwar „um des Werkes Christi willen“.
1. Hingabe riskiert das eigene Leben (Vers 30)
[Bei diesem Punkt geht es darum, dass Hingabe bzw. Mitarbeit eben wirklich weh tun und mich was kosten kann.]
Wer schon länger als Christ unterwegs ist bzw. in seiner Bibel liest, dem sind wahrscheinlich durchaus auch andere Bibelstellen bewusst, die uns zeigen, dass uns der Dienst für Jesus tatsächlich das Leben kosten kann und darf und dass es Jesus durchaus auch erwartet, dass wir bereit sind, unser Leben nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch zu geben! [2-3 entsprechende Bibelstellen raussuchen und vorlesen.]
Aber wo hört bei uns praktisch oft schon viel früher „der Spaß auf“ und wir sind nicht bereit mitzuarbeiten? (Sonntagsmorgens schon um 8 Uhr in der Gemeinde sein wegen Mitarbeit; Sitzungen abhalten, obwohl parallel Fußballspiele laufen; [weitere Beispiele suchen und vortragen, wo uns heute der „Preis der Mitarbeit“ zu hoch ist].)
Wo hören wir mit der Mitarbeit auf, weil du uns die Corona-Bedingungen zu mühsam sind? (Manche gehen wegen der Maske nicht einmal in den Gottesdienst …)
Es geht hier nicht drum, den „moralischen Zeigefinger“ zu heben, sondern zunächst mal geht es einfach darum, mal ganz nüchtern festzuhalten, dass wir eine ziemlich breite Komfortzone bekommen haben und uns unser persönliches Wohlbefinden oft (?) wichtiger ist als die Mitarbeit.
Offensichtlich darf uns unsere Mitarbeit nicht so viel kosten, wie es eigentlich sein sollte, warum ist das so?
Warum ist dir Mitarbeit so wenig wert? Beantworte dir diese Frage einmal ganz ehrlich!
Aber wir wollen es nicht dabei belassen, nur die Fehler zu suchen, sondern wir wollen uns auch anschauen, was uns motivieren könnte:
2. Hingabe hat eine Wirkung (Vers 25)
[Bei diesem Punkt geht es darum, dass wir, wenn wir für Jesus wirken, tatsächlich Ewigkeit und nicht Vergänglichkeit bauen.]
Paulus bezeichnet E in Vers 25 als „Mitarbeiter“, so heißt es in der Übersetzung, aber ganz genau hingeschaut steht da ein „Mit-Wirker“.
Es geht nicht um „Arbeit“, sondern es geht um „Wirkung“! Du hast die Möglichkeit für Gott wirklich etwas zu be-wirken!
In dieser Welt musst du am Ende alles wieder loslassen, du bist mit nichts in die Welt gekommen und musst mit nichts diese Welt wieder verlassen!
Und man kann die Bibel durchaus so verstehen, dass es auch für den Christen noch einmal diesen Moment gibt, wo geschaut wird, was du aus deinem Leben gemacht hast: Hast du gearbeitet, hast du dich vergnügt, hast du dich zerstreut, oder hast du wirklich etwas bewirkt?
Und alles, was du nur gemacht hast, um hier dein Leben auf der Erde irgendwie am Laufen zu halten, das wird einmal komplett bedeutungslos sein.
Aber was wird das für ein Moment sein, wenn Gott mal dein „himmlisches Fotoalbum“ mit dir anschaut und sich alle Momente mit dir anschaut, wo du etwas für IHN getan hast, wie wird das sein, wenn im Himmel mal jemand vor dir steht und sagt: Danke, man, ohne dich wäre ich nicht hier …
Das bedeutet natürlich nicht, dass es verkehrt ist, sich um die Familie zu kümmern oder schlicht weg ganz normal arbeiten zu gehen, um die Familie zu versorgen, oder auch mal für ein paar Euros mit der Familie was zu unternehmen, um sie wertzuschätzen, oder Sport zu machen, weil es einem Spaß macht.
Aber die Gewichtung und vor allem die innere Ausrichtung muss stimmen: Tue ich es wirklich mit und für Gott oder mache ich es letztlich nur für Menschen und letztlich dann für mich?
Wenn ich es wirklich mit Jesus tue, dann habe ich die Chance, wirklich etwas Dauerhaftes zu bewirken!
Aber vielleicht müssen wir auch etwas anderes neu lernen:
3. Hingabe ist Kampf (Vers 25)
[Bei diesem Punkt geht darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir in einem geistlichen Kampf stehen, in dem der Teufel uns mit allerlei Lügen in eine Haltung der Bequemlichkeit ziehen will, bzw. dass mein persönliches Wohlbefinden wichtiger ist als das Wachstum des Reiches Gottes.]
Paulus benutzt für E auch das Wort „Mitstreiter“. Das ist eine „spannende“ Übersetzung: In dem griechischen Wort, das Paulus hier benutzt, steckt zum Einen die Silbe „Mit“ und zum Anderen ein Wort, das überall in den Evangelien und in der Apostelgeschichte mit „Soldat“ übersetzt wird. Nur an den drei Stellen, an denen es Paulus dann für Christen benutzt, da wird es auf einmal als „Streiter“ übersetzt.
Du bist ein „Mit-Soldat“ und du bist in einem „Kampf“! Viele englische Übersetzungen übersetzen tatsächlich „fellow soldier“ (NIV, King James) oder umschreiben „battlingen side by side“ (TLB).
Aber der Kampf ist ausdrücklich nicht gegen Menschen, bzw. „Fleisch und Blut“! Es geht nicht um einen irdischen „heiligen Krieg“ oder „Kreuzzüge“. Der Auftrag ist, unsere Mitmenschen bis hin zu unseren „Feinden“ zu lieben!
Nein, der Kampf ist gegen den Teufel! Und der Teufel, der auch der „Vater der Lüge“ genannt wird, der „bombardiert“ uns mit Lügen und diese Lügen blockieren uns in unserer Mitarbeit und in unserer Hingabe!
Welche Lügen halten dich von der Mitarbeit ab? [Lügen sammeln, vortragen und zumindest teilweise durchdenken und hinterfragen: z. B. „Wenn ich mitarbeite, bleibt keine Zeit für mich selber“.]
Immer wieder sind wir aufgerufen „nüchtern und wachsam“ zu sein, das was eine „Wache“ (in der Regel auch ein Soldat) eben sein muss!
Wo sind wir träge und bequem geworden und die freien Abende sind wichtiger geworden als die Mitarbeit! Oder wir arbeiten uns so müde, dass wir keine Kraft mehr für Mitarbeit haben.
Augen auf, sei kampfbereit gegen die Lügen des Teufels! Sei ein „Mit-Soldat“ Jesu!
Das waren nun Punkte, bei denen wir herausgefordert waren, uns selber als Mitarbeiter auf den Prüfstand zu stellen, es gibt aber auch noch zwei Punkte, bei denen wir uns als Gemeinde fragen müssen, ob wir unsere Mitarbeiter richtig wahrnehmen:
4. Hingabe geschieht für die Gemeinde (Vers 30b)
[Bei diesem Punkt geht es darum, dass wir erkennen, dass andere Mitarbeiter das tun, was wir anderen nicht tun können, und so tun sie es für uns alle!]
Damals war das natürlich offensichtlich: [An dieser Stelle die Bedeutung von Vers 30b erklären.] Es konnte tatsächlich nur der eine das Geld nach Rom bringen, wobei die grundsätzliche Fähigkeit sicherlich viele hatten.
Aber letztlich war dann eben E derjenige, der sich eingesetzt hat, der dabei sogar sein Leben riskiert hat und das eben für die Gemeinde: Sie konnten zuhause bleiben und ihrem normalen Leben und Arbeiten nachgehen…
Sehen wir, dass einige Mitarbeiter sonntags viel früher aufstehen als alle anderen, damit wir einen Gottesdienst haben? Sehen wir, dass andere Mitarbeiter Woche für Woche mehrere Stunden in Kinder- und Jugendarbeit stecken, damit sich Menschen (z. B. unsere Kinder) in der Gemeinde beheimaten? Sehen wir, dass Leute das Gemeindehaus sauber halten, damit wir alle eine schöne Atmosphäre haben? Sie tun das nicht nur für Jesus oder für „die da oben in der Gemeindeleitung“ oder für die kleinen Gäste, oder für sich selber, weil es ja vielleicht sogar Freude macht, sondern sie tun es ganz praktisch auch für dich, für die GANZE Gemeinde, weil du es nicht tun kannst oder willst (ein Klo putzen kann jeder…), deshalb tun sie es!
Und das führt uns zu einem letzten kleinen Punkt:
5. Hingabe verdient Respekt (Vers 29)
[Bei diesem Punkt geht es darum, Mitarbeitern tatsächlich Wertschätzung auch zum Ausdruck zu bringen!]
„Haltet solche in Ehren“ bedeutet, sie als „wert-voll“, bzw. „kostbar“ zu erkennen und diese Kostbarkeit, bzw. diesen Wert auch wirklich wahrnehmbar zum Ausdruck zu bringen! (In der Bibel geht es nie nur um Theorien, sondern beim „kennen“ oder „wissen“ oder „halten“ geht es letztlich immer um das, was ganz praktisch und sichtbar zu sehen ist und auch beim Anderen spürbar ankommt.)
Wie bringen wir das zum Ausdruck, dass ein Mitarbeiter uns wirklich kostbar ist?
Die Bibel schaut an dieser Stelle von zwei Seiten: Einerseits muss ein Mitarbeiter seinen Dienst auch ohne „Dankeschön“ machen. Wer mit einem Dienst aufhört, weil er nie ein Dankeschön bekommen hat, der muss noch einmal gründlich seine Motivation überprüfen … (Lukas 17,10) Aber das entbindet die andere Seite eben nicht von der Verantwortung, trotzdem diese Wertschätzung zu geben!
[Sammel ein paar Ideen, wie man Mitarbeitern Wertschätzung entgegenbringen kann; es fängt evtl. damit an, ob ich überhaupt weiß, was alles von wem gemacht wird: Was läuft eigentlich alles in der Gemeinde? Wer bringt sich eigentlich alles ein? Weißt du, was XY in der Gemeinde (auch) für dich macht, weil DU es eben nicht machst? Wie oft redest du darüber, dass etwas nicht so gut lief und wie oft redest du über das, was gut war?]
Spannend wäre an dieser Stelle auch ein Blick auf 1. Kor 16,16: Haben wir diese Sicht, uns JEDEM Mitwirkenden, der sich müht, uns unterzuordnen bzw. zu „unterwerfen/untertan zu sein“, wie das Wort an anderen Stellen auch übersetzt wird (Lk 10,17.20; Röm 13,1).
E war dabei „nur“ im logistischen Sinne tätig: Er hat „nur“ etwas von A nach B gebracht! Auch diese ganz praktischen Dinge, für die man evtl. nicht viel können muss, verdienen den höchsten Respekt!
Hier müssen wir lernen, eben immer von der richtigen Seite zu schauen: Der Mitarbeiter für sich selber, der darf die Haltung haben, dass er „nur seine Pflicht erfüllt“, aber die Haltung derer, die von DIESEM Mitarbeiter profitieren, die muss sein, sich ihm wirklich zu „unterwerfen“ und ihm ganz großen Respekt entgegenzubringen: „Ich sehe, was du tust, und ich danke dir, DASS du es tust, und ich finde (wenn ich es denn ehrlich so sagen kann), dass du es wirklich gut gemacht hast.“
Ein Mitarbeiter sollte sich selber zurücknehmen (können), aber wir dürfen ihn nicht zurücksetzen!
Ich erinnere mich (echtes Beispiel) an einen Mitarbeiter, der jahrelang Sonntagschule gemacht hat und nie hat sich jemand bei ihm bedankt, aber dann hat er einmal bei einem Anspiel im Gottesdienst mitgemacht und ganz viele haben sich bedankt. Da ist etwas falsch gelaufen… (er hat trotzdem weiter Sonntagschule gemacht …)
Zusammenfassung:
Als Mitarbeiter bin ich herausgefordert, mich hinzugeben, Mitarbeit darf mich etwas kosten, Mitarbeit darf weh tun und Mitarbeit ist ein Kampf!
Andererseits kann ich etwas für die Ewigkeit bewirken.
Und als Gemeinden sind wir herausgefordert, immer wieder neu zu sehen: Jeder Mitarbeiter tut seinen Dienst auch für uns – weil wir ihn nicht tun – und dafür soll bei ihm wirklich Wertschätzung ankommen!
- Einige Tipps für die Verkündigung
# Arbeite (und bete) in der Vorbereitung so lange mit dem Abschnitt, bis er wirklich mit seinen Punkten dein eigenes Herzensanliegen ist!
# EVA – E=erkläre den Text gründlich / V=veranschauliche deine Predigtpunkte mit einem Bild / A )=Anwendung: Zeige praktische Beispiele, wie dieser Punkt im Alltag (in deinem Alltag) Anwendung finden kann bzw. findet.
# Halte Blickkontakt! – vor allem am Anfang und Ende der Predigt (Lerne Einleitung und Zusammenfassung möglichst auswendig!)
# Eine „Predigt“ ist mehr als ein Vortrag/Referat, sie ist Zuspruch, der von Herzen kommt und zu Herzen gehen soll, sei es Ermutigung oder Ermahnung.
# Erzähle aus deinem Leben – ausgewogen – wo dir das eine oder andere vorbildlich gelingt, wo aber auch mal etwas nicht so gelungen ist, wie es sein sollte.
(Mirko Lau)