Predigtthema: Jesus kennt unsere Not – und ist da
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Sowohl der Kontext der Geschichte, als auch die Geschichte selbst, sind sehr bekannt. Im Vorfeld des Kapitels lesen wir die Enthauptung des Johannes d. T. (V1-12). Anschließend lesen wir die Geschichte der Speisung der 5000 (V13-21). Das Kapitel endet mit dem wandelnden Jesus auf dem See.
Eine Herausforderung ist dabei die, dass wahrscheinlich jeder der Zuhörer die Geschichte vom wandelnden Jesus auf dem See Genezareth und dem sinkenden Petrus, schon seit der Kindheit an kennt.
Es kann aber auch eine gute Chance sein, die Begebenheit neu auszulegen und sie dem Zuhörer und vor allem auch uns selbst, wieder neu bewusst und wichtig zu machen.
Parallel wird die Geschichte noch in Markus 6,45f und in Johannes 6,16-21 erzählt. Es lohnt sich diese zur Vorbereitung auch zu lesen, da die Evangelisten verschiedene Blicke auf die Begebenheit werfen.
Allerdings würde ich empfehlen ausschließlich aus Matthäus zu predigen, da dieser Text schon recht lang ist und viele Wahrheiten beinhaltet. Die Paralleltexte können zur Ergänzung dienen.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* CV- Kommentar zum Matthäusevangelium
* William MacDonald – Kommentar zum NT
* Predigt von Winrich Scheffbuch zum Text unter sermon-online.de, vom 28.05.2000
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Schön zu sehen ist, dass Jesus sich stets um die Menschen kümmert. Die Jünger wollten die Menschenmenge schon viel früher wegschicken. Sie hatten nichts zu essen. Und für eine solch große Menge etwas zu Essen zu besorgen ist bekanntlich schwierig. Jesus hingegen schickt Menschen nicht leer weg.
Er speist die Menge – leiblich und geistlich. Leiblich durch die Brotvermehrung und geistlich durch das außergewöhnliche Wunder.
Jesus wollte den Menschen und seinen Jüngern zeigen, dass er der Messias ist. Er ist in die Welt gekommen um Sünder zu retten! – Matthäus 1,21
Deshalb schickt Jesus Menschen nie leer weg.
Dennoch hatte Jesus immer wieder das Bedürfnis alleine zu sein. Wir können lesen, als Jesus hörte, dass Johannes d. T. tot war, dass er sich mit seinen Jüngern zurückziehen wollte (Mt.14,13). Doch es war ihm noch nicht möglich, da die Volksmenge es mitbekommen hatte. Jesus erbarmte sich ihrer (V14) und tat viele Wunder.
Als dann auch diese Arbeit getan war, wollte Jesus endlich alleine sein und beten.
Jesus schickt also, nachdem er die Volksmenge in mehrfacher Hinsicht gesättigt hatte, weg. Ebenso sendet er seine Jünger mit dem Boot voraus, dass sie schon mal an das andere Ufer des Sees fahren (V. 22).
V. 22-24
Das Wort „nötigte oder drängte“, kommt nicht sehr häufig vor in der Bibel (z.B., Apg 26,11;28,19; Gal 2,14).
Es drückt an manchen Stellen ein zwingen aus, von äußerem und innerem Zwang. Es drückt aber auch ein nachdrückliches Auffordern aus, dass unser Herr Jesus hier auch tut. Er will jetzt alleine sein, keine Menschen, keine Jünger, nur er und sein Vater.
Jesus möchte beten. Alleine im Gespräch mit seinem Vater!
Er wollte vielleicht die Ereignisse besprechen, die mit Johannes d. T. einhergingen (denn seit dieser Sache versuchte er alleine zu sein).
Die Tatsache, dass selbst unser Herr Jesus die Stille und das Gebet sucht, sollte uns persönlich alarmieren. Alarmieren deshalb, weil wir Christen durch unsere Gebetslosigkeit zeigen, dass wir nicht abhängig sind von Gott. Jemand sagte mal:
„Gebetslosigkeit ist meine Unabhängigkeitserklärung an Gott!“
Das Gebet, so anstrengend es vielleicht auch sein mag, ist der Weg um mit Gott dem Vater Zeit zu verbringen. Ist der Weg für uns um Weisung, Hilfe, Gemeinschaft, Gespräch und Abhängigkeit von Gott zu leben. Jesus zog sich häufig zurück um alleine zu sein mit dem Vater.
Jesus nahm sich stets viel Zeit um zu beten. Es war nicht ein 5Minuten Sorgen ablegen, sondern seine Gespräche gingen oft mehrere Stunden lang. In V.25 kommt Jesus um die vierte Nachtwache – das entspricht etwa zwischen 3 und 6Uhr morgens. Von abends an bis mitten in die Nacht hinein betete Jesus.
Ich denke, dass wir hier als ersten Punkt unsere Abhängigkeit von Gott hinterfragen können. Es ist immer wieder gut auf das Gebet hingewiesen zu werden. Wir Christen, vor allem in unserer sorglosen westlichen Welt, vergessen oft, dass wir ohne Gott nichts tun können (Joh 15,5f).
V. 25-27
Während Jesus also betete, fuhren die Jünger los. Sie kamen etwa 5km weit (Joh 6,19). Jesus schickte seine Jünger voraus. Er tat dies ganz bewusst, denn ich denke nicht, dass Jesus überrascht war von der Not, in der seine Jünger steckten.
Jesus schickte seine Jünger oftmals in Situationen, die ihre menschlichen Kräfte und ihren Glauben auf die Probe stellten. Nicht selten stellte sich heraus, dass die Jünger noch viel vom Messias zu lernen hatten.
Zu bemerken ist aber, dass Jesus die Jünger niemals im Stich lässt! Er ist immer da um ihnen zu helfen, sie zurechtzuweisen und auch um seine Macht erneut zu beweisen.
Während also die Jünger Not litten, kommt Jesus. Er kommt mitten in diese Not! Er wartet nicht am jenseitigen Ufer auf sie und lässt sie alleine rudern. Zumal hatte er ihnen ja den Auftrag gegeben, ans jenseitige Ufer zu fahren (V22). Er schickt sie raus in eine erneute Prüfung – doch er ist da! Er ist auch bei uns da, denn niemals lässt er uns alleine! (Mt 28,20)
Dass die Jünger erschraken ist nicht verwunderlich. Ich denke, dass niemand jemals zuvor einen Menschen hat auf dem Wasser gehen sehen. Jesus nimmt ihnen auch gleich die Angst und spricht ihnen tröstende Worte zu, indem er sich zu erkennen gibt.
Spannend zu sehen ist, dass die Jünger wieder auf ihrem eigenen Terrain in Not gerieten. Einige der Jünger waren Fischer und verbrachten nun schon ihr ganzes Leben lang auf dem Wasser. Doch wie schon bei der Stillung des Sturms aus Mt 8,23f, lässt Jesus die Jünger gerade bei dem was sie gut können, verzweifeln.
Die Jünger litten Not, Not obwohl sie sich auskannten. Doch Jesus kommt in diese Not und will auch hier Trost und Hilfe spenden.
V. 28-31
Kommen wir zur wohl berühmtesten Szene aus dieser Geschichte à Petrus geht auf dem Wasser.
Man möchte schon fast sagen, dass es selbstverständlich Petrus war, der diesen Versuch wagte. Ich möchte allerdings unseren Blick mal auf eine andere Facette der Situation lenken.
Oft wird diese Geschichte, das Wandeln des Petrus auf dem Wasser, gebraucht um unseren Glauben herauszufordern. Gerne singen wir in unseren Liedern sinnbildlich davon, dass wir auch auf dem Wasser gehen wollen. Wir wollen Gott genauso vertrauen wie Petrus es tat.
Doch meine Frage ist die: Rief Jesus Petrus wirklich auf das Wasser? Wollte Jesus wirklich, dass Petrus auf dem Wasser geht? Ist diese Geschichte wirklich ein Beispiel dafür, dass Petrus großen Glauben hatte?
Ich Antworte zuerst und erkläre dann warum ich so denke.
- Nein!
Wie schon gesehen, kam Jesus in die Not der Jünger. Sie litten unter dem Gegenwind und den Wellen. Doch der Herr ist da! Er gibt sich zu erkennen und sagt ihnen
- Ich bin es! Seid getrost! Seid guten Mutes!
Wir haben die Gewissheit, dass Jesus uns in unserer Not nicht alleine lässt! Er kommt in unser Leben, und wenn es sein muss, dann sogar mit Macht und Wundern!
- Fürchtet euch daher nicht!
Jesus gab den Jüngern allen Grund ihm zu glauben. Zum einen erlebten sie nun schon viele Wunder. Sie waren schon eine Weile mit Jesus unterwegs. Sie kannten ihn, sie hörten ihn und sie glaubten ihm!
Dass Jesus sich hier zu erkennen gibt und in die Not der Jünger kommt, ist ein Zeichen der Liebe, der Führsorge und der Allmacht Gottes.
Doch für Petrus scheint das nicht genug zu sein. Er scheint immer noch zu zweifeln. Er glaubt noch nicht, dass es wirklich der Herr ist. Warum denn nicht? Was ist mit den Wundern? Mit den Worten? Mit der Stillung des Sturms? Mit der Heilung der Schwiegermutter?
Petrus war immer noch ungläubig. Daher fordert er nun einen Beweis. Er kann den Worten Jesu hier nicht vollkommen vertrauen. Also schlägt er nun Jesus vor, dass er auf dem Wasser zu Jesus kommen soll.
Es war nicht Jesus der den Petrus rief. Es war nicht Jesus, der den Vorschlag hatte. Jesus bewies schon, dass er der Herr ist. Doch Petrus glaubte nicht!
Das Ergebnis vom Unglauben des Petrus ist noch erschütternder.
Nun läuft Petrus durch die Macht Jesu schon auf dem Wasser. Er erlebte also das, worum er gebeten hatte. Doch auch das war nicht genug. Sobald er den Blick weg von Jesus nahm, fing er an zu sinken.
Jesus rettet ihn natürlich. Jesus kommt ja in die Not der Jünger. Das hat er doch schon bewiesen. Doch Petrus glaubte nicht.
Jesus fragt ihn anschließend, warum er denn zweifelte? Ja, woran zweifelte Petrus denn? Ich denke, dass Petrus zuerst daran zweifelte, dass Jesus in die Not der Menschen wirken kann. Er zweifelte daran, dass es Jesus ist, der ihm und seinen Gefährten Rettung geben kann. Er zweifelte trotz der Wunder, die um ihn her geschehen sind.
Und der Ausstieg aus dem Boot, ist für mich ein Zeichen des Unglaubens von Petrus und nicht von Mut oder gar von besonderem Vertrauen.
Ich glaube, dass wir uns an der Stelle fragen sollten, glaube ich, dass Jesus mächtig ist in mein Leben hinein zu wirken? David schrieb in seiner Not, in seinen Erlebnissen und durch das, wie er Gott kennengelernt hatte den Psalm 23.
- Gott ist immer da!
Gott ist allgegenwärtig, allmächtig, allwissend, Gott gibt mir keinen Grund an ihm zu zweifeln. Warum also, glaube ich ihm nicht, dass er in meiner Not wirken kann? Fordere ich ein Zeichen von Gott? Bin ich so ungläubig wie Petrus? Muss ich erst Dinge erleben wie Petrus? à doch selbst die stärkten seinen Glauben nicht, sondern er ging unter…
Ich glaube, dass Punkt 1, das Gebet und Punkt 2, das Wissen, dass Jesus da ist, der Schlüssel dazu sind Gott vertrauen zu lernen.
Gott schickt uns immer wieder in Situationen wo wir es lernen können ihm zu vertrauen. Lasst uns also in die Schule bei ihm gehen und darauf hören wenn er sagt:
- Ich bin es, fürchte dich nicht!
- Auch das Gebet aus Philipper 4,6 oder 1.Petrus 5,7, oder gar Psalm 50,15, sind die richtige Herangehensweise in Situationen die unseren Glauben fordern
V.32+33
Die einzig richtige Reaktion der Jünger wird nun beschrieben.
Jesus steigt in das Bott, mit dem vor dem Ertrinken geretteten Petrus an der Hand. Sofort legt sich der Wind. Jesus war stets Herr der Lage.
Die Jünger, alle außer Petrus, kamen nun und warfen sich anbetend vor ihm nieder. Sie hatten die Situation aus dem Boot heraus beobachtet. Sie sahen was passierte, sie sahen Jesus auf dem Wasser gehen, sie sahen Petrus sinken, sie sahen, wie sich der Sturm legte.
Darauf hin bekannten sie alle, alle die im Bott geblieben waren à Du bist Gottes Sohn!
Wenn Jesus in das Boot unseres Lebens steigt, dann tritt Ruhe und Frieden ein! Wir müssen bekennen, dass Jesus der Wahrheftige Sohn Gottes ist. Er ist mächtig und kann und will in unserer Situation der Herr sein. Er ist es auch stets gewesen.
Wie häufig drücken wir unseren dank aus? Wie häufig beten wir Jesus einfach nur an dafür, dass er der Herr ist? Wie dankbar sind wir, dass Jesus in unserem Boot Platzgenommen hat?
Und natürlich ist auch die zentrale Frage die wir hier gut stellen können, ob Jesus denn überhaupt schon in unserem Lebensboot Platz genommen hat? Ist Jesus auch der Herr in meinem Leben?
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Ich denke, dass sich der Text hervorragend dazu eignet, eine alte Geschichte in einem neuen Licht zu sehen. Herausfordernd ist, dass wir uns alle darauf einlassen müssen, diese wohl bekannte Geschichte neu zu uns sprechen zu lassen.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Anwendungen könnten sein, dass wir uns neu fragen:
- Wie viel Zeit nehme ich mir für das Gebet?
- Wie bewusst bin ich mir, dass Jesus in meinem Leben stets präsent ist?
- Vertraue ich der Macht Gottes in meinem Leben? Oder verlange ich ein Zeichen?
- Bete ich Gott an für das, WER er ist?
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) (V.22-24) Jesus betet
b) (V.25-27) Jesus ist da
c) (V.28-31) Jesus gibt Sicherheit
d) (V.32-33) Jesus ist es Wert
oder:
a) (V.22-25) Lernen zu beten
b) (V.26-31) Lernen zu vertrauen
c) (V.32-33) Lernen anzubeten
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Fragen:
- Welche Dinge in meinem Leben glaube ich erst, wenn ich sie sehe?
- Musste ich andere schonmal von einer Sache richtig überzeugen? Etwas, dass mir nicht aufs Wort geglaubt wurde?
- In welchen Situationen habe ich schonmal was fürs Leben gelernt?
(Beispiele und Illustrationen und Liedvorschläge)
(Valentin Töws)