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Jahresthema: In Gottes Nähe leben
Predigtthema: Entschuldigen – wie es nicht funktioniert
Predigttext: Röm 2,1-16
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). Hilfreich ist auch die Vergleichsfunktion im Bibleserver, mit der man bis zu 5 verschiedene Übersetzungen sehr übersichtlich nebeneinanderstellen kann.
Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Heiko Krimmer: Römerbrief. Edition C Bibelkommentar NT Bd. 10. Hänssler (S. 70-86).
* Werner de Boor: Der Brief des Paulus an die Römer. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 66-77).
* Walter Lüthi: Der Römerbrief. Brunnen (S.52-64)
* Theodor Zahn: Der Brief des Paulus an die Römer (unter: http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar
_Zum_Neuen_Testament_Band_06_Buecher_45_1910.pdf )
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Letzte Woche haben wir im zweiten Teil von Römer 1 vor Augen gestellt bekommen, wie die Sünde das große Verhängnis unserer Welt ist. Wir haben gesehen, wie dringend wir Menschen das Evangelium der Gnade Gottes brauchen.
Jetzt predigen wir diese Verse vorwiegend zu Christen und wenn wir als Christen die Ausführung von Paulus über die Gesetzlosigkeit der Welt lesen, dann stehen wir in der Gefahr uns betroffen neben ihn zu stellen und über die Schlechtigkeit der Welt den Kopf zu schütteln. Insgeheim klopfen wir uns aber innerlich auf den Schultern und denken: Zum Glück bin ich nicht so.
Paulus kennt die frommen Menschen, er weiß um ihre Gefahr der Selbstgerechtigkeit und deshalb betont er in Kapitel 2, dass jeder Mensch die Gnade Gottes braucht.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Es ist sehr wichtig, dass wir Kapitel 2,1-16 nicht losgelöst von Röm 1,16f verstehen. Es kann nicht sein, dass Paulus in diesen Versen eine Werkgerechtigkeit predigt, wenn er in 1,16f so den Glauben betont. Auch in Kapitel 3,21ff wird Paulus jede Art von Werksgerechtigkeit ablehnen. Wir müssen also sehr deutlich herausarbeiten, was Paulus meint und auch nicht meint, wenn er in Vers 6 sagt, dass Gott „einem jeden geben wird nach seinen Werken.“
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Die Argumentationslinie von Paulus in diesen Versen ist nicht auf den ersten Blick offensichtlich. Deshalb müssen wir versuchen, sie in der Predigt deutlich nachzuzeichnen. Wir müssen u.a. klären: Wen spricht Paulus hier an? ; Warum ist die Selbstgerechtigkeit so ein großes Problem? ; Warum betont Paulus hier so stark die Werke? ; Was meint Paulus damit, wenn er schreibt, dass die Heiden „sich selbst Gesetz“ sind?
Nun wenn wir als Predigende, diese Fragen für uns sortiert haben, können wir die Hörer durch die Argumentation von Paulus hindurchleiten. Es geht nicht darum, dass wir auf alles eine völlig fixe Antwort haben, aber der Hörer sollte nicht den Eindruck gewinnen, dass die Schwierigkeit im Text irgendwie umschifft werden.
3. Sagen, wo es hingeht
Sehr hilfreich ist die Predigt von Philipp Bartholomä unter dem Titel: „Der Irrweg der Selbstgerechtigkeit“
(http://www.er-lebt.de/predigtmitschnitte/
der-irrweg-der-selbstgerechtigkeit-roemer-218-32/
(Bitte nicht verwirren lassen, die Bibelstelle ist falsch angegeben. Es geht um Röm 2,1-16))
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Durch die Predigt soll den Hörern deutlich werden, dass wir uns, egal wie fromm wir sind, nicht aus unserer eigenen Kraft vor Gott entschuldigen können. Vor Gottes Maßstab sind wir alle schuldig. Die Predigt soll ermutigen nicht auf die eigene Gerechtigkeit zu vertrauen, sondern die Hoffnung ganz auf die Gnade Gottes in Jesus Christus zu setzen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Entschuldigen – was nicht funktioniert!
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a)Wenn wir über uns selbst das Urteil sprechen (V.1-4)
b) Gottes Urteil ist absolut gerecht (V.5-13)
c) Wenn das Gewissen Gott Recht gibt (V.14-16)
oder nach Philipp Bartholomä
a) Der Irrtum der Selbstgerechtigkeit (V.1-4)
b) Die Ausweglosigkeit der Selbstgerechtigkeit (V.5-13)
c) Das Eigentor der Selbstgerechtigkeit (V.14-16)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
· Die klassische Veranschaulichung für Selbstgerechtigkeit finden wir im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (Lk 18,9-14).
· Auch die Begegnung zwischen David und dem Propheten Nathan, die uns in 2.Sam 12 berichtet wird, ist eine ausgezeichnete Veranschaulichung zu unserem Predigttext. David spricht mit seinem selbstgerechten Urteil über sich selbst das Urteil. Gott misst David an den Maßstäben, die David selbst angelegt hat.
· Wilhelm Busch erzählt in seinem Buch „Kleine Erzählungen“ wie Gott die Selbstgerechtigkeit eines Menschen durchbrochen hat.
Ich tue recht und scheue niemand
Geradezu aufregen kann mich dieser Satz! Wie oft ach ja, wie ermüdend oft habe ich es erlebt, dass einer, dem ich das Evangelium bezeugte, freundlich abwinkte und überlegen sagte: »Wissen Sie, ich halte mich an die Religion, die schon mein Vater hatte. Und die heißt: Tue recht und scheue niemand.« Da bin ich dann oft aufgebraust und habe heftig erwidert: »Das ist die blödeste Religion, die ich kenne. Denn erstens ist es eine Religion, bei der Gott noch nicht mal vorkommt. Und zweitens – ist es gar nicht wahr!«
Dann hat der andere wohl still gelächelt, als wenn er sagen wollte: »Wahrscheinlich hast du Recht. Aber so ist es für mich am bequemsten.« Und da lässt sich ja dann nichts machen. Aber einmal hat es mir Gott doch geschenkt, dass so ein selbstgerechter Sünder aus seinem stolzen Sattel stürzte. Es ist schon fünfzehn Jahre her. Und der Mann, um den sich‘s dabei handelt, ist längst in der Ewigkeit. So kann man die Geschichte ruhig erzählen.
Ja, man muss sie erzählen. Denn wir haben viel vergehen sehen: ein Kaiserreich und eine Republik und einen totalitären Staat. Und mit diesen Systemen fielen jedes Mal Weltanschauungen dahin. Aber der dumme Satz »Ich tue recht und scheue niemand« ist geblieben, – geblieben in einem Volk, das jahrelang geradezu vorgelebt hat, was Menschenfurcht ist. Doch wer will sich darüber wundern? Den Satz haben schon die Pharisäer zu Kaiser Augustus‘ Zeiten gesagt.
Aber nun zu der Geschichte!
Da besuchte ich oftmals einen alten Mann in einem Altersheim. Er war ein gottloser, verhärteter Kerl. Und was ich ihm auch aus der Bibel vorlas, das lief an ihm ab wie Wasser am Marmorstein. Als ich eines Tages wieder in sein Zimmer trete, liegt er im Bett. »Oh, sind Sie krank, Vater N.?«, frage ich. Verdrießlich antwortet er: »Ach, wenn man mal fünfundsiebzig ist, kann man ja ruhig sterben.« »Stopp!«, rufe ich. »Halt! Das ist nicht richtig! Ob man ruhig sterben kann, das hängt nicht vom Alter ab. Ich habe einen vierzehnjährigen Jungen ruhig sterben sehen. Und ich habe einen alten Sünder verzweifelt in seinen Sünden dahinfahren sehen. Nein! Vom Alter hängt das nicht ab. Das hängt vom Frieden mit Gott ab!«
Etwas unsicher schaut mich der Alte an. Dann legt er los: »Frieden mit Gott? Den habe ich! Ich habe nichts gegen Gott. Mein Wahlspruch war: Tue recht und scheue niemand! Danach habe ich gelebt. Ich habe niemand bestohlen, ich habe niemand Unrecht getan …« Und während er nun alle seine »guten Taten« aufzählt, kratzt er mit beiden Händen auf der Bettdecke. Es ist, als wenn er alle seine Vorzüge und guten Taten auf ein Häuflein zusammenscharren und vor Gott hinlegen wolle. Immer noch zählt er auf, während seine Hände das unsichtbare Häuflein hübsch säuberlich zusammenscharren: »… ich habe nie Streit gehabt in meinem Haus, ich war immer kameradschaftlich gegenüber meinen Arbeitskollegen, ich habe …« Endlich ist er fertig.
»Lieber Mann!«, sage ich nun, »da kann ich Ihnen ja nur gratulieren, dass Sie so prächtig und großartig vor das Angesicht des lebendigen Gottes treten können. Ich bin zwar nur halb so alt wie Sie. Aber so großartig stehe ich leider nicht da. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann muss ich sehr traurig werden darüber, wie oft ich versagt habe. Wie oft habe ich Gottes Gebote übertreten! Wie oft bin ich Liebe schuldig geblieben! Wie oft habe ich mit meinen Launen meine Umgebung gequält! Oh, da ist viel, viel Schuld. Und sehen Sie! Darum bin ich froh, dass ich einen Heiland habe, der am Kreuz für mich gestorben ist und der mich verlorenen Menschen mit Gott versöhnt hat. Ja, dieser Heiland ist meine ganze Hoffnung.«
Einige Augenblicke ist es sehr still im Zimmer. Dann seufzt der alte Mann tief auf und gibt zu: »Ja, wenn ich mir die Sache genau überlege, dann ist in meinem Leben auch nicht alles so gewesen, wie es sein sollte …« »Oho!«, lege ich nun aber los. »Was soll das denn heißen? Eben haben Sie doch noch so großartig getan, wie Sie vor Gott bestehen könnten und wie Ihr Leben vollkommen in Ordnung sei!«»Ja …«, sagt er zögernd, »wenn man sein Leben mal so richtig ansieht, dann …«
»Ja, lieber Vater, dann packen Sie mal aus und machen Sie Ihr Gewissen frei!« Und dann kam eine Beichte. Was da gesprochen wurde, hat nur Gott hören dürfen. Aber als der alte Mann fertig war, stand ein riesiger Berg von Schuld und Sünde da, vor dem das kleine Hügelchen auf der Bettdecke ganz und gar verschwand. Ich war erschüttert. »O lieber Mann! Mit solch einem Berg von Sünde wollten Sie in die Ewigkeit gehen?! So wollten Sie vor den dreimal heiligen Gott treten?!« Und dann kniete ich an seinem Bett nieder, und wir brachten diesen Berg von Schuld vor Gott.
Als wir das getan hatten, durfte ich ihm sagen: »Nun heben Sie Ihre Augen auf zum Heiland am Kreuz! Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.« Dann ging ich und ließ ihn in großer innerer Not und Herzensunruhe zurück. Als ich nach wenigen Tagen wiederkam, fand ich einen völlig verwandelten Mann vor. Nun hatte sein Herz den gefunden, der in die Welt gekommen ist, um »die Sünder selig zu machen«. Und als ein Begnadigter und von Gott Angenommener und wirklich mit Gott Versöhnter ist er im Jahr darauf friedlich hinübergegangen in die Ewigkeit.
(Tobias Schurr)