Römer

Predigthilfe vom 18. Mai 2014 – Römer 1, 18-32

Jahresthema:         In Gottes Nähe leben       

Predigtthema:         Enthüllen – was Gott zornig macht

Predigttext:             Röm 1,18-32

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). Hilfreich ist auch die Vergleichsfunktion im Bibleserver, mit der man bis zu 5 verschiedene Übersetzungen sehr übersichtlich nebeneinanderstellen kann.

Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Heiko Krimmer: Römerbrief. Edition C Bibelkommentar NT Bd. 10. Hänssler (S. 54-70).

* Werner de Boor: Der Brief des Paulus an die Römer. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 53-66).

* Walter Lüthi: Der Römerbrief. Brunnen (S.40-51)

* Theodor Zahn: Der Brief des Paulus an die Römer (unter: http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar
_Zum_Neuen_Testament_Band_06_Buecher_45_1910.pdf
)

* Zum Thema Götzendienst ist das Buch: „Es ist nicht alles GOTT was glänzt“, von Timothy Keller empfehlenswert.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Wir leben in einer Welt, in der man das Gefühl hat, dass christliche Wertmaßstäbe immer mehr über Bord geworfen werden. Manchmal stehen wir als Christen hilflos davor und fragen uns, was wir tun können und sollen. Paulus stellt uns in Röm 1,18ff sehr deutlich vor Augen, dass diese Ablehnung von Gottes Wertmaßstäben ein Grundcharakteristikum der gefallenen Welt ist. Das Grundproblem seit dem Sündenfall besteht darin, dass wir Menschen in unserer Sünde eben nicht den wahren Gott anbeten, sondern uns alle möglichen anderen Götter machen und diese auf den Thron setzen, der allein dem wahren Gott gehört. In dieser Realität lebt unsere Welt, und deshalb ist Gott zu Recht zornig.

Wenn wir als Christen vom Evangelium reden, ist es wichtig, dass wir erkannt haben, dass Gott wirklich und nicht grundlos zornig ist. Nur dann ergibt das Evangelium einen Sinn. Wenn wir versuchen das Evangelium nur mit Liebe zu erklären und nicht deutlich machen, dass Gott zornig ist, bleibt Jesu Tod am Kreuz eine willkürliche, nicht nachvollziehbare Aktion.

Aber wenn wir erkennen, dass Jesus am Kreuz wirklich den Zornbecher des Vaters trägt, wie er es selbst in Joh 18,11 sagt, dann erkennen wir am Kreuz die größte Liebestat aller Zeiten.

Weiter müssen wir sehen, dass unser Leben in der Sünde katastrophale Auswirkungen hat. Dies zeigt sich ganz besonders in einer völlig verschobenen Sexualmoral. Paulus benutzt hier die menschliche Sexualität als primäres Beispiel oder als Prüfstein, weil sich hier zeigt, wie es um den Menschen im Innersten bestellt ist. Aber die Sünde hat auch in allen anderen Bereichen des Lebens furchtbare Folgen, weil überall deutlich wird, dass nicht mehr Gott im Mittelpunkt steht, sondern der gefallene Mensch mit seinen egoistischen Begierden. Und schlussendlich resultiert all dies daraus, dass durch die Sünde unsere Beziehung zu Gott zerstört ist.

Genau hier ist das Evangelium die alles entscheidende Botschaft, weil das Evangelium der Gnade  allein die Kraft Gottes ist und hat um diesen furchtbaren Zustand zu ändern.

2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen

Paulus beschreibt in diesen Versen sehr drastisch, wie es um uns Menschen unter der Sünde bestellt ist. Es ist wichtig und gut, dass wir dieser Betonung in der Predigt nachgehen. Allerdings dürfen wir den Zusammenhang nicht aus den Augen verlieren. Bevor Paulus über den menschlichen Zustand unter der Sünde reflektiert, hat er in kurzen aber gewaltigen Worten, das Evangelium auf den Leuchter gehoben (Röm 1,16-17). Paulus hat betont, welch eine wunderbare Kraft Gottes das Evangelium ist und jetzt geht es ihm darum, sehr deutlich zu zeigen, wie sehr jeder Mensch wirklich auf dieses Evangelium angewiesen ist.

Weiterhin sollten wir uns in der Predigt nicht auf eine „Spezialsünde“ versteifen. Paulus macht sehr deutlich, dass unser Grundproblem der Götzendienst ist, der in den verschiedensten Spielarten auftaucht. Dieser Götzendienst verunstaltet dann das ganze Leben. Wir sollten deutlich machen, wie umfassend unser Leben durch die Sünde in Mitleidenschaft gezogen wird.

Wir sollten diese Predigt nutzen um das Evangelium groß zu machen, Jesus zu verherrlichen und die menschliche Not unter der Sünde deutlich heraus zu stellen. Wir sollten die Predigt nicht nutzen um uns vorwiegend über aktuelle ethische Fehlentwicklungen zu echauffieren. Vielmehr sollten wir im Blick auf unsere eigene Sünde demütig werden, und uns wieder ganz dem Evangelium der Gnade hingeben.

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Bibelarbeit von

Winrich Scheffbuch vom 01.05.1983 unter dem Titel „Die große Katastrophe der Menschheit“.

Diese Botschaft findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ und „Autor“ ausfüllt.

Weiterhin hilfreich ist die Predigt von Torsten Pfrommer und dem Titel „Unsere geistliche Ausgangslage richtig einschätzen“
(http://www.feg-giessen.de/fileadmin/feg/predigten_mp3/2221.mp3).

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Predigthörer sollen erkennen, wie tief wir Menschen in unserer Sünde gefangen sind. Sie sollen erkennen, wie sehr Gott die Sünde hasst und dass unsere einzige Hoffnung dem berechtigten Zorn Gottes zu entkommen, in Jesus Christus gegründet ist.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Enthüllen – was Gott zornig macht

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a)Ausrede zwecklos! (V.18-20)

b) Ein katastrophaler Wechsel [von Gott zum Götze] (V.21-23)

c) Die Sexualität als Lackmustest (V.24-27)

d) Der ganze Mensch ist betroffen (V.28-32)

oder nach Torsten Pfrommer

a) Gott ist zornig (V.18)

b) Wir haben keine Entschuldigung (V.19-24)

c) Unsere Ablehnung Gottes hat katastrophale Konsequenzen (V.25-32)

oder nach Heiko Krimmer:

a) Statt Gotteserkenntnis Torheit

b) Statt Anbetung Versklavung

c) Statt Leben Tod

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

·  Torsten Pfrommer erzählt in der Einleitung seiner Predigt eine schöne Geschichte:
Im Hotel ist die Toilette verstopft und übergelaufen. Das schmutzige Wasser verteilt sich. Die Gäste rufen daraufhin die Rezeption und sagen: „Wir haben hier ein kleines Problem mit der Toilette“. Einige Minuten später klopft es und ein Mitarbeiter des Hotels steht vor der Tür, nur mit einem kleinen Lappen bewaffnet. Er möchte das „kleine Problem“ beheben. Als er das wirkliche Ausmaß des Problems erkennt, kommentiert er dies mit einem ziemlich unschönen Wort und geht. Einige Minuten später steht er in voller Bewaffnung vor der Zimmertür. Mit Wassersauger, Werkzeug und allem, was man eben braucht um dieses Problem zu beheben.

Es ist sehr wichtig, dass wir die Dimension unseres Problems mit kennen um richtig damit umgehen zu können.

·   Auf der Nordseeinsel Borkum liegt ein transatlantisches Kabel, das mit schweren, starken Ketten verankert ist. Wenn die Ebbe kommt, wenn das Meer zurückweicht, liegen die Ketten unbedeckt auf dem Strande. An einem Sonntagnachmittag spielen drei junge Männer dort auf dem Sandstrand, versuchen, die schweren Ketten zu heben, indem sie ihre Füße in die Kettenglieder stecken. Wer kann die Kette am höchsten heben? Das ist die Kraftprobe, um die es geht. Plötzlich bleibt der Fuß des einen in einem Glied der Kette stecken. Die anderen lachen und scherzen: „Nun bist du gefangen, nun musst du ertrinken.“ Gemeinsam versuchen sie, den Freund zu befreien. Aber weder der Stiefel ist aus der Kette zu lösen, noch lässt sich der Fuß aus dem Schuh herausziehen. Von ferne kommt ein unheimliches Brausen. Immer näher tönt es in den Ohren der Jungen. Die Flut kommt! In Todesangst arbeiten und ziehen sie. Aber umsonst! Der Fuß bleibt in der Kette. Die Wogen kommen näher. Die beiden müssen weichen, um sich selber zu retten. Über dem Einsamen in der Kette schlägt die Flut zusammen. Aus dem Spiel ist bitterer Ernst geworden. Ein Leben an der Kette ging zugrunde, und von diesem furchtbaren Geschehen reden die Insulaner noch heute. Und doch hängen wir alle an der Kette, die uns nicht frei gibt: An der Schuld. Die Sünde schlägt über einem Menschen zusammen wie die Flut über dem Jungen in unserer Geschichte. Aber es gibt ein Wort in der Bibel, das uns helfen kann: Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei.

·    Alle in einem Boot

Es war zu der Zeit, als es in den USA noch Sklaverei gab. Ein alter Mann namens Mose war es leid geworden, Tag für Tag und Jahr für Jahr Holz zu fällen. Eines Tages dachte er darüber nach, wer wohl die Schuld daran trage, dass er solch ein schweres Leben führen musste. Er fand für alle, an die er sich erinnern konnte, triftige Entschuldigungsgründe. Schließlich kam er zu dem Schluss, dass letztlich alles Adams Schuld war. Hätte er doch nur nicht den Apfel gegessen! Deshalb musste der Mensch das herrliche Paradies verlassen und auf dem Feld arbeiten, um sich im Schweiße seines Angesichts sein Brot zu verdienen.

Je mehr der alte Mose darüber nachdachte, desto ärgerlicher wurde er auf Adam. Bei jedem Axtschlag murmelte er: „Alter Adam, alter Adam!” Und mit jedem Wort schlug er etwas fester zu. Eines Tages – Mose war noch nicht zur Arbeit gegangen – hörte ihn der Gutsbesitzer schimpfen. Er fragte ihn, was das zu bedeuten habe.

„Ach”, antwortete Mose, „wenn Adam nicht den Apfel gegessen hätte, dann müsste ich mich nicht dauernd abschinden. Dann könnte ich zu Hause bleiben, mich ausruhen und Limonade schlürfen.”

Der Grundbesitzer dachte nach. Schließlich sagte er: „Du darfst zu Hause bleiben, Mose, wie es dein Wunsch ist. Ab sofort brauchst du keine Arbeit mehr zu verrichten. Du kannst dich den ganzen Tag hinlegen und tun, was dir gefällt – allerdings unter einer Bedingung: Siehst du das Kästchen dort auf dem Tisch? Du darfst es nicht öffnen! Einverstanden? Gut, dann genieße deine Ferien!”

In den nächsten Wochen konnte Mose sein Glück kaum fassen. Er lief im Haus herum und genoss seine Muße und schlürfte seine Limonade.

Dann stieß er auf das Kästchen. Zunächst betrachtete er es nur. Doch im Laufe der Zeit wurde die Versuchung, es zu berühren, immer mächtiger. Als er es schließlich nach mehreren Tagen betastete und sogar mit sich herumtrug, wurde ihm die Versuchung zu stark. Es konnte doch so schlimm nicht sein, nur einmal kurz hineinzuschauen!

Als er den Deckel vorsichtig an einer Seite hochhob, fiel sein Blick auf ein beschriebenes Blatt Papier auf dem Boden des Kästchens. Moses Neugier war erst befriedigt, als er den Zettel herausgenommen und gelesen hatte. Darauf stand: „Mose, du alter Schurke! Ich möchte dich nie mehr über Adam schimpfen hören. Wenn du im Garten Eden gewesen wärst, hättest du genauso gehandelt wie Adam. Geh wieder in den Wald zurück und fälle Holz!”

Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist. Römer 3,23f

(Tobias Schurr)