Römer

Predigthilfe vom 11. Mai 2014 – Römer 1, 16f

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Jahresthema:         In Gottes Nähe leben       

Predigtthema:         Entdecken – was uns geschenkt wird!

Predigttext:             Röm 1,16-17

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). Hilfreich ist auch die Vergleichsfunktion im Bibleserver, mit der man bis zu 5 verschiedene Übersetzungen sehr übersichtlich nebeneinanderstellen kann.

Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Heiko Krimmer: Römerbrief. Edition C Bibelkommentar NT Bd. 10. Hänssler (S. 43-53).

* Werner de Boor: Der Brief des Paulus an die Römer. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 41-52).

* Walter Lüthi: Der Römerbrief. Brunnen (S.29-39)

* Theodor Zahn: Der Brief des Paulus an die Römer (unter: http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_06_Buecher_45_1910.pdf  )

Bitte studiert auch den Predigttipp von Eckhard Löffler vom 09.10.2005 zu (Römer 1, 16+17t) unter www.studienbibel.de.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Letzte Woche haben wir die ersten Verse des Briefes betrachtet, in denen Paulus sich vorstellt, als einen Diener des Evangeliums und in denen er den Wunsch äußert auch nach Rom zu kommen um dort das Evangelium zu predigen. In unseren heutigen Versen bringt Paulus das Thema des Briefes auf den Punkt: Es geht um die Gerechtigkeit Gottes. Paulus gibt der Gemeinde in Rom, die ihn nicht persönlich kennt, eine sehr fokussierte Zusammenfassung des Evangeliums und zugleich sein eigenes Bekenntnis zu dieser Botschaft.

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Paulus verwendet hier sehr zentrale Begriffe, die wir klären und in der Predigt erklären sollen. Was meint Paulus, wenn er vom Evangelium spricht? Inwiefern ist das Evangelium eine Kraft Gottes? Wie ist Gottes Gerechtigkeit zu verstehen? Was versteht Paulus unter Glaube?

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Der Predigttext ist recht kurz, aber von großer theologischer Bedeutung. Die Spannung besteht m.E. darin, dass wir den Bogen spannen von der grundlegenden Erklärung des Evangeliums hin zur Freude über das Evangelium. Das Evangelium ist nicht nur eine Botschaft, die verstanden werden, sondern eine Botschaft, die auch und vor allem geliebt, bejubelt und verkündet werden soll.

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Bibelarbeit von

Winrich Scheffbuch vom 25.01.1998 unter dem Titel „Was Bibellesen so aufregend macht“.

Diese Botschaft findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ und „Autor“ ausfüllt.

Ebenfalls hilfreich ist die Predigt von Philipp Bartolomä unter dem Titel: „Die Kraft des Evangelium“ (http://www.er-lebt.de/predigtmitschnitte/die-kraft-des-evangeliums-romer-11-17/)

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Predigthörer sollen (zum ersten Mal oder wieder neu) erkennen, wie gewaltig die frohe Botschaft Gottes in Christus ist. Gott schenkt uns Sündern seine Gerechtigkeit.

Die Hörer sollen ermutigt werden, sich nicht für das Evangelium zu schämen, sondern darauf vertrauen, dass es wirklich Gottes Kraft in ihrem Leben ist und so das Evangelium mit Freude weitersagen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Entdecken – was uns geschenkt wird!

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a)Unvorstellbare Kraft

b) Unverdiente Gerechtigkeit

c) Unsterblicher Glaube

 

oder nach Philipp Bartholomä

a) Der Inhalt des Evangeliums

b) Die Anstößigkeit des Evangeliums

c) Das Ziel des Evangeliums

 

oder nach Heiko Krimmer:

a) Wer Jesus Christus bekennt …

b) bekennt sich zu Gott

c) … so hat es das Evangelium bekanntgemacht

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

·    Eine wunderbare Veranschaulichung, was geschieht, wenn Gott uns seine Gerechtigkeit schenkt und unsere Schuld von uns nimmt, sehen wir in Sacharja 3,1-5.

·    C.J. Mahaney berichtet in einer Predigt von einem amerikanischen Jungen, der zum 16. Geburtstag von seinem Vater ein pinkes Auto geschenkt bekommt. Für einen Jungen in diesem Alter sicher ein Schock. Ein Auto, für das man sich schämen muss. Aber der Junge schämte sich nur so lange, bis er unter die Motorhaube schaute und einen gewaltigen Motor sah. Das Auto war ursprünglich für die Autobahnpolizei ausgestattet worden und deshalb hatte es Kraft ohne Ende. Das Evangelium mag nach menschlichen Maßstäben unansehnlich, vielleicht sogar zum schämen sein, aber da ist gewaltige Kraft unter der Motorhaube. Das Evangelium ist Gottes Kraft.

·    Martin Luther berichtet sehr anschaulich von seinem eigenen Kampf mit diesen Versen:

Die iustitiaEntdeckung (Vorrede zu den lateinischen Werken von 1545)

Inzwischen war ich in diesem Jahr (1519) zum Psalter zurückgekehrt (eo anno iam redieram ad Psalterium), um ihn von neuem auszulegen, im Vertrauen darauf, dass ich geübter sei, nachdem ich St. Pauli Brief an die Römer und Galater und den an die Hebräer in Vorlesungen behandelt hatte. Ich war von einer wundersamen Leidenschaft gepackt worden (miro certe ardore captus fueram), Paulus in seinem Römerbrief kennenzulernen, aber bis dahin hatte mir nicht die Kälte meines Herzens, sondern ein einziges Wort im Wege gestanden, das im ersten Kapitel steht: „Die Gerechtigkeit Gottes wird in ihm (d.h. im Evangelium) offenbart“ (Röm 1,17). Ich hasste nämlich dieses Wort „Gerechtigkeit Gottes“, das ich nach dem allgemeinen Wortgebrauch aller Doktoren philosophisch als die sogenannte formale oder aktive Gerechtigkeit (de iustitia ut vocant formali seu activa) zu verstehen gelernt hatte, mit der Gott gerecht ist, nach der er Sünder und Ungerechte straft. Ich aber, der ich trotz meines untadeligen Lebens als Mönch mich vor Gott als Sünder mit durch und durch unruhigem Gewissen fühlte und auch nicht darauf vertrauen konnte, ich sei durch meine Genugtuung mit Gott versöhnt: Ich liebte nicht, ja, ich hasste diesen gerechten Gott, der Sünder straft; wenn nicht mit ausgesprochener Blasphemie, so doch gewiss mit einem ungeheuren Murren war ich empört gegen Gott und sagte: „Soll es noch nicht genug sein, dass die elenden Sünder, die ewig durch die Erbsünde Verlorenen, durch den Dekalog mit allerhand Unheil bedrückt sind? Muss denn Gott durch das Evangelium den Schmerzen noch Schmerzen hinzufügen und uns durch das Evangelium zusätzlich seine Gerechtigkeit und seinen Zorn androhen?“ So raste ich in meinem wütenden, durch und durch verwirrten Gewissen und klopfte rücksichtslos bei Paulus an dieser Stelle an, mit heißestem Durst zu wissen, was Sankt Paulus damit sagen will. Endlich achtete ich in Tag und Nacht währendem Nachsinnen durch Gottes Erbarmen auf die Verbindung der Worte (connexionem verborum attenderem), nämlich: „Die Gerechtigkeit Gottes wird in ihm offenbart, wie geschrieben steht: ‚Der Gerechte lebt aus dem Glauben‘ (Hab 2,4).“ Da habe ich angefangen, die Gerechtigkeit Gottes als die zu begreifen, durch die der Gerechte als durch Gottes Geschenk lebt, nämlich aus Glauben (qua iustus dono Dei vivit, nempe ex fide); ich begriff, dass dies der Sinn ist: Offenbart wird durch das Evangelium die Gerechtigkeit Gottes, nämlich die passive (revelari per Evangelium iustitiam Dei, scilicet passivam), durch die uns Gott, der Barmherzige, durch den Glauben rechtfertigt, wie geschrieben steht: „Der Gerechte lebt aus dem Glauben“. Nun fühlte ich mich ganz und gar neugeboren und durch offene Pforten in das Paradies selbst eingetreten. Da zeigte sich mir sogleich die ganze Schrift von einer anderen Seite. Von daher durchlief ich die Schrift, wie ich sie im Gedächtnis hatte, und las auch in anderen Ausdrücken die gleiche Struktur (analogia), wie: „das Werk Gottes“, d.h. was Gott in uns wirkt, „die Kraft Gottes“, mit der er uns kräftig macht, „die Weisheit Gottes“, mit der er uns weise macht, „die Stärke Gottes“, das „Heil Gottes“, „die Herrlichkeit Gottes“. Nun, mit wieviel Hass ich früher das Wort „Gerechtigkeit Gottes“ gehasst hatte, mit um so größerer Liebe pries ich dieses Wort als das für mich süßeste; so sehr war mir diese Paulusstelle wirklich die Pforte zum Paradies. […]

Quelle: Martin Luther, Studienausgabe, hg. v. H.U. Delius. Bd. 5, Berlin 1882, 635638.

 (Tobias Schurr)