Römer

Predigthilfe vom 4. Mai 2014 – Römer 1, 1-15

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Jahresthema:         In Gottes Nähe leben       

Predigtthema:         Entfalten – wie wir durch Christus leben!

Predigttext:             Röm 1,1-15

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). Hilfreich ist auch die Vergleichsfunktion im Bibleserver, mit der man bis zu 5 verschiedene Übersetzungen sehr übersichtlich nebeneinanderstellen kann.

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Hilfreiche einführende Anmerkungen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibelAlteRechtschreibung/45-Der_Brief_Des_Apostels_Paulus_An_Die_Roemer.pdf). Da wir die ersten Verse der Briefes behandeln sind nicht nur die Anmerkungen zu den Versen, sondern auch die einleitenden Erläuterungen zum Brief wichtig.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Heiko Krimmer: Römerbrief. Edition C Bibelkommentar NT Bd. 10. Hänssler (S. 13-46).

* Werner de Boor: Der Brief des Paulus an die Römer. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 25-42).

* Walter Lüthi: Der Römerbrief. Brunnen (S.19-39)

* Theodor Zahn: Der Brief des Paulus an die Römer (unter: http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_06_Buecher_45_1910.pdf  S. 27-71)

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Paulus schreibt einen Brief an eine Gemeinde, die er nicht persönlich kennt und mit der er sich doch ganz eng verbunden weiß. Paulus geht es in diesen ersten Versen darum, der Gemeinde in Rom deutlich zu machen, wofür sein Herz schlägt und was ihn in seinem Dienst antreibt.

Für uns heute ist es sehr relevant zu hören, wie Paulus seinen Dienst begründet, wie er im Gebet für die Geschwister eintritt. Weiter ist es wichtig, dass wir sehen, wie Paulus das gemeinschaftliche Miteinander betont. Paulus sieht sich nicht nur als der Gebende. Er geht ganz selbstverständlich davon aus, dass bei der Begegnung von Christen ein gegenseitiges Erbauen stattfindet. Nur mit dieser Überzeugung kann Gemeinschaft in der Gemeinde gelingen. 

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Auch wenn der Römerbrief eine gewaltige Tiefe der Theologie bietet, ist er nicht in erster Linie eine dogmatische Abhandlung sondern ein echter Brief. Paulus, der Apostel, schreibt an eine Gemeinde von Christen und setzt deshalb gewisse Dinge als bekannt voraus. Wenn wir als Christen heute diesen Brief lesen müssen wir uns bewusst sein, dass Gott sein Wort in diesem Brief in eine bestimmte Situation hineingesprochen hat. Das ändert nichts daran, dass Gottes Wort für alle Zeiten gültig und wahr ist, und dass es für uns heute relevant und verbindlich ist. Aber wenn wir verstehen wollen, was Gott sagt, müssen wir verstehen, in welche Situation Gott damals sein Wort durch Paulus hineingesprochen hat.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

In diesen ersten Versen geht es Paulus vor allem darum sich selbst vorzustellen. Er redet von seinem Verständnis des apostolischen Dienstes, von seinem Berufungsverständnis. Aber Paulus stellt auch den herzlichen Bezug zur römischen Gemeinde heraus, deren Gemeinschaft er von Herzen gerne erleben möchte.

Man könnte sagen, dass Paulus uns einen Blick in sein Apostelherz gibt. Die Herausforderung in der Predigt wird sein, eben nicht nur zu berichten, was Paulus tut, sagt und plant, sondern zu zeigen, welche Prinzipien für das Leben in der Nachfolge Jesu und für die Gemeinschaft unter Christen wir in diesen Versen erkennen können und wie wir sie in unserem Leben praktisch werden lassen können.

Hilfreiche Fragen könnten sein:

* Was treibt mich in meinem Leben als Christ, in meinem Dienst an? Ist es die Liebe für das Evangelium?

* Sind wir uns bewusst, dass Gott selbst es ist, der uns in den christlichen Dienst nimmt, völlig unabhängig davon, wie dieser dann konkret aussieht?

     *Wie denken und reden wir über andere Christen und andere Gemeinden?

     * Was erwarten wir von geistlicher Gemeinschaft?

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Bibelarbeit von Michael Kotsch aus dem Jahr 1996; die Predigt von Jacob Thiessen von 30.05.2004 unter dem Titel „Einführung in den Römerbrief“; Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ und „Autor“ ausfüllt.

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Jesus hat das Leben von Paulus radikal auf den Kopf gestellt. Nicht umsonst in der Wandel vom „Saulus zum Paulus“ sprichwörtlich geworden. Aus einem radikalen Gegner hat Jesus einen absolut hingegeben Nachfolger gemacht, der bereit ist sein Leben für Jesus aufs Spiel zu setzen.

Das Geschenk der Gnade hat Paulus niemals vergessen. Er selbst sagt: „Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“  (1Kor 15,10) Das Evangelium hat sein ganzes Leben durchdrungen. Er weiß, dass er alleine durch Christus lebt!

Die Leitfrage die unsere Predigt durchdringen kann, lautet deshalb: „Wie leben wir durch Christus?“

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Geleitet vom Thema: Entfalten – wie wir durch Christus leben lässt sich in diesen Versen wunderbar zeigen, wie das Evangelium der Gnade das Leben verändert. Zunächst stellt sich Paulus als Sklave Jesu vor, der den besonderen Auftrag hat, die „Frohe Botschaft“ von Christus in die Welt hinauszutragen. Am Dienst von Paulus können wir zeigen, wie Gott souverän in das Leben eines Menschen eingreift und ihn für sich herausruft. Weiter sehen wir, was es bedeutet hingegeben für und in Christus zu leben.

Dieses Leben durch Christus prägt auch die Gemeinde in Rom. Auch sie sind von Gott berufen. Sie haben seine Liebe erfahren und dürfen in ihm ein neues Leben führen.

Und solche in Christus erneuerten Menschen, sind durch Christus zu einer neuen, einzigartigen Gemeinschaft der Liebe berufen. Diese Gemeinschaft basiert eben nicht zuerst auf menschlichen Sympathien, sondern darauf dass Gott selbst zu dieser Gemeinschaft befähigt.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) Von Gott ausgesondert (V.1-5)

b) Von Gott geliebt und berufen (V.6-7)

c) Von Gott zusammengestellt (V.8-15)

oder nach Heiko Krimmer:

a) Der wertvolle Sklave (V.1)

b) Das vollwertige Evangelium (V. 2-5)

c) Der volle Wert der Gemeinde (V.6-15)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

·    Zwei Geschichten von Axel Kühner über die  Wichtigkeit von gegenseitiger Gemeinschaft:

Ein lebendiger Stein

Ein Mann war mit seiner Gemeinde unzufrieden. Er sah die Mängel und Fehler, spürte den Sand im Getriebe und zog sich daraufhin immer mehr zurück. Er klagte und grollte. – Da schenkte ihm Gott einen Traum. Ein Engel trug ihn hinauf in Gottes ewige Welt. Dort sah er das Haus Gottes als einen wunderbaren Tempel. Er staunte über das herrliche, majestätische Bauwerk. Doch da entdeckte er im Mauerwerk eine Lücke. Offenbar fehlte dort ein Stein. So entstand in dem schönen Bauwerk ein hässliches Loch. „Was bedeutet diese Lücke im Haus Gottes?”, fragte er den Engel. „Diese Lücke hast du gemacht, als du dich aus der Gemeinde zurückzogst”, sagte der Engel. „Gott wollte dich an dieser Stelle gebrauchen, aber du sahst nur die Fehler der anderen. Vor lauter Klagen und Grollen über die anderen bist du gar nicht dazu gekommen, deinen Platz auszufüllen. Nun gibt es im Tempel Gottes diese hässliche Lücke!”

Da erwachte der Mann. Und mit neuer Freude arbeitete er nun in der Gemeinde mit. Trotz aller Unzulänglichkeiten wollte er ein lebendiger Stein im Hause Gottes sein. Das Ganze mit tragen und selber getragen werden. Er wollte die Lücke im Hause Gottes ausfüllen.

Viele Teile sind ein Ganzes

Sechs Freunde gingen aufs Feld, um zu jagen. Der eine hieß Nase, der andere Ohr, der dritte Auge. Und da waren noch die Freunde Hand, Fuß und Magen. Diese sechs gingen zur Jagd; denn sie waren sehr hungrig.

Plötzlich rief der Freund Ohr: „Halt, ich habe etwas gehört, es kommt aus der Richtung des großen Baumes.” Die Freunde hielten inne, aber Freund Auge sagte: „Ich kann nichts sehen, es ist noch zu dunkel.” Leise gingen die sechs Freunde weiter. Da rief Freund Nase: „Es muss aus dieser Richtung kommen. Ich kann es riechen.” Und vorsichtig trug Freund Fuß die Gruppe in die bezeichnete Richtung. „Still”, flüsterte das Auge, „ich kann etwas sehen”, und gleich blieb Freund Fuß stehen, und Freund Hand umfasste fest den Speer und wartete auf genauere Anweisungen. Diese gab Freund Auge, und schnell reagierte Freund Hand mit einem geschickten Wurf. Er hatte Erfolg. Nun konnten die Freunde sich sättigen.

Aber ganz plötzlich entstand ein großer Streit zwischen den Freunden. Wer hatte denn nun das Besitzrecht über diese Beute? Wer konnte nun bestimmen, wer und was die einzelnen von der Mahlzeit abbekommen sollten?

„Ich war der erste”, sagte Freund Ohr und forderte dieses Recht für sich. „Nein”, ich habe das Recht, sagte die Nase, „denn du hast nicht die Feinorientierung gehabt wie ich, ohne meine feine Witterung hätte das Auge nichts wahrgenommen.” Und so ging der Streit weiter; denn auch Freund Fuß und Freund Auge und nicht zuletzt Freund Hand forderten jeder für sich das Erstrecht auf Bestimmung.

Schließlich fielen sie alle erschöpft zu Boden; denn sie konnten sich nicht einigen, und ihre Kräfte hatten sie verlassen.

Da sagte Freund Magen: „Ich mache euch einen Vorschlag: Gebt mir die Beute, ich will sie essen, und ich verspreche euch, es soll euch bald wieder besser gehen.” Die Freunde waren so schwach, dass sie diesem Vorschlag nicht widersprechen konnten, und so verzehrte der Magen die ganze schöne Beute. Aber seine Freunde spürten bald, wie mit jedem Happen, den der Magen verzehrte, die Kräfte in sie zurückkehrten. (Eine Geschichte aus dem Zaire)

·    Martin Luther zur Frage, wer lebt eigentlich in mir:

Eine neue Identität

Eine Anekdote erzählt von Martin Luther, dass er in Wittenberg spät abends in seinem Arbeitszimmer studiert. Der Teufel schleicht durch die Stadt und will den Reformator bei seiner Arbeit stören. Unter dem Fenster des Arbeitszimmers ruft der Teufel nach oben: „Wohnt hier der Doktor Martinus Luther?” Luther hört die Stimme des Teufels, springt zum Fenster, reißt die Läden auf und ruft hinunter: „Nein, der Martin Luther, der ist längst gestorben. Hier wohnt Jesus Christus!” Da zieht der Teufel den Schwanz ein und flüchtet.

Luther wollte damit sagen: der alte Mensch ist gestorben, ein neuer Mensch geboren, mit einer ganz neuen Identität. Für die Sünde, den Teufel, seine Versuchungen und Störungen ist Luther tot. Christus lebt in ihm. So hat es Paulus gemeint, wenn er an die Galater schreibt: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir!” In Christus sind wir neue Menschen mit ganz neuen Maßstäben und Motiven, mit neuen Horizonten und Dimensionen. Wenn die Sünde, der Teufel, die Anfechtung und Versuchung kommen, sind wir dafür tot. Wenn Jesus mit seinem Wort und Ruf kommt, sind wir hellwach. Lassen wir uns mit unserem alten, dicken Ich beerdigen und stehen als wiedergeborene Menschen auf! Mit einem neuen Namen, einer neuen Identität. „Wir sind ja, Herr, nach deinem Namen genannt!”

·    Was ist der Kern unserer Botschaft?

Pastor W. Busch erzählt:

Zwei Männer standen am Straßenrand, offenbar Bergleute, wie man an den blauen Narben in ihren Gesichtern sehen konnte. Als ich vorbeiging, grüßte der eine: „’n Tag, Herr Pastor!“ Ich trat auf ihn zu: „Kennen wir uns?“ Er lachte: „Na klar! Habe Sie oft sprechen hören.“ Und nun wandte er sich an den anderen: „Das ist also der Jugendpfarrer! Ein ganz ordentlicher Mann! Nur    er hat leider einen Vogel!“ Ich denke, meine Leser kennen diesen Ausdruck. Die Engländer sagen „Spleen“; die Schwaben erklären: „Der hat einen Sparren!“; die Berliner nennen es einen „Tick“    und im Ruhrgebiet und in anderen Gegenden heißt man’s einen „Vogel“, wenn jemand an einer Stelle nicht ganz zurechnungsfähig ist.

Als der Mann das nun so gelassen erklärte, ging’s mir doch gegen die Ehre, obwohl man als Pfarrer im Ruhrgebiet „hart im Nehmen“ wird. Also fuhr ich empört auf: „Was habe ich? Einen Vogel?“ Aber der Bergmann beachtete meinen Einspruch gar nicht, sondern wiederholte ganz gemächlich: „Also    ein ordentlicher Mann    nur eben –  er hat ’nen Vogel. Er spricht immer von Jesus.“                       

„Mann!“, rief ich erfreut. „Was Sie da sagen, das ist für mich, als wenn Sie mir einen Orden verliehen hätten! Ja, den Ruhm möchte ich haben: Er spricht immer von Jesus! Nur    leider    habe ich diesen Orden gar nicht verdient. Wie oft habe ich dummes Zeug geschwatzt. Aber    wissen Sie! Jesus ist es tatsächlich wert, dass man immer von ihm spricht. Sagen Sie mir: Kennen Sie Jesus?“ Da wandte sich der Bergmann lachend an den anderen: „Siehst du, nun fängt er schon wieder an!“

 (Tobias Schurr)