Monatsthema: Rettung aus Glauben
Predigtthema: Dein Glaube hat dir geholfen
Bibelstelle: Lukas 7, 36-50
Verfasser: Jürgen Vier
Jesu Salbung durch eine Sünderin!
1. Zusammenhang
Hintergrund ist Lk 7,29. Die Pharisäer verwerfen das Heilsangebot des „Johannes“ (nur vordergründig) und letztlich stellen sie sich gegen das Heilsangebot Gottes selbst. In unserer Geschichte wird nun Jesus zu einem Pharisäer eingeladen, obwohl sie sich bereits frühe darüber unterhielten, was sie mit Jesus tun sollen (vgl. Lk 6,11). Sollte auch dieser Besuch Jesu eine Prüfung sein? Wir müssen davon ausgehen, da der Hausherr noch weitere Personen (als Zeugen) eingeladen hat.
Inhaltlich wird die Antwort Jesu an Johannes d. T. weitergeführt. Hier geschieht eine für alle sichtbare Anerkennung Jesu als Christus, als Messias: Jesus wird gesalbt.
2. Biblische Parallelen
Diese Geschichte berichtet uns nur Lukas. Trotz einiger Parallelen ist dieses Ereignis nicht mit Mt 26,6ff; Mk 14,3ff, und Joh 12,3ff identisch. Von Lk 8,2 gibt es auch die Überlegung, ob es sich bei der Sünderin um Maria Magdalena handelt, aber hier kann man nur spekulieren.
3. Textaufbau
Lk 7,36+37: Situationsbeschreibung
Lk 7,38: Salbung von Jesus durch die Frau
Lk 7,39: Reaktion bei dem Pharisäer Simon
Lk 7,40-47: Gespräch Jesu mit Simon
Lk 7,48: Jesus spricht Sündenvergebung zu!
Lk 7,49: Reaktion bei den Anwesenden
Lk 7,50: Schlusssatz
4. Einzelerklärungen
Lk 7,36f
Ein Pharisäer mit Namen Simon bat Jesus zu ihm zu kommen und bei ihm zu essen. Jesus kam und sie legten sich zu Tische. Und die geladenen Gäste nahmen alle ihren zugewiesenen Platz ein.
„Und siehe“ – Jetzt geschieht das eigentlich unfassbare. Eine Frau, eine stadtbekannte Sünderin, hört von der Anwesenheit Jesu im Hause Simons, macht sich auf und nimmt ein Alabasterfläschchen voll Salböl mit. Wusste sie von den Versäumnissen Simons? Wohl kaum, denn ihre Salbung hat einen anderen Grund. Sie musste Jesus bei einer anderen Gelegenheit gesehen und gehört haben. Jesus musste ihr bereits „eine“ Wohltat erwiesen haben: Die Vergebung aller ihrer Sünden (vgl. V. 42+47).
Lk 7,38
„Weinend“: War sie überwältigt, ihren Herrn und Heiland wieder zu sehen? Konnte sie jetzt bei dieser Gelegenheit den Dank ihm gegenüber endlich durch diese Salbung ausdrücken? War sie traurig darüber, wie Jesus von dem Pharisäer behandelt wurde?
Sicherlich kann es ein o.g. Grund sein, vielleicht spielten sogar alle eine Rolle, aber ich denke, dass uns dieser Vers erst durch Psalm 2 richtig verdeutlicht, was hier geschieht.
„Sie netzte seine Füße mit Tränen und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes und küsste seine Füße und salbte sie mit Salbe.“
Psalm 2,11+12: Dienet dem Herrn mit Furcht und küsst seine Füße mit Zittern, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege; denn sein Zorn wird bald entbrennen. Wohl allen die auf ihn trauen!
Es geht im Ps 2 um den Aufstand der Menschen gegen Gott und seinen Gesalbten (V.1-3). In den Versen 4-6 kommt die Erhabenheit Gottes und die Unmöglichkeit dieses Aufstandes zum Ausdruck. In den Versen 7-9 wird nun der Gesalbte von Gott eingesetzt: Er setzt seinen Sohn ein! Dieser Vers wird an mehreren zentralen Stellen im NT aufgenommen (z.B. Mt 3,17). Er ist der Richter, aber zuvor ergeht der Ruf zur Umkehr! Lasst euch doch rufen! Kehrt um, bevor es zu spät ist (V. 10-12).
Sie erkannte Jesus eindeutig als Gesalbten des Herrn an! Sie wies alle Anwesenden mit ihrer äußeren Salbung darauf hin, dass er es wirklich ist – der Gesalbte nach Ps 2,7!!!! Gleichzeitig ist das waschen der Füße Ausdruck des Dienens (vgl. Ps 2 und Fußwaschung bei Jesus). Sie redete nichts, aber ihr Handeln war ein unüberhörbares Christuszeugnis!
Lk 7,39
Obwohl alle Anwesenden diese Liebe und die Hingabe dieser Frau sahen, blieb ihre innere Einstellung unberührt, hart, prüfend und abwartend. Ein echter PROPHET hätte das niemals von einer so bekannten Sünderin an sich geschehen lassen. Er hätte es gewusst! Er erwartet eine Zurückweisung des Handelns der Frau. Unmut und Abweisung in aller Bestimmtheit bis hin zum „Fußtritt“: Raus mit dir! Jesus tut das nicht – und darum ist er auch kein Prophet. Aber hier erkennen wir nur die Unwissenheit des Pharisäers selbst. Er sieht nur was vor Augen ist, Jesus weiß um ihren inneren Zustand, um die Sündenvergebung im Leben dieser Frau. Er sieht wahrlich das Herz an! Lasst uns auch an diesem Punkt „Jesusähnlicher“ werden.
Lk 7,40-46
Jesus macht durch ein Gleichnis deutlich, was hier wirklich geschehen ist. Ein Mann hatte zwei Schuldner. Einer schuldete ihm ca. 20 Monatsgehälter, der andere ca. 2 Monatsgehälter. Und der Mann schenkte es beiden, weil sie es nicht bezahlen konnten.
Wer wird den Mann wohl mehr lieben, mehr danken?
Bei der Antwort spürt man, wie schwer es Simon fällt, sie Jesus zu geben. Die Antwort liegt doch auf der Hand. Und Simon merkt, wie schlecht er bei diesem Beispiel dasteht.
„richtig geurteilt“: Er hat nicht richtig geantwortet, sondern geurteilt. Er hat Gericht gesprochen über das Verhalten der Frau: Ihre Liebe zu Jesus ist richtig und begründet – sie ist nicht nur erlaubt, sondern selbstverständlich! Aber auch das Gericht über sich selbst hat er gesprochen: Nicht Gesetzestreue und Leistung ist gefragt, sondern Gnade und Vergebung.
Haben wir diese Gnade und Vergebung erfahren und erleben wir sie als täglichen „Liebesbrunnen“ Jesus gegenüber?
Diese Frau war nicht mein Gastgeber, aber sie hat die Aufgaben des Gastgebers übernommen (z.B. 1.Mo 18,4; Ps 23,5). Nein, noch mehr: Sie hat mich wirklich in ihr (Lebens-) Haus aufgenommen. Du hast mich als Wanderprediger eingeladen, als Lehrer, dem man nur kritisch gegenüber steht, diese Frau hat mich als Sohn Gottes, als Gesalbten des Herrn angenommen und auch so behandelt.
Lk 7,47
Zwei Missverständnisse muss man hier beachten und aus dem ganzen Textzusammenhang klären:
1. Aus der Wirkung schließt Jesus hier auf die Ursache. Die Wirkung besteht in der großen und reichlichen Liebe. Die Ursache ist die Vergebung der Sünden! Die Vergebung geht also voraus.
2. Um viel Lieben zu können, muss ich nicht erst viel Schuld auf mich laden (vgl. Römerbrief), sondern es kommt auf die Tiefe unserer Sündenerkenntnis und Umkehr (und das schließt ja die Bereitschaft und das Wollen eines geänderten Lebenswandel) an.
Lk 7,48
Wenn wir aber davon ausgehen – und das müssen wir eigentlich aus dem ganzen Textzusammenhang – dass Jesus dieser Frau bereits bei einer früheren Begegnung ihre Sünden vergeben hat, welche Bedeutung hat dann dieser Vers?
Aus der Liebe der Frau schließt Jesus, dass sie die Vergebung für sich in Anspruch genommen hat, angenommen hat. Jetzt ist die Vergebung endgültig in Kraft getreten, ebenso wie der geheilte und dankbare Aussätzige (Lk 17,11,ff) durch seine Dankbarkeit die endgültige Hilfe gefunden hat – die anderen wurden nur äußerlich geheilt.
Es war für diese Frau noch einmal eine Vergewisserung der Sündenvergebung, ein Zuspruch (vgl. Mt 18,18), der ein sehr wichtiger Bestandteil in der Seelsorge ist. Erleben wir diesen Zuspruch? Praktizieren wir ihn? Wie viele Bindungen und Lasten tragen wir auch in unseren Kreisen „unnötigerweise“ mit uns herum?
Lk 7,49
Sünden vergeben kann allein nur Gott. Auch hierin wird deutlich: Jesus ließ die Salbung durch diese Frau nicht nur an sich geschehen, sondern er unterstrich diese Tat durch sein eignes Handeln: Ja, ich bin der Gesalbte Gottes, der Sohn Gottes, der sogar Sünden vergeben kann.
Lk 7,50
„geholfen“: besser zu übersetzen mit „gerettet“. Der Glaube rettet – das ist keine eigene Leistung und kein Verdienst. Wer den Rettungsring ergreift und sich auf ihn verlässt und gerettet wird, der wird nicht aus dem Wasser steigen und sagen: Ich habe mich selbst gerettet. Da hätte er seine eigene Situation und seine Verlorenheit nie richtig begriffen!
Wer aber Sündenvergebung erfahren hat, der hat auch Frieden mit Gott – und er kann in diesem Frieden in den Tag gehen (vgl. Rö 5,1ff).
5. Textspitze
Jesus ist der Gesalbte des Herrn! Er ist König deiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!
6. Text heute
Jesus muss für viele Richtungen herhalten. Mal ist er ein Freiheitskämpfer, mal ein Öko, Lehrer, großer Prophet….. Aber wer möchte Jesus für uns sein?
7. Beispiele und Verdeutlichungen
Einige Fragen und Übertragungen finden sich in den Ausführungen.
Anknüpfend an baldige Kanzlerwahlen: Nicht „wen“ wählt ihr, sondern „warum“, bzw. „warum wählen so viele nicht mehr“? Ziel: Politisch mag es manchmal so aussehen, dass es egal ist, wer Kanzler wird, aber ist das auch in unserem persönlichen Leben so? Wen lassen wir Herr sein? Wen wählen wir?
8. Predigtdisposition
I. Einleitung:
Kanzlerwahl; Wahlmüdigkeit
Pers. Ebene: Wen lasse ich in meinem Leben Herr sein, König sein? Welche Eigenschaften muss er haben?
II. Hauptteil:
1. Herr meiner Vergangenheit!
A. Gleichnis der Auslöschung aller Schulden. Jesus kann alles vergeben!
B. Zuspruch der Sündenvergebung gerade in der Seelsorge wieder entdecken = Auftrag Jesu!
2. Herr meiner Gegenwart!
A. Salbung: Anerkennung als König über mein Leben. Ausdruck der Umkehr und Buße im Gegensatz zu vielen, die vergeblich dagegen rebellieren (Ps 2).
B. Fußwaschung: Ausdruck des DIENENS!
3. Herr meiner Zukunft!
A. Frieden im Herzen, der zum Alltag befähigt. Gehe hin im Frieden!
III. Schluss:
Darum lasse ich Jesus über meinem Leben Herr sein – und hoffentlich immer noch mehr – weil er mein Leben kennt und bewältigt: Sowohl die Vergangenheit, als auch die Gegenwart und auch meine Zukunft sind bei ihm in guten Händen!