Apostelgeschichte

Predigthilfe vom 24. Juni 2018 – Apostelgeschichte 13, 13-52

Jahresthema: Wie Gemeinde entsteht

Predigtthema: Nicht ohne Nebenwirkungen

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Der Predigttext zeigt, wie sich Apg.1,8 weiter erfüllt. Das Evangelium, die Gut Nachricht von der Erlösung durch Jesus Christus, kommt in Gebiete und zu Menschen, die bisher das Evangelium noch nicht kennen. Jesu Verheißung “Ihr werdet meine Zeugen sein in …“ erfüllt sich.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Hilfreiches Basiswissen findet sich z. B.  in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag)

* Studienbibel John McArthur: http://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=9146 (freier Download!)

* weitere Studienbibeln (Verkündiger sollten mehrere haben: zB Ryrie, Genfer Studienbibel, Elberfelder Bibel mit Erklärungen… )

* Wuppertaler Studienbibel, Band Apostelgeschichte von Werner de Boor

* Edition C Kommentar zur Apostelgeschichte von Heinz-Werner Neudorfer

* „Die Botschaft der Apostelgeschichte“, ein exegetisch-homiletischer Kommentar von John Stott

Bitte studiert auch den hilfreichen Predigttipp von Eckhard Löffler vom 24.8.2008 zu Apg 11,19-26 unter www.studienbibel.de.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V.13-15 Die Reise nach Antiochia und die Ankunft in Antiochia

Das Missionsteam um Paulus und Barnabas hatte gerade in Paphos eine spannende, aber sehr schöne Erfahrung gemacht: Sergius Paulus kam zum Glauben an Jesus (13,12). Man müsste meinen, das ganze Team ist jetzt mit „Rückenwind“ unterwegs, ABER…

TROTZDEM verlässt Johannes Markus (Vetter von Barnabas; Kol.4,10) das Team in Perge. Warum er das tut bleibt unklar. War es diese seltsame ständige Anspannung oder die „Härte“ des geistlichen Kampfes (Eph.6) an der missionarischen „Front“? Wer es ruhig haben will, der sollte nicht missionieren. Das gilt bei heute. Andererseits gibt es aber auch keine gesunde Alternative zur Mission.

Paulus scheint die Gründe des Johannes für seinen Ausstieg nicht zu akzeptieren (vgl. 15,38 Johannes hatte sie „verlassen“ und war „nicht mit ans Werk gegangen“).

Der Ausstieg des Markus war für die laufende Missionsreise ohne erkennbaren Folgen (außer dass ein „Gehilfe“ fehlt), aber später führt das Thema zum Konflikt und zur Trennung von Paulus und Barnabas (15,36-40 „gerieten scharf aneinander“).

Einige Zeit später zeigt sich aber dann, dass Paulus den Johannes Markus wieder gebrauchen will (kann?) (2.Tim.4,11 „er ist mir nützlich“; Philemon 24 „meine Mitarbeiter“). Was oder wer sich verändert hat bliebt auch hier unklar – Paulus oder Johannes Markus oder beide? Wo sind Menschen bei uns einmal ausgestiegen, wären aber vielleicht inzwischen „brauchbar“, weil Veränderung passiert ist? Jesus kann Menschen (wieder) brauchbar machen. Manchmal dauert es aber seine Zeit.

Paulus sucht wie so oft zuerst die Synagoge auf um zuerst Juden für Jesus zu gewinnen, um sich dann auch Heiden zuzuwenden. Er geht dorthin, wo es einfach und logische Anknüpfungspunkte gibt. Wo wäre das bei uns heute? Wo sind „fromme“ Menschen? Wo sind „offene“ Menschen?

V.16-41 Die Predigt von Paulus in Antiochia

Die erste niedergeschriebene Rede des Paulus in der Apostelgeschichte. Wir sollten sie nicht allzu tief auslegen, wenn wir den großen Bogen über den ganzen Text (V.13-52) nicht aus den Augen verlieren wollen. Paulus will mit der Predigt zu Jesus hinführen und Jesus großmachen und stellt seine Zuhörer am Ende vor eine Entscheidung.

V.16 Die Anrede

Die Anrede besteht aus gewinnenden Worten (vgl. auch V.26). Paulus spricht zu Juden und Proselyten.

V.17 Israels Erwählung

Gott hat das Volk Israel aus Liebe erwählt, aber nicht weil es besondere Qualitäten hatte (5.Mose 7,6-8). Über eine solche Erwählung dürfen auch wir Christen uns freuen (Eph.1,4-5).

V.17 Israels Befreiung

Gott hat das Volk Israel aus der Knechtschaft des Pharaos befreit (2.Mose 14+15)

V.18 Israels Segnungen in der Wüste

Gott hat das Volk Israel in der Wüste mit allem versorgt, was sie brauchen – er ertrug sogar ihr Murren in großer Geduld.

V.19 Israels Ehrung

Gott gibt dem Volk Israel das Land Kanaan wie versprochen. Er erfüllt alle seine Verheißungen und hält Wort (wichtig: auch bzgl. Jesus: sein Kommen, sein Werk und Wirken, sein Wiederkommen,…)

V.20-22 Israels Leitung

Gott gibt dem Volk Israel Richter und menschliche Könige, auch wenn er selber der eigentliche König Israels ist. Durch die Nennung von Saul und David werden wohl zwei Typen genannt – den Typ der menschlichen Wahl und den Typ der göttlichen Wahl.

V.23-26 Israels Messias (Jesus)

Gott gibt dem Volk Israel in Jesus seinen angekündigten Messias (zuletzt angekündigt durch Johannes). Jesus ist einer, der aus dem der Nachkommenschaft der göttlichen Wahl kommt (David).

V.27-29 Kreuzigung des Messias (Jesus)

Gott gib seinen Messias wie angekündigt unschuldig ans Kreuz zur Erlösung.

V.30-37 Auferstehung des Messias (Jesus)

Gott bestätigt seinen Messias und erfüllt dadurch Verheißungen, die auf keinen anderen zutreffen.

V.38-39 Gottes Zuspruch durch den Messias (Jesus)

Gott verspricht Vergebung der Sünden durch Glauben an Jesus

V.40-41 Gottes Anspruch durch den Messias (Jesus)

Gott warnt vor der Verachtung von Jesus, der von Gott als Messias klar bestätigt ist.

Die Rede endet mit dem begründeten Anspruch Jesus auf Herrschaft und damit auf Umkehr von falschen Wegen ohne ihn.

V.42-48 Die Entscheidungen der Menschen in Antiochia

V.42-43 Entscheidungen sofort

Manche wollen (wohl) eine Entscheidung vertagen (V.42)

Manche wollen sofort nachfolgen und Paulus zeigt ihnen an, auf was es ankommen wird (V.43)

V.44-48 Entscheidungen nach einer Woche

Manche werden Gegner (V.44-47). Es gibt zahlreiche Gegner (wegen Eifersucht). Aber es muss deutlich werden: Das Heil gehört nicht exklusiv den Juden. Die Gegner lästern gegen dieses „Wort Gottes“, das Evangelium für alle durch Jesus.

Manche werden Freunde (V.48). Es gibt zahlreiche Nachfolger. Hintergrund aller Entscheidungen der Menschen: Gott erwählt Menschen zum Heil.

V.49-52 Fazit

V.49 Ausbreitung des Evangeliums

Gott setzt seinen Plan der Weltmission weiter um.

V.50-52 Polarisierung aufgrund des Evangeliums

Das ist typisch: An Jesus scheiden sich die Geister.

Das braucht uns auch heute nicht zu wundern.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Wie so oft in der Apostelgeschichte müssen wir unterscheiden zwischen beschreibender (deskriptiver) und vorschreibender (präskriptiver) Erzählung. Konkret hier: Wir müssen nicht zuerst zu Juden in unserer Stadt gehen, aber die Frage nach den Anknüpfungspunkten in unserer Zeit bleibt.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Wir predigen diesen Text i.d.R. am 24.6.2018.

Wo lesen wir z.B. in der Zeitung der letzten Woche von Anknüpfungspunkten für das Evangelium?

Wo wäre das Evangelium die Antwort, wenn es angenommen werden würde?

Warum nimmt man es aber nicht an? In welches bisherige System passt es nicht?

Wo wird das Evangelium schlichtweg abgelehnt? Wie geht man mit den Boten um?

Wo sehen wir heute mutige Bekenner und Vorbilder? (lokal, national, international)

Was machen wir, wenn Menschen (vermutlich) aus „Markus-Motiven“ aussteigen?

Gibt es Menschen, die wir (langsam wieder) aufbauen müssen? Gibt es positive Berichte?

Wo sind wir selber Betroffene (in irgendeiner Weise)?

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Bei der Auslegung könnte die Frage nach der „Vorherbestimmung“ aufkommen (V.48 „alle wurden gläubig, die zum ewigen Leben bestimmt waren“). Bei allem Gewicht dieser Lehre schließt das in der Verkündigungs-Praxis nicht aus, dass Menschen aufgefordert werden (müssen), Jesus nachzufolgen. Die Evangelien und die Apostelgeschichte ist zeigen viele Entscheidungen, die (aus Sicht der Menschen) getroffen werden müssen. Das Evangelium versetzt uns in die Lage, eine Entscheidung zu treffen (V.48 „Als das die Heiden hörten…“)

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Lesung: Apg. 13,13-52 (Sollte der Text zu lang erscheinen, könnte man die Verse 17-41 auch zusammenfassend erzählen. Es wäre allerdings darauf zu achten, dass man damit dem Text nicht das Herzstück nimmt)

Gott setzt seinen Plan der Weltmission Schritt für Schritt um (1,8) – dazu will er uns auch gebrauchen.

Wir müssen ehrlich über die Kosten von Gemeindewachstum reden. Neben der Hauptwirkung (Bekehrungen) wird es Nebenwirkungen geben (Teamveränderungen, Polarisation bis hin zu Verfolgung,…). Sind wir bereit dazu? Wollen wir die ganze „Medizin“ trotzdem „schlucken“ – trotz „Nebenwirkungen“?

3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Nicht ohne Nebenwirkungen

  1. Nebenwirkung 1: Das Missionsteam formt sich: Nicht alle bleiben im Team (Apg. 13,5+13)
  2. (Hauptwirkung: Gemeinde) (Apg.13,14-49)
  3. Nebenwirkung 2: Die Gemeinde formt sich: Nicht alle sind begeistert (Apg.13,50-52)

Wie Gemeinde entsteht

  1. Durch ein treues und unbeirrbares Team (Apg.13,13-15)
  2. Durch eine klare und herausfordernde Verkündigung (Ap.13,16-41)
  3. Durch göttliche Erwählung und persönliche Entscheidungen (Apg.13,42-52)

3.3 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

„Nicht ohne Nebenwirkungen – fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“. In dem Fall ist das beinahe lustig: Lukas ist Arzt. Jesus ist der Heiland. Gut, wenn Spezialisten uns hier zeigen, wie Gemeinde entsteht: Nicht ohne Nebenwirkungen.

Was sind Nebenwirkungen? Was ist die Hauptwirkung? Nehmen wir die Nebenwirkung in Kauf um die Hauptwirkung zu erleben (Bekehrungen)? Mancher Beipackzettel schreckt extrem ab. Sind wir ehrlich bei unserem reden über Christsein und Evangelisation?

Ohne Entscheidungen geht es nicht. „Entscheidungen“ – da steckt drin: „das Schwert aus der Scheide ziehen“ und Klarheit schaffen. Auf das läuft Evangelisation hinaus: Entscheidungen müssen getroffen werden, nachdem herausfordernd und gepredigt wurde. So wird Erwählung konkret.

Liedvorschläge:

Herr, das Licht deiner Liebe

Gott baut sein Haus

Vergiss nicht zu danken

Jesus dir nach weil du rufst

(Günther Ott)