Predigtthema: Jesus – aus Gott geboren, den Menschen gegeben
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Das Johannesevangelium nimmt unter den vier Evangelien einen besonderen Platz ein. Nicht nur weil es das am spätesten verfasste Evangelium ist und von vielen Ereignissen berichtet, die in keinem der anderen Evangelien stehen, sondern weil es uns in besonderer Weise den HERRN Jesus Christus darstellt.
Das Johannesevangelium zeigt uns die Einzigartigkeit Jesu auf.
Auf den ersten Blick scheint das Evangelium sehr schlicht und einfach. Die Ereignisse sind chronologisch beschrieben und Jesus wird mit bildhaften Vergleichen verständlich dargestellt (Tür, Weg, Hirte, Weinstock, Licht usw.). Dennoch fällt gleich am Anfang auf, dass gerade der Prolog (Vorwort: Joh 1,1-18) sehr komplex und tiefsinnig ist.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Gerhard Maier. Johannes-Evangelium 1.Teil. Edition C Bibel-Kommentar, Bd. 6. Hänssler (S. 24-30).
- Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 1. Teil. Wuppertaler Studienbibel. R. Brockhaus (S. 42-50).
- William MacDonald. Kommentar zum Neuen Testament. CLV (S. 339-345).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Botschaften von Winrich Scheffbuch vom 26.12.1984 mit dem Titel „Reich beschenkt“ (Joh 1,1-14), vom 31.08.1975 mit dem Titel „Das Einzigartige an Jesus“ (Joh 1,9-14), vom 28.11.1982 mit dem Titel „Jesus, du Licht der Völker“ (Joh 1,9) und vom 26.12.1976 zu Joh 1,11f. Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Johannes 1] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich] ausfüllt.
Bitte studiert auch den hilfreichen Predigttipp von Thomas Richter vom 09.12.2012 zu Johannes 1,6-13 unter https://www.christusbund.de/predigthilfen. Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet z.B. die MacArthur Studienbibel (S. 1483ff).
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V. 6-8: Johannes: Zeuge des Lichts
Mit Vers 6 steigt Johannes in die Geschichte von Jesus als Mensch auf dieser Welt ein. Diese Geschichte beginnt Johannes, wie in Markus und Lukas, mit Johannes dem Täufer. Ohne die Synoptiker zu wiederholen, beschreibt Johannes die Kernaufgabe des Täufers: Zeugnis des Lichtes zu sein (V. 7). Er war nicht irgendein Spinner, sondern von Gott beauftragt (V.6), nach dem Wort von Jesaja „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn“ (Joh 1,23; Jes 40,3). Hierin ist der Heilsplan Gottes zu erkennen. Gott sandte einen Vorboten, um Zeugnis von dem Licht zu geben. Da stellen sich die Fragen: Was ist mit diesem Licht gemeint? Und wozu überhaupt das Zeugnis von Johannes? Dazu ist es wichtig den Zusammenhang des ganzen Prologs (V.1-18) zu betrachten.
Jeder weiß, dass das Licht Leben ist und Leben Licht braucht. Beide bedingen einander. So wird Licht und Leben im Prolog als Synonym für Jesus gebraucht. Er ist das Leben und das Licht der Welt (Joh 8,12; 11,25). Doch die gefallene Welt, die in der Finsternis der Sünde verblendet ist, steckt in einer tiefen Abneigung gegen Gott. Dem guten Willen Gottes zur Rettung der Menschen steht der böse Wille der Welt entgegen. Die Welt hatte das Leben (Paradies), aber sie wollte das Licht nicht festhalten (Sündenfall) und fiel damit vom Leben ab (Tod als Folge). Doch Gottes Retterwille sandte Johannes den Täufer als Wegbereiter, damit die Menschen an Jesus glauben.
Interessant ist die Betonung in V. 8, dass Johannes nicht das Licht ist. Er hatte eine wichtige Aufgabe (Zeugnis zu geben), aber er selbst ist nicht das Licht! Wie ein Spiegel das vom Licht reflektiert, aber nicht das Licht selbst ist.
V. 9-11: Jesus: das wahre Licht
Das wahrhaftige Licht ist Jesus. Im Gegensatz zu allen falschen Messiasanwärtern (vgl. Mt 24,5 ff; Joh 5,43; Apg 5,36ff; 1Joh 2,18) und im Gegensatz auch zu den kleineren Spiegellichtern in Gestalt der Propheten (V. 8). „Wahr“ ist das, was Gott ganz entspricht (1Joh 5,20; Hebr 8,2), was von Anfang an war (Vgl. die Parallele Joh 1 mit Genesis 1).
Jesus ist in diese Welt gekommen, um in unsere Dunkelheit hineinzuleuchten. Wir brauchen sein Licht, denn das Leben ist vom Licht abhängig. Das Licht scheint allen Menschen, gleichgültig welcher Nationalität, Rasse, oder Farbe sie sind.
Dieses wahrhaftige Licht stellt den Charakter der Menschen bloß. Es enthüllt, wie wir Menschen wirklich sind. In einem dunklen Zimmer ist der Dreck und Staub nicht zu sehen, wird aber das Licht angemacht, dann sehen wir das Zimmer wie es wirklich ist. Jesus war vollkommen. Seine Vollkommenheit, deckt unsere Unvollkommenheit auf. Dabei wird uns Menschen erst deutlich, wie heilig Gottes Wesen und Charakter ist. Wie weit sind wir davon entfernt! Diese Tatsache ist schmerzhaft und unangenehm. Ist aber die Realität. Darum scheuen sich viele Menschen vor diesem Licht und bleiben lieber in der Finsternis (Sünde).
Die „Welt“, in die Jesus kam, ist die gottentfremdete Schöpfung. Johannes nutzt diesen Begriff, um besonders auf die gottentfremdete Menschheit hinzuweisen (Joh 12,31; 14,30; 15,18ff; 17,5.24). Jesus und die „Welt“ stehen auf verschiedenen Seiten! Nicht zu fassen, dass das Ewige und aus Gott stammende trotzdem in der Welt war. Unbegreiflich ist es auch, dass die Welt den nicht erkannt hat, durch den sie doch wurde (V.10). Dieses „Nicht-erkennen“ ist nicht ein entschuldbarer Irrtum, sondern eine Schuld, hinter der verborgen ein „Nicht-erkennen-wollen“ liegt. Was soll aus der Welt werden, die den nicht kennt und kennen will (Vgl. Röm 1,20), der doch ihr Ursprung und ihr Ziel ist?
Doch es wird gesteigert. Aus dem schuldhaften „Nicht-erkennen“ wird ein schuldhaftes „Nicht-aufnehmen“. Die, die froh und dankbar sein sollten, dass ihr Herr kommt, die nahmen ihn nicht an (vgl. mit dem Weinberggleichnis Jesu in Mt 21,33ff). Mit „die Seinen“ ist in erster Linie das jüdische, sein Volk gemeint (vgl. 2Mo 19,5; 5Mo 7,6; Jes 43,21) und zugleich alle seine Menschen (Vgl. Ps 2,8; 24,1).
V. 12-13: Sie/Du: ein Kind Gottes?
Zu Beginn schreibt Johannes von Johannes dem Täufer, der als Zeuge des Lichts auftrat. Dann beschreibt Johannes Jesus, das wahre Licht, das weder erkannt noch aufgenommen wurde. Nun beschreibt Johannes, wie wir als Menschen mit Gott in Beziehung treten können.
Johannes erwähnt nicht, was die Konsequenz des „nicht Erkennens“ oder „nicht Wollens“ ist, sondern er stellt nur die dritte Gruppe und ihrer Reaktion auf das wahre Licht vor.
Nicht alle Menschen wagen den Glaubensschritt Jesus aufzunehmen („so viele“), obwohl er sich alle Menschen anbietet. Es ist eine Entscheidung jedes einzelnen Menschen nötig, ob er das wahre Licht (Jesus) aufnimmt oder nicht. Aufnehmen bedeutet an Jesus zu glauben, dass er als Messias und Gottessohn unser Erlöser und der Vermittler des ewigen Lebens ist (Vgl. Joh 2,23; 20,31; Apg 4,12; 1Joh 3,23; 5,13) und als Folge davon IHM nachzufolgen. Ein Erkennen (für wahr halten) genügt nicht!
Es steht eine große und herrliche Verheißung über denjenigen, die Jesus aufnehmen. Sie haben das Recht, Kinder Gottes zu werden. Nie wird ein Mensch ganz begreifen, was das bedeutet, ein Kind von solch einem großen und herrlichen Gott zu sein. Die Stellung steht aber fest, die Kinder Gottes „sind aus Gott geboren“. Es ist eine Tatsache, kein möglicher Stand (Vgl. 1Joh 3,1). Den Vorgang, um ein Kind Gottes zu werden, beschreibt Johannes in V. 13.
Der natürliche Mensch ist zum Glauben nicht fähig. Egal wie fromm seine Eltern und die Erziehung ist, egal wie sehr er das will und sich dafür anstrengt. Ein „Kind“ sein in diesem Sinn geschieht nur durch eine „Geburt“. Ursprung dieser „Geburt“ ist Gott. Die Gotteskindschaft ist menschlich nicht machbar (vgl. Joh 6,63; 1Kor 15,50). Im Gespräch mit Nikodemus (Joh 3,1-21) finden wir noch Näheres zur Wiedergeburt (vgl. 1Petr 1,23).
Dieses Recht, als Kind Gottes zu gelten, ist beständig und allein von Gott gewährt. Unsere Abstammung, sei es aus dem jüdischen Volk oder aus einer frommen Familie mit tiefen Wurzeln im Pietismus, haben keinen Bestand und Wert vor Gott. So auch nicht durch irgendeinen Willen der in mir aufkommt. Es ist lobenswert, wenn eine Person eine Beziehung mit Gott leben will, aber in diesem Willen ist keine Rettung. So nützt uns auch kein Siegel eines Kaisers, keine Urkunde des Präsidenten der USA, kein Papier einer Kirchenzugehörigkeit oder irgendein anderes Dokument einer menschlichen oder kirchlichen Autorität. Dies alles ist vergänglich und hat keine Gültigkeit bei Gott. Allein was von Gott kommt, zählt und hat Bestand!
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Johannes schrieb diesen Text als Ergänzung zu den Synoptikern, die zu seiner Zeit schon in der Gemeinde verbreitet waren. Sein Evangelium schrieb er, damit die, die es lesen, zum Glauben an Jesus finden und das Leben erhalten (20,31). Darum ist der Fokus im Johannesevangelium auf die Person Jesus und sein Werk gelegt. Im Prolog finden wir eine kurze, aber komprimierte Zusammenfassung des ganzen Evangeliums: Das Zeugnis des Lichts, wer das wahre Licht ist und wie man die Kindschaft Gottes empfängt.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Es ist ein Vorrecht am Heiligabend von dem größten Geschenk aller Zeiten zu reden. Schön, dass sich zu diesem Anlass einige Menschen, die normalerweise nicht zum Gottesdienst kommen, blicken lassen. Daher ist es sinnvoll viele Beispiele und Geschichten in die Predigt einzubauen, damit die Zuhörer es leichter auf sich beziehen können.
Idee zum Einstieg: Was für eine Bedeutung haben Lichter in der Advents- und Weihnachtszeit? Sie zeugen von Festlichkeit, Eleganz, Schönheit und dienen als Dekoration. Doch das eigentliche Zeugnis der Lichter ist, dass es in der dunklen Welt (gerade in unserer dunklen Jahreszeit) eine Hoffnung und Rettung gibt. Es gibt ein Licht für diese Welt, das bereits vor 2000 Jahren gekommen ist – Jesus Christus.
Da uns in der Adventszeit in besonderer Weise das Thema Ankunft als Monatsthema leitete („Jesus kam, kommt und wird kommen“), sollten wir uns bewusst machen, dass wir in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kommen des Messias predigen. Ausgehend vom Rückblick auf die erste Ankunft Jesu (Joh 1,6-13) sollten wir aber auch einen Ausblick auf die zweite Ankunft und die damit verbundenen Veränderungen geben. Besonders die Verse 12+13 enthalten ja eine gewinnende Dringlichkeit. Die Darlegung der Vergangenheit (= damals war es so), kann so auf dem Hintergrund der Zukunft (= so wird es kommen) zu einer Reaktion in der Gegenwart (= was ist meine Reaktion) führen. Bevor Jesus als Richter kommt, ist er als Retter gekommen, damit wir Kinder Gottes werden.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Gott sandte einen Vorboten, Johannes den Täufer, um Zeugnis von dem Licht zu geben. So sandte Gott auch alle seine Nachfolger als Boten, dass sie Zeugnis von ihm geben (Mt 5,16; 28,18ff). Was verrät uns als Christen und wo spiegeln wir etwas von Gottes Herrlichkeit wider? Strahle ich ein Stück von dem wahren Licht (Jesus) in meinem Leben aus?
Vergiss es nicht, du bist nicht das Licht, sondern spiegelst nur das Licht. Besonders wir Prediger stehen in der Gefahr hochmütig zu werden.
Gott versperrt keinem Menschen den Zugang zu ihm. Jeder darf und kann sich zu Jesus wenden und ihn annehmen. Egal wie du bisher zu Jesus standst und ob du viel Mist gebaut hast, jeder Mensch ist bei Jesus willkommen. Mach dich aber darauf gefasst, dass Jesu Licht alles aufdecken wird. Es wird schmerzen, ist aber heilsam und daher notwendig! Wie in einer OP oder beim Zahnarzt. Erst muss geschnitten oder gebohrt werden, damit das Problem behandelt und behoben werden kann. Es muss jedem Menschen deutlich werden, dass er aus sich heraus Gott nie zufrieden stellen kann. In der Vollkommenheit Jesu erkennen wir unsere Unvollkommenheit. Er ist unser „Maßstab“, nach dem wir uns richten.
Auch unter frommen Christen finden wir den verhängnisvollen Gedanken, Sünde wäre nur eine moralische Verfehlung. Die eigentliche Sünde und Verlorenheit des Menschen besteht darin, dass er, wenn Gott in seinem ewigen Wort (Jesus) zu ihm kommt, ihn nicht „erkennt“ (vgl. Joh 16,9). Diese Sünde begehen nicht nur einzelne „schlechte“ Menschen, in dieser Sünde leben auch die Edelsten und Besten, weil gerade wir Frommen meinen: „Gott kann mit mir zufrieden sein, bei mir gibt es nicht viel zu vergeben und auch dann nur Kleinlichkeiten.“
Oft stellen wir uns selbst in den Vordergrund, statt Jesus aufzunehmen und an ihn zu glauben. Die führende religiöse Elite zu Jesu Zeit hat ihn erkannt und wollte ihn nicht aufnehmen! Wo steht unsere Theologie/Lebensweise/Überzeugung/Tradition usw. im Weg und ist uns wichtiger als Jesus selbst?
Bist du ein Kind Gottes? Wenn nein: Lass es dir nicht entgehen! Das ist eine herrliche Zusage Gottes, an der du auch teilhaben kannst. Wenn Ja: diese Tatsache ist dir von Gott gegeben worden. Sie hat Bestand und kann dir nicht wieder genommen werden! Aber sei nun auch ein Licht- und Hoffnungsträger, der von dem wahren Licht Zeugnis gibt.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Zuhörer sollen das Zeugnis von Johannes wahrnehmen, der vom wahren Licht zeugt. Sie sollen verstehen, dass Jesus das wahre Licht ist und ermutigt werden ihr Leben vom Licht Gottes anzünden zu lassen. Denn allein, was von Gott kommt, zählt und hat Bestand!
Auch wir sollen Zeugen sein von Jesus, dem wahren Licht. Damit die Welt ohne Gott nicht in der Dunkelheit bleibt und die Menschen ohne Jesus nicht in der Finsternis leben.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Die Adventszeit ist die Zeit der
- Klärung – wir sollen mit Jesus leben (V. 6-8: = „vom Licht reden“)
- Entscheidung – wir können mit Jesus leben (V. 9-11: = „das Licht sehen“)
- Rettung – wir werden nur durch Jesus leben (V. 12+13: = „ins Licht treten“)
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Nach Thomas Richter:
Wen erwarten wir?
Christus – das Licht Gottes, deshalb
a) vom Licht reden (V. 6-8)
b) das Licht sehen (V. 9-11)
c) ins Licht treten (V. 12+13)
nach Andreas Schäfer:
a) Die Heilsveranstaltung Gottes
b) Die Heimatlosigkeit des Herrn
c) Die Handlungsvollmacht Jesu
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Gerhard Maier illustriert dies folgendermaßen: „Beim Besuch einer der Katakomben hatte ich meine Taschenlampe vergessen. Doch ein freundlicher Angestellter der Verwaltung blieb dicht bei mir und leuchtete mit seiner Lampe. Da gab es für mich nur zwei Möglichkeiten: diesem Licht zu folgen, den rechten Weg zu finden und alles Wichtige zu sehen oder dem Licht nicht zu folgen, den Weg zu verfehlen, zu stolpern und zu fallen und blind zu bleiben. Licht und Finsternis: das sind die beiden Möglichkeiten, die der Mensch hat. Das Licht ist Jesus (Jes 9,1; Joh 8,12); die Finsternis ist das jesuslose Leben, das in die Verdammnis führt. In aller Klarheit spricht das Johannesevangelium von Anfang an über diese beiden Möglichkeiten“ (entnommen aus „Dein Reich komme“ H. 4/ 1992 – S. 3).
Markus Aust erzählt folgende Geschichte zur Veranschaulichung von V. 12: „Zwei Mädchen steigen in die Straßenbahn ein; eine trägt das Abzeichen ‚Jesus lebt‘. Jemand spottet: ‚Mit dem Quatsch bin ich fertig‘. Der Nachbar dieses Spötters antwortet: ‚Sie denken, sie brauchen das nicht. Ich aber brauche es‘. Der Spötter spürt Oberwasser und erwidert: ‚Man muss eben seinen Halt in sich haben‘. Daraufhin wieder sein Nachbar: ‚Das können wir gleich ausprobieren. Bei der nächsten Kurve halten sie sich an ihrer Krawatte fest‘. Jetzt hatte der Nachbar nicht nur die Lacher auf seiner Seite, sondern auch sachlich recht. Der erste hatte nur HALTUNG, aber keinen HALT, denn der IST IMMER AUSSERHALB. Halt bedeutet Gehaltensein (aus: Willi Hoffsummer, Kurzgeschichten). Zwei Dinge können wir aus dieser heiteren Geschichte mitnehmen. Haltung – das ist etwas, was ich selbst haben kann. Ich kann eine gewisse Haltung einnehmen, z.B. die Haltung des Gelangweiltseins, eine kämpferische Haltung oder eine feierliche, würdevolle Haltung. Es bleibt immer dabei: Ich bin es, der die Haltung einnimmt. Ein Halt ist etwas anderes. Ein Halt kommt nicht aus mir selbst, sondern er ist da. Ich kann ihn in Anspruch nehmen oder für unnötig erachten. Und doch werdet ihr mir recht geben: Ein Halt ist mehr wert als eine Haltung. Was nützt einem Schiffbrüchigen eine stolze, heldenhafte oder auch sportliche Haltung, wenn er keinen Halt, z.B. keinen Rettungsring, keine Holzplanke oder kein Schlauchboot hat?“ (entnommen aus Zuversicht und Stärke H. 2 / 1994 – S. 5).
(Jair Bayer)