Monatsthema: Kraft zum Erwarten
Predigtthema: Wen erwarten wir? Christus – das Licht Gottes
Bibelstelle: Johannes 1,6-13
Verfasser: Thomas Richter
Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).
1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Joh 1,6-13) bieten z.B.
* Walvoord / Zuck. Das Neue Testament erklärt Bd. 4. Hänssler (S. 343f).
* Gerhard Maier. Johannes-Evangelium 1.Teil. Edition C Bibel-Kommentar Bd. 6. Hänssler (S. 24-30).
* Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 1. Teil. Wuppertaler Studienbibel. R. Brockhaus (S. 42-50).
* John Heading. Johannes. Was die Bibel lehrt 4. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 31-36).
* Theodor Zahn. Das Evangelium des Johannes. Kommentar zum NT Bd. 4. (unter http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_04_Buecher_43.pdf; S. 64-78).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Botschaften von Winrich Scheffbuch vom 26.12.1984 mit dem Titel „Reich beschenkt“ (Joh 1,1-14), vom 31.08.1975 mit dem Titel „Das Einzigartige an Jesus“ (Joh 1,9-14), vom 28.11.1982 mit dem Titel „Jesus, du Licht der Völker“ (Joh 1,9) und vom 26.12.1976 zu Joh 1,11f. Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Johannes 1] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich] ausfüllt.
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).
2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Unser Predigtanlass ist der Gottesdienst am 2. Advent. Im Monat Dezember betrachten wir die Hintergründe der ersten Ankunft Jesu auf der Erde. Nachdem wir bereits letzten Sonntag des Aspekt „Wort“ ins Zentrum gestellt haben, liegt der Schwerpunkt unserer Verkündigung nun auf dem Aspekt „Licht“. Da uns in der Adventszeit in besonderer Weise das Thema Ankunft als Monatsthema leitet („Kraft zum Erwarten“), sollten wir uns bewusst machen, dass wir in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kommen des Messias predigen. Ausgehend vom Rückblick auf die erste Ankunft Jesu(Joh 1,6-13) sollten wir aber auch einen Ausblick auf die zweite Ankunft und die damit verbundenen Veränderungen geben. Besonders die Verse 12+13 erhalten so eine gewinnende Dringlichkeit. Die Darlegung der Vergangenheit (= damals war es so), kann so auf dem Hintergrund der Zukunft (= so wird es kommen) zu einer Reaktion in der Gegenwart (= das sollte jetzt geschehen) führen. Bevor Jesus als Richter kommt, ist er als Retter gekommen, damit wir Kinder Gottes werden.
Zum Nachdenken:
Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes, aber nicht jeder ist auch ein Kind Gottes!
3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/43-Das_Evangelium_Nach_Johannes.pdf; S. 1483f).
Die Adventszeit ist die Zeit der
* Klärung – wir sollen mit Jesus leben (V. 6-8: = „vom Licht reden“)
* Entscheidung – wir können mit Jesus leben (V. 9-11: = „das Licht sehen“)
* Rettung – wir werden nur durch Jesus leben (V. 12+13: = „ins Licht treten“)
Gerhard Maier illustriert dies folgendermaßen: „Beim Besuch einer der Katakomben hatte ich meine Taschenlampe vergessen. Doch ein freundlicher Angestellter der Verwaltung blieb dicht bei mir und leuchtete mit seiner Lampe. Da gab es für mich nur zwei Möglichkeiten: diesem Licht zu folgen, den rechten Weg zu finden und alles Wichtige zu sehen oder dem Licht nicht zu folgen, den Weg zu verfehlen, zu stolpern und zu fallen und blind zu bleiben. Licht und Finsternis: das sind die beiden Möglichkeiten, die der Mensch hat. Das Licht ist Jesus (Jes 9,1; Joh 8,12); die Finsternis ist das jesuslose Leben, das in die Verdammnis führt. In aller Klarheit spricht das Johannesevangelium von Anfang an über diese beiden Möglichkeiten“ (entnommen aus „Dein Reich komme“ H. 4/ 1992 – S. 3).
Unter der Überschrift „Und die Finsternis hat’s nicht ergriffen“ merkt Wolfgang Wegert folgendes an: „Das erinnert uns an die Schöpfungsszene. Gott sprach, und es kam Licht und Leben auf die Finsternis der Erde. Und als Jesus, das Fleisch gewordene Wort, in die geistliche Finsternis dieser Welt kam, entstand ebenfalls Licht und Leben. Darum spricht der Herr: ‚Ich bin die Auferstehung und das Leben‘ (Joh 11,25). Ich bin das Leben. Und Er sagt auch: ‚Ich bin das Licht der Welt‘ (Joh 8,12). Die Erde lebt nicht ursächlich vom Leben und Licht der Sonne. Diese ist nur Zweitursache für alles Leben auf dieser Welt. Die Erstursache ist Jesus. Wenn Er nicht durch Sein Leben und Licht die Erde erhalten würde, wenn Er sie nicht durch Sein Wort tragen würde (Hebr 1,3), könnte sie trotz der Sonne nicht einen Augenblick existieren. Vom himmlischen Jerusalem lesen wir: ‚Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm‘ (Offb 21,23). So wie wir im Himmel nicht von der Sonne und von anderen Gestirnen leben werden, so lebt auch die Menschheit in dieser Zeit nicht primär von den Kräften der Natur, sondern durch das Leben und Licht Jesu Christi. Niemand existiert auf dieser Welt, auch kein Gottloser, der nicht von dieser ‚allgemeinen, erhaltenden Gnade‘ lebt. Darum heißt es in der Bibel nicht einfach: ‚Die Sonne geht auf über Böse und Gute‘, sondern: ‚Er (Gott) lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute‘ (Mt 5,45). Gott selbst lässt sie durch Christus über alle Menschen scheinen. Sie genießen die Sonne, aber es ist in Wahrheit das Licht und das Leben des lebendigen Christus, das in die Welt gekommen ist, das ihnen allen scheint. Aber sie danken Ihm nicht dafür. Die Finsternis hat es nicht begriffen. Alle Menschen leben von der Schöpfung, die ihnen durch Christus dargereicht wird, aber sie haben es nicht erkannt. Verstehen wir, was Johannes uns sagen will? Er will sagen, dass es keinen Menschen auf Erden gibt, der nicht durch Christus lebt. Wir alle – Gute und Böse – leben aus Seiner Hand. Johannes wird aber noch spezifischer und schreibt in Vers 9, dass Jesus, ‚das wahrhaftige Licht, alle Menschen erleuchtet‘. Natürlich wissen wir, dass hiermit nicht die Errettung gemeint ist. Denn es hören nicht alle das Evangelium und es werden auch nicht alle gerettet. Und doch gibt Gott jedem Menschen durch Jesus Christus eine allgemeine Offenbarung, so dass keiner eine Entschuldigung hat. Welche allgemeine Offenbarung ist das, mit der Christus jeden Menschen erleuchtet? Es ist das Gesetz Gottes, das zugleich auch das Gesetz Christi ist. ‚Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so …beweisen sie ja, dass das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist, was auch ihr Gewissen bezeugt‘ (Röm 2,14). Gott hat durch das Gewissen Sein Gesetz auch in das Herz eines jeden Ungläubigen geschrieben und ihn so wunderbar erleuchtet. Woher kommt es, dass selbst Weltmenschen Böses verurteilen? Ihr Urteil ist nicht klar. Zum Beispiel sind sie in Sachen Abtreibung und sexueller Perversion verfinstert, aber bei Kindesmissbrauch haben sie noch ein gewisses Licht. Ebenso, wenn es um Gewaltverbrechen oder schweren Betrug geht. Woher haben sie dieses Licht, sodass das Böse nicht völlig eskaliert und die Menschheit nicht ins totale Chaos abgleitet? Es ist das Licht, das alle Menschen erleuchtet, es ist das Licht, das durch Christus in die Welt gekommen ist. Er ist Reinheit, Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit. Jesus ist die Erfüllung des Gesetzes, Er ist der Standard, der Maßstab, Er ist das Licht der Welt, die Sonne der Gerechtigkeit. Und die Gewissen aller Menschen sind von diesem Licht erleuchtet, auch wenn sie das Evangelium nicht präzise gehört haben. Niemand hat eine Entschuldigung. Niemand kann sagen: ‚Ich habe nicht gehört, ich habe nicht gesehen, ich bin nicht erleuchtet‘. Nein, du bist erleuchtet. Du siehst an den Werken der Schöpfung, dass ein Schöpfer da ist, und du hast Licht in deinem Gewissen, dass du weißt, was Sünde ist. Aber du sündigst trotzdem, du tust Böses, obwohl du erleuchtet bist. Heute hat Johannes dir gesagt, wer das Licht ist, das dich und alle Menschen erleuchtet. Es ist das personifizierte Wort Gottes, es ist Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, in dem alles besteht (Kol 1,17) und in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt (Kol 2,9), ja in Ihm ‚sind verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis‘ (Kol 2,3). Er ist der HERR aller Herren, der König aller Könige, der helle Morgenstern, ja Er ist das Licht, das alle Menschen erleuchtet“ (aus einer Predigt zu Joh 1,2-11).
Markus Aust erzählt folgende Geschichte zur Veranschaulichung von V. 12: „Zwei Mädchen steigen in die Straßenbahn ein; eine trägt das Abzeichen ‚Jesus lebt‘. Jemand spottet: ‚Mit dem Quatsch bin ich fertig‘. Der Nachbar dieses Spötters antwortet: ‚Sie denken, sie brauchen das nicht. Ich aber brauche es‘. Der Spötter spürt Oberwasser und erwidert: ‚Man muss eben seinen Halt in sich haben‘. Daraufhin wieder sein Nachbar: ‚Das können wir gleich ausprobieren. Bei der nächsten Kurve halten sie sich an ihrer Krawatte fest‘. Jetzt hatte der Nachbar nicht nur die Lacher auf seiner Seite, sondern auch sachlich recht. Der erste hatte nur HALTUNG, aber keinen HALT, denn der IST IMMER AUSSERHALB. Halt bedeutet Gehaltensein (aus: Willi Hoffsummer, Kurzgeschichten). Zwei Dinge können wir aus dieser heiteren Geschichte mitnehmen. Haltung – das ist etwas, was ich selber machen kann. Ich kann eine gewisse Haltung einnehmen, z.B. die Haltung des Gelangweiltseins, eine kämpferische Haltung oder eine feierliche, würdevolle Haltung. Es bleibt immer dabei: Ich bin es, der die Haltung einnimmt. Ein Halt ist etwas anderes. Ein Halt kommt nicht aus mir selbst, sondern er ist da. Ich kann ihn in Anspruch nehmen oder für unnötig erachten. Und doch werdet ihr mir recht geben: Ein Halt ist mehr wert als eine Haltung. Was nützt einem Schiffbrüchigen eine stolze, heldenhafte oder auch sportliche Haltung, wenn er keinen Halt, z.B. keinen Rettungsring, keine Holzplanke oder kein Schlauchboot hat?“ (entnommen aus Zuversicht und Stärke H. 2 / 1994 – S. 5).
4. PREDIGTGLIEDERUNGEN
Wenn erwarten wir?
Christus – das Licht Gottes, deshalb
a) vom Licht reden (V. 6-8)
b) das Licht sehen (V. 9-11)
c) ins Licht treten (V. 12+13)
oder nach Andreas Schäfer:
a) Die Heilsveranstaltung Gottes
b) Die Heimatlosigkeit des Herrn
c) Die Handlungsvollmacht Jesu