Johannes

Predigthilfe vom 2. Dezember 2012 – Johannes 1, 1-5

Monatsthema: Kraft zum Erwarten

Predigtthema: Wen erwarten wir? Christus – das Wort Gottes

Bibelstelle: Johannes 1,1-5

Verfasser: Thomas Richter

Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).

1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Joh 1,1-5) bieten z.B.

* Walvoord / Zuck. Das Neue Testament erklärt Bd. 4. Hänssler (S. 342f).

* Gerhard Maier. Johannes-Evangelium 1.Teil. Edition C Bibel-Kommentar Bd. 6. Hänssler (S. 16-24).

* Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 1. Teil. Wuppertaler Studienbibel. R. Brockhaus (S. 33-42).

* John Heading. Johannes. Was die Bibel lehrt 4. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 28-31).

* Theodor Zahn. Das Evangelium des Johannes. Kommentar zum NT Bd. 4. (unter http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_04_Buecher_43.pdf; S. 44-64).

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Botschaften von Winrich Scheffbuch vom 26.12.1984 mit dem Titel „Reich beschenkt“ (Joh 1,1-14), von Konrad Eißler vom 19.06.2003 mit dem Titel „Wie begegne ich Gott tatsächlich“ (Joh 1,1-14), von Werner Gitt vom 27.06.2004 mit dem Titel „Im Anfang war das Wort“ (Joh 1,1-3) und von Arthur Wilder-Smith vom 30.07.1977 mit dem Titel „Jesus entdecken Teil 2/2 – Der Schöpfer“ (Joh 1,1-5). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Johannes 1] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich; Eißler, Konrad; Gitt, Werner; Wilder-Smith, Arthur Ernest] ausfüllt.

Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).

2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Mit der Predigt zu Joh 1,1-5 leiten wir die Adventszeit ein unter der Frage: „Wen erwarten wir“? Der erste Aspekt von Christus den wir aufzeigen lautet: Christus – das Wort Gottes! Über das geschriebene Wort Gottes (Joh 1,1-5) verkündigen wir das lebendige Wort Gottes (Christus).

Bitte beachtet auch Kol 1,15-17; Hebr 1,1-4; 1Tim 3,16; Offb 19,13.

3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/43-Das_Evangelium_Nach_Johannes.pdf; S. 1483).

Die Lutherbibel (1984) übersetzt V. 1c mit „und Gott war das Wort“. Die Elberfelder Bibel / Schlachter Übersetzung und die Neue Genfer Übersetzung übersetzen dagegen „und das Wort war Gott“. Die Frage ist hier ob eine Aussage über Gott oder über das Wort (gr. logos) gemacht wird. Der gr. Ausdruck „kai theos ēn ho logos“ (Joh 1,1c) ist nicht zu übersetzen mit „Gott war das Wort“ (so z.B. LU 84 in wörtlicher Wiedergabe der Wortstellungen), sondern mit „das Wort war Gott“ (so z.B. ELB / Schlachter / NGÜ). Stehen in der griechischen Sprache beide Substantive im Nominativ, wobei aber nur ein Substantiv determiniert ist, so bildet das determinierte Substantiv das Subjekt des Satzes und das nicht determinierte Substantiv fungiert als Prädikatsnomen, dient also als Identifikationsergänzung zum Subjekt (Ernst G. Hoffmann / Heinrich von Siebenthal. Griechische Grammatik zum Neuen Testament. 2. durchgesehene und ergänzte Aufl. Riehen: Immanuel, 1990. §135c). Die Satzaussage lautet also im Kontext von Joh 1, dass das Wort Gott war und wenn das Wort Fleisch wird (Joh 1,14), so bleibt das fleischgewordene Wort trotzdem Gott (vgl. Joh 1,14 mit 1,1).

Hartmut Schmid macht unter dem Thema „Jesus – das starke Wort“ folgende Anmerkungen zum Predigttext: „Wuchtiger als mit den ersten Versen könnte das Johannesevangelium nicht beginnen. Deutlicher wird dies, wenn wir den Begriff Wort“ mit „Jesus“ ersetzen. Der Gesamtzusammenhang macht eindeutig klar, dass Jesus gemeint ist. Lesen wir also: Am Anfang war Jesus, und Jesus war bei Gott, und Gott war Jesus“ (V. 1-2). Die ersten drei Sätze zeigen eine deutliche Steigerung. Zunächst eine zeitliche Ansage mit Bezug auf 1Mose 1,1: Schon ganz am Anfang der Zeit war Jesus. Dann eine räumliche Aussage: Er war, in der Gemeinschaft mit Gott, ganz in seiner Nähe. Aber dann die dritte Aussage: Jesus ist Gott. Damit macht Johannes klar: Dieser Jesus ist der vom Himmel gekommene Sohn Gottes, der von Ewigkeit her in der Gemeinschaft mit seinem Vater war. Ganz ähnlich lesen wir von Jesus im Philipperbrief: „Er, der in göttlicher Gestalt war …“ (2,6). Wenn dieser Jesus aber Gott ist, dann ist er auch Schöpfer. Diese Konsequenz lesen wir bei Johannes: Alle Dinge sind durch dasselbe (gemeint ist das Wort, also Jesus) gemacht“ (V. 3). Mit dieser ersten Antwort bewegt sich Johannes eigentlich in den allgemeinen Bahnen der Antworten der Religionen. Gott sprengt zeitlich und räumlich alle Dimensionen und Vorstellungen. Er ist der Unfassbare. Er umfasst Raum und Zeit, die nach 1Mose 1 Schöpfungswerke sind. Durch ihn ist alles erschaffen, er ist der allmächtige Schöpfer. Zu diesem Bekenntnis zu Jesus als Schöpfer zwei kurze Anmerkungen:

a) Wenn Jesus Schöpfer Ist, können wir dann nicht Gott auch in der Schöpfung suchen?

Es wird ja nach wie vor immer wieder behauptet, dass man Gott in der Natur erkennen könne, dass man also nicht den Gottesdienst und die Bibel dazu braucht. Die Antwort auf diese Frage ist ein Ja und ein Nein. In der Tat begegnen wir in der Schöpfung Gott. Oder halt – wir müssen es genauer sagen: wir begegnen Gottes Werk. Wir können – so etwa Paulus – aus der Schöpfung erkennen, dass Gott ist. Wir können seine Macht erkennen. Aber sein ganzes Wesen können wir aus der Schöpfung nicht erkennen. Wir können z.B. nicht erkennen, dass Gott Liebe ist. Denn in der Schöpfung begegnet uns der bittere Kampf ums Überleben. Das wunderschöne Spinnennetz ist ein Tötungsinstrument, damit die Spinne selbst überleben kann. Der Schöpfergott ist der ferne Gott. Man kann ihn nicht konkret fassen und erkennen. Viele lieben diesen sehr vagen Glauben. Man glaubt an Gott, aber doch nicht so konkret, dass es persönlich konkret werden müsste. Wer diesen Weg der Gotteserkenntnis wählt, ist aber letztlich ohne Gewissheit.

b) Wenn Jesus unser Schöpfer Ist, dann kennt er uns durch und durch.

Wenn Jesus unser Schöpfer ist, dann ist er nicht der ferne Gott, der Gott im Himmel, der unsere menschlichen, irdischen, leiblichen Verhältnisse letztlich gar nicht persönlich kennt. Wenn Jesus unser Schöpfer ist, dann kennt er unsere Verhältnisse durch und durch, weil er sie selber erlebt und auch durchlitten hat. Er kennt Hunger und Durst, äußere Anfeindung und innere Anfechtung, Müdigkeit ist ihm nicht fremd. Er weiß um körperliche Leiden und das Dunkel des Todes. Mein Schöpfer kennt mich, sein Geschöpf, durch und durch. Aber gerade dies ist das Besondere des christlichen Glaubens: der Schöpfer Jesus wird dem Geschöpf gleich, er wird Fleisch – dies gilt es weiter zu entfalten“ […].

Wolfgang Wegert merkt unter dem Thema „Das göttliche Wort“ zu Joh 1,1-3 an: „Welches war das zentrale Anliegen des Johannes, als er sein Evangelium schrieb? Warum und zu welchem Zweck schrieb er es nieder? Seine Begründung lautete: „Damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist“ (Johannes 20,31). Johannes möchte, dass wir genau wissen, wer Jesus ist. Schon zu seiner Zeit, ebenso wie heute, erfinden Menschen die tollsten Geschichten über Jesus. Aber mit der Erkenntnis, wer Christus wirklich ist, steht und fällt unser Glaube. Ob du ewiges Leben hast oder nicht, hängt davon ab, wer Jesus Christus für dich ist. Wenn du eine falsche Vorstellung von Ihm hast, gehst du verloren. Die Bibel sagt: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen“ (Johannes 17,3). Worin besteht das ewige Leben? Gott erkennen und Jesus Christus erkennen! Ohne klare Erkenntnis Christi gehen wir ins Verderben. Und genau deswegen schreibt Johannes sein Evangelium und kommt gleich im ersten Vers zur Sache. Wie die Geburt Christi historisch abgelaufen ist, davon haben Matthäus und Lukas ja berichtet, das muss er nicht auch noch tun. Er kommt gleich zum Thema und beginnt sein Evangelium mit den schlichten, aber tiefgründigen Worten: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Johannes 1,1).“

a) Im Anfang war das Wort

Johannes beginnt sein Evangelium mit denselben Worten, wie die ganze Bibel anfängt, nämlich mit „im Anfang“. In 1. Mose 1,1 heißt es: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und bei Johannes lesen wir: „Im Anfang war das Wort.“ Der Erste, der jemals sprach, war Gott. Und so, wie Er keinen Anfang hat, hat auch Sein Wort keinen Anfang. Wenn Johannes sagt: „im Anfang war das Wort“, dann meint er den Anfang aller Anfänge, nämlich von Ewigkeit her. Sein Wort war schon immer da, wie auch Gott selbst immer da war. Und worauf bezieht sich dieses Sein ewiges Wort? Auf niemand anderen als auf Jesus Christus allein. Das macht Johannes spätestens in Vers 14 unmissverständlich klar, indem er sagt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater.“ Jesus Christus, der eingeborene Sohn vom Vater, ist das Wort, das im Anfang aller Anfänge war. Darum heißt es in der Offenbarung explizit: „Und sein Name heißt „das Wort Gottes“(Offenbarung 19,13). „Im Anfang war das Wort“ heißt also „im Anfang war Christus“. Johannes benutzt aber dennoch den Ausdruck „Wort“, weil er seinen Lesern – besonders den jüdischen – etwas Großartiges und Wunderbares zeigen wollte. Im Alten Testament war es das Wort Gottes, durch das die Welt geschaffen wurde. Es war das Wort, durch das sie gemacht wurde. Ja alles, was Gott gewirkt hatte, wirkte Er durch Sein Wort. Seine Kraft, Sein Wille, Seine Gedanken leitete Gott immer durch Sein Wort zu den Menschen. Dabei begegnen wir aber sehr oft einer interessanten biblischen Redewendung. Zum Beispiel so: „Da geschah das Wort des Herrn zu Abraham, zu Samuel, zu Jesaja.“ Oder es heißt auch: „Da erging das Wort des Herrn an Elia, Jona.“ Oder auch: „Da kam das Wort des Herrn zu mir!“ Alles, was Gott dem Volk Israel an Kraft und Herrlichkeit je übermittelte, kam durch das, was die Bibel „das Wort“ nennt. Und wenn Johannes nun sagte: „im Anfang war das Wort“, dann wussten die Juden sehr gut, wovon der Evangelist sprach, sie waren mit diesem Konzept bestens vertraut. Und genau dahinein sagt Johannes seinen jüdischen Volksgenossen: „Gebt Acht! Wenn ihr wissen wollt, wer dieses euch so vertraute Wort ist, dann seht euch Christus an! Wenn ihr das Wort, das schöpferische, göttliche, Wunder wirkende Wort, das euch durch das ganze Alte Testament begleitet hat, erkennen wollt, dann schaut auf Christus. Er war bei euch als Fels in der Wüste, als der Engel des Herrn. Ja, dieser Jesus ist die Verkörperung des göttlichen Wortes. In Ihm ist alles Wort zusammengefasst, das jemals von Gott ausging.“ Gott hat Seinem Wort buchstäblich einen Leib aus Fleisch und Blut gegeben. Sein Wort ist Mensch geworden. Wenn du möchtest, dass Gott zu dir redet, dann tut Er es nicht durch spirituelle Erfahrungen, durch mystische Erscheinungen oder sonstige übersinnliche Dinge, sondern Er tut es durch eine Person – durch Jesus Christus, Seinen eingeborenen Sohn. Wenn du Gott hören willst, dann musst du Jesus hören. Darum sagt Gott über Christus: „Dieser ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!“ (Lukas 9,35). Und Maria sagt: „Was er euch sagt, das tut“ (Johannes 2,5). Und wo sagt Er uns, was wir tun sollen? Wo können wir Ihn hören? Durch die Bibel. Manchmal sagen Leute, das Alte Testament oder die Briefe der Apostel wären ja nicht Worte Jesu und hätten deshalb geringere Bedeutung. Wer das sagt, hat Johannes nicht verstanden. Seine Botschaft lautet: Alles Wort, das von Gott ausging, ist Christi Wort. Darum ist die ganze Bibel auch Jesu Wort. „Also kommt der Glaube aus der Predigt, die Predigt aber durch das Wort Christi“ (Römer 10,17). Meint Paulus hier nur die Worte, die in der Bibel Jesus zugeschrieben werden? Nein, unter „Wort Christi“ versteht Paulus die ganze Bibel. Die ganze Heilige Schrift ist das Wort des Christus – von den 5 Büchern Mose angefangen bis hin zur Offenbarung. Wir fassen den ersten Punkt zusammen: „Im Anfang war das Wort“ bezeichnet Jesus Christus, Gottes Sohn, der zugleich mit dem Vater von den ewigen Anfängen her existierte und in dem Gott Sein ewiges Wort zusammengefasst und personifiziert hat.

b) Das Wort war bei Gott

Der nächste Satz heißt: „Und das Wort war bei Gott.“ Das meint, Christus, der das Wort ist, war bei Gott. In Vers 18 lesen wir: „Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündigt.“ Gott, der Vater, war von Ewigkeit her mit Jesus in wunderbarer Gemeinschaft – von Angesicht zu Angesicht. Johannes gibt uns also gleich zu Beginn seines Evangeliums einen konkreten Hinweis auf die ersten beiden Personen der Trinität Gottes. Sie lebten in ewiger Harmonie und Liebe miteinander. Und diese Ihre gemeinsame Herrlichkeit nennt Johannes „und das Wort war bei Gott“. Aber Jesus gab diese Herrlichkeit auf! Er wurde Fleisch. Er nahm Leiblichkeit an, ließ sich anspucken und kreuzigen. Und was rief der Heiland aus? „Eli, Eli, lama asabthani? das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46). Das war die schrecklichste Grausamkeit für Jesus, nicht mehr in der Gemeinschaft mit Seinem geliebten Vater zu sein. Er, das „Wort“, war doch immer bei Gott. Und nun heißt es verlassen zu sein. Jesu Herz blutete diesbezüglich schon im Garten Gethsemane, als Er betete: „Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war“ (Johannes 17,5). Jesus sehnte sich nach der Herrlichkeit zurück, die Er in der himmlischen Gemeinschaft bei Gott hatte. Ihn verlangte, wieder so bei Gott zu sein, wie es war, ehe die Welt war. Diese Sehnsucht bewegte Ihn so sehr, dass Er beim Beten große Tropfen Blut schwitzte. Ein Getrenntsein vom Vater war die größte Qual für Jesus. Ist das für dich auch eine Qual? Wenn der Himmel verschlossen scheint und du dich sogar von Gott verlassen fühlst? Kennst du solche Zustände? Wie schmerzt das deine Seele und wie sehr flehst du zu Gott: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ (Psalm 42,1-2). Deshalb seufzte auch der Herr Jesus: „Mein Vater! Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber“ (Matthäus 26,39). Das Wort war bei Gott, und Er liebte es doch so sehr, beim Vater zu sein. Aber damit auch wir einst dort sein können, betete Er weiter: „Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ (V.39). Auch wir sollen in den ewigen Genuss der Gemeinschaft mit dem Vater kommen. Er will nicht ohne uns zurück in die Herrlichkeit, sondern Er betet: „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward“ (Johannes 17,24). Dann wird es nicht mehr nur heißen „das Wort war bei Gott“, sondern „das Wort ist wieder zurück bei Gott und mit Ihm alle Seine Erlösten“.

c) Und das Wort war Gott

Und nun heißt es noch: „Und das Wort war Gott.“ Welch eine Steigerung! Christus ist für Johannes nicht nur der, der im Anfang war, nicht nur der, der bei Gott war, sondern schließlich auch der, der Gott ist. Daran lässt Johannes keinen Zweifel, sondern er sagt in Vers 18: „Niemand hat Gott je gesehen; als der eingeborene, der Gott ist, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündigt.“ Der Eingeborene, der in des Vaters Schoß ist, ist Gott. Das ist die eindeutige Botschaft des Johannes. Und wenn der ins Fleisch gekommene Christus Gott ist, sollten wir uns sehr gut überlegen, wie wir mit Ihm umgehen. Denn dann kann Er nicht einfach nur ein guter Mensch sein, der gegen Kapitalisten und gegen Krieg ist, der mit den Armen mitfühlt und sich mit den Leidenden identifiziert. Das mag auf Mutter Theresa zutreffen oder auf Mahatma Ghandi, aber nicht auf Christus. Wer Ihn einfach nur in eine Reihe mit edlen Gutmenschen stellt, verweigert Ihm die Anbetung als Gott. Und das bezeichnet Johannes als Blasphemie. Er schreibt zum Beispiel in seinen Briefen: „Denn viele Verführer sind in die Welt gekommen, die nicht bekennen Jesum Christum, dass er in das Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist“ (2. Johannes 1,7). Mehr denn je gibt es bis hinein in die Kirchen und Gemeinden Verantwortungsträger, die nicht bekennen, dass Christus der ist, der vom Himmel her ins Fleisch gekommen ist – sie sind Verführer und Diener des Antichrist. Ich bitte euch, fordert sie heraus, lasst sie Farbe bekennen. Glauben sie, dass Christus von Ewigkeit her als Sohn Gottes beim Vater war, von einer Jungfrau geboren wurde, wegen unserer Sünde ans Kreuz ging, uns dadurch mit dem Vater versöhnte und am dritten Tage wieder auferstand? Hört, was Johannes weiter sagt: „So jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, den nehmet nicht ins Haus und grüßet ihn auch nicht“ (2. Johannes 1,10). Und das heißt auch: zu deren Kirche und Gemeinde geht nicht, mit ihnen feiert kein Abendmahl. Denn sie verleugnen den lebendigen Gott. Die biblische Lehre von der Gottheit Christi ist die Wasserscheide zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Christus und dem Antichristus. Darum bleiben wir bei dem alten Bekenntnis: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, Seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, …und am dritten Tage auferstanden von den Toten…“.

4. PREDIGTGLIEDERUNGEN

Christus, das Wort, ist

a) Gott (V. 1f)

b) Schöpfer (V. 3)

c) Licht (V. 4f)

oder nach Merrill C. Tenney:

a) Das Wort und die Gottheit (V. 1)

b) Das Wort und die Schöpfung (V. 2f)

c) Das Wort und das Leben (V. 4f)