1.Petrus

Predigthilfe vom 20. September 2026 – 1. Petrus 4,12-19

Predigtthema:         Leben – auch im Leiden Jesus groß machen

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Der Textabschnitt geht bereits auf das Briefende zu und knüpft nochmals an einem Kernthema des gesamten Briefes an: der Herausforderung des Lebens in äußerer Anfechtung. Das Thema an sich ist nicht neu, Petrus spitzt es hier nochmals ermutigend zu.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • ELB – Elberfelder Bibel, Studien- und Kommentarausgabe, Anmerkungen zum Textabschnitt
  • Philipp Bartholomä, Die Petrusbriefe. Leben in einer nicht-christlichen Gesellschaft (Serendipity Bibel Kleingruppenmaterial), Brunnenverlag, Gießen 2022.
  • Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge, Brunnenverlag, Gießen 2016, hierin das Kapitel: Die Nachfolge und das Kreuz

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Die Anmerkungen und Wortbezüge richten sich nach dem Text der revidierten Elberfelder Bibel in der Textfassung 2020.

Kontext

Die Anrede „Geliebte“ in V. 12 ist im 1. Petrusbrief ein Kennzeichen, dass Petrus einen Abschnitt beginnt, den er betonen möchte. Das Thema Leiden ist in den Versen ab Kap. 3,13 in verschiedener Form behandelt worden. Zuletzt hat Petrus es in 4,1 zugespitzt, wenn er sagt: „Da nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung […].“ Im nun folgenden Text geht es dann konkret darum, dass Christen Leid erwarten müssen, nicht obwohl sie Jesus folgen, sondern gerade weil sie Jesus folgen.

Anmerkungen zu den Versen

Vers 12: Der Brief bis hier hat viel darüber gelehrt, wie man sich als Christ in einer nicht-christlichen Welt sorgsam verhalten soll. Petrus verdeutlicht nun, nachdem er das Thema Leiden anhand von Jesus selbst ausgeführt hat, dass alles sorgfältige Verhalten kein Automatismus ist, ohne Anfeindungen durchs Leben zu gehen. Im Gegenteil: gerade weil man mit Jesus lebt, kann es Schwierigkeiten geben. Möglicherweise waren die Leser des Briefes überrascht und dachten, wer mit dem auferstandenen Jesus lebt, ist auch praktisch auf der Siegerstraße. Dieser Annahme wirkt Petrus entgegen indem er Leiden um Jesus Willen als etwas Normales bezeichnet.

Vers 13-14: Petrus entfaltet nun sogar, dass Leiden Grund zur Freude beinhaltet. Dabei predigt er keinen „christlichen Masochismus“, der das Leiden aktiv sucht und sich am Leiden selbst freut. Aber er spricht von einer Freude im Leiden, weil gerade das Leid daran erinnert: wir sind verbunden mit Jesus selbst. Er hat gelitten, wir Leiden und teilen damit etwas mit ihm selbst. Gleichzeitig wird die Freude noch größer, wenn erst seine Herrlichkeit erscheint, denn der Kontrast zwischen dem Leiden in der irdischen Welt und der Herrlichkeit der ewigen Welt wird durch Leiderfahrung noch verstärkt.

So verstanden kann Anfeindung um Jesu Willen sogar eine Form der Vergewisserung sein. Denn dort, wo ich für meine Nachfolge angefeindet werde, steigt die Gewissheit, zu Jesus zu gehören.

Vers 15-16: Petrus zeigt allerdings auch klar, dass es nicht um jede Form von Leiden geht, sondern um das konkrete Leiden, dass aus der Tatsache erwächst, dass ich Jesus nachfolge. Nicht jede notvolle Situation, Krankheit, seelische Bedrückung etc. ist ein „Feuer der Verfolgung zur Prüfung“, wie Petrus es sagt, sondern nur die Situationen, die auch unmittelbar auf die Nachfolge zurückgeführt werden können. (s. 3.3). Petrus macht nochmal klar, wenn wir unser Leben nicht sorgsam führen und uns Nachteile erwachsen, weil wir uns falsch verhalten (Vers 15), sind wir selbst schuld und haben sogar Grund, uns für unser Verhalten zu schämen. In der damaligen Welt spielten Ehre und Scham eine große Rolle. Wer bestimmte Normen nicht erfüllte, musste mit Ausgrenzung rechnen, auch in der Familie. Dem setzt Petrus entgegen, dass Leiden, das daraus erwächst, dass wir unser Christsein in der Welt leben, gerade kein Grund zur Scham ist. Niemand muss sich deswegen verstecken.

Vers 17-19: Petrus wagt nun abschließend einen ermutigenden Ausblick auf die Ewigkeit. Er scheint hier das „Feuer der Verfolgung“ als Beginn des Gerichts einzustufen. Die Ermutigung liegt darin, dass die, die nicht zu Jesus gehören, im Gericht noch schwerer geprüft werden. Doch haben sie, im Gegensetz zu den Jesus-Nachfolgern, keinen Ausweg zu erwarten. Ja, auch das Leben als von Jesus Geretteter kann mit schwerer Not verbunden sein, aber wie wird es dann erst dem Gottlosen ergehen (Vers 18).

Petrus schließt mit der Aufforderung, das Leiden nicht als Grund zum Rückzug aus der Welt zu sehen, sondern gerade im Leiden mit Rechtschaffenheit und guten Handlungen fortfahren.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Petrus bezieht sich hier wohl auf eine konkretere Verfolgungssituation der damaligen Zeit, zudem wird er auch Probleme wie soziale Ausgrenzung und Anfeindung aufgrund der Hinwendung zu Jesus im Blick haben, mit der man in einem sehr familienorientierten Sozialgefüge rechnen musste. Es gilt sicherlich, vorsichtig darin zu sein, nicht die Verfolgungssituation von damals eins zu eins in unsere Zeit zu projizieren. Durchaus kann man in den letzten Jahren erkennen, dass Christsein auch in Deutschland angefochtener wird. Dennoch sollten wir unbedingt wahrnehmen, dass wir im Gegensatz zu den Christen im Bibeltext und der aktuellen weltweiten Christenheit immer noch in einer sehr privilegierten Situation leben. Auch nachträgliche Projektionen auf Christsein während der Corona-Beschränkungen verbieten sich, weil sie die Verfolgungssituation der damaligen Zeit nicht im Ansatz gerecht werden.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Der Predigtanlass ist eine klassische Predigt im Gottesdienst am Sonntag. Hilfreich wäre es, sich in der Vorbereitung mit der lokalen Situation der Gemeinde am Ort auseinanderzusetzen. Wie schwierig ist es in unserem konkreten Dorf, in unserer Stadt tatsächlich, sein Christsein zu leben? Das ist an einem sehr christlich geprägten, ländlichen Ort sicherlich anders, als in einer Großstadt. Gleichzeitig gilt zu bedenken, dass in traditionell kirchlich geprägten Landstrichen eine Hinwendung zu Jesus, verbunden mit der Mitgliedschaft in einer Gemeinde der Gemeinschafsbewegung auch sehr kritisch beäugt werden kann. Auch hier sollte ein guter Blick darauf erfolgen, wie das konkret vor Ort aussieht

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Der Bibeltext ist kein Appell, mehr Leiden aktiv zu suchen. Deshalb sollte auch die Predigt kein solcher Appell sein. Die Predigt sollte (so wie Bibeltext) ermutigen, Leiden dort, wo es uns begegnet, weil wir Jesus nachfolgen, als etwas zum Glauben Zugehöriges anzunehmen und es als Kennzeichen und Möglichkeit zur Vertiefung unserer Jesusbeziehung zu verstehen. Damit verbunden kann eine leichte Aufforderung zu einem mutigeren Zeugnis sein – weil wir nichts zu verlieren haben.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Einleitung

Aus aktuellem Anlass der letzten Monate bietet sich das Beispiel des Stay-Cafes in Leipzig an, dass über zwanzig Mal attackiert wurde, einfach nur, weil es zu einer christlichen Gemeinde gehört. Nähere Informationen hierzu: https://www.bfp-aktuell.de/details/zeal-church-in-leipzig-schliesst-cafe-stay-nach-wiederholten-angriffen , https://www.corrigenda.online/kultur/interview-mit-pastor-rene-wagner-wir-christen-muessen-ueber-unsere-diskriminierung-reden

1. Anfeindung und Freude schließen sich nicht aus

Dieser Punkt entfaltet, dass Anfeindung und damit verbundenes Leiden kein Widerspruch zum Leben mit Jesus sind, sondern gerade aus diesem Leben erwachsen. Nicht Erstaunen, dass Menschen uns feindlich gegenüberstehen, ist die Reaktion, sondern ein gesunder Realismus. Aus diesem Realismus kann dann sogar Freude entstehen, weil ich gewisser werde: wenn mich Menschen wegen meines Glaubens anfeinden, ist das eigentlich ein gutes Zeichen. Denn es sagt mir: ich lebe tatsächlich eine lebendige und nach außen sichtbare Jesus-Beziehung. Nur der, dessen Glaube nicht erkennbar ist, wird ohne Anfeindung durchs Leben gehen. Deshalb kann

2. Leid ist nicht gleich Leid

Dieser Punkt sollte – zumindest kurz – den Blick dafür schärfen, dass nicht jedes Leiden, dass wir durchleben, ein Glaubens-Leiden ist. Petrus spricht hier konkret von Verfolgung, weil jemand Jesus nachfolgt. Eine schwere Krankheit, Arbeitslosigkeit, eine Depression u.v.m. sind sehr notvolle Situationen, sie können aber jedem Menschen passieren. Das ist nicht zwingend das Leiden, von dem Petrus hier spricht. Hier sollte tatsächlich sorgfältig unterschieden werden, weil es unter Christen oft zu Missverständnissen kommt. Manches von dem, worunter wir leiden, ist häufig sogar selbst verschuldet, durch die Art und Weise, wie ich leben will, wonach ich strebe, welche Lebens- und Weltanschauungen ich habe.

Als Veranschaulichung/Konkretion: Arbeitslos zu werden ist leidvoll, aber nicht automatisch Leiden für Christus. Werde ich aber arbeitslos, weil ich aufgrund meines Glaubens die Schwarzarbeit im Betrieb gemeldet habe, sieht es schon ganz anders aus. (weitere ähnliche Beispiele könnten hier folgen).

Als veranschaulichendes/erklärendes Zitat: „Kreuz ist nicht Ungemach und schweres Schicksal, sondern es ist das Leiden, das uns aus der Bindung an Jesus Christus allein erwächst. Kreuz ist nicht an die natürliche Existenz gebundenes Leiden, sondern an das Christsein gebundenes Leiden.“ (Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge, S. 88/89)

3. Anfeindungen verändern sich im Blick auf die Ewigkeit

Dieser Punkt sollte den Blick kurz auf die Ermutigung richten, die Petrus gibt: denk an die Ewigkeit und lass dich dadurch ermutigen, was dort wartet. Denk daran, dass Anfeindung Vergewisserung ist, dass du zu Jesus gehörst. Auf jeden Fall sollten wir uns nicht aus der Welt zurückziehen, wenn wir leiden. Im Gegenteil, wir sind aufgefordert, um so mehr dadurch ein Zeugnis für Jesus zu sein, weil wir anderen – auch den Verfolgern – Gutes tun.

Da wir momentan weitgehend solche Art der Verfolgung weniger erleben, bietet es sich an, den Blick auf die zu weiten, die tagtäglich verfolgt werden, weil sie Jesus nachfolgen. Es bietet sich, im Vorfeld Informationen über 2-3 Länder zu sammeln, in denen Christen verfolgt werden, die Situation in den Ländern kurz zu schildern und etwas Zeit am Ende der Predigt für eine intensive Gebetszeit zu investieren. Auch bietet sich an, die Zuhörer zu ermutigen, sich konkret zu informieren, wie wir verfolgte Geschwister über das Gebet hinaus unterstützen können.

(Henrik Homrighausen)