Matthäus

Predigthilfe vom 19. September 2021 – Matthäus 18, 21-35

Jahresthema:         Für ein gutes Mit-EINANDER.

Monatsthema:       Matthäus-Evangelium: Wahres Leben in Jesus

Predigtthema:       Wahre Vergebung

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Unter Umständen kann sich auch mal der Blick in eine englische Übersetzung lohnen, weil auch in modernen deutschen Übersetzungen manchmal “fromm-deutsche” Begriffe benutzt werden, die im Englischen viel direkter und “normaler” übersetzt sind.

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Der Text ist Teil der Fortsetzung der Matthäus-Reihe (März und April 21) von September bis November. Das von Jesus erzählte Gleichnis ist für die meisten vermutlich kein unbekanntes (auch wenn wir immer davon ausgehen wollen, dass gemeindefremde Besucher zu Gast sind, sei es vor Ort oder im eventuellen Livestream).

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

In erster Linie sollte man sich im Selbststudium intensiv mit dem Bibeltext beschäftigen. Dabei ist es hilfreich, mit verschiedenen Bibelübersetzungen und Studienbibeln (MacArthur, Ryrie, …) zu arbeiten. Auch hilft es, den Text auszudrucken und mit Farben zu bearbeiten (Fragen an den Rand, Parallelstellen notieren, usw.).

Gute Auslegungshilfen:

  • Die entsprechenden Bände der Edition C und der Wuppertaler Studienbibel
  • HTA-Kommentar von Gerhard Maier (2bändiger Matthäus-Kommentar, evtl. kommt man über einen VZM an den jeweiligen Kommentar)
  • „Das NEUE/ALTE Testament“ von Walvoord und Zuck (Hänssler-Verlag)
  • Der „Mathew Henry Kommentar“ (Matthäus-Johannes)
  • „Das Evangelium des Reiches“ (C. H. Spurgeon)

Zum Anhören/Anschauen:

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Spannend ist zu beobachten, dass wir ja direkt vor unserem Bibeltext das Thema der „Zurechtweisung in der Gemeinde“ haben, bei dem es auch um an uns begangenen Sünden handelt. Hier haben wir gehört und gelesen, wie Jesus klar vorgibt, wie wir mit solchen Personen umgehen sollen, v.a. wenn keine Einsicht herrscht. Das hängt eng mit unserem Bibeltext aus den Versen 21-35 zusammen, bei dem es im Kern um „Einander vergeben“ geht. Vorab, grundsätzlich gilt: Wenn ein Bruder oder eine Schwester gegen mich sündigt, dann sollte ich ihm oder ihr sofort in meinem Herzen vergeben (Eph 4,32: hier geht es um den Umgang miteinander, welches von der Liebe Gottes geprägt ist). Wenn ich dem Gegenüber jedoch im Herzen vergeben habe, muss ich das noch nicht zwingend laut aussprechen. Es wäre nicht richtig das zu tun, wenn der andere sein Fehlverhalten gar nicht bereut. Deshalb geht es direkt vor unserem Bibeltext darum, hinzugehen, zu ermahnen und zu hoffen/beten, dass es ihn zum Bekenntnis führt. Erst dann kann ich ihm auch laut zusagen, ihm zu vergeben. Das Gleichnis, mit welchem wir uns beschäftigen werden, ist eine Ausführung der fünften Bitte des Vater-Unsers: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern“ (Mt 6,12).

1. V.21-22: die Frage des Petrus und die Antwort Jesu (parallel: Lukas 17,4)

V.21-22: Petrus stellt die Frage, wie oft er denn seinem Bruder vergeben solle, der gegen ihn gesündigt hat. Im Grunde genommen stellt er die Frage: „Herr, wann darf auch mal Schluss sein?“ Er selbst bringt die Häufigkeit zur Sprache und fragt konkret nach, ob „siebenmal“ genügt, wäre das „gnädig genug“ (die Sieben deutet Vollkommenheit an, eine Zahl der Fülle und Grenze)? Es ist im Kern die menschliche und religiöse Frage nach dem Gesetz: Wann reicht es? Alles muss seine Grenzen haben. Petrus war bereit so weit zu gehen, einem Bruder sogar siebenmal zu vergeben. Haben wir Gnade genug, um überhaupt siebenmal zu vergeben?

Jesus antwortete aber: „Nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal sieben.“ Darunter sollen wir nicht verstehen es bei 490x Vergebungs-Runden zu belassen. Diese Rechnung steht symbolisch für etwas Unbegrenztes. Jesus will unbegrenzte Vergebung, er sagt also praktisch: „Es darf gar nicht Schluss sein damit, es reicht nie!“ Alles Menschliche bleibt unzureichend, die Vergebungsbereitschaft muss unbegrenzt sein, wenn man sie selbst begriffen und bei Jesus erfahren hat.

Spurgeon schreibt dazu: „Abgemessene Barmherzigkeit ist nicht dem Gebot gemäß. Wir sollten Vergehen an uns zu wenig Bedeutung beimessen, um Zeit mit dem Zählen dieser Vergehen zu verbringen oder mit der Berechnung, wie viele Male wir sie vergeben haben.“

2. V.23-35: das Gleichnis des unbarmherzigen Knechtes (findet sich nur bei Matthäus)

V.23: Jesus erzählt ein Gleichnis (die Parabel spricht für sich), um seine Antwort an Petrus auszuführen. Das Reich der Himmel gleicht einem König, der mit seinen Untertanen abrechnen wollte (Röm 14,12 – eines Tages muss jeder Mensch vor Gott Rechenschaft ablegen).

V.24: Es wurde dem König einer vorgebracht, der ihm 10 000 Talente schuldete. Das war die damals größte Währungseinheit, 1 Talent = 22 kg Silber, es geht hier um einen Millionenbetrag, also: unbezahlbar! Das Steueraufkommen von ganz Galiläa betrug nur 300 Talente, und dieser Mann schuldete 10 000! Diese Einzelheit über die riesige Summe wird uns ganz absichtlich genannt. Sie sollte v.a. die Größe der Schuld vor Gott darstellen. Martin Luther sagte mal, dass wir nichts als Bettler vor Gott sind. Wir haben keine Hoffnung, jemals unsere Schulden bezahlen zu können.

V.25: Der Schuldner war nicht in der Lage, diesen hohen Schuldenberg zu begleichen. Das Verkaufen von Menschen kommt im AT mehrfach vor (z.B. 2Mo 22,2). Das wurde z.T. auch zu Zeit Jesu angewandt, somit war das für die Hörer des Gleichnisses nichts Unbekanntes. Aber: das Aufzählen von Frau, Kinder und den ganzen Besitz, unterstreicht die Härte der Strafe.

V.26: Der Knecht konnte nicht bezahlen, aber er konnte sich vor seinem Herrn demütigen: er warf sich vor ihm nieder, huldigte ihn und bat um Geduld, er wollte Zeit bekommen, um seine Schulden zu bezahlen. Er war sich seiner Sache sicher, doch er übersah, dass es ein unmögliches Vorhaben war. Was dieser Mann brauchte war nicht Zeit, sondern Vergebung. Wie oft sieht der Mensch nicht, in was für einem verlorenen Zustand er vor Gott steht, und wie sehr er von der Gnade des Schöpfers abhängig ist, nicht von seiner Leistung. „Sünder sind bankrotte Schuldner.“ (M. Henry)

V.27: Der Schuldner erweckt das Herz seines Herrn, er war voll Mitleids. Ein Bild für Gott, der Schulden erlässt (Ps 78,38; Kol 2, 13f). Nicht nur einmal. Millionenfach vergibt uns Gott Riesenschulden „auf Rechnung seines Sohnes“ (Hebr 7, 27; 9, 12.26; 10, 2.10). Eine große Botschaft, die in diesen paar Worten steckt! Der Schuldner bekam mehr, als er zu bitten auch nur wagte. „Kein Mensch hat so große Sünde getan, als das Gott sie nicht vergeben könnte. Aber kein Mensch ist gut genug, als dass er keine Vergebung bräuchte.“ (S. Lawson) Dieser unermessliche Gnadenbeweis hätte das Herz des Schuldigen erweichen müssen, doch leider blieb es hart.

V.28: Ortswechsel: wir befinden uns nicht mehr am Königsthron. Der befreite Knecht ging hinaus, und sehr bald begegnete ihm anderer Knecht des Königs (also ein Gefährte, ebenbürtig, nicht ein Diener des befreiten Knechts). Dieser schuldete dem Befreiten 100 Denare, das entspricht einige hundert Euro und somit kaum eine Summe im Verhältnis des Schuldenbergs des erstens Knechts. Man würde ein dankbares und von Gnade verändertes Herz erwarten, doch begegnet uns ein erbarmungsloser Königsdiener. Er ergriff den Mitknecht und würgte ihn und forderte die Schulden ein.

V.29: Dieser Vers ist ein Spiegelbild zu Vers 26. Der Mitknecht warf sich nieder vor dem ersten Diener und bittet um dasselbe: Geduld und Zeit! Er bittet noch nicht einmal um das, was der erste Knecht bekommen hat: vollkommene Begleichung der Schulden. Und die Erfüllung seiner Bitte in V.29 („Habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen.“) ist um Welten realistischer als die Bitte des Knechts in V.26. Hätte es den ersten Diener nicht stutzig machen müssen, seine eigenen Worte wieder zu hören? Leider ist das nicht weit weg von der Realität, in der wir leben.

V.30: Doch: der erste Diener wollte nichts davon wissen. Er hätte können, aber er wollte nicht. Eben hatten wir noch ein Spiegelbild vor Augen (V.26 – V.29), nun kommt in V.30 genau das Gegenteil von dem, was wir in V.27 lesen. Härte statt Barmherzigkeit, Hass statt Liebe, blinde Wut statt Mitleid. Er lies den Schuldner ins Gefängnis seines Königs werfen (er machte vom Gesetz gebrauch, von dem er gerade selbst befreit wurde), von dem er selbst eben Barmherzigkeit erfahren hatte. „Ein niedriges Verhalten! Aber es ist so häufig, wie es niedrig ist!“ (Spurgeon)

V.31: Andere außenstehende Mitknechte bekamen den Vorfall mit. Sie wurden sehr betrübt über diese Sache und kamen zum König, um ihm alles zu berichten.

V.32-33: Der König reagiert unverzüglich und lässt den ersten, befreiten Knecht vor sich treten. Er nennt ihn einen „bösen Knecht“, und betont die erlassene Schuld, um ihm damit aufzuzeigen, dass diese Vergebung seinerseits eng mit der Vergebungsbereitschaft des Knechtes anderen gegenüber zusammenhängt, ganz nach dem Motto: „Wie ich dir, so du dem anderen.“ Er hätte sich auch so über seinen Mitknecht erbarmen müssen, wie sich sein Herr über ihn erbarmt hat. Damit wird das Erbarmen im Sinne von Mt 9,13 zur Leitlinie des Jüngerverhaltens. Kein Vergehen eines Mitknechts an uns kann verglichen werden mit unseren Sünden gegen den lebendigen Gott.

V.34: Zornig war der König darüber, und in diesem Zorn (ein gerechter Zorn, kein willkürlicher) wird der Diener den Folterknechten (Gerichtsdiener) übergeben, bis er alles bezahlt hat, was er dem König schuldig war. Der Zorn Gottes ist real. Wer biblisch über die Liebe Gottes redet, muss auch seinen heiligen Zorn erwähnen. ” Wer sich auf sein Recht versteift, wer die Barmherzigkeit verweigert, der muss auch nach dem Recht verfahren und für die ganze Schuld einstehen. Hier tritt uns der Gott des Rechts entgegen, weil der Gott der Barmherzigkeit abgelehnt wurde.“ (G. Maier)

V.35: Gott ist der König, und alle seine Untertanen haben riesige Schulden der Sünde angehäuft, die sie nie bezahlen können. In seiner unermesslichen Gnade zahlte der König selbst die Schuld und vergibt. Wenn nun ein Christ einem anderen Christen Unrecht tut, sich aufrichtig entschuldigt, jedoch keine Vergebung erhält, dann entspricht das nicht dem, was Jesus für uns getan hat. „So wird auch mein himmlischer Vater euch behandeln.“ „Das soll uns nicht lehren, dass Gott bei irgendjemanden die Vergebung aufhebt, sondern dass er sie denen versagt, die für sie nicht geeignet sind. Wir haben in der Schrift genug Hinweise auf den Verlust der Vergebung, um zu zeigen, dass wir sie als Warnungen nehmen sollen, nicht überheblich zu sein. Wir haben jedoch auch genug Gewissheit ihrer Beständigkeit, um diejenigen zu ermutigen, die aufrichtig, aber furchtsam sind; die einen mögen sich fürchten und die anderen hoffen. Derjenige, der nicht „seinem Bruder … seine Verfehlungen“ vergibt, hat nie wirklich von seinen eigenen Verfehlungen Buße getan, und deshalb ist das, was ihm weggenommen wird, nur das, „was er zu haben meint“ (Lk 8,18). Dies soll uns lehren, dass „das Gericht … unbarmherzig ergehen [wird] über den, der keine Barmherzigkeit geübt hat“ (Jak 2,13). Für Vergebung und Frieden ist es absolut notwendig, dass wir nicht nur „Recht tun“, sondern auch „Liebe üben“ (Mi 6,8). (M. Henry)

1.4 Struktur des Abschnittes:

Unser Text aus den Versen 21-35 betont die unbegrenzte Vergebungsbereitschaft der Gemeindeglieder untereinander.

Man kann den Text grob in drei Teile gliedern:

  1. Die Frage des Petrus und die Antwort Jesu V.21-22
  2. Das Gleichnis des unbarmherzigen Knechtes V.23-34
  3. Die Lehre des Gleichnisses und das Fazit Jesu V.35

2. Verstehen, worum es geht

Petrus tritt mit einer wichtigen Frage an Jesus heran, die jedoch schon zeigt, wie menschliche begrenzt er denkt. Jesus sprengt seine Vorstellungskraft, indem er auf ein göttliches Prinzip hinweist. Im Kern geht es um die Verlorenheit des Menschen. Die Schuld, die wir als Sünder auf uns geladen haben, ist so groß, dass keiner sie bezahlen kann. Wollte Gott mit uns nach dem strengen Recht handeln, so würde jedermann gerechterweise verloren gehen. Aber Gott ist barmherzig. Er erlässt die Schuld jedem, der ihn um Gnade anfleht. Diese Gnade, die Gott uns erzeigt, soll aber unser Herz rühren, dass wir Mitleid und Erbarmen gegen unsere Brüder üben. Gemeinde bedeutet permanente Vergebungsbereitschaft.

Zum einen führt uns der Bibeltext die unermesslich große Gnade Gottes vor Augen, sein Mitleid mit dem bußfertigen Sünder. Aufgrund dessen sandte er seinen Sohn, „auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen“. Zum anderen soll uns aufgedeckt werden, wie diese Vergebung unser Herz verändert und uns bereit macht, auch unseren Schuldigern zu vergeben.

Wenn mir von einem Bruder / einer Schwester Unrecht angetan wird, werde ich dann auf mein Recht pochen und in Unfrieden weiterleben, oder siegt der Frieden Gottes in meinem Herzen, weil mir schon viel mehr vergeben wurde? Kolosser 3,15: „Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen.“

An Gottes Barmherzigkeit wird der Christ barmherzig, durch seine Vergebung lernt er vergeben. Aber Gottes Gnade kann sich in Zorn verwandeln, wenn Vergebung nur für den Eigengebrauch bestimmt sein soll.

Jakobus 2,13: „Denn das Gericht wird unbarmherzig ergehen über den, der keine Barmherzigkeit geübt hat; die Barmherzigkeit aber triumphiert vor Gericht.“

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Wir befinden uns seit Anfang September wieder in der Matthäus-Reihe. Es ist der erste Sonntag wieder nach den Sommerferien, die meisten/letzten Gemeindemitglieder dürften wieder aus dem Urlaub zurück sein.

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

In Kapitel 18 des Matthäus-Evangeliums begegnen uns Anweisungen Jesu, die für den neuen Bund, also für die Gemeinde Jesu von absoluter Dringlichkeit sind. Auch wenn: „Bei Jesus ist es immer wichtig, sich vor Augen zu führen, dass er in der Übergangszeit vom Judentum zum Christentum redet und manchmal dabei eben auch überspitzt formuliert und weniger mit einer konkreten wörtlichen Umsetzung rechnet, sondern zeigen möchte, dass der jüdische Weg zur Heiligkeit letztlich einfach nicht funktioniert – siehe z. B. im vorherigen Abschnitt Mt 18, 8-9. (M. Lau)

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Es bietet sich an (aufgrund des engen Zusammenhangs) den kompletten Text am Stück zu lesen und anschließend erst auf die Einzelheiten einzugehen.

Der Bibeltext bietet es hervorragend an das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen. Somit wird es v.a. für alle ungläubigen Hörer eine Einladung, bei diesem gerechten und doch barmherzigen König Vergebung zu bekommen. Gleichzeitig ist es ein Aufruf zur Heiligung, zur Gottesfurcht, denn ein Leben in der Gottesfurcht lebt eng am Kreuz und stellt das Evangelium in das Zentrum. Ein christozentrisches Herz ist bereit zu vergeben, weil es das Kreuz im Zentrum hat, denn dieses hat es erlöst und befreit.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Es ist sicher hilfreich zu versuchen, in wenigen Sätzen für sich das Predigtziel zu formulieren. Welche Botschaft soll bei den Hörern am Ende hängen bleiben? Das tun wir im Gebet und in der Abhängigkeit des Heiligen Geistes.

Es geht um die vergebende Barmherzigkeit Gottes und dessen praktische Auswirkungen auf das Miteinander. Ein befreites Herz vergibt gerne.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Wahre Vergebung …

  1. kennt keine Obergrenze (V.21-22)
  2. kommt vom gerechten König (V.23-27)
  3. verändert das Herz des Befreiten (V.28-35)

3.3 Beispiele für die Predigt – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Wilhelm Vischer (schweiz. und franz. Theologe, 1895-1988): „Die Vergebung ist das Herzstück der Gemeinde Jesu. Wo jeder Bruder dem andern von Herzen vergibt, da können zwei eins werden im Gebet, da können sie einander zurechtweisen, das Verirrte suchen, das Verderbliche überwinden, die Kleinen schützen und die Erniedrigten hoch achten, da ist Jesus in ihrer Mitte.“

Zwei Männer sehen sich nach langen Jahren auf einem Klassentreffen wieder. Sie unterhalten sich bei einem Gläschen Wein und der eine fragt: „Wie geht´s denn eigentlich so in deiner Ehe?“ „Och“ sagt der andere, „eigentlich ganz gut, aber wenn wir uns mal streiten, wenn bei uns so richtig die Fetzen fliegen, dann werden wir leider schnell historisch!“ Der andere Mann lacht und sagt, „Na, das heißt aber hysterisch!“ „Nein, nein,“ sagt der andere, „wir werden wirklich historisch. Dann zählen wir aus zwanzig Jahren Ehe jedes Vergehen, jede Verletzung, jeden vergessenen Hochzeitstag lückenlos auf. In diesen Dingen haben wir leider ein erstaunliches Gedächtnis!“ Dann werden wir immer gleich historisch — Wie sieht das mit Ihrer inneren Buchführung aus? (Dr. Franz Lüdke, Marburg)

Ein Gebet Spurgeons: „Herr, mache mich sanften, versöhnlichen Sinnes! Möge mein Herz ebenso bereit sein, Schuld zu vergeben, wie es bereit ist, Blut zu pumpen!“

(Simon Hamalega)