Matthäus

Predigthilfe vom 12. September 2021 – Matthäus 18, 15-20

Jahresthema: Für ein gutes Mit-EINANDER

Predigtthema (ursprünglicher Vorschlag): Wahre Liebe

Predigttext: Matthäus 18, 15-20

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Unter Umständen kann sich auch mal der Blick in eine englische Übersetzung lohnen, weil auch in modernen deutschen Übersetzungen manchmal “fromm-deutsche” Begriffe benutzt werden, die im Englischen viel direkter und “normaler” übersetzt sind.

1.1 Allgemeine Hinweise zu Predigt und Predigttext

Der Text ist Teil der Fortsetzung der Matthäus-Reihe im September und Oktober. Das Datum ist der letzte Sonntag der Sommerferien, da dürfte kaum noch ein “Besucherloch” im Gottesdienst spürbar sein. Gerade für Familien mit Schulkindern geht dann am Montag das “normale Leben” wieder los, man trifft wieder vermehrt auf Mitmenschen und kommt damit auch vermehrt wieder in Berührung mit dem Thema Schuld und Vergebung (wie IN den Ferien durchgängig zuhause auch).

Viele Kreise und Gruppen fahren nach den Ferien wieder hoch, auch hier hat man wieder verstärkt Begegnungen mit Menschen.

Der Predigttext enthält einige “Nüsse”, die es zu knacken gilt, dabei ist es tatsächlich durchaus relevant, dass der Abschnitt insgesamt in einem Zusammenhang steht, in dem es durchgängig um Schuld und Vergebung geht. Man sollte also die Aussagen des Abschnittes auch vor allem in diesem Zusammenhang sehen.

Diese “Nüsse” stellen auch vor die Schwierigkeit, gut zu überlegen, was man alles (evtl. auch nicht) erklärt, um andererseits genug Zeit für wirkliche Ermutigung zu haben.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Der erste Gang sollte immer das Selbststudium sein, sich anhand von verschiedenen Bibelübersetzungen und Studienbibeln eine eigene Vorstellung davon zu erarbeiten, welche geistlichen Wahrheiten, in einem Abschnitt stehen und was die Ereignisse rund um diese Aussagen tatsächlich sind.

Dann liest man im zweiten Durchgang Auslegungshilfen von anderen Auslegern. Im Sinne von Apg 17,11 darf man dabei durchaus prüfend lesen, ob die Argumente und Schlussfolgerungen der Autoren wirklich schlüssig und überzeugend sind.

Als Hilfen zur Auslegung empfehle ich dabei jedem Verkündiger, sich folgende Studienbibeln zuzulegen: Elberfelder erklärt, MacArthur (gibt es auch als PDF zum kostenlosen Download), Ryrie, Genfer Studienbibel (gute theol. Ergänzung zu den Vorherigen), Die Bibel mit Erklärungen von Hans Bruns.

Weitere gute Hilfen:

# Die Thompson-Studienbibel liefert zwar keine (leicht ins Auge springenden) Texterklärungen, bietet aber mit ihren Kettenbegriffen direkt neben jedem Vers eine gute Übersicht, welche Themen ein Vers grundsätzlich behandelt, die dann in einer Predigt angesprochen werden können, und dann im Kettenverzeichnis im hinteren Teil entsprechend weitere Bibelverse zu jedem dieser Themen.

# Die entsprechenden Bände der Edition C und der Wuppertaler Studienbibel.

# „Das NEUE/ALTE Testament“ ausgelegt von Walvoord und Zuck (Hänssler-Verlag) ist eine weitere sehr gute Ergänzung im Sinne einer Studienbibel-Kommentierung.

# Die Kompaktkommentare von Warren Wiersbe (gibt es z.T. als englische pdf frei im Internet)

# Es kann sich auch lohnen, nach dem Selbststudium dann auf sermon-online oder auch Youtube Predigten anderer Verkündiger zum Predigttext zu hören.

# Für Matthäus empfiehlt sich auch der 2bändige HTA-Kommentar von Gerhard Maier (evtl. bekommt man über einen VZM Zugriff auf die entsprechende Passage), der an sich für Theologen geschrieben wurde, der aber auch für versierte Laien lesbar ist.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Wie schon erwähnt ist der ganze Abschnitt eingebettet in ein Kapitel, in dem es um Schuld und Vergebung geht, deshalb sollte man die Aussagen in diesen Versen auch vor allem auf diesen Zusammenhang beziehen.

Vers 15-17

“Bruder” ist schon im Alten Testament die Bezeichnung für den Volks- und damit auch Glaubensgenossen, es ist also kein speziell christliches Wort.

“Gemeinde” ist eigentlich “Versammlung” und ebenfalls im AT das Wort für die “Versammlung” des Volkes oder auch der Ältesten.

“überführen” wie in Joh 16,8

“gewinnen” – darum geht es Jesus! Inwieweit man hier den Gedanken findet, dass ein Sünder wirklich zum Bereich der VERLORENHEIT gehört, kann man offen lassen, aber zumindest muss in der Verkündigung deutlich werden, dass Sünde den Bereich der Verlorenheit repräsentiert, vgl. Gal 5,21

3. Mose 19,17 zeigt, dass der Grundgedanke dieses Verses nicht neu ist und führt gleichzeitig in die geistliche Dimension: Man lädt sonst selber (die) Schuld auf sich.

“Bruder” nimmt uns mit in die ganz normale Ebene des Miteinanders in der Gemeinde. Dies ist keine Anweisung an die Gemeindeleitung oder gar den Pastor, sondern an JEDEN “Bruder”. Dieser Gedanke der ganz normalen gegenseitigen Ermahnung ist präsent an vielen Stellen im NT:  Eph 5,11; Gal 6,1; 1Tim 5,20; 2Tim 4,2; Tit 1,9.13; 2,15; Jak 5,19f; Jud 22ff.

Selbstverständlich gilt dabei der Grundsatz aus Eph 4,15

Vers 15 zeigt dabei auch, dass es im Glauben keine “Privatangelegenheit” gibt: Wenn jemand mich sündigen sieht, egal wie (“sündigen” ist hier ein ganz allgemeines Wort), dann MUSS ich damit rechnen, dass mich jemand völlig zu Recht darauf anspricht: Es geht ihn etwas an!

Dabei ist völlig klar, dass der, der mich anspricht vorher selber nicht sündlos war. Sünder werden immer von anderen Sündern angesprochen. Meine eigene Sünde ist also KEIN Grund, jemand anders auf seine Sünde NICHT anzusprechen, ABER meine Sünde kann und soll mir die nötige Demut geben, den anderen Sünder im richtigen Tonfall anzusprechen. Und für die andere Perspektive: Die Sünde dessen, der mich auf meine Sünde anspricht, ist für mich keine Ausrede, dass er mich nicht ansprechen darf und schon gar keine Entschuldigung für meine Sünde.

Vers 16 ist vor dem Hintergrund von 5. Mose 19,15

In Vers 17 kann man “Versammlung” durchaus wörtlich nehmen und muss es nicht auf die Gemeindeleitung reduzieren. Apg 6,1ff; 15,4ff; 1Kor 5,1ff; Gal 2,14ff zeigen, dass Schwierigkeiten und Fehlverhalten durchaus auch in der GANZEN Versammlung offen angesprochen wurden.

“Heide und Zöllner” steht für die Menschen, die keinen Zugang zu Gott haben: Die Heiden von Natur aus nicht, die Zöllner als “gefallene Juden” nicht (mehr). Auch diesen Gedanken der radikalen Abgrenzung finden wir im weiteren Verlauf des NT, wenn auch eher in Bezug auf Lehrfragen: 1. Kor 5,13 (dort tatsächlich im Bereich der Ethik); 2. Tim 3,5; Röm 16,17

Grundsätzlich sind diese Aussagen bis hierher für jüdische Hörer nicht wirklich verwunderlich, alles ist im AT eigentlich angelegt. Aber wenn man sieht, wie schnell die Juden im AT sich eben tatsächlich doch mit Sünde arrangieren und auf die falsche Art mit dem Umfeld vermischen (siehe bes. Esra 10 und noch einmal Nehemia 13), dann steht hier die deutliche Anfrage im Raum, wie ernst es die Juden und vielleicht auch die Pharisäer wirklich mit der “Reinheit der Versammlung” hielten. Diese Frage können wir so auch für die Gemeinde stellen, aber natürlich mit dem Vergebungsangebot Jesu.

Vers 18

Dieser Vers ist schwer zu verstehen, er ist inhaltlich “verwandt” mit Mt 16,19.

Dieser Vers ist vor dem Hintergrund von Sünde und Gemeindezucht (15-17) zu verstehen.

Man kann es kaum anders deuten, als dass es hier um einen sehr grundsätzlich Zuspruch von Heil oder auch Unheil, Vergebung oder Gericht, Zugehörigkeit oder nicht-Zugehörigkeit geht.

Und dabei wird der irdische Vollzug durch die Gemeinde im Himmel als Realität nachvollzogen.

Von der Tragweite stoßen wir hier in Bereiche vor, wo den Jüngern eine ungeheure Vollmacht zugesprochen wird, die wir geneigt sind, zunächst von uns zu weisen (vgl. “Machet zu Jüngern” – können wir das wirklich? “Segnet …” – Können wir das wirklich?). Sicherlich gibt es hier letztlich auch keinen “bedingungslosen Automatismus” an den sich Gott hier bindet, die Aussage bleibt auch abhängig von den Versen 15-17, in der eine ganze Versammlung sich in einer Beurteilung einig geworden ist, und auch letztlich vom Vers 20, dass man mit einer großen Gewissheit wirklich im “Namen” und damit auch im “Willen” Jesu handelt. (Vgl. auch Joh 20,23) In diesem Fall redet der “Gesandte” für seinen Herrn!

Aber es kann eben helfen, einem Sünder sehr ernstlich klar zu machen, dass er mit seinem Lebensstil letztlich nicht für das Reich Gottes steht und sei es, dass man einmal prüft, ob er überhaupt das Evangelium wirklich verstanden hat und das letztlich der entscheidende Punkt ist.

Dies steht einem modernen individualistischen Verständnis ganz stark entgegen, dass ich für mich mit Gott alleine ausmache und darüber “Frieden finde”, was ich tue, auch wenn es die ganze Gemeinde als falsch ansieht. Akzeptiere ich die Überzeugung der ganzen Gemeinde (die ja eigentlich auch MEINE Gemeinde seither war in diesem Szenario) und lasse ich mich von ihr korrigieren? Wenn nicht, durch wen lasse ich mich dann überhaupt noch von Gott ansprechen oder habe ich (als einziger) tatsächlich den “direkten prophetischen Draht” zu IHM und erkenne als einziger richtig, was ich darf?

Vers 19-20

Auch dieser Vers gilt offenkundig nicht generell: Es gibt wohl letztlich in keiner auch noch so glaubensvollen Gemeinderichtung eine 100%-Erfolgsquote in diesem Sinne für “irgendeine Sache”.

Und sicherlich dürfen wir diese Vers auch nicht dazu missbrauchen, hier einem “allversöhnenden Gebet” eine Wirkung unabhängig von Umkehr und Glauben zuzusprechen.

Wir müssen diese Verse auch im Zusammenhang von Schuld und Vergebung verstehen und noch mehr als in Vers 18 steht Vers 19 neben Vers 20: Es geht nicht um das Gebet für irgendetwas, sondern um das Gebet “in seinem Namen”, es geht also um Gebete, von denen wir wissen, dass sie wirklich im Willen Jesu liegen.

In diesen zwei Versen sind nun tatsächlich Aussagen, die einen Juden aufhorchen lassen oder sogar verärgern würden:

1. Für eine Versammlung im jüdischen Sinne braucht man traditionell 10 Juden, bei Jesus bzw. in der christlichen Gemeinde reichen 2, um (gemeinsam mit Jesus) eine “Versammlung” zu sein.

2. Jesus unterstreicht seinen Anspruch, der Sohn Gottes, seines himmlischen Vaters, (Vers 19) und dort zu sein, wo sich schon alleine zwei “Brüder” treffen, was letztlich für die göttliche Eigenschaft der ALLgegenwart steht. (Vers 20)

In jedem Fall bietet Vers 20 aber vor allem einen enormen seelsorgerlichen Zuspruch, auch evtl. den Zuspruch, dass dann letztlich auch Jesus für dieses Anliegen mit betet (vgl. Lk 22,32)

Im Blick auf Vers 15-17 soll uns das in jedem Fall anspornen vor solch nachgehenden seelsorgerlichen Gespräch wirklich intensiv zu beten, dass sich der Sünder zurückrufen und damit “gewinnen” lässt.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Bei Jesus ist es immer wichtig, sich vor Augen zu führen, dass er in der Übergangszeit vom Judentum zum Christentum redet und manchmal dabei eben auch überspitzt formuliert und weniger mit einer konkreten wörtlichen Umsetzung rechnet, sondern zeigen möchte, dass der jüdische Weg zur Heiligkeit letztlich einfach nicht funktioniert – siehe z. B. im vorherigen Abschnitt Mt 18, 8-9.

Auch unser Abschnitt ist mit der Wortwahl “er sei dir wie Heide und Zöllner” (17) klar in ein jüdisches Denken eingebettet. Es wurde ja auch schon deutlich, dass sich ein Jude wohl “nur” über Vers 19+20 wirklich gewundert oder auch geärgert hätte.

Von daher muss immer das Bewusstsein für die Frage(n) da sein: Inwieweit geht es hier tatsächlich um christliche Gemeindelehre und/oder ein pointiertes Hinterfragen der alten jüdischen Überzeugungen?

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Auf das Ferienende bzw. den Beginn des “normalen Alltags” in Schule und Gemeinde wurde oben schon hingewiesen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Die Verständnisschwierigkeiten vor allem in Vers 18+19 und die Umsetzungsschwierigkeiten in Vers 15-17 dürfen in der Predigt nicht überlagern, dass Jesus hier etwas ganz Positives möchte:

Jesus möchte, dass ein Sünder Vergebung bekommt, Jesus möchte “gewinnen” (Vers 15) und er hat die Reinheit der Versammlung im Sinn. Es geht um die Schönheit bzw. Heiligkeit der Gemeinde und des Einzelnen und dabei können wir uns gegenseitig helfen.

Deshalb und auch im Blick auf Vers 20 muss die Predigt also überhaupt keinen “depressiven” Unterton haben!

Alle drei Verse 15-17 spielen in unserem Gemeindealltag praktisch kaum eine Rolle (oder doch?). Besonders schlimm dabei ist: Anstatt Vers 15 einfach nur NICHT zu praktizieren, gehen wir zu DRITTEN und reden mit ihnen über die Sünde des ERSTEN (“Gemeindetratsch”, z.T. als “Austausch von Gebetsanliegen” getarnt) und werden so zum Teil des (größer werdenden) Problems statt zum Teil der Lösung.

Hier muss der Verkündiger sehr gewinnend und ausgewogen Werbung dafür machen, dass wir diese Verse wieder lernen richtig zu praktizieren, weil es die Gemeinde wert ist! Selbstverständlich im Sinne von Eph 4,15.

Hier lohnt es sich, sich auch einmal gründlich zu überlegen: Welche Ideen haben wir, um zu einer positiven Korrektions-Kultur zurückzufinden?

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

(Es hilft, sich selber noch einmal in 1-2 prägnanten Sätzen deutlich vor Augen zu führen, was der Predigthörer am Ende der Predigt verstanden haben soll)

-> Die Predigt wird gehalten, damit als ein Beitrag zur “Schönheit der Gemeinde” verstanden wird, dass Sünde angesprochen werden und dies aber auch von viel Gebet getragen sein muss.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Thema: Was kann Gemeinde noch schöner machen?

1. Gewinne den Bruder (15-17)

2. Bete für den Bruder (18-19)

3. Jesus ist da! (20)

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Einstieg:

Wirklich gewinnend (und durchaus etwas ausführlicher) aufzeigen, dass sich Gott die Gemeinde als einen Ort vorstellt, wo wir Ermutigung, Stärkung und Frieden bekommen.

Leider steht dem unsere bzw. meine Sünde entgegen, deshalb brauche ich es, dass ich darauf angesprochen werde. (Evtl. kann es ein guter Weg sein, bewusst alles, was schwer fällt in der Ich-Perspektive zu predigen: Ich brauche es, dass jemand zu mir kommt und mich auf einen Fehler hinweist. Oder ich merke, dass ich leider oft erst oder auch nur mit Unbeteiligten über die Sünde von Geschwistern rede anstatt mit den jeweiligen Geschwistern selber.)

… damit Gemeinde der Ort wird bzw. bleibt, an dem ich Ermutigung finde, damit Gemeinde der schöne Ort bleibt und noch schöner wird.

THEMA: Was kann Gemeinde noch schöner machen?

TEXTLESUNG: Mt 18, 15-20

Es ist ein “schwieriger” Text, zum einen in manchen Aussagen schwer zu verstehen, zum anderen in “leichten” Aussagen “schwer” umzusetzen.

Aber es geht wie gesagt um die Schönheit der Gemeinde, so lasst uns schauen, wie wir es umsetzen können.

Punkt 1. Gewinne den Bruder (15-17 noch einmal lesen)

Paulus schreibt in 1. Kor 5,6 über den Sauerteig in Bezug auf die Sünde … – deshalb ist es so wichtig, dass wir Jesus hier in Mt 18 ernst nehmen.

Meine Sünde verletzt andere, meine Sünde ist ein schlechtes Vorbild und meine Sünde treibt einen Keil zwischen mich und Gott (immerhin muss ich wieder “gewonnen” werden).

Ich darf mich mich nicht darauf zurückziehen, dass meine Sünde, meine “Privatangelegenheit” ist, sondern ich muss dankbar sein, wenn ein Bruder zu mir kommt und mir in gutem Tonfall (Eph 4,15) die Chance gibt, mein Handeln zu verbessern.

Und das ist Gott so wichtig, dass es nicht bei einem Gespräch bleiben soll, sondern es wird eben geschildert, wie man dann in größeren Kreisen eine Lösung suchen soll:

Hier die Vers 15-17 auslegen (siehe dazu Erklärungen oben) und für eine neue Korrektionskultur werben, nach Möglichkeit auch zeugnishaft erzählen, wo es einem selber geholfen hat, dass man auf eigene Sünde hingewiesen wurde oder wo es tatsächlich positiv aufgenommen wurde, dass man jemand anderen auf dessen Sünde angesprochen hat.

Im Blick auf Vers 17 weitere Stellen anführen, die zeigen, dass es Gott mit dieser letztlichen Trennung sehr ernst ist.

Sicherlich fällt das allen Beteiligten schwer, aber es lohnt sich, denn es geht um die Schönheit der Gemeinde, wenn wir versuchen, den Bruder zu gewinnen.

Aber es ist zu wenig, wenn wir einfach die Verse 15-17 “abarbeiten”, sondern etwas was ganz wesentlich dazu kommen muss:

2. Bete für den Bruder (18-19)

Das GANZE Kapitel 18 handelt von Sünde und Vergebung, deshalb sollten wir das, was hier zum Gebet geschrieben ist, vor allem auch auf Sünde und Vergebung beziehen und fokussieren.

Zunächst Vers 19: Dieser Vers hängt ja auch an Vers 20 und daran “im Namen Jesu” also in SEINEM Willen zu beten. Etwas was Gott absolut “will”, ist uns von Sünde zu überführen (Joh 16,8), vor allem dafür sollen wir beten, das ist hier das Thema, worum es geht.

Bete für den Bruder!

Dann Vers 18 erklären und für die Praxis betonen, dass wir sicherlich nicht wollen und beten, dass jmd verloren geht (Gott jedenfalls will es nicht – 1. Tim 2,4), umso mehr wollen wir im Blick auf diesen Vers glaubensvoll bitten, dass Sünder zur Erkenntnis und zur Buße kommen!

Wenn wir schon mit dem Sünder (zunächst) nicht reden, dann lasst uns umso mehr mit Gott über ihn reden und mit Dritten erst im Sinne von 16 und 17!

Und in all dem gibt es einen großen Zuspruch:

3. Jesus ist da! (20)

Die Göttlichkeit Jesu aus den Versen 19-20 herausarbeiten.

Dann betonen, dass es neu ist in der christlichen Versammlung, dass 2 reichen, letztlich reicht sogar EINER, denn Jesus ist in JEDEM Christen da!

Der allmächtige Gott ist dort, wo wir uns versammeln.

Hier ist noch einmal Raum für einen starken seelsorgerlichen Zuspruch.

ABSCHLUSS:

Wir wollen mit Jesus und seiner Hilfe rechnen,

dass er uns mit der Schönheit der Gemeinde helfen will, und dass dort, wo wir die Vers praktizieren, uns gegenseitig mit unseren Sünden helfen und füreinander beten,

Gemeinde noch schöner wird.

4. Einige Tipps für die Verkündigung

# Arbeite (und bete) in der Vorbereitung so lange mit dem Abschnitt, bis er wirklich mit seinen Punkten dein eigenes Herzensanliegen ist!

# EVA – E=erkläre den Text gründlich / V=veranschauliche deine Predigtpunkte mit einem Bild / A – Anwendung: Zeige praktische Beispiele, wie dieser Punkt im Alltag (in deinem Alltag) Anwendung finden kann bzw. findet.

# Halte Blickkontakt! – vor allem an Anfang und Ende der Predigt (Lerne Einleitung und Zusammenfassung möglichst auswendig!)

# Eine “Predigt” ist mehr als ein Vortrag/Referat, sie ist Zuspruch, der von Herzen kommt und zu Herzen gehen soll, sei es Ermutigung oder Ermahnung.

# erzähle aus deinem Leben – ausgewogen – wo dir das eine oder andere vorbildlich gelingt, wo aber auch mal etwas nicht so gelungen ist, wie es sein sollte oder schwer fällt.

# Werde wirklich praktisch und konkret: Wie kann eine Wahrheit wirklich im Alltag umgesetzt werden?

(Mirko Lau)