Nehemia

Predigthilfe vom 19.7.2009 – Nehemia 3, 33 – 4,17

Monatsthema: Als Mitarbeiter des Herrn leben
Predigtthema: Leben mit dem Auftrag Gottes

Bibelstelle: Nehemia 3, 33 – 4,17

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B. Walvoord / Zuck (Hg.). Das Alte Testament erklärt und ausgelegt – Bd. 2. S. 256-259 und Walter Lüthi. Die Bauleute Gottes: Nehemia, der Prophet im Kampf und Aufbau der zerstörten Stadt. 7. Aufl. Basel: Friedrich Reinhardt, o.J. S. 55-67 und Warren W. Wiersbe. Sei fest entschlossen: Im Gegenwind standhaft bleiben. Dillenburg: CV, 2008. S. 51-62.

1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Der Textabschnitt Neh 3,33-4,17 (in manchen Übersetzungen entspricht dies 4,1-23) beschreibt nun welche Reaktionen erfolgen, wenn man sich an den „Aufbau“ macht. Während Neh 3,1-32 Details zum internen Ablauf des Aufbaus liefert, steht in Neh 3,33-4,17 die Reaktion des Umfeldes und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das Volk Gottes im Vordergrund. Von daher haben wir in der Predigt aufzuzeigen wie sich ein Leben mit dem Auftrag Gottes (= Predigtthema) auswirkt. Es geht darum, wie der göttliche Anspruch in die menschliche Wirklichkeit überführt wird. Dies kann allerdings nur dort entsprechend dem Willen Gottes gelingen (vgl. PT zum 05.07.09), wo die göttliche Realität und Führung (vgl. PT zum 12.07.09) im Blick und Zentrum der Umsetzung bleibt: „denn getrennt von mir [LU = ‚ohne mich‘] könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5).

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Zum Einstieg:
„Gott hat beschlossen, die Mauern Jerusalems wieder zu bauen. Gott hat auf wunderbare Weise den Mundschenk am Perserhof zum Wiederaufbau erwählt, berufen und ausgerüstet. Und Gott hat den Wiederaufbauleuten eine wunderbare Glaubens- und Arbeitsgemeinschaft geschenkt. Und nun darf das eigentliche Aufbauwerk beginnen. Und wir erwarten wohl, dass es so wunderbar weitergehe. Aber es geht ganz und gar nicht wunderbar weiter. Im Gegenteil, wer jetzt weithin schimmernde Wunder erwartet, wird enttäuscht sein und hat Gelegenheit, sich zu ärgern. Gott kann im Bau seines Reiches und seiner Kirche Wunder tun, aber Gott kann mit seinen Bauleuten auch gewöhnliche Wege gehen. Auf Adlerflügeln kann er sein Volk durchs Meer und über die Wüste tragen, Gott kann aber die Seinigen auch zu Fuß, im Schweiße ihres Angesichtes, den Weg über die große Heerstraße geleiten. Gott kann durch ein Gerichtswunder die Mauern Jerichos niederlegen, und derselbe Gott kann Jerusalem bauen lassen mit Kelle und Schwert. In diesem Kapitel führt Gott seine Bauleute nun tatsächlich den Weg der schlichtesten Gewöhnlichkeit“ (Lüthi, Bauleute Gottes, S. 56f).

Im Hinblick auf die Absichten des Widersacher Gottes gilt für uns: „Damit wir nicht vom Satan übervorteilt werden, denn seine Gedanken sind uns nicht unbekannt“ (2Kor 2,11). In unserem Predigtabschnitt werden wir über vier Strategien Satans informiert, wie er den Bau des Reiches Gottes zu behindern versucht: Spott – Einschüchterung – Entmutigung – Furcht! Aber genauso zeigt uns das Wort Gottes, wie wir standhaft bleiben und mit dem Auftrag des Herrn leben können. Wer sich im (Gemeinde-) Aufbau engagiert, wird kämpfen müssen und deshalb lassen wir uns vom Wort Gottes her vorbereiten und zurüsten. So können wir fünf praktische Konsequenzen entdecken, denn „Leben mit dem Auftrag des Herr“ heißt: aufbauen – aufschauen – aufrichten – aufbrechen – aufbleiben!

A. Aufbauen, denn Anfeindungen sind unausweichlich (3,33-35)

Bitte beachten und klarstellen: Niemand hat unter Druck oder Zwang mitarbeiten müssen (siehe Neh 3,5). In der Mitarbeit wird kein Zwang ausgeübt, aber wir lassen uns von den Unwilligen nicht am Dienst hindern, denn mitbauen am Reich Gottes ist eine Herzens- und Ehrensache (vgl. Neh 3,38 mit Apg 4,32). Aufbauen lautet unser Auftrag!

Der Wiederaufbau der Mauern Jerusalems ist gefährdet und angefochten. Kaum wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, so wird deutlich, dass viele keine Freude daran haben, wenn die Mauern Jerusalems wachsen und sich die Lücken schließen. Hier gilt es zu fragen, wie das ist, wenn die Führung Gottes ganz anders ist, als wir uns das wünschen? Wie schnell kommt auch bei uns die Frage: Was hat das denn schon gebracht bzw. bewirkt? Vgl. hierzu Joh 15,20; 1Petr 2,21-24.

„Wenn alles gut geht, sollten Sie sich auf Schwierigkeiten einrichten, weil der Feind kein Interesse daran hat, Fortschritte im Werk des Herrn zu sehen. Solang die Bewohner Jerusalems mit ihrem traurigen Los zufrieden waren, ließ der Feind sie in Ruhe. Doch als die Juden anfingen, dem Herrn zu dienen und Gottes Namen zu verherrlichen, wurde der Feind aktiv. Wenn Widerstand auftritt, erweist sich nicht nur, dass Gott segnet. Vielmehr ist uns damit auch die Möglichkeit zum geistlichen Wachstum gegeben“ (Wiersbe, Sei fest entschlossen, S. 51).

Charles H. Spurgeon: „Gott hatte wohl einen Sohn ohne Sünde, aber kein einziges Kind, dem Prüfung erspart bleibt“ (vgl. Joh 16,33).

Zur Veranschaulichung:
„Als Sir James Thornhill (englischer Hofmaler, 1675-1734) die Innenseite der Kuppel in der Londoner St. Pauls Kathedrale ausmalte, hatte er einmal gerade einen Abschnitt beendet. Daraufhin trat er etwas zurück, um ihn zu betrachten. Wäre er noch einen Schritt nach hinten gegangen, wäre er vom Gerüst gestürzt und somit möglicherweise tot gewesen. Indem er die Situation erkannte, ergriff ein Freund geistesgegenwärtig einen mit Farbe getränkten Pinsel und warf ihn gegen das Bild. Sofort sprang der Künstler nach vorn, um sein Werk zu schützen. Zugleich erkannte er jedoch, dass sein Leben dadurch gerettet worden war. Wenn das Bild unseres Lebens oder Dienstes überhaupt nicht unseren Erwartungen entspricht, liegt das vielleicht daran, dass der genialste Künstler uns vor etwas viel Schlimmeren bewahrt und uns für etwas viel Besseres zubereitet“ (Wiersbe, Sei fest entschlossen, S. 51f).

So ist die Frage: Führt der Spott zum Stopp?

B. Aufschauen, denn Beten ist unerlässlich (3,36-4,3)

Aufbauen ist unser Auftrag und wir sind immer gefährdet, ob wir ihn auch ausführen können, denn der Widerstand und die Anfechtung ist unausweichlich. Aber wo unser aufbauen von unserem aufschauen zum Herrn begleitet wird, da ergibt sich eine neue Perspektive (vgl. Hebr 2,1).

V. 36-38: „Gebet war ein besonderer und regelmäßiger Bestandteil von Nehemias Problemlösung. Als er mit den demoralisierenden Angriffen Sanballats konfrontiert wurde, bat er augenblicklich Gott um Hilfe: Höre uns, unser Gott, denn wir werden verspottet.
Wie eine Reihe von Rachepsalmen, in denen die Psalmisten Gottes Gericht über ihre Feinde herbei flehten, war auch das Gebet Nehemias schwerwiegend und auf das Gericht ausgerichtet. Er betete dafür, dass Sanballat und seine Truppen gefangengenommen und sie für ihre Sünden gestraft würden. Wie soll ein Christ solche Gebete einordnen, insbesondere angesichts der Aufforderung Jesu Christi, für die Feinde zu beten (Mt 5.44; vgl. Röm 12,14.20)? Dazu ist auf einige Dinge hinzuweisen: Erstens widerstanden Sanballat und seine Mitstreiter durch ihren Widerstand gegen die Juden eigentlich Gott. Zweitens hatte Gott bereits das Gericht über die Feinde Israels angekündigt. Nehemia betete deswegen entsprechend dem Willen Gottes, dass Gott Jerusalem von seinen Feinden befreien möge. Drittens betete Nehemia nur um das, was Gott Abraham zugesagt hatte (1Mose 12,3), dass wer seinem Volk fluchen würde, verflucht sein solle. Viertens ist die Rache Gottes Sache und nicht Sache Nehemias oder anderer Gläubiger (vgl. 5Mose 32,35; Röm 12,19), weshalb Nehemia zwar darum bittet, die Rache aber nicht selbst in die Hand nimmt“ (Walvoord / Zuck, Das Alte Testament erklärt und ausgelegt – Bd. 2, S. 258).

Das Gebet das uns hilft aufzuschauen ist
* ernstlich (3,36a)
* inständig (3,36b+37)
* gemeinsam (4,3a)
* realistisch (4,3b)

Die Bedrohung ist im wahrsten Sinne des Wortes umfassend: Im Norden sind Sanballat und die Samaritaner, im Osten ist Toija und die Ammoniter, im Süden sind Geschem und die Araber und im Westen sind die Aschdotiter. „Während die Angehörigen des Volkes Gottes mitunter Probleme bei der Zusammenarbeit haben, fällt es den Menschen dieser Welt nicht schwer, sich im Widerstand gegen das Werk Gottes zu vereinen (Ps 2,1f; Apg 4,23-30; Lk 23,12). Als die Feinde sahen, dass das Werk Fortschritte machte, wurden sie zornig und beschlossen, einen Geheimangriff auf Jerusalem zu planen. Satan hasst Israel und hat bei dem Versuch, es zu vernichten, schon zahlreiche Nationen eingesetzt (siehe Ps 85 und Offb 12). Gott erwählte Israel als sein Werkzeug, damit die Welt den wahren Gott, die Heilige Schrift und den Heiland erkennen sollte (Röm 9,1-5). ‚Das Heil ist aus den Juden‘ (Joh 4,22). Satan wollte aber verhindern, dass der Erretter in die Welt kam. Hätte er dieses Volk vernichten können, wäre Gottes Plan durchkreuzt worden“ (Wiersbe, Sei fest entschlossen, S. 56).

V. 1: Der Ausdruck „Ausbesserung“ bedeutet wörtlich: „Heilung“. Die Lücken und „Wunden“ schließen sich nun langsam, so dass wieder ein Raum der Geborgenheit entstehen kann. Die Bruchstellen werden nun beseitigt! Welche Lücken/Bruchstellen haben wir noch in unserer Gemeinschaft?
Zuerst müssen bei uns immer die Lücken geschlossen werden, damit andere bzw. Anderes nicht hereinbrechen kann. Der Feind darf keine Einstiegslücken finden wie z.B. eine Wahrheitslücke/Bitterkeitslücke/Unversöhnlichkeitslücke/Schuldlücke/Lücke sexueller Gier usw. Durch Lücken kommt der Feind herein und verwundet uns.

„Schließen der Lücken heißt im Neuen Testament Heiligung“ (Wilhelm Wagner)

C. Aufrichten, denn Entmutigung ist unerträglich (4,4-8)

Gerade wenn wir an unserem Auftrag dranbleiben, beim Aufbauen, weil wir stets Aufschauen, dann werden wir auch wieder aufgerichtet, damit das Werk weitergehen kann, denn es ist nicht unser Werk, unsere Tat, sondern es ist sein Werk, denn für uns ist die Aufgabe immer zu schwer, zu groß und zu widerständig:
* Kraftlosigkeit: wörtl. „es ist erschöpft die Kraft der Lastträger“ (V. 4a)
* Ohnmächtigkeit: wörtl. „und der Schutt ein Vieles“ (V. 4b)
* Motivationslosigkeit: wörtl. „und wir vermögen nicht mehr zu bauen in der Mauer“ (V. 4c)

Darauf reagiert nun Nehemia und richtet wieder auf,
* indem er die offensichtlichen Lücken schließen lässt (V. 7)
* indem er an die Verheißungen Gottes erinnert (V. 8a)
* indem er eine ewige Perspektive eröffnet (V. 8b)
* indem er die Auswirkungen eindeutig benennt (V. 8c)

Von Nehemia gilt es zu lernen, dass uns Widerstand niemals vom Herrn wegziehen darf, sondern uns vielmehr näher zum Herrn hin treibt (vgl. 2Chr 20,12)!

„Druck von außen schafft oft Probleme, die von innen kommen. Es ist schwer, der Alltagsarbeit nachzugehen, wenn allseits Gefahr droht und man sich täglich den Anforderungen einer Aufgabe gegenübersieht, die man scheinbar nicht bewältigen kann. Hätten sich die Juden entmutigen lassen, hätten sie sich selbst eine Niederlage beigebracht, so dass Sanballat und seine Verbündeten keinen Krieg mehr hätten führen brauchen. Entmutigung ist eine der wichtigsten Waffen aus dem Arsenal Satans. Aufgrund von Entmutigung blieb Israel der Zugang zum Gelobten Land in Kadesch-Barnea verwehrt (4Mose 13). ‚Wir können nicht gegen das Volk hinaufziehen, denn es ist stärker als wir‘ (V. 31). Die zehn glaubenslosen Kundschafter ‚hielten das Herz der Söhne Israel ab‘ (32,9). Infolgedessen musste das Volk vierzig Jahre in der Wüste umherwandern, bis eine neue Generation von Israeliten bereit war, das Land zu erobern. ‚Wir können nicht!‘ ist das Schlagwort all derjenigen, die ihre Augen vom Herrn abwenden und anfangen, auf sich selbst und ihre Probleme zu sehen. Diese entmutigten jüdischen Bauleute stimmten im Grunde mit den Feinden überein, die von den ohnmächtigen Juden gesprochen hatten! (Neh 3,33-35; vgl. 2,19). Sanballat hatte öffentlich erklärt, dass das Werk zum Erliegen kommen würde – ein Zustand, der beinahe eingetreten wäre. Warum ließen sich die Angehörigen des Königsstammes Juda so entmutigen? (siehe 1Mose 49,8-12). Weil immerhin einst David in ihrem Stamm gelebt hatte, hätte man meinen sollen, dass sie Männer und Frau waren, die sich durch großen Glauben und Mut auszeichneten. Die Antwort findet sich in Nehemia 6,17-19: Einige Angehörige des Stammes Juda arbeiteten insgeheim mit den Feinden zusammen. Die ehelichen Bande waren stärker als diejenigen Bindungen, die Ausdruck ihrer Hingabe gegenüber dem Herrn waren. Nach Kapitel 13,15-22 waren einige führende Leute in Juda dem Herrn nicht völlig ergeben. Ihr Interesse zielte vielmehr darauf ab, Geld zu verdienen. Weil sowohl infolge der Mischehen als auch aufgrund von Geldliebe ihre Treue nachgelassen hatte, ging von ihnen viel Entmutigung aus. In meiner über vierzigjährigen Dienstzeit habe ich festgestellt, dass im Werk des Herrn diejenigen, die andere entmutigen, oft auch zweifeln und Kompromisse schließen. Hinsichtlich ihres geistlichen Lebensstils ist gewöhnlich etwas verkehrt. Zunächst einmal fehlt ihnen häufig Vertrauen auf Gottes Wort, wobei sie darüber hinaus hauptsächlich an den eigenen Plänen und Bestrebungen interessiert sind. Ein wankelmütiger Mensch, dem Glauben fehlt, ist unbeständig (Jak 1,5-8) und behindert das Werk des Herrn. Nehemia schenkte diesen Nörglern kaum Beachtung, sondern setzte vielmehr seine Arbeit unbeirrt fort. Dies ist die beste Vorgehensweise. Wer seine Arbeit unterbricht, um jedem zuzuhören, der seine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen will, wird nie etwas zustande bringen. Nehemia ließ sich durch das Gebet und die Verheißungen Gottes ermutigen, während ihn die gelegentlichen Klagen von einigen Leuten aus dem Volk nicht aus der Fassung brachten“ (Wiersbe, Sei fest entschlossen, S. 57f).

D. Aufbrechen, denn Aufgeben ist unmöglich (4,9-14)

Der Auftrag Gottes bleibt, der Herr bleibt aber auch dort, wo er einen Auftrag gegeben hat und aus diesem Grund gilt es immer wieder neu aufzubrechen, weiterzubauen, denn ein Aufgeben ist unmöglich. Kinder Gottes geben nicht auf, weil ihr Herr sie auch nicht aufgibt.

V. 11f: Hier ist es wichtig, dass das Prinzip von „Schwert und Kelle“ nicht missverstanden wird. Hier geht es nicht darum, wie es der Volksmund gerne sagt: „Vertrau auf Gott, und halt das Pulver trocken“ oder „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott“ oder „sowohl – als auch“. Das Prinzip mit der einen Hand am Werk des Herrn arbeiten (= Kelle) und mit der anderen Hand die Waffe halten und Ausschau nach dem Feind halten (= Schwert) ist kein Ausdruck mangelnden Gottvertrauens, sondern Ausdruck eines anderen Prinzips, eines geistlichen Prinzips: „Bete und arbeite“! Das Gebet ersetzt nicht die Tat, aber es ist eine Tat, die durch nichts zu ersetzen ist. „‘Wacht und betet‘ (siehe Mk 14,38; vgl. Mk 13,33; Eph 6,18; Kol 4,2-4) ist eine Aufforderung, die Glauben sowie Werke verbindet und uns als nachahmenswertes Beispiel in unserer Arbeit und unserem geistlichen Kampf vor Augen steht“ (Wiersbe, Sei fest entschlossen, S. 57). „Als Charles H. Spurgeon 1865 anfing, seine Gemeindezeitschrift herauszugeben, entlehnte er deren Titel aus dem Buch Nehemia und nannte sie The Sword and Trowel (dt. als Kelle und Schwert bekannt). Nach seinen Worten umfasste sie ‚einen Bericht über Kampf gegen Sünde und Arbeit für den Herrn‘. Es reicht nicht aus, nur die Mauer zu bauen. Wir müssen auch Wache halten, damit der Feind sie nicht erobert. Wenn wir sowohl bauen als auch kämpfen, lassen wir normale Bestandteile des Lebens als Christen erkennen und erweisen uns als treue Jünger (Lk 14,28-33)“ (Wiersbe, Sei fest entschlossen, S. 61).

Zur Veranschaulichung:
„Admiral Mahon – er diente bei der amerikanischen Marine während des Unabhängigkeitskrieges – pflegte seinen Offizieren folgendes einzuschärfen, wenn er sie unterrichtete: ‚Meine Herren, was sie auch immer tun, verlieren sie nie das eigentliche Ziel aus den Augen. Sobald sie wissen, was ihr Auftrag ist, lassen sie nicht mehr von ihm ab.‘ Nehemia hatte einen Auftrag. Wenn er sich entschlossen hätte, einen Präventivschlag zu führen, hätte er jeden verfügbaren Mann einsetzen müssen. Die Arbeit am Bau wäre dabei zu einem Stillstand gekommen. Hätte er aber gewartet, bis die Feindseligkeiten sich gelegt hätten, dann wäre es schwer gewesen, die Arbeiterschaft wieder neu zu organisieren. So blieb jedoch die Verteidigungsfähigkeit erhalten, während die Arbeiten zum baldmöglichsten Zeitpunkt wieder aufgenommen werden konnten. Oberstes Ziel für Nehemia war es, die Mauern in Jerusalem wieder aufzubauen. Dieses Ziel bestimmte seine Politik. So entschloss er sich, den Mauerbau bei gleichzeitiger Erhaltung der Verteidigungsfähigkeit fortzusetzen. In der Kriegsführung verhielt er sich defensiv, in der Arbeit aggressiv“ (John White. Nehemia: Hingabe und Strategie – Wegweisung für geistliche Führung, Marburg: Francke, 1989. S. 58f).

E. Aufbleiben, denn Opfer sind unumgänglich (4,15-17)

Der Herr baut mit Sündern, aber nicht mit Selbstgerechten und so geht der Aufbau weiter (V. 15a)! Aber der Dienst ist auch immer mit Opfer und Verzicht verbunden (V. 17)! Aber wo wir aufbauen – aufschauen – aufrichten – aufbrechen – aufbleiben, da gilt für uns die Zusage Gottes: 1Kor 15,57f!

Leben mit dem Auftrag des Herrn (3,33-4,17) nach seinem Willen (1,1-11) und unter seiner Führung (2,1-20) bedeutet:
* von Herzen beten (3,36a; 4,3)
* von ganzem Herzen aufbauen (3,38b)
* offene Augen die wachen und aufschauen (4,3)
* offener Mund der aufrichtet (4,7f)
* offene Ohren für das Aufbruchssignal (4,14)
* Mitarbeiter die aufbleiben, weil sie dranbleiben (4,17)

Zur Veranschaulichung:
„Im 18. Jahrhundert lebte ein Evangelist, der wie kein anderer harte und anhaltende Opposition ertragen musste. Sein Name ist John Whitefield. Er war noch mehr als John Wesley und andere führende Gottesmänner in England zentrale Figur der Erweckungen in England und Nordamerika, Als junger Geistlicher der Anglikanischen Kirche predigte er in Freiversammlungen zu über 50 000 Menschen – ohne Mikrophone und Lautsprecher. Benjamin Franklin, (er wurde später einer der Verleger Whitefields in Nordamerika), konnte nicht glauben, dass so etwas möglich sei. Er besuchte eine der Versammlungen, um die Sache so genau wie möglich zu prüfen. Dabei überzeugte er sich davon, dass Whitefield tatsächlich von allen verstanden wurde, nicht zuletzt wegen seiner ungewöhnlich lauten Stimme, seiner klaren Aussprache und der absoluten Stille, die bei seinen Predigten herrschte. Seine Predigt schlug nicht nur die Zuhörer in Bann, sondern rief auch bei vielen eine solche Sündenerkenntnis hervor, dass sie anfingen zu weinen. Durch niemand anderen als Whitefield überwand John Wesley seine Furcht, im Freien zu predigen. Widerstand gegen Whitefield kam bald auf, und zwar hauptsächlich von gottlosen Dienern des Evangeliums. Mit der Zeit schlossen sich für ihn alle anglikanischen Kirchen. Im Umgang mit seinen Gegnern ließ er sich von drei Grundsätzen leiten: 1. Antworte nie Kritikern. 2. Vermeide Auseinandersetzungen, 3. Höre niemals auf, die Wahrheit des Evangeliums zu verkündigen. Als ihm die Kirchentüren verschlossen blieben, predigte er im Freien zu größeren Mengen als in den Kirchen. In jedem Ort, in dem er zu predigen beabsichtigte, fragte er höflich, ob er die Kirche benutzen dürfe, wenn er die Erlaubnis bekam, benutzte er auch die Kirche, Er freute sich aber viel mehr, wenn es ihm verweigert wurde, weil er im Freien viel mehr Menschen erreichen konnte. Er hatte nur ein Ziel: Das ganze Evangelium ohne Furcht zu verkündigen. Was für Nehemia der Mauerbau war, war für John Whitefield die Verkündigung des Evangeliums. Weder Beleidigungen noch üble Nachreden konnten ihm den Blick für dieses Ziel nehmen. Er baute ohne Unterbrechung an seiner ‚Mauer‘. Seine letzte Predigt hielt er als sterbender Mann auf dem Treppenabsatz eines Pfarrhauses in Massachusetts. Die Kraft des Heiligen Geistes ergriff seine Zuhörer, während sein Lebenslicht langsam erlosch. Er starb am darauffolgenden Tage, sein Leben hatte er ganz für die Aufgabe verbraucht, die Gott ihm gegeben hatte“ (John White. Nehemia: Hingabe und Strategie – Wegweisung für geistliche Führung, Marburg: Francke, 1989. S. 59f).

3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Unsere Predigtübersicht 2009 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Auftrag Gottes“. Nachdem wir in den letzten Predigten entfaltet haben, wie wir den Auftrag erkennen (05.07.09) und darauf vorbereitet werden (12.07.09), so geht es nun (19.07.09) um die Ausführung des göttlichen Auftrages. Bitte betont weiterhin in der Predigt, dass Nehemia kein Theologe, sondern ein „normal“ Berufstätiger ist und wir gerade daran erkennen: „Gott gebraucht alle – auch mich!“

4. PREDIGTGLIEDERUNG

Leben mit dem Auftrag Gottes heißt:
A. Aufbauen, denn Anfeindungen sind unausweichlich (3,33-35)
B. Aufschauen, denn Beten ist unerlässlich (3,36-4,3)
C. Aufrichten, denn Entmutigung ist unerträglich (4,4-8)
D. Aufbrechen, denn Aufgeben ist unmöglich (4,9-14)
E. Aufbleiben, denn Opfer sind unumgänglich (4,15-17)

oder nach Walter Lüthi:
A. Es ist der Bau der Mauern Jerusalems weit davon entfernt, ein großartiges Unternehmen zu sein
B. Der Wiederaufbau Jerusalems ist ein ausgesprochener Kampf
C. Es geht beim Bau Jerusalems merkwürdig menschlich zu