Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der seinem Wort glaubt
Predigtthema: Nach seinem Wort handeln
Bibelstelle: Matthäus 18, 15-35
Verfasser: Eckhard Löffler
Bausteine zu Matthäus 18, 15-35
Der erste Textteil wird auffallend selten gepredigt oder kommentiert. VERGEBEN ist Hauptthema.
Gemeindezucht darf nicht „kalt“ nach juristischen Maßstäben ausgeübt werden. Es geht um Herzen. „Bringt ihn im Geist der Sanftmut zurecht – achtgebend auf dich selbst“ (Gal 6, 1). Schonung und Wiedergewinnung der Sünder sind Themen!
Gemeindezucht auf dem Boden der Rechthaberei schlägt Jesus sicher nicht vor.
Zitat 1QS (1): „Desgleichen darf keiner eine Klagesache gegen seinen Nächsten vor die Vielen bringen, wenn nicht vorher (in der Instanz), Ermahnung in Gegenwart von Zeugen gewesen ist“.
Die Gemeinden brauchten also schon früh geistliche Ordnungen.
V 15 Geh hin, – selbst und verschwiegen! Das Beichtgeheimnis gilt für alle Christen. Der Kläger ist zuerst angehalten, den Sachverhalt selbst richtig- und den Schaden abzustellen. Beim Zuhören erledigt sich viel von selbst.
Wer seine Klagen umgehend veröffentlicht, sollte unverzüglich eine Reaktion der Gemeindeleitung erhalten.
„Zurechtweisen“ heißt aus der Sünde heraushelfen, jdm. „die Augen auftun“ (Joh 3, 20; 8, 9.46; 1. Ko 14, 24: 2. Tim 2, 4). Den Bruder wiederfinden, wiedergewinnen! – wie Jesus seine verlorenen Schafe.
RÜCKGEWINNUNG ist das Thema in Mt 18.
Luther konnte sich solche „Gemeindezucht“ nur bei denen vorstellen, die „mit Ernst Christ sein wollten“.
Vergebung, LOSSPRECHUNG von Sünde bleibt das Ziel.
V 17 Ein Heide steht außerhalb Israels, der Zöllner ist abgefallen. Beide bleiben aber Adressaten missionarischer Bemühung.
V 18 Die Gemeinde und jeder Jünger hat Vollmacht, von Sünde loszusprechen. Wenn aber die Gemeinde nicht einig ist?: Kontakt aufnehmen mit anderen Gemeinden oder Geschwistern, die das Wort Gottes in dieser seelsorgerlichen Hinsicht verstanden haben.
V 19f Das Gemeindegebet hat Verheißung. Wir beten nicht auf eigene Faust, sondern in Anwesenheit des Herrn, „in Christus“. „Im Namen Jesu“ beten schließt Unpassendes, Törichtes, Eigensüchtiges aus. Es geht um die Teilhabe an einer weltweiten Fürbitte, die wirkt: Gebetsgruppen, Gebetsabende, Gebetswochen, Mitteilung von Gebetsanliegen auch Gebetskarten sind höchst „effektiv“.
Dekan Walter Tlach: GEBETE verursachen die höchste Kraftwirkung menschlicher Wirksamkeit.
Warum fragt Petrus?
1. Jesus duldet offensichtlich Menschen in seiner Nähe mit denen „Normale“ aus guten Gründen nichts mehr zu tun haben wollen. Wann ist aber das Maß voll? Was geht zu Recht über die Hutschnur?
2. Dürfen Christen gegenüber Schuldigen „pflaumenweich“ werden? Unpädagogisch.
Wo ist die Grenze für christliche Nächstenliebe? Menschen suchen solche Grenzen um sich 1. mit gutem Recht zurückziehen zu können und 2. auch einmal „explodieren“ zu dürfen.
Christen sind aber nicht das Echo auf ihre Umgebung, sondern das Echo auf das, was Gott an ihnen tat.
Sie messen mit zweierlei Maß, wenn sie von Gott jede neue Chance dankbar annehmen und im Handumdrehen andere die volle Härte des Gesetzes spüren lassen.
Und Vergebung ist keine Willensanstrengung, die sich erschöpft. Sie ist Erinnerung an Golgatha.
Und wenn das nicht „klappt“, bleibt die Frage, ob ich Gottes Vergebung ausreichend für mich erlebt habe.
Noch eins: Vergebung wird mir immer wieder geschenkt, wenn sie umgehend weitergereicht wird.
s. Vaterunser: „Vergib…, genauso wie wir unseren Schuldigern …“ Gottes Vergebung hängt mit meiner Bereitschaft zum Vergeben zusammen.
Fragen für eine stille Minute:
Wann habe ich zum letzten Mal vergeben?
Wo brauchte ich Gottes Vergebung zum letzten Mal selbst?
Warum klappt das Vergeben unter uns nicht immer?
Gliederungsvorschlag:
1. Vergebung: Ja
2. Vergebung weitergeben – in Grenzen? (Ich bin selbst darauf angewiesen und wurde selbst damit beschenkt.)
3. Jesus bindet beides untrennbar zusammen
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Fußnote
(1) 1QS = Qumran-Texte, Höhle 1, Gemeindeordnung