1.Samuel

Predigthilfe vom 19.1.2003 – 1.Samuel 24,1-23

Monatsthema: Unter Gottes Augen leben: David
Predigtthema: Mit Gottesfurcht

Bibelstelle: 1.Samuel 24,1-23

Verfasser: Jochen König

1. Zusammenhang
Saul weiß eigentlich, dass seine Zeit als König von Israel abgelaufen ist. Sein bester Mann, David, ist der offensichtlich von Gott auserwählte Nachfolger. Saul will es aber nicht wahrhaben und versucht seinen Widersacher mit allen Mitteln aus dem Weg zu räumen. Fast hat er David und dessen Anhänger eingekreist, da muss er sich um einen militärischen Einfall der Philister kümmern. Doch aufgegeben hat er noch lange nicht. Nachdem die außenpolitische Situation wieder im Lot ist, „kümmert“ er sich um David.

2. Biblische Parallelen
David verschont Saul zum zweitenmal (1. Sam. 26)
Joseph und seine Brüder (1.Mose 50,15-21)
Jesus wurde immer wieder von der geistlichen Elite Israels verfolgt und es gab Situationen, wo sie ihn töten wollten. Obwohl er die Macht dazu gehabt hätte, ging Jesus nicht zur Gegenattacke über. Selbst noch am Kreuz hätte er herabsteigen, seine Feinde überwältigen und sich zum König machen können. Aber er war gehorsam bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz (Phil.2,8). „Rächt euch nicht selbst… lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm. 12, 19-21)
„Jedermann sei untertan der Obrigkeit, …“ (Röm. 13, 1-7)

3. Der Aufbau des Textes
V.1-4 Saul und seinen 3000 Soldaten kommen nichts ahnend in die Höhle in der Wüste En-Gedi, in der sich David mit seinen Männern zuvor versteckt hat.
V.5-8 David hätte die Möglichkeit gehabt seinen Verfolger in der Höhle zu töten, tut dies jedoch trotz frommen Drängens seiner Begleiter nicht.
V.9-16 David beweist König Saul, dass er es trotz der Gelegenheit nicht wagen würde, den Gesalbten des Herrn zu töten. Er will damit alle Gerüchte
zerschlagen, dass er ein Feind des Königs sei. Saul sollte einsehen, dass seine Verfolgungen nicht gerechtfertigt sind.
V.17-23 Saul ist sichtlich betroffen von Davids Großmut und Barmherzigkeit. Er spricht aus, dass er um die Nachfolge des David weiß und bittet diesen um Verschonung seiner Familie.

4. Einzelerklärungen
V.1 En-Gedi: ein zusammengesetztes Wort aus
En (ayin): a) Quelle b) Auge
Gedi (gehdiy) :Kind, junge Ziege (stammt von dem Wort „gadah“: weg- oder abschneiden)
V.3 Es ist schon erstaunlich welch große Armee König Saul mobilisiert, um David zu finden und ihm den Garaus zu machen: 3000 auserwählte Soldaten.
V.4 Saul ging in die Höhle „um seine Füße zu decken“. Er wollte dort ein „stilles Örtchen“ aufsuchen und seine Notdurft verrichten.
V.5 Das Zitat der Männer Davids, das die Tötung von Saul rechtfertigen würde, wird nicht zuvor in der Geschichte des David genannt. Es war wohl eher eine Überinterpretation der Situation und ihre persönliche Meinung als ein tatsächliches Gotteszitat.
Der Königsmantel ist ein Symbol für den Herrscher des Landes.
V.6 Dem David schlägt das Herz bei dieser Aktion. Man kann allerdings aus dem hebräischen Wort „nakah“ nicht erkennen, ob es auf Grund eines schlechten Gewissens oder einfach aus Aufregung schlägt.
V.7 Davids Autoritätspersonen sind eindeutig:
a) Gott, der Herr „Yehova“: Eigenname Gottes = geistliche Autorität
b) Saul, mein Herr „adon“: Meister, Herr, Regent = weltliche Autorität
Saul ist „der Gesalbte des Herrn“. Dies wird zweimal in kürzestem Abstand von David erwähnt. Saul wurde durch die Salbung des Propheten Samuel als besonderes Werkzeug Gottes gekennzeichnet.
Das Wort „gesalbt“ mashiyach (Messias) steht auch für „den Gesalbten des Herrn“ im Neuen Testament: Jesus.
V.9 Es wird deutlich, welch große Hochachtung und Respekt David vor dem König hat. Sobald der König in seine Richtung schaut beugt er sich bis zum Boden.
V.11 „Verschonen“ kann auch mit „Mitleid haben“ übersetzt werden.
V.12 Wie herzlich der Umgang Davids mit Saul ist wird deutlich, als er ihn an dieser Stelle „Vater“ (hebr.: ab) nennt.
David versichert, dass er nichts Schlechtes /Böses gegen Saul im Schilde führt und auch keine „Empörung“ bei ihm da ist. Dieses Wort „pesha“ kann auch mit Übertretung, Sünde oder Rebellion übersetzt werden.
V.17 Saul bezeichnet David an dieser Stelle als „ben“, das übersetzt Sohn bedeutet.
V.19 Saul bekennt, dass David „gerechter“ ist als er selbst. Das hebräische Wort bezeichnet sowohl die Stellung gegenüber dem Gesetz, als auch den allgemeinen Lebenswandel, sowie die Beziehung zu Gott.
Das Verhalten Davids wird als „gut“ (Geist Gottes) und Sauls Verhalten als „böse“ (böser Geist, der über ihn kann: siehe 1.Sam.16,14) bezeichnet.
V.21 Saul spricht hier ein nahezu prophetisches Wort über die nähere Zukunft Israels und der Stellung Davids.
Das „Reich soll Bestand haben durch die Hand Davids“ könnte auch mit wachsen, fest werden übersetzt werden.

5.Die Spitze des Textes
V.6-7 David hätte die Möglichkeit, seiner Flucht vor dem König ein Ende zu machen. Die Gelegenheit ist günstig und wird von seinen Leuten sogar als von Gott initiiert gedeutet. Doch David will nicht Dinge in die eigene Hand nehmen und dadurch Gott vorgreifen oder gar gegen Gott handeln. Er ver-
schont Saul.

6.Der Text heute
a) Verfolgung von Christen ist für uns Deutsche noch nicht alltägliche Realität wie es in weiten Teilen der Welt der Fall ist. Verfolgung, ganz egal welcher Art, ist nicht etwa der „Ausnahmezustand“ der Gemeinde Jesu, sondern eher der Normalfall. Jesus selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, dass seinen Nachfolgern dieses Schicksal zuteil werden würde.
„Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen.“ (Joh.15,20)
Das ist heute Fakt in dieser Welt, auch wenn wir gnädigerweise in unserem Land noch andere Bedingungen vorfinden.
b) Trotz Verfolgung hat Jesus seine Jünger nie zu den Waffen gerufen. Auch heute besteht die Aufgabe der Gemeinde nicht darin aufzurüsten, sondern Unrecht /Sünde anzusprechen, Verfolgern zu vergeben und sie auf die Möglichkeit der Versöhnung mit Gott hinzuweisen.
Genauso wenig wie David sich das Recht herausnahm zu urteilen oder gar das Urteil selbst in die Hand zu nehmen, sowenig steht es uns zu andere Menschen einfach „abzuservieren“. Dies kann im Umgang mit Menschen sehr schnell auch durch Worte geschehen.
c) Eine Warnung vor falschen Ratgebern und dem damit verbundenen eigenmächtigem Handeln steckt in diesem Text. Ganz neu wird wieder dazu aufgerufen, nicht „nur“ nach dem Rat anderer Menschen (selbst Christen) zu handeln, sondern sein Reden und Tun mit dem Wort und dem Willen Gottes abzustimmen.
d)Geduldig sein und auf sein Recht verzichten können nützt Gott, um Situationen zu entspannen und die Gegenseite zum Nachdenken und eventuell zur Umkehr zu bringen.

7.Beispiele und Verdeutlichungen
a) Bei ungerechter Behandlung wäre es das Natürlichste der Welt sich bei gegebener Gelegenheit zu revanchieren. „Wie Du mir, so ich Dir“ und andere Weisheiten fordern uns geradezu dazu auf. Das Verhalten, das von Gott gefordert wird und letztlich auch nur durch ihn in uns zur Verwirklichung kommen kann, steht dem völlig entgegen. Wir sollen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, sondern wir sind dazu aufgefordert, diesen ver-hängnisvollen Kreislauf mit Gottes Liebe zu durchbrechen. Es gibt sicherlich auch in unserem Umfeld genügend Möglichkeiten Menschen so zum Nachdenken zu bringen.
b) Würde Gott bei einem Fehlverhalten unsererseits mit gleicher Münze zurückzahlen, dann wäre es sehr schlecht um uns bestellt. Wie schön, dass wir unter der Barmherzigkeit ,Gnade, Liebe und Vergebung Gottes leben dürfen. Sind wir uns dessen bewusst? Sind wir noch dafür dankbar? Geben wir die so erhaltene Liebe und Vergebung weiter?
c) Respekt und Ehrerbietung sind in unserer Gesellschaft nicht mehr solch große Tugenden. Das zeigt sich auch im Verhalten des Einzelnen gegenüber dem Staat. Haben wir als Christen ein reines Gewissen, dass wir uns, was die Obrigkeit angeht, nichts zu Schulden kommen lassen? Auch unseren Vorgesetzten gegenüber fordert Gott sich unterzuordnen. Das bedeutet nicht, dass wir uns alles gefallen lassen und nicht gegen Unrecht aussprechen dürften.
d) Wem Menschen wichtiger sind als immer Recht zu bekommen oder auf das zu beharren, was einem zusteht, der wird sein Recht nicht gnadenlos durchsetzen, sondern dem anderen in Liebe und Vergebung begegnen, um diesen Menschen zu gewinnen und nicht das Argument. Dazu bedarf es mitunter auch, dass man Unrecht, das einem geschieht, erträgt.

8.Material und Gliederung zur Predigt

Einleitung: Geschichte, in der eine Person bewusst Unrecht in ihrem Leben ertragen hat, um den anderen mit den „Waffen der Liebe“ zu schlagen und für Jesus zu gewinnen.

Ungerecht behandelt
Christen sind Menschen, die in der Nachfolge Jesu und mit seiner Hilfe ihr Leben gestalten. Dazu gehört auch der schwierige Weg des Leids, der nicht nur auf Grund von äußeren Bedingungen unser Leben erschwert, sondern auch Auswirkung der Sünde sein kann. Da werden Menschen, die nicht Gott, sondern sich selbst im Mittelpunkt haben, uns verletzen, versuchen zu ihrem Vorteil zu arbeiten und uns bewusst zu übervorteilen. Wir sollten uns bewusst sein, dass dies nichts Außergewöhnliches ist, sondern eine logische Folge des Sündenfalls. Es wird Situationen geben, wo wir auf Grund unserer Beziehung zu Gott bewusst benachteiligt werden. Da werden wir zum Außenseiter, wenn nicht sogar zum Sündenbock und Verfolgten.

Uneigennützig reagiert
Als Kinder Gottes, die vom Heiligen Geist getrieben sind, ist es nicht unsere Aufgabe es anderen Menschen, die uns Unrecht tun, bei nächster Gelegenheit zurückzuzahlen. Gott hat, als er Mensch wurde, bewusst Nachteile in Kauf genommen und ertragen bis hin zum Tod am Kreuz. Da ging es nicht darum, sein Recht auf dieser Welt durchzusetzen. Es ging darum den Menschen den Weg zurück zu Gott zu zeigen.
Selbst wenn sich die Gelegenheit ergibt, sich für eine Ungerechtigkeit zu revanchieren, würde es letztlich nicht auf der Grundlage der Nächstenliebe sondern von Egoismus geschehen. Für Christen gilt auch hier: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Solch einen von Nächstenliebe geprägten Lebensstil kann nur in der innigen Verbindung mit Gott gelebt werden.
“Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“(Joh. 15,5) Diese Früchte des Geistes sind dann nachzulesen in Galater 5,22: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Friede, Geduld, ….“.

Uneingeschränkte Vergebung
Eine Basis, dass Menschen zum Nachdenken über sich selbst und über Gott kommen, wird nicht dadurch geschaffen, dass wir Christen genauso reagieren, wie die Menschen dieser Welt, nämlich auf ihr Recht pochen und Gelegenheiten abpassen, wo sie zu ihrem Recht kommen.
Wir dürfen anderen weitergeben, dass wir zum Glück nicht das bekommen, was uns rechtmäßig zusteht, nämlich der Tod: „Der Lohn der Sünde ist der Tod“ (Röm.6,23). Wir dürfen ihnen jedoch durch unser Verhalten zeigen, dass wir unverdient ein großartiges Geschenk entgegennehmen dürfen. Ein Leben, bei dem Gott uns selbst alles zur Verfügung stellt: „die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus unserem Herrn.“ (Röm. 6,23).
Genauso wie Gott uns verspricht, dass er uns vergibt, wenn wir zu ihm kommen (1.Joh.1,9), so sollen wir selbst den Menschen begegnen, die Arges im Sinn haben. Unsere Liebe soll sie zur Umkehr treiben. So hat Jesus die Welt verändert, so hat Gott uns verändert und so möchte Gott durch uns Menschen verändern.
Das Motto kommt aus Römer 2,4:
“Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet.“