Jahresthema: In Gottes Nähe leben
Predigtthema: Einwilligen!
Predigttext: 1. Sam 8,1-22
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Allgemeine Hinweise und einführende Anmerkungen bieten
MacArthur, John: Studienbibel: http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/09-Das_Erste_Buch_Samuels.pdf
Darby, John Nelson: Betrachtung über das erste Buch Samuel, (unter http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=comment&comment_id=182&structure_id=313&part_id=1210 )
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung von 1. Sam. 8,1-22 bieten z.B.
Wiersbe, Warren W.: Sei erfolgreich. Studien des Alten Testaments. – Dillenburg : Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg.
Gaebelein, Arno C.: Kommentar zum Alten Testament : Band 1: 1. Mose bis 2. Chronik. 1. Aufl. – Dillenburg : Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg
MacDonald, William: Kommentar zum Alten Testament, 1. Aufl. – Bielefeld : CLV
Holland, Martin: Das erste Buch Samuel. Maier, Gerhard [Hrsg.] 1. Aufl.. Wuppertaler Studienbibel, Reihe: Altes Testament. – Wuppertal : R. Brockhaus Verlag,
Walvoord, John F. [Hrsg.] Das Alte Testament erklärt und ausgelegt: Band 1 (Erster Mose bis Zweiter Samuel). 1. Aufl.. Das Alte Testament erklärt und ausgelegt; Hänssler,
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir sind mitten drin im 1.Samuelbuch. Die bisherigen Predigttexte haben gezeigt, wie Gott an menschlichen Tiefpunkten anknüpft, um gnädig neues Leben zu schenken.
6.7. Es wurde gezeigt, wie Hanna nach langem Warten und Leiden an einem persönlichen Tiefpunkt ist und es wird deutlich, wie sie an diesem Punkt mit ihren unerfüllten Wünschen umgeht. Sie ist kinderlos aber nicht gottlos. Deshalb macht sie aus ihrer Not ein Gebet. Mit dem Gelübde signalisiert sie: Ich gebe meine unerfüllten Wünsche in Gottes Hand. Gott hört ihr Gebet. (1.Sam.1,1-20)
13.7 Hanna hat versprochen, ihr zukünftiges Kind Gott zurückzugeben und hält dieses Versprechen ein. Sie lässt den geschenkten Samuel wie versprochen wieder los: aus Gottes Hand – in Gottes Hand (1.Sam.1,21-28)
20.7 Hannas Lobgesang zeigt ihre vertrauensvolle Herzenshaltung. Die Loslassende weiß sich von Gott reich beschenkt und lobt und betet an (1.Sam.2,1-10).
27.7 Der Platz, an den der junge Samuel gestellt ist, ist aufgrund der dort wirkenden Priesterschaft alles andere als vertrauenserweckend und menschlich gesehen überhaupt nicht „pädagogisch wertvoll“ für einen jungen Menschen. Die Priesterschaft ist verkommen. (1.Sam.2,12-26).
3.8. Auch an dem deutlich werdenden geistlichen Tiefpunkt fängt Gott mit Samuel neu an und macht damit gnädig mit seinem Volk Israel weiter und schenkt neues geistliches Leben, obwohl das auch Gericht über Elis Familie bedeutet. Samuel hört, gehorcht und wächst darin, Werkzeug Gottes zu sein (1.Sam.3,1-21)
10.8 Am Umgang mit der Bundeslade wird deutlich: Israel hat im Herzen Unglauben bzw. einen ähnlichen Aberglauben wie die Heiden. Samuel macht den Israeliten deutlich, wie echtes Vertrauen zu Gott aussieht und was eine Vertrauensbeziehung verhindert. Israel bekennt die beziehungszerstörende Sünde und erlebt, wie Gott für sein Volk streitet und siegt. (1.Sam. 4-6 bzw. 1.Sam.7,2-17).
Wir überprüfen: Welche Predigten wurden in der Gemeinde gehalten, welche nicht? Es ist Sommerzeit: Einige sind oder waren im Urlaub. Vermutlich können wir nicht voraussetzen, dass jeder alle Information über Samuel mitbekommen hat.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Unser Text steht im Zusammenhang mit der Entwicklung von Israel zur Monarchie. Er zeigt, wie Gott trotz allen fragwürdigen Entwicklungen weiterhin alle Fäden in der Hand hat.
Es gab schon in der Zeit Moses und Josuas einen Ausblick auf einen kommenden König in Israel. Dieser Ausblick war sicher bekannt, denn er steht im 5.Mose 17,14-20: „14 Wenn du in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, geben wird, und es einnimmst und darin wohnst und dann sagst: Ich will einen König über mich setzen, wie ihn alle Völker um mich her haben, 15 so sollst du den zum König über dich setzen, den der HERR, dein Gott, erwählen wird. Du sollst aber einen aus deinen Brüdern zum König über dich setzen. Du darfst nicht irgendeinen Ausländer, der nicht dein Bruder ist, über dich setzen. 16 Nur dass er nicht viele Rosse halte und führe das Volk nicht wieder nach Ägypten, um die Zahl seiner Rosse zu mehren, weil der HERR euch gesagt hat, dass ihr hinfort nicht wieder diesen Weg gehen sollt. 17 Er soll auch nicht viele Frauen nehmen, dass sein Herz nicht abgewandt werde, und soll auch nicht viel Silber und Gold sammeln. 18 Und wenn er nun sitzen wird auf dem Thron seines Königreichs, soll er eine Abschrift dieses Gesetzes, wie es den levitischen Priestern vorliegt, in ein Buch schreiben lassen. 19 Das soll bei ihm sein und er soll darin lesen sein Leben lang, damit er den HERRN, seinen Gott, fürchten lernt, dass er halte alle Worte dieses Gesetzes und diese Rechte und danach tue. 20 Sein Herz soll sich nicht erheben über seine Brüder und soll nicht weichen von dem Gebot weder zur Rechten noch zur Linken, auf dass er verlängere die Tage seiner Herrschaft, er und seine Söhne, in Israel.“
Merill (in Walvoord) schreibt dazu: „…Gott hatte einen solchen König im Sinn, einen, der sich zu seiner eigenen guten Zeit erheben und zu erkennen geben würde (5.Mose 17,14-15), aber diese Zeit war noch nicht gekommen….“ (Walvoord/Zuck S.550)
„Das Anliegen dieser Bücher (1.Samuel und 2.Samuel) bestand darin, die Geschichte der Gründung der hebräischen Monarchie aufzuzeigen. Folglich umfassen sie (a) die Karriere Samuels, des Königmachers, (b) die Karriere Sauls, des untreuen Königs, der den Bund missachtete und so zum Tyrannen wurde, (c) die Karriere Davids, eines wahrhaftig theokratischen Königs, der die ewige und einzig legitime Dynastie gründete, aus der schließlich der Messias hervorging. (G.L Archer. Einleitung ins Alte Testament. S.152)
„Der ständige Druck der Philister zwang Israel zu neuen Überlegungen. Weder der alternde Samuel noch seine unverantwortlich handelnden Söhne konnten dem Volk das geben, was zum Überleben erforderlich war. Die von den gut organisierten und eng verbündeten philistäischen Städte ausgehende Bedrohung konnte nur widerstanden werden, wenn die israelitischen Stämme eine kräftige, alle Stämme umfassende Führung – sprich einen König – hatten.“ (Egelkraut S.276)
„Sieht man, wie absolutistisch die Monarchien des Alten Orient waren, dann ist leicht zu verstehen, wie das in der Geschichte Israels angelegte persönliche Freiheitsbewusstsein, aber auch die Überzeugung, dass Jahwe allein Israels König ist, in Gefahr standen.“ (Egelkraut S.277)
„In 1.und 2.Samuel zeigt sich einerseits das Bewusstsein von der Notwendigkeit des Königtums, andererseits auch das Wissen von den damit verbundenen Gefahren.“ (Egelkraut S.277)
„Die Israel angemessene Regierungsform bewegt sich immer auf einem schmalen Grad: Weder unmittelbare Theokratie noch absolute Monarchie, sondern Theokratie durch die konstituierende Monarchie. Gott muss der Herrscher über alles bleiben, wenn Israel Gottes Volk bleiben will. Dennoch konnte Gott seine Herrschaft durch einen irdischen König ausüben. In dieser Spannung sollte Saul als erster König den Thron besteigen.“ (Egelkraut S.278)
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Auch heute fragen Menschen nach Führung und Leitung. Sie suchen diese Leitung bei Menschen. Oft sind die Erwartungen an menschliche Leiter zu hoch. Man verlangt Dinge von ihnen, die nur Gott erfüllen kann.
Auch heute erleben Menschen, wie Gott Leiter einsetzt, die sein Volk leiten. Ohne Leitung wird ein Volk wild. Deshalb kennt auch das Neue Testament Leiter der Gemeinden und beschreibt ihre Aufgaben (1.Tim. 3,1-13; 1.Petr.5,1-9) Auch die Aufgaben und Verpflichtungen der „Geleiteten“ werden beschrieben (z.B. 1.Tim.5,17ff; vgl. auch das Prinzip der Wechselwirkung von Hebr.13,17)
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch: Eine Reise mit Überraschungen; Hartmut Schmid, Konrad Eissler und David Jaffin. Diese Botschaft findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1.Samuel 9] ausfüllt.
Die Predigt vom 7.11.2010 Markus Wäsch: Es lebe der König. Diese Predigt findet ihr unter http://www.sonntagabendtreff.de/themen. Die Predigt zeigt im Zusammenhang der Kap.7-10, wie Saul zum König wurde.
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Gott ist König, der auch in unserem Leben herrschen will. Lasse ich ihn regieren? Erkenne ich Jesus als König aller Könige an? Wie stehe ich zu seinen (Gemeinde-) Ordnungen?
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Menschen wollen geleitet werden. Samuel weiß um die Gefahren eines menschlichen Königs und zeigt, welchen Preis es kostet, einen König zu haben und worauf es bei aller menschlichen Leitung letztlich ankommt.
Gott will damals wie heute sein Volk durch geistgeleitete Leiter leiten. Wie sieht Leitung in der Gemeinde aus? Welche Rollen spielen Älteste und Diakone? Auf was kommt es dabei an? Welchen Preis kostet das auch heute?
Jesus ist der König aller Könige. Regiert er uns? Was bedeutet das?
Das Problem war nicht die Monarchie an sich, sondern dass Israel Gott im Herzen verworfen hat. Regierungsformen können wechseln. Es kommt auf das Herz der Menschen an, ob sie Gott gehorchen wollen.
„Nicht Israels Ruf nach einem König, war ihre größte Sünde, sondern ihr Beharren darauf, dass Gott ihnen sofort einen König gab. Der Herr hatte einen König für sie im Sinn, David, den Sohn Isais, aber die Zeit war noch nicht reif für ihn. So erfüllte der Herr ihre Forderung, indem er Saul zum König berief, und er gebrauchte Saul, um das Volk zu züchtigen und auf David vorzubereiten, den Mann seiner Wahl.“ (Wiersbe S.53-54)
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Warren W. Wiersbe: Den Herrn zurückweisen (8,1-22)
Der Ruf nach einem König (8,1-9)
Der Preis eines Königs (8,10-22)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Wichtigkeit von Leitung…
Es ist mit den Menschen wie mit den Uhren. Eine falsch gehende Taschenuhr täuscht vielleicht nur den Besitzer, aber wenn die Turmuhr falsch geht, so wird die ganze Stadt irre geführt. Der Leiter ist solch eine öffentliche Uhr. Viele richten ihre Uhren nach ihm; wenn er nicht recht geht, so gehen sie falsch, und er ist im hohen Maß verantwortlich für die Sünde, die er veranlasst hat.
Ansprüche an Leiter…
Der anspruchsvollen Forderungen der Gemeindeglieder an die Bewerber der Pfarrstelle überdrüssig, zog ein Kirchenältester einen Brief aus der Tasche und ließ vernehmen, dass dieser von einem neuen Kandidaten herrühre, der sicher imstande sei, alle Stimmen auf sich zu vereinigen. Dann las er der Versammlung diesen Brief vor: „Ich habe gehört, dass Ihre Gemeinde einen Pfarrer sucht, und würde mich gern als Bewerber vorstellen. Mir scheint, dass ich einige Eigenschaften habe, die Sie schätzen könnten. Ich habe die Gabe erhalten, mit Überzeugungskraft zu predigen. Auch habe ich einige Erfolge erzielt mit dem, was ich geschrieben habe. Manche sagen, ich könne gut organisieren. Tatsächlich habe ich an den meisten Orten, wo ich bisher gewesen bin, immer die Fäden fest in der Hand gehabt. Andere haben an mir etwas auszusetzen. Ich habe schon die Fünfzig überschritten. Noch nie bin ich länger als drei Jahre ununterbrochen in einer Gemeinde gewesen. Einige dieser Gemeinden habe ich verlassen müssen, weil es Uneinigkeit gegeben hat. Auch darf ich nicht verschweigen, dass ich drei- oder viermal im Gefängnis gesessen habe, wenn auch nicht wegen eines wirklichen Verbrechens. Meine Gesundheit lässt zu wünschen übrig; aber trotzdem arbeite ich noch viel. Von Zeit zu Zeit arbeite ich noch in meinem Handwerk, um mein Brot zu verdienen. An den meisten Orten habe ich mich nicht gerade gut mit den Vorstehern der anderen religiösen Gemeinschaften verstanden. Ja, einige haben mich sogar vor Gericht gebracht und mich aufs heftigste bekämpft. Verwaltungsarbeit ist nicht meine Stärke. Ich bin als einer bekannt, der mitunter vergisst, wen er getauft hat. Trotzdem würde ich mein Bestes tun, um Ihrer Gemeinde zu dienen, selbst wenn ich mir abermals etwas dazuverdienen müsste“.
Das gab ein Hallo! Man fragte sich in der Gemeindeversammlung, wie ein solcher vorbestrafter, kränklicher, streitsüchtiger und gedächtnisschwacher Mann auf die Idee käme, sich zu melden. Das war so außergewöhnlich, dass man unbedingt den Namen dieses üblen Kandidaten wissen wollte. Der Kirchenälteste antwortete: »Meine Herren, das ist der Apostel Paulus!« (Vor einigen Jahrzehnten im Gemeindebrief der St. Thomas-Kirchengemeinde in Straßburg erschienen.)
Leitung heute…
„Führungsqualität schein überall im Niedergang begriffen zu sein. Immer mehr Männer in Führungspositionen lassen sich anscheinend treiben, anstatt selbst zu führen. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist Hilflosigkeit in der Menschenführung.“ Iring, Gottes Kraft, S.52
Der König, der nicht nimmt, sondern gibt…
C. H. Spurgeon: Der mächtige Beherrscher des Russischen Reiches verließ die Annehmlichkeiten seines Palastes und gab seinen Rang und seine Würde auf, um auf der Werft einer holländischen Seestadt die Kunst des Schiffbaues zu erlernen. Peter tat es, um seine Untertanen lehren zu können. Er wurde ein Diener, damit er ein umso größerer Herr werden könne und so legte er in Russland Grund zu einer großen Seemacht. Und sein Land ist nicht undankbar gegen ihn gewesen. Die Hauptstadt des Reiches trägt noch heute seinen Namen und das Land hat sie mit einem herrlichen Monument geschmückt und das Volk hat seinen Namen in sein Herz aufgenommen. So gering auch viele von Christus denken und wie leicht sie Ihn auch nehmen mögen – hier ist dennoch etwa Größeres. Es war zu bewundern, dass ein Kaiser ein Untertan wurde, um seinen Untertanen ein besserer Kaiser sein zu können; aber hier ist Grund zu Verwunderung für die Engel und Stoff genug für alle Heiligen, Gott ewiglich zu preisen: Der Sohn Gottes wird ein Knecht, um die Knechte der Sünde zu erlösen, sie zu sich hinaufzuziehen und sie zu Miterben seine Thrones zu machen!
(Günther Ott)