Jahresthema: In Gottes Nähe leben
Predigtthema: Berufen!
Predigttext: 1. Sam 9,1-10,1
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Allgemeine Hinweise und einführende Anmerkungen bieten
MacArthur, John: Studienbibel: http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/09-Das_Erste_Buch_Samuels.pdf
Darby, John Nelson: Betrachtung über das erste Buch Samuel, (unter http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=comment&comment_id=182&structure_id=313&part_id=1210 )
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung von 1. Sam. 9,1-10,1 bieten z.B.
Wiersbe, Warren W.: Sei erfolgreich. Studien des Alten Testaments. – Dillenburg : Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg.
Gaebelein, Arno C.: Kommentar zum Alten Testament : Band 1: 1. Mose bis 2. Chronik. 1. Aufl. – Dillenburg : Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg
MacDonald, William: Kommentar zum Alten Testament, 1. Aufl. – Bielefeld : CLV
Holland, Martin: Das erste Buch Samuel. Maier, Gerhard [Hrsg.] 1. Aufl.. Wuppertaler Studienbibel, Reihe: Altes Testament. – Wuppertal : R. Brockhaus Verlag,
Walvoord, John F. [Hrsg.] Das Alte Testament erklärt und ausgelegt: Band 1 (Erster Mose bis Zweiter Samuel). 1. Aufl.. Das Alte Testament erklärt und ausgelegt; Hänssler.
Empfehlenswert sind auch die Predigten von Walther Lüthi. Zum Lesen und Downloaden unter http://walter-luethi.ch/predigtbaende/ Prüft alles, das Gute behaltet.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir sind mitten drin im 1.Samuelbuch. Die bisherigen Predigttexte haben gezeigt, wie Gott an menschlichen Tiefpunkten anknüpft, um gnädig neues Leben zu schenken.
6.7. Es wurde gezeigt, wie Hanna nach langem Warten und Leiden an einem persönlichen Tiefpunkt ist und es wird deutlich, wie sie an diesem Punkt mit ihren unerfüllten Wünschen umgeht. Sie ist kinderlos aber nicht gottlos. Deshalb macht sie aus ihrer Not ein Gebet. Mit dem Gelübde signalisiert sie: Ich gebe meine unerfüllten Wünsche in Gottes Hand. Gott hört ihr Gebet. (1.Sam.1,1-20)
13.7 Hanna hat versprochen, ihr zukünftiges Kind Gott zurückzugeben und hält dieses Versprechen ein. Sie lässt den geschenkten Samuel wie versprochen wieder los: aus Gottes Hand – in Gottes Hand (1.Sam.1,21-28)
20.7 Hannas Lobgesang zeigt ihre vertrauensvolle Herzenshaltung. Die Loslassende weiß sich von Gott reich beschenkt und lobt und betet an (1.Sam.2,1-10).
27.7 Der Platz, an den der junge Samuel gestellt ist, ist aufgrund der dort wirkenden Priesterschaft alles andere als vertrauenserweckend und menschlich gesehen überhaupt nicht „pädagogisch wertvoll“ für einen jungen Menschen. Die Priesterschaft ist verkommen. (1.Sam.2,12-26).
3.8. Auch an dem deutlich werdenden geistlichen Tiefpunkt fängt Gott mit Samuel neu an und macht damit gnädig mit seinem Volk Israel weiter und schenkt neues geistliches Leben, obwohl das auch Gericht über Elis Familie bedeutet. Samuel hört, gehorcht und wächst darin, Werkzeug Gottes zu sein (1.Sam.3,1-21)
10.8 Am Umgang mit der Bundeslade wird deutlich: Israel hat im Herzen Unglauben bzw. einen ähnlichen Aberglauben wie die Heiden. Samuel macht den Israeliten deutlich, wie echtes Vertrauen zu Gott aussieht und was eine Vertrauensbeziehung verhindert. Israel bekennt die beziehungszerstörende Sünde und erlebt, wie Gott für sein Volk streitet und siegt. (1.Sam. 4-6 bzw. 1.Sam.7,2-17).
17.8 Samuel wird alt, seine Söhne gehen nicht in seinen Fußtapfen. Das Volk will einen König. Samuel willigt ein, nachdem Gott ihm den Auftrag dazu gibt. Er sagt aber dem Volk auch klar, was auf das Volk dadurch zukommt und auf was es jetzt ankommt, wenn ein menschlicher König da sein wird. Gott wird Herr und eigentlicher König bleiben. (1.Sam.8,1-22)
Wir überprüfen: Welche Predigten wurden in der Gemeinde gehalten, welche nicht? Es ist Sommerzeit: Einige sind oder waren im Urlaub. Vermutlich können wir nicht voraussetzen, dass jeder alle Information über Samuel mitbekommen hat.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Unser Text steht im Zusammenhang mit der Entwicklung von Israel zur Monarchie. Er zeigt, wie Gott trotz allen fragwürdigen Entwicklungen weiterhin alle Fäden in der Hand hat und die Geschichte ein Stück weiter hinlenkt zu Jesus, dem Messias und König.
„Das Anliegen dieser Bücher (1.Samuel und 2.Samuel) bestand darin, die Geschichte der Gründung der hebräischen Monarchie aufzuzeigen. Folglich umfassen sie (a) die Karriere Samuels, des Königmachers, (b) die Karriere Sauls, des untreuen Königs, der den Bund missachtete und so zum Tyrannen wurde, (c) die Karriere Davids, eines wahrhaftig theokratischen Königs, der die ewige und einzig legitime Dynastie gründete, aus der schließlich der Messias hervorging. (G.L Archer. Einleitung ins Alte Testament. S.152)
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Auch heute fragen Menschen nach ihrer Berufung. Wie geschieht sie? Wo ist mein Platz? Wie erfahre ich davon? Wie werde ich Gottes Hilfe und Ausrüstung zur Aufgabe erfahren?
Auch heute erleben Menschen, wie Gott sie beruft. Dabei geht es darum, dass Gott nicht unbedingt die Begabten beruft, sondern die Berufenen dann begabt und befähigt. Das wird bei Saul durchaus deutlich (Es wäre zu überlegen, die Verse 1-16 aus Kap. 10 zur Unterstreichung zum Text hinzuzufügen – Gott gibt 3 bestätigende Gaben / Zeichen: Menschen, Brot, Geist). Saul startet als Beschenkter mit den Gaben Gottes (vgl. auch 10,7 „Gott ist mit dir“). Wie er dann damit umgeht, ist eine andere Sache.
Saul war ein Berufener (9,16) und Gesalbter (10,1), der aber seine Berufung nicht (gleich) lebt bzw nicht von ihr spricht (10,16). (Paulus weiß und berichtet davon, wer er ist und zu was er (und andere) berufen ist: 1.Kor.1,1-13; ebenso Petrus in 1.Petr.1,1-2 und 1.Petr.2,9-10). Wissen wir, wer wir sind? Wie reden wir über unsere Berufung? Wie leben wir sie?
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch: Eine Reise mit Überraschungen; Hartmut Schmid, Konrad Eissler und David Jaffin. Diese Botschaft findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1.Samuel 9] ausfüllt.
Die Predigt vom 7.11.2010 Markus Wäsch: Es lebe der König. Diese Predigt findet ihr unter http://www.sonntagabendtreff.de/themen. Die Predigt zeigt im Zusammenhang der Kap.7-10, wie Saul zum König wurde.
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Gott beruft Menschen, um seine Pläne zu verfolgen. Er beruft Menschen, stellt sie an einen Platz und rüstet sie aus.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Samuel geht gehorsam den Weg, den Gott ihm weißt. Saul wird berufen. Er gibt durchaus Dinge, die menschlich gesehen für ihn sprechen: seine Erscheinung, seine Treue im Kleinen (Esel suchen), seine Bescheidenheit (ich bin aus dem geringsten Stamm). Doch gibt es auch Anzeichen, die irritieren: Er wohnt 8 km von Samuel weg und weiß nichts von ihm. Er steht vor ihm und erkennt ihn nicht. Mit was hat er sich wohl den ganzen Tag beschäftigt? Ist Saul geistlich bewährt? Samuel tut, was Gott sagt.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Warren W. Wiersbe: Dem Herrn gehorchen (9,1-27)
Samuel trifft Saul (9,1-25)
Samuel salbt Saul (9,26-10,16)
(Samuel stellt Saul dem Volk vor (10,17-27))
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
„Wie konnte der junge Saul sicher sein, dass Gott ihn wirklich erwählt hatte? Samuel teilte Saul drei Zeichen mit, besondere Geschehnisse, die ihm begegnen würden, wenn er sich auf dem Heimweg befand…“ (Siehe Kap.10) (Wiersbe S.58)
Zu Kap.10: Die Zeichen sollen Saul deutlich machen: Gott kann seine Probleme lösen (Eselssuche), Gott kann seine Bedürfnisse stillen (Böcke, Wein, Brot), Gott kann ihm die notwendige Kraft für seinen Dienst verleihen (vgl. Wiersbe S.58-59). Gott beruft nicht immer die Begabten, aber Gott begabt immer die Berufenen.
Wo ist dein Platz? Was sind deine Gaben? …
Das Werk eines Beethoven und die Arbeit einer Putzfrau werden zu den genau gleichen Bedingungen geistlich, nämlich, wenn sie Gott dargeboten und demütig „für den Herrn“ getan werden. Dies bedeutet aber nicht, dass es für den einzelnen nicht darauf ankommt, ob er Böden putzt oder Sinfonien komponiert. Ein Maulwurf muss zur Ehre Gottes graben und ein Hahn muss krähen. Wir sind Glieder eines Leibes, aber unterschiedliche Glieder, jedes mit seiner eigenen Berufung. (C. S. Lewis, 1898-1963)
Saul sorgt sich um die Esel seines Vaters. Saul sorgt sich um die Dinge seines Vaters. „Sauls Schönheit ist offenbar nicht nur Fassade. Der künftige König Israels hat eine schöne Seele. Saul ist eine „Seele von Mensch“.“ (Lüthi, S.126). Das Beste und Edelste, was die Menschen zu bieten haben ist nicht gut genug, als Ersatz für Gott zu dienen.
Walter Lüthi schreibt: (S.132)
„Die beiden Kapitel über die Wahl des ersten Königs Israels haben uns heute Gelegenheit geboten, über die Geheimnisse und Verschlungenheiten der Wege Gottes nachdenklich zu werden. Es sieht bei Gott anders aus als man sich das gern vorstellt. Er ist in Tat und Wahrheit ein geheimnisvoller Gott. Uns haben heute die ganze Zeit über, da dieses ungeheure Buch vor uns aufgeschlagen ist, drei Überlegungen begleitet, die jetzt jeder von uns, wenn Gott es zulässt und schenkt, als persönliche Frage mit in diesen Sonntag hineinnehmen mag. Da ist einmal die Sache mit den Eselinnen: Saul macht sich auf die Suche nach Eselinnen und findet ein Königreich. Saul findet unendlich viel mehr als was er gesucht hat. Wie steht es mit dem Suchen und Finden in unserem Leben? Wie sehen beispielsweise die Pläne aus, mit denen Frühjahr um Frühjahr unsere Durchschnittsjugend den Start ins Leben vollzieht? Suchen nicht auch sie «Vaters Eselinnen»? Geht ihr Begehren, ihr Sinnen und Trachten höher als bis zum «Mercedes»? Vielleicht der Wohnwagen dazu? Das Weekend am Kaminfeuer im eigenen Berghaus? An unverbaubarer, sonniger, lärmsicherer Lage? Oder gar der eigene Seestrand mit allem Zubehör, inklusive Segeljacht? Was sucht dies Geschlecht? Wie stände es um uns, wenn Gott uns nur finden ließe, was wir suchen? Wenn es nicht mehr, unendlich viel mehr wäre als was an Tag- und Nacht-Träumen in der Seelentiefe unseres Jahrhunderts vorhanden ist? Weh uns, wenn Gott in seinem Erbarmen uns nur finden ließe, was wir suchen! Wenn wir nur «die ganze Welt gewönnen und nähmen dabei Schaden an unserer Seele». Die Samaritanerin am Jakobsbrunnen wollte Wasser holen und fand ihr ewiges Heil. Der Benjaminite Saulus von Tarsus brach auf, um in Damaskus zwecks Vernichtung Christen zu suchen, und fand den Erlöser der Welt: «Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und – eins ist not.» Sodann: Der Benjaminite Saul wird von Gott ausersehen und als Werkzeug gebraucht. An Sauls Beispiel kann einem aufgehen, wie schwer es werden kann, wenn man anfängt, von Gott gebraucht zu werden. Und doch klopft hier die Frage nach dem besten und schönsten Sinn unseres Daseins mächtig an die Tür. Wozu ist man einige Jahrzehnte, wenn es hoch kommt 80 oder 100 Jahre, Aufenthalter auf diesem Planeten? Ist man Werkzeug in Gottes Hand? Ist man wie Saul «bei den Geräten»? Welchen Sinn hat das Dasein? …
(Günther Ott)