Monatsthema: Leben in der Gemeinde des Herrn
Predigtthema: Miteinander
Bibelstelle: Apostelgeschichte 9,26-31
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen / Textzusammenhang ab V 19:
Direkt nach seiner „Damaskusstunde“ begann Paulus zu predigen, dass Jesus Gottes Sohn ist (1). Der neue Apostel (= Augenzeuge + Gesandter) ist voll da, lebt und vertritt konsequent seine Überzeugungen, – wie früher. Nur war sein Glaube jetzt das krasse Gegenteil von „vorher“. Ein überwundener Überwinder. Bekehrte kennen das Vorher – Nachher und können das erklären. Zeugen sind Mutmacher, wenn Jesus ihr Thema ist.
Die Missionsstrategie des Paulus: Zuerst in die Synagogen! Dort treffen sich Leute, die dem einen Gott vertrauen, deren Gottesbild allerdings den Gottessohn Jesus außen vor lässt. Paulus spart aber keine Andersdenkenden von seiner Botschaft aus und sucht (!) Gespräche (V 29). Nicht Schneckenhaus sondern aktives Zeugnis von Jesus. Gruppen oder Gemeinden, die sich heute Christen nennen, aber nicht ganz „gius“ (2) sind, meiden wir nicht, im Gegenteil. Die beste und notwendige Korrektur und Begleitung kommt oft von außen. „Im eigenen Saft“ schmoren mutet jeder gute Koch seinen Gerichten zu, aber nur für sehr begrenzte Zeit. Übersetzt: Sonst könnten wir und ganze Gemeinden langsam austrocknen und „verbrutzeln“.
Das schließt nicht aus, alles zu prüfen (Rö 12, 2; Phil 1, 10; 1. Thess 5, 21).
Erklärungen und Tipps:
V 26 Der Verfolger wird zum Verfolgten.
Die Zuhörer waren „entsetzt“ (genauer: = „außer sich“). Man kannte das FRÜHER des Paulus: Fanatische Christenvernichtungszüge, Beteiligung an der Stephanus-Steinigung, usw. Ein Verdacht lag nahe: Heimtückische Anbiederung, neue Listen und Tricks mit dem alten Ziel der Vernichtung von Christen. Gestapo- oder Stasi-Methoden, in atheistischen Ländern nichts Außergewöhnliches (3). Christen, die dort leben, kennen die Angst vor dem Entdeckt-Werden und Sorge vor Nachteilen und Anschlägen.
V 27ff BARNABAS: Trotz allem entschließt sich ein Jesus-Nachfolger zu einem ersten Schritt des Vertrauens, weil er weiß, dass Gott mit ihm ist und dass der Herr keinen im Stich lässt, der ihn vertritt (Mt 28, 18-20; 2. Ko 5, 20). Barnabas ist sein späterer Name („Sohn des Trostes“, Apg 4, 36), der sein auffälliges Merkmal beschreibt. „Barnabasse“ sind unverzichtbar in der Gemeinde. Geboren in Zypern, war er Levit, d. h. den Priestern zwar unterstellt, aber mit wichtigen Aufgaben im Tempel betraut (4. Mo 3, 4; 18). (4)
WEGBEREITER, BRÜCKENBAUER, MUTMACHER, SEELSORGER, DAZULERNER(!) sind seine Kennzeichen. Dabei scheut er im Notfall auch nicht die Trennung von seinem „Zögling“ Paulus (Apg 15, 39).
Er machte grundsätzlich
– Mut zur Gemeinschaft
– Mut zum Mithelfen, zum Dienst für Jesus
– Mut zum gemeinsamen Ringen um den richtigen Weg
Ohne Grundvertrauen entsteht keine Bruderschaft. Jeder Einzelchrist für sich, jede Gemeinde, jeder Bezirk für sich steht auf „wackeligen Füßen“, wenn der Hang zum Kontakt mit anderen Christen fehlt.
Gesandte Gottes (5) wollen und können „allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehen und stehen, da nimm mich mit.“ (6).
Von solch mutigen Kontaktaufnahmen profitiert Gemeinde auch, was die geistlichen Warner, Wächter und Mahner nicht abwertet, im Gegenteil. Gerade sie brauchen besonderen Glaubensmut für persönliche, direkte Kontakte mit denen, die auch mit Jesus leben, aber ihnen trotzdem „nicht ganz koscher“ (s. gius (2)) erscheinen.
Die Jünger stehen zu ihrem Lehrer. Das griech. Wort für Jünger „mathetès“ hängt mit Mathematik zusammen, der Lehre von den FOLGERICHTIGEN Zusammenhängen. Ein Jünger ist folgerichtig einer, der seinem Herrn richtig folgen will.
V 30 „Die Brüder“ kommen zusammen, finden Lösungen (sicher unter Gebeten) und handeln einig, zielorientiert und effektiv. Tarsus war Hauptstadt der römischen Provinz Zilizien (heute Türkei), Geburtsort des Apostels Paulus. Von Gott und den Brüdern ins vorläufige Abseits gestellt, nutzt er die Zeit, sich vorzubereiten auf alles, was der Herr noch mit ihm vor hat.
V 31 „DIE Gemeinde in ganz Judäa, Galiläa und Samarien“ kennt noch keine Entwicklung zu Einzelgemeinden, die sich selbst genug wären. Ein erster Schritt zum Gemeinschaftsverband, – allerdings noch kein Gnadauer… -, aber der erste Schritt zu einem „Brüderbund“, – allerdings auch noch kein „württembergischer“…
Gliederungsvorschlag von Dr. Heinz-Werner Neudorfer:
1. In Gottes Vollmacht
2. Unter Gottes Schutz
3. Mit Gott in die Wüste (Tarsusaufenthalt)
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Fußnoten
(1) In V 20 zum ersten und einzigen Mal in der Apg die Bezeichnung „Gottes Sohn“.
(2) „gius“ = „gläubig in UNSEREM Sinne“
(3) Praktische Beispiele aus der Missionsarbeit.
(4) Als Levit kannte er sich im Wort Gottes sehr gut aus, neigte aber weder zur Paragraphenreiterei noch zu enger Reglementierung.
(5) Im Altertum galt: „Der Gesandte ist gleich dem Sendenden“. Wer Gottes Leute bedrängt oder bekämpft, bekommt es mit Gott zu tun.
(6) Lied von Julie v. Hausmann, 1862: So nimm denn meine Hände.