Monatsthema: Leben in der Gemeinde des Herrn
Predigtthema: Miteinander Konflikte lösen
Bibelstelle: Apostelgeschichte 6, 1-7
Verfasser: Günther Baumgärtner
1. Zusammenhang
Nachdem der Feind die Gemeinde vergeblich von außen angegriffen hat
(Apg 4 und 5), gibt es nun innerhalb der Gemeinde große Probleme.
2. Biblische Parallelen
In den neutestamentlichen Briefen wird immer wieder von großen Problemen berichtet. Bsp.: Korintherbrief
3. Der Aufbau des Textes
a) V.1 Probleme der Gemeinde
b) V.2-5 Problemlösung
c) V.6 Auswirkungen der Problemlösung
4. Einzelerklärungen
V.1: Es wurden immer mehr Jünger (Gemeindewachstum). Das gab neue Probleme. Nun müssen Strukturen in der neuen Gemeinde geschaffen werden.
Murren, wie einst das Volk Israel (2. Mose 16,7-9 / Joh. 6,41).
Griechische Juden waren Juden, die Hebräisch, die Muttersprache der in Israel lebenden Juden nicht beherrschten. Sie waren wahrscheinlich irgendwann ausgewandert und sprachen außer Griechisch nur noch die Sprache der Herkunftsländer.
Hebräische Juden waren streng orthodox und wollten mit nichts Heidnischem zu tun haben.
Zwischen beiden Gruppen gab es immer wieder Spannungen.
Tägliche Versorgung: Geht zurück auf einen Brauch der Juden in der Synagoge. Dort wurde einmal wöchentlich Geld bzw. Lebensmittel eingesammelt und an die Bedürftigen verteilt, so dass sie eine Woche davon leben konnten. Diesen Brauch übernahm nun die Gemeinde. Hatte eine Witwe keine Kinder, kam sie in große Not, denn die Möglichkeit des Erwerbs hatte die Frau nicht, deshalb diese Witwenspeisung.
Warum die griechischen Judenwitwen übersehen wurden, wissen wir nicht. Wurden sie einfach „übersehen“ oder galten sie für die hebräischen Juden als Menschen zweiter Klasse?
Täglicher Dienst, wörtlich: Diakonia
V.2: Gemeindeversammlung wird einberufen und die Probleme werden in aller Offenheit besprochen, (Vergl. Apg. 1,15ff).
Grundprinzip der Apostel: Aufgabenteilung (Leib-Glied-Denken).
V.3: Sieben Männer, werden auch später “sieben Männer“ genannt (Apg. 21,8) und nicht Diakone. Die Essensversorgung geht auf die Tradition der jüdischen Gemeinden zurück.
Sieben geachtete Männer wurden in einen offiziellen Rat gewählt, der für die öffentlichen Angelegenheiten zuständig war. Sieben ist auch die Zahl der Vollkommenheit (siebenarmiger Leuchter), eine Zahl die im AT immer im Zusammenhang mit Gott genannt wird.
Qualifikation:
a) voll Heiligen Geistes
b) Weisheit
c) guten Ruf
Dieser Tischdienst gilt als geistliches Amt und nicht als reine Verwaltungsaufgabe.
V.4: Die Aufgabe der Apostel wird noch einmal festgehalten. Die Apostel legen eine Selbstbeschränkung fest. Dies ist nicht ein Zeichen von Schwäche, sondern von bibl. Gesinnung.
Aufgabe:
a) im Gebet verharren (mit Ausdauer)
b) am Wort dienen
V.5: Die Gemeinde ist einverstanden, wird mit in die Entscheidung eingebunden und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt.
Alle sieben tragen griechische Namen, das heißt die ausgewählten Männer kommen aus dem Lager der Beschwerdeführer. Nikolaus, der Letztgenannte, war nicht einmal ein geborener Jude, sondern hatte sich zum Judentum und dann zum Christentum bekehrt. Philippus und Stephanus werden später wieder genannt bei der Missionsarbeit. Über die vier anderen ist uns nichts Weiteres bekannt.
V.6: Der Dienst begann mit einer offiziellen Einsetzung. Hände auflegen galt als Zeichen der Beauftragung und Bevollmächtigung (Vergl. 4. Mose 27,18-23; 5. Mose 34,9; Apg. 13,3).
V.7: Nach der Problemlösung haben wir drei Auswirkungen:
a) Ausbreitung des Wortes Gottes
b) Menschen finden zum Glauben
c) Priester werden dem Glauben gehorsam (Gerade in der Priesterschaft, den eigentlichen Gegnern Jesu, geschieht das Wunder: „Glaubensgehorsam“).
5. Die Spitze des Textes
Der Dienst in der Gemeinde wirkt Segen für alle.
6. Der Text heute
a) Nöte und Probleme bleiben in keiner Gemeinde aus. Lebendige Gemeinden sind immer wieder auch Zielscheibe des Feindes.
b) Wie gehen wir mit solchen Situationen um? Die Apostel verdrängen nicht, sondern nehmen sich der Sache an. Offenheit und nicht Verheimlichung ist angesagt, um dadurch dem Feind keinen weiteren Raum zu geben.
c) Aufgabenteilung, damit keine Aufgabenvernachlässigung stattfindet. Nicht einer macht alles, sondern viele machen es gemeinsam, – vergl. 2.Mose 18,13ff.
d) Es werden nur Menschen ausgewählt, die voll Heiligen Geistes sind.
Bibl. Anforderungen (1. Tim. 3,8ff), gilt auch für diakonischen Dienst. Wichtig auch für unsere Mitarbeiterberufung heute.
e) Offizielle Einsetzung zum Dienst. Wie werden unsere Mitarbeiter in ihren Dienst eingeführt? Haben wir Mitarbeitergottesdienste, in denen wir die Mitarbeiter zum Dienst einsegnen.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
1) Not
a) Wir sind als Gemeinde Jesu Zielscheibe des Feindes (Vergl. 1.Petr. 5,8) und werden es auch sein, bis Jesus wiederkommt.
b) Damals gab es Probleme in der Essensausgabe, heute vielleicht auf anderen Gebieten, z. B. mit oder unter Mitarbeitern.
2) Hilfe
a) Wie gehen wir mit solchen Situationen um? Nicht Problemverdrängung sondern Problemlösung ist angesagt.
b) In aller Offenheit und Sachlichkeit wird das Problem angegangen.
c) Aus dem Lager der Beschwerdeführer wird Hilfe geholt, jedoch müssen die bibl. Voraussetzungen erfüllt sein (1. Tim. 5,8ff).
3) Segen
a) Nicht zusätzliche Bürden für bereits Überlastete sind gefragt, sondern Aufgabenteilung. Das bibl. Leib-Glied-denken wird hier praktiziert.
b) Unter dem Segen darf die neue Arbeit beginnen.
c) Gott segnet den weiteren Verlauf der Gemeinde und schenkt Wachstum.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Wir blicken noch einmal kurz auf Kapitel 5 zurück
1) Die Not der Gemeinde
Von Nöten in der Gemeinde wird uns in der Apostelgeschichte berichtet. Diese Nöte gebraucht der Feind immer wieder, um durcheinander zu bringen. Gemeinde Jesu ist Zielscheibe (1.Petrus 5,8). Hier waren es die griechischen Judenwitwen, die bei der Mahlzeit übersehen wurden. Heute sind es vielleicht Nöte untereinander und miteinander. Doch hier gilt auch: Gebt dem Feind keinen Raum (Eph. 4,27). Nicht Raumbereiter für den Feind sein, sondern Raumvernichter.
2) Die Hilfe für die Gemeinde
Ohne lange zu zögern werden die Probleme angepackt und in der Gemeindeversammlung besprochen. Offenheit und Brüderlichkeit gelten auch hier für die Gemeinde. Eine kluge Entscheidung fällen hier die Apostel, in dem sie sich eine Selbstbeschränkung auferlegen. Dies ist nicht ein Zeichen von Schwäche sondern bibl. Gesinnung. Hier wird das neutestamentliche Leib-Glied-Denken praktiziert. Der diakonische Dienst, der hier eingeführt wird, ist genau auf der gleichen Stufe wie der Verkündigungsdienst, also kein Unterschied. Bei Jesus gibt es keinen Unterschied, ob wir einen Dienst im Hintergrund tun oder im Vordergrund. Das Entscheidende ist, dass es für den Herrn geschieht, (Kol.3,17).
3) Der Segen für die Gemeinde
Unter dem Segen der Gemeinde werden die berufenen Brüder in ihr neues Amt eingeführt und dürfen den griechischen Judenwitwen dienen. Nicht nur für die Gemeinde hat es Auswirkungen, sondern auch viele andere kommen durch das Zeugnis zum lebendigen Glauben.
Schluss: Der Dienst, der für den Herrn geschieht, darf ein Segensdienst für alle sein.