Monatsthema: Leben in der Gemeinde des Herrn
Predigtthema: Miteinander
Bibelstelle: Apostelgeschichte 11, 19-26
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Den geschichtlichen Ablauf unterbricht Lukas mit Apg 8, 4 und nimmt ihn hier wieder auf.
Genauere Termine und Inhaltsangaben über die Jahre des Paulus in seiner Heimatstadt Tarsus sind kaum festzulegen, aber Gott kann auch gerade in „Zeiten der Wüste“ seine Leute neu aufbauen, stärken und zurüsten für weitere Aufgaben.
Erklärungen und Tipps:
V 19 Die Steinigung des Stephanus (Apg 6, 8 – 7, 59) war ein Schock für die ersten Christen und löste eine Zerstreuung aus (8, 1-4).
Phönikien bezeichnet den Bereich des heutigen Libanon.
Zypern war die Heimat des Barnabas (Apg 4, 36) und vieler Juden. (1)
Antiochien gehörte zu den drei größten Weltstädten Roms, war also ein Zentrum und Schmelztiegel aller damaligen Religionen und Weltanschauungen. (2)
Missionarische Kontakte und Aktivitäten der Christen in der Zerstreuung konzentrierten sich zuerst nur auf die Juden (Mt 10, 6), obwohl die Jesusleute griechischer Abstammung auch schon an den Heiden der damaligen Welt interessiert waren. Die Unterschiede der beiden großen Gruppen Juden- und Heidenchristen waren deutlich vorhanden, waren auch Grund für die Wahl der sieben Almosenpfleger (6, 1), zu denen Stephanus gehörte. Sein griech. Name lässt vermuten, dass er selber zu den Hellenisten gehörte. Auch Paulus greift das Problem dieser Parteiung innerhalb der Gemeinde auf (Eph 2, 11ff).
Parteigänger besonderer Lehrmeinungen und Erkenntnisse innerhalb der Gemeinde schadeten immer dem einen Leib Jesu. Jesus legt Wert auf das Einssein (Jo 17, 11), auch Paulus (Eph 4, 1-6, 15f).
V 20 Kyrene lag in Nordafrika. (3)
Griechen: „Darunter wurden alle griechisch sprechenden und griechisch beeinflussten Menschen des östlichen Mittelmeers verstanden.“ (Elberf. Bibel). Die Hellenisten (Griechenland = griech. Hellas) unter den Christen waren schon weiträumig verstreut, aber Gott schafft selbst die Voraussetzungen für den Bau seines Reichs auf lange Sicht. (4) Heidenmission ist angesagt. Der Blick für ALLE Menschen wird geweitet (1. Tim 2, 4). Gemeinde Jesu hat immer ein Herz für die Weltmission gehabt.
V 21 Gott bestätigt, was seine Leute in seinem Namen beginnen (Apg 2, 47). (5) So ist auch Gemeindewachstum eine Form des Segens, d. h. kein noch so frommer und erfahrener Christ kann das „machen“.
Die „Hand Gottes“ schuf, schützte und bewahrte seine Leute (z. B. 2. Mo 13, 9; 5. Mo 4, 34; Ps 136, 12).
V 22 Die „Post der Frommen“ war nie eine „Schneckenpost“. (6)
Barnabas („Sohn des Trostes, der Weissagung“). Ein Beiname, den die Apostel dem Leviten Josef aus Zypern gegeben hatten (Apg 4, 36) und mit dem er dann ausschließlich genannt wird. (7)
Die Jerusalemer Christen bildeten die anerkannte Urgemeinde, die in strittigen Fragen des Glaubens überregional entscheiden konnte (Apg 15).
V 23 Barnabas SAH Gottes Gnade in der Form bekehrter Heiden. Und weil sich niemand aus eigener Einsicht und Kraft bekehren kann, sind Bekehrte ein Zeichen der Wirksamkeit Gottes.
Es gibt nichts Erfreulicheres in dieser Welt, als das Tun Gottes z. B. an Neubekehrten zu erleben.
Überzeugungen und Zeugnisse der „Frischbekehrten“ sind meistens besonders glaubwürdig, wirken „ansteckend“. Keine Mission ohne echtes Christuszeugnis.
Dr. H.-W. Neudorfer: „ Wir beobachten von hier an in der Apg ein Zurücktreten der äußerlich sichtbaren Geistesgaben als Zeichen des Geistbesitzes zugunsten der innerlichen Umkehr der Menschen.“
Ermahnung (genauer: Ermutigung, Zusprechen) im Namen Gottes zielt immer auf Heilung und hat nichts zu tun mit Durchsetzungsvermögen und Rechthaberei, sondern mit der Liebe, die in Christus ist (Rö 8, 39; Gal 5, 6; 1. Tim 1, 14; siehe auch 2. Petr 1, 10).
Nach dem Schritt ZU Jesus folgt der Weg MIT Jesus. (8) Gemeinden sind beauftragt füreinander da zu sein, weil Probleme und Anfechtungen des Lebens zum Hindernis auf dem Weg mit Jesus werden können.
V 24 Barnabas war ein VORBILD im Glauben, wie es „im Buche (= Bibel) steht“. Stephanus wurde ähnlich beschrieben (Apg 6, 5).
Das einzige „Gewinnspiel“, das die Bibel vorschlägt, ist das GEWINNEN von Menschen (2. Ko 5, 11ff), übrigens auch das Gewinnen von Geschwistern (Mt 18, 15)…
V 25 Apg 9, 30 beschreibt, wie der früher extremste Feind und Verfolger der ersten Christen von Geschwistern gebeten wurde, sich vorläufig in seine Heimat Tarsus zurückzuziehen (Apg 9, 30). Aber er wurde nicht vergessen.
„Der Mann, den Gott aufs Abstellgleis geführt hatte, der vielleicht schon an seiner Berufung und Sendung zweifelte, der aber diese ‚Rüst-Zeit’ sicher nicht ungenutzt verstreichen ließ, dieser Mann findet nun seine erste bedeutende Wirkungsstätte in der entstandenen heidenchristlichen Gemeinde Antiochias.“ (Dr. H.-W. Neudorfer)
Als gebildeter, jüdischer Theologe (Apg 23, 6), der auch Verbindungen zu Judenchristen hellenistischer Herkunft (Tarsus) hatte, auch die praktische Sprache der Handwerker verstand (1. Ko 9) und gleichzeitig das römische Bürgerrecht (Apg 22, 28) besaß, war er für die Missionstätigkeit prädestiniert. Gott stellt seine Leute dorthin, wo sie sich am besten einbringen können.
V 26 Die Bezeichnung der Jesusnachfolger als „Christen“ entstand zuerst in Antiochia. Ob das ein Schimpf- oder Spitzname war, ist nicht klar. Offensichtlich war die Gemeinde dadurch bekannt geworden, dass Christus ihr Mittelpunkt, ihr Ein und Alles war. Ein missionarisches Kennzeichen war also geplante oder ungewollte Öffentlichkeitsarbeit.
Ein Jahr Bibelschule für die ersten Christen.
Die unterschiedlichen Sprachen waren schon damals ein Problem der Heidenmission. Das AT war in hebräisch geschrieben, Jesus sprach aramäisch (Abart des Hebräischen), hellenistische Juden verstanden hauptsächlich griechisch und im Römischen Reich breitete sich das Lateinische aus. Paulus und Barnabas brachten Sprachkenntnisse ein und konnten das Evangelium verdolmetschen.
Gliederungsvorschlag
1. Für die ganze Welt
2. mit ganzem Herzen
3. das ganze Wort Gottes
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Fußnoten
(1) Paulus und Barnabas durchzogen die Insel Zypern auf der 1. Missionsreise (Apg 13, 4-13). Barnabas und Johannes Markus besuchten sie noch einmal, nachdem sie sich zu Beginn der 2. Missionsreise von Paulus getrennt hatten (Apg 15, 39).
(2) Antiochien heißt heute Antakia und liegt ca. 300 km nördlich von Damaskus und gut 30 km vom Mittelmeer entfernt. Die Stadt ist in vielerlei Hinsicht heruntergekommen. Minarette bestimmen das Stadtbild. Alle Bereiche des Städtebaus und Lebens werden vom Islam beherrscht. Kirchengebäude sind nicht zu finden. Über einen längeren Fußweg erreicht man eine schlichte Felsenhöhle, die heute als Versammlungsort der ersten Christen bezeichnet wird und weitgehend aus Gründen des Fremdenverkehrs geduldet wird.
(3) Stadt nahe der Mittelmeerküste in Libyen, 800 km östl. des heutigen Tripolis, Hauptstadt der röm. Provinz Cyrenaika. K. war eine griech. Kolonie, die Bevölkerung bestand aber zu einem Viertel aus Juden. Sie besaßen ihre eigene Synagoge in Jerusalem (Apg 6, 9), einige von ihnen hörten die Pfingstpredigt des Petrus (Apg 2, 10).
(4) Gott setzt dazu auch Heiden ein. Herodes der Große hatte in Palästina die Verkehrswege ausgebaut, sodass die Botschaft von Jesus Christus leichter zu verbreiten war. Erst das Weltreich der Römer ermöglichte eine weltumfassende Evangelisations- und Missionstätigkeit.
(5) Durch seinen Segen erhalten menschliche Beiträge zum Bau des Reiches Gottes Qualität.
„Segen“ kommt vom lateinischen „Signum“ und dem Verb „signare“ (= kennzeichnen). Früher wurden z. B. finanzielle Schulden „auf einem Kerbholz notiert“.
Göttliches Heilsgut wird durch ihn selbst oder beauftragte Mitarbeiter vermittelt (1. Mo 12, 2f).
Die Kraft des Segens geht auf den Gesegneten über, erscheint fast wie selbständig wirkend, wird durch Ausspruch (1. Mo 27, 28f; 48,15f) und Handauflegung (1. Mo 48, 14ff) vermittelt. So wird der Gesegnete selbst Ausgangspunkt göttlichen Segens (1. Mo 12, 3). Im Grunde ist es immer Gott selbst, der segnet (1. Mo 49, 25). Was dem Menschen im Segen zufließt, ist Gabe und Auswirkung göttlicher Liebe (5. Mo 7, 13).
(6) Positiv gesehen: Das Erleben von Gottes Tun spricht sich herum (Jes 55, 11; Ps 66, 16; Apg 4, 20) und bei diesem Thema ist ein Vorteil, dass auch die „Pietistenpost“ zu den schnellsten Nachrichtenüberbringungssystemen zählt.
(7) aus Lexikon zur Bibel, Rienecker: „Barnabas hatte die besondere Gabe des Propheten und Lehrers (Apg 13, 1) und muss bald nach Pfingsten zum Glauben gekommen sein. In der ersten Zeit der Gemeinde in Jerusalem verkaufte er ein Grundstück und stellte den Erlös notleidenden Gemeindegliedern zur Verfügung (Apg 4, 37). Als Paulus zum ersten Mal nach Jerusalem kommt, nimmt B. sich seiner an und führt ihn in die Gemeinde ein (Apg 9, 27). Bald darauf entsteht in Antiochia die erste heidenchristliche Gemeinde, und B. wird von Jerusalem dorthin abgesandt. Er stärkt und unterstützt die Christen in Antiochia, holt Paulus, der inzwischen nach Tarsus gegangen war, herbei und arbeitet mit ihm ein Jahr in der Gemeinde zusammen. Dann überbringen sie beide die Unterstützung der Heidenchristen an die Gemeinde in Jerusalem (Apg 11, 20-30). Nach ihrer Rückkehr sendet die Gemeinde in Antiochia sie zur ersten Missionsreise aus, die sie über Zypern bis ins Innere Kleinasiens führt.“
(8) Altes Lied: Nicht der Anfang, erst das Ende krönt des Christen Glaubensstand