Micha

Predigthilfe vom 13.7.2003 – Micha 6,9-16

Monatsthema: Tiefblick gewinnen
Predigtthema: Die rechte Gottesfurcht

Bibelstelle: Micha 6,9-16

Verfasser: Markus Neumann

1. Zusammenhang
Dritter Hauptabschnitt des Buches:
Der Rechtsstreit Gottes mit Israel und die Verheißung der zukünftigen Gnade (Kap. 6,1 – 7,20)
Dritter Teil des Rechtsstreits Gottes mit Israel im sechsten Kapitel:
a) V. 1-5: Die Anklage des Herrn wegen Israels Undankbarkeit
b) V. 6-8: Michas Antwort (für das Volk): Das Wesen wahrer Frömmigkeit
c) V. 9-16: Das Gerichtsurteil des Herrn aufgrund der Sünde

Im folgenden werden einige der Sünden aufgezählt, die Ursache für den Rechtsstreit mit Gott waren. Die offensichtliche Schuld des Volkes wird Konsequenzen haben.

2. Biblische Parallelen
3 Mose 26,26; 5 Mose 28,30.33; 1 Kön 16,16-28.30-33; 2 Chr 22,4; Spr 20,10; Hes 22,29; Mi 2,1-2; Hos 4,10

3. Der Aufbau des Textes
a) V. 9: Die Anrede Gottes an Jerusalem
b) V. 10-12: Der Anlass für den Rechtsstreit: Die Sünden des Volkes
c) V. 13-16: Die Ankündigung der Strafe Gottes

4. Einzelerklärungen

V. 9 Erneute Aufforderung an das Volk zu hören (vgl. V.1). „Der Herr ruft der Stadt zu“: dies ist ein Alarmruf, Gefahr droht. Israel tut gut daran, auf Gottes Reden und Züchtigung („Zuchtrute“) zu achten.

V. 10-12 Hier werden wieder einige Sünden erwähnt, die beispielhaft für andere stehen.
– Anhäufung von Reichtümern mit unredlichen Mitteln
– Unehrliche Geschäftspraktiken, Betrug – Gebrauch eines falschen, weil zu kleinen Maßes (Epha) und falsch anzeigender Waagen/Gewichte
– Gewalt
– Lüge
Ihr Handeln steht im Gegensatz zu dem, was der Herr fordert (vgl. 3 Mose 19,35-36; 5 Mose 25,13-16; Spr 11,1; 16,11; 20,23; Hos 12,8; Am 8,5). Deshalb muss er auch richten.
Vgl. V.8: „Man hat dir mitgeteilt, was gut ist…“ – Die Verhaltensweisen, die Micha tatsächlich bei seiner Generation beobachten kann, stehen im direkten Kontrast zum Gesetz Gottes.

V. 13-15 Diese Verse erklären, was die Zuchtrute bedeutet: Wegen der Verwüstung des Landes wird die Gier der Reichen (die sich in unrechtmäßiger Weise bereichert haben) nicht befriedigt werden können.
Eine richterliche Verurteilung zu Krankheit und Zerstörung wird ausgesprochen.
Der Zusammenhang mit dem Sinaibund (Gesetzgebung) ist offensichtlich, da die Strafe die Bundesflüche aufgreift, die im mosaischen Gesetz festgelegt sind (V.15 vgl. 3 Mose 26,20; 5 Mose 28,40.51).

V. 16 Das Volk hatte Gottes Forderungen (V. 8) nicht eingehalten. Welche Ordnungen hielten sie? Die Ordnungen Omris und Ahabs (und seiner Dynastie), der zwei schlimmsten Könige des Nordreiches. Das beinhaltete Götzendienst (Baalskult, s. 1 Kön 16,21-22.28-33), Verfolgung von Propheten (1 Kön 18,4), Raub und Mord – vom Nordreich her kamen diese Sünden auch nach Juda, und nun sind alle schuldig. Sie werden zu einem Objekt des Entsetzens unter den Nationen werden (vgl. Klgl 2,15-16).

5. Spitze des Textes
Gott ist es keineswegs entgangen, dass die gesamte Lebenspraxis des Volkes im völligen Gegensatz zu allem steht, was er durch das Gesetz als „gut“ vorgegeben hatte (vgl. V.8). Deshalb muss er jetzt richten bzw. züchtigen.

6. Der Text heute

6.1 Wiederum die Aufforderung „Horch…!“ (V.1) – vgl. Predigttipp vom 6.7.: Das Wort Gottes ist eine laute Herausforderung an den Menschen (Jes 1,2; Mt 17,5; Offb 2,7). Das Hören ist eine innere Stellungnahme, ein aktiver Willensakt, die Bereitschaft, sich dem Wort Gottes auszusetzen. Sünde beginnt, wo der Mensch nicht hören will, was Gott ihm zu sagen hat (Jer 7,24-28; 25,3-11). Da die Bibel Gottes inspiriertes Wort ist, ist sie in der Lage, von Sünde zu überführen und zurechtzuweisen (2 Tim 3,16; vgl. Joh 16,7-8).

6.2 V.16: Israel wird wegen Sünde zu einem Objekt des Entsetzens unter den Nationen werden (vgl. Klgl 2,15-16). Gott behält sich offenbar auch heute vor, Sünde, die z.B. die Zeugniskraft der Gemeinde extrem beeinträchtigen, besonders augenfällig zu quittieren (Apg 5,1-11; 1 Kor 11,29-30).

6.3 Auch wir Christen sind aufgefordert, den Kampf gegen die Sünde aufzunehmen (Hebr 12,4). Wenn wir diese Notwendigkeit vernachlässigen, haben wir mit Gottes Züchtigung zu rechnen, die dann als ein Ausdruck der Liebe des Vaters gegen einen Sohn zu sehen ist (Hebr 12,5-11).

6.4 Der gebotene Weg für den Umgang mit der eigenen Sünde lautet „bekennen“ (1 Joh 1,9), d.h. nicht nur aufzählen oder hersagen, sondern Sünde so sehen, wie Gott sie sieht. Das wird unweigerlich den Wunsch zur Umkehr auslösen.
Der Weg für den Umgang mit Sünde in der Gemeinde ist in Mt 18,15-17 skizziert.

6.5 vgl. V.12: Die Zunge – das unkontrollierte (unkontrollierbare?) Organ (Jak 3,7-10)

6.6 vgl. V 12: Das Motiv, reich werden zu wollen (= Geldliebe), kann in Konkurrenz zu Gott treten und schwerwiegende Folgen haben (1.Tim 6,9-11; Jak 4,13; Mt 6,24).

6,7 Die Fruchtlosigkeit des Lebens (vgl. V.13-15) könnte die Folge von Gottesferne sein (Jak 4,1-5; 5,1-6).

6.8 Ahab und Omri waren Könige – extrem hochstehende Persönlichkeiten also – allerdings die schlimmsten Könige die das Nordreich Israel je hatte, Götzendiener und Mörder. Angesehene und prominente Persönlichkeiten können völlig falsche Vorbilder sein! 1.Kor 15,33: Irrt euch nicht: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten.

7. Beispiele und Verdeutlichungen

7.1 Wenn das ganze Kapitel 6 die Form eines Gerichtsverfahrens hat, dann haben wir hier die Anklageschrift (V.10-12) und die Urteilsverkündigung (V.13-16).

7,2 vgl. Predigttipp vom 6.7.: Die Verse 1-8 (welche Forderungen hatte Gott an Israel gestellt?) und 9-16 (welche Verhaltensweisen lassen sich im Volk tatsächlich beobachten?) bilden eigentlich eine Einheit. Eine vollständige Gliederung könnte dann wie folgt aussehen:
a) V. 1-5: Die Anklage des Herrn wegen Israels Undankbarkeit
b) V. 6-8: Michas Antwort (für das Volk): Das Wesen wahrer Frömmigkeit
c) V. 9-16: Das Gerichtsurteil des Herrn aufgrund der Sünde

7.3 s.V.10: Epha = Trockenhohlmaß von ca. 36 Liter

7.4 V.12-13: Volksmund: „Unrecht Gut gedeihet nicht.“

7.5 V.15 vgl. 3 Mose 26,20; 5 Mose 28,40.51 – „Gehorsam bringt Segen, Ungehorsam bringt Fluch“.

8. Material und Gliederung zur Predigt

Veranschaulichung: Gottes Gericht – Das Fass ohne Boden wird nicht voll (V.14-15)…

Gliederung:
a) V. 9: Alarm – Hör auf Gott!
b) V. 10-12: Alarm – Unrecht Gut gedeihet nicht!
c) V. 13-16: Alarm – wähle Segen statt Fluch!