1.Korinther

Predigthilfe vom 12.4.2009 – 1.Korinther 15, 12-28

Monatsthema: Von der Auferweckung des Herrn leben
Predigtthema: Die Leugnung der Auferstehung

Bibelstelle: 1.Korinther 15, 12-28

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B. John F. MacArthur. 1.Korinther. John MacArthur Kommentar zum Neuen Testament. Bielefeld: CLV. S. S. 437-451 (kostenloser Download unter http://www.clv-server.de/pdf/255680.pdf).

1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Nachdem Paulus in 1Kor 6,14 bereits auf die Konsequenzen der Auferstehung kurz hingewiesen hat und in 1Kor 15,1-11 die Realität der Auferstehung Jesu bestätigend dargestellt hat, kommt er nun in 1Kor 15,12-28 auf die konkreten Auswirkungen für das Leben zu sprechen. Er entfaltet zuerst die Bedeutung der Auferstehung (15,12-19) und dann die chronologische Abfolge und Auswirkungen der Auferstehung (15,20-28).

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

A. Die Bedeutung der Auferstehung (V. 12-19)

Weil Christus auferstanden ist, ist Auferstehung aus den Toten offensichtlich möglich; auf der anderen Seite, wenn Menschen nicht auferweckt werden können, kann Christus nicht auferstanden sein. Die zwei Auferstehungen stehen oder fallen gemeinsam; es gibt nicht die eine ohne die andere. Im Übrigen ist das Evangelium bedeutungs- und wertlos, wenn es keine Auferstehung gibt. Es scheint seltsam, dass einige jener Gläubigen den einen Teil der Wahrheit ohne den anderen akzeptieren konnten. Der Grund für diese Verwirrung lag, wie viele ihrer Probleme, am stetigen Einfluss der heidnischen Philosophien und Religionen, aus denen viele von ihnen gekommen waren. Durch die philosophischen und spiritistischen Gedanken in den Tagen von Paulus, wie auch in der heutigen Zeit, hatten viele falsche Vorstellungen darüber, was mit den Menschen nach dem Tod geschehen würde (MacArthur, 1Kor, S. 437f).

Eine wesentliche Lehre der griechischen Philosophie war der Dualismus, der im Allgemeinen mit Plato in Verbindung gebracht wird. Der Dualismus sieht alles Geistliche als an sich gut an und alles Körperliche als an sich schlecht. Jemandem, der diese Sichtweise vertritt, ist der Gedanke eines Auferstehungsleibes fremd. Der einzige Grund für ein Leben nach dem Tod ist für sie, dass sie allem Physischem entfliehen. Der Körper ist für sie ein Grab, ein Leichnam, an den die Seele in diesem Leben gefesselt ist. Diese Griechen wollten auf keinen Fall ihren Leib in das nächste Leben mitnehmen. Sie glaubten an die Unsterblichkeit der Seele, lehnten aber den Gedanken an einen Auferstehungsleib entschieden ab. Das hatte Paulus bei seiner Predigt auf dem Areopag erfahren: »Als sie [die athenischen Philosophen] aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen« (Apg 17,32). Der typische Gedanke des Dualismus wird von Seneca ausgedrückt: »Wenn der Tag kommen wird, wo das Menschliche und das Göttliche hier voneinander getrennt werden, wo ich es gefunden habe, werde ich meinen Körper verlassen und ich selbst werde mich den Göttern zurückgeben« (MacArthur, 1Kor, S. 437).

V. 14: Das Wort ‚vergeblich‘ in der Lutherbibel trifft den hier gemeinten Sinn nicht genau. Es geht hier nicht nur um die Wirkung, sondern auch um den Inhalt der Verkündigung. Ohne die Auferstehung ist nicht nur die Wirkung der Verkündigung vergeblich, sondern sie ist zugleich auch in ihrem Inhalt ‚leer und nichtig‘, also ‚inhaltslos‘.

V. 17f: Am Kreuz hat der zürnende Vater sein Nein zur Sünde gesprochen. Aber als der gnädige Gott hat er am Ostermorgen diesem Nein ein Ja hinzugefügt. Das Ja zu einem Leben des Auferstandenen.
Das Wort ‚entschlafen‘ ist kein Hinweis auf einen Seelenschlaf, sondern ist ein gebräuchliches Bildwort für den Tod (Mt 27,52; Apg 7,60, 2Petr 3,4)

Nur in diesem Leben auf Christus zu hoffen, würde bedeuten, vollkommen vergeblich zu lehren, zu predigen, zu leiden, sich hinzugeben und zu arbeiten. Wenn Christus noch tot wäre, könnte er uns weder im kommenden noch im jetzigen Leben helfen. Wenn er uns kein ewiges Leben geben könnte, könnte er auch unser irdisches Leben nicht verbessern. Wäre er nicht lebendig, wo wäre unsere Quelle des Friedens, der Freude oder der Zufriedenheit jetzt. Der christliche Glaube wäre Gegenstand des Spotts, eine Farce, ein tragischer Scherz. Ein Christ hat keinen Retter außer Christus, keinen Erlöser außer Christus, keinen Herrn außer Christus. Wenn Christus nicht auferstanden ist, wenn er nicht lebendig ist, ist unser Christenleben leblos. Nichts würde unseren Glauben, unser Bibelstudium, unsere Verkündigung oder unser Zeugnis, unseren Dienst für ihn oder unsere Anbetung rechtfertigen. Es gäbe nichts, was unsere Hoffnung sowohl für dieses als auch für das ewige Leben rechtfertigen würde. Wir würden nichts verdienen außer dem Mitleid für Narren. Aber wir sind nicht bemitleidenswert, denn Paulus fährt unverzüglich fort: »Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt; er ist der Erstling der Entschlafenen geworden« (15,20). (MacArthur, 1Kor, S. 444).

B. Der Ablauf der Auferstehung (V. 20-28)

Der Theologe Erich Sauer hat einmal geschrieben: »Das derzeitige Zeitalter ist Ostern. Es beginnt mit der Auferstehung des Erlösers und endet mit der Auferstehung der Erlösten. Dazwischen liegt die geistliche Auferstehung all derer, die durch Christus zum Leben berufen werden. So leben wir zwischen zwei Ostern, und in der Kraft des ersten Ostern gehen wir dem letzten Ostern entgegen.« Das letzte Ostern, auf das sich Sauer bezieht, ist natürlich die leibliche Auferstehung der Geretteten. Die Heilige Schrift spricht von der Auferstehung der Gerechten (Offb 20,6; 1Thes 4,13-18; 2Kor 5,1-5; Lk 14,14; Joh 5,29) als erste Auferstehung. Die zweite Auferstehung ist die der Ungerechten (Joh 5,29). In 1Kor 15 spricht Paulus von der ersten Auferstehung (MacArthur, 1Kor, S. 445).

Um die Osterbotschaft zu erklären, verwendet Paulus einen Begriff aus dem AT. Das gr. Wort für ‚Erstling‘ heißt ‚aparche‘, im Hebräischen ‚terumah‘. Ursprünglich war ‚terumah‘ ein kleiner Teil des Brotteigs in Gestalt eines Kuchens (4Mose 15,18-21). Später werden alle Erstlinge von den Feldern und den Herden Erstlingsgaben genannt. In seltenen Fällen konnte auch der Erstgeborene Erstling genannt werden (1Mose 49,3). Alle drei Bedeutungen für Erstling schwingen mit, wenn Paulus Jesus den Erstling der Auferstehung nennt. Erstling bedeutet ursprünglich ‚Hebe, Abhub vom Teig‘. Bei der ersten Bereitung des Brotes vom neuen Korn musste der Israelit einen kleinen Kuchen Jahwe darbringen. Dieser sogenannte Abhub, die Teighebe, ist eine Gabe des Dankes und bringt zum Ausdruck: Alles ist Gottes Eigentum. Wenn Christus die Erstlingsgabe genannt wird, dann ist nicht der Mensch der Geber, sondern Gott. Es hat eine Umkehrung des Verhältnisses von Geber und Empfänger stattgefunden. Gott lässt den Menschen teilhaben an der Vergebung, die Jesus erwirkt hat (Hansjörg Bräumer, Entscheidung Nr. 206, H. 2 [1998], S. 20).

In Adam sterben wir alle, weil wir Adams Söhne (= Menschen) sind. Wir haben teil an den Folgen des Sündenfalls (= Rebellion gegen Gott) und so ist der Tod die Endstation der Sünde (Röm 6,23). Alle haben wir gesündigt (Röm 3,22b+23; 5,12). Aber das muss nicht das letzte Wort Gottes sein, denn in und durch Christus wird der Schlusspunkt zum Doppelpunkt: Fortsetzung folgt. Da Christus das Leben ist, wird für alle, die in Christus sind der Tod zum Tor und Durchgang zu einem Neuen. In der Auferweckung des Sohnes hat der Vater schon einmal modellhaft gezeigt, was er einmal mit der Schöpfung vorhat.

Paulus spricht hier von einer bleibenden Auferstehung. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament lesen wir von Menschen, die starben und auf wundersame Weise wieder ins Leben zurückgebracht wurden (1Kön 17,22; 2Kön 4,34-36; 13,21; Lk 7,15; Joh 11,44). Doch alle diese Menschen starben erneut. Sogar diejenigen, die Jesus auferweckte – den Sohn der Witwe von Nain, die Tochter des Jairus und Lazarus -, starben schließlich erneut. Christus selbst war der Erste, der auferweckt wurde, um nicht mehr zu sterben (MacArthur, 1Kor, S. 446).

Durch unzählige andere Schriftstellen wissen wir, dass die zwei alle in Vers 22, obwohl sie sich in gewisser Hinsicht gleichen, nicht die gleiche Bedeutung haben können. Diejenigen, die in diese Stelle Allversöhnung hineinlesen wollen, müssen den anderen Stellen widersprechen, die das Gericht lehren (Mt 5,29; 10,28; 25,41.46; Lk 16,23; 2Thes 1,9; Offb 20,15 usw.). Die beiden alle sind sich nur darin gleich, dass sie sich beide auf Nachkommen beziehen. Jeder Mensch ist ein Nachkomme Adams, und deshalb ist das erste alle allgemeingültig. Mit Ausnahme von Henoch und Elia, die der Herr direkt zu sich holte, und der Heiligen, die entrückt werden, werden alle Menschen sterben. Nur diejenigen, die an Jesus Christus glauben, sind seine Nachkommen (vgl. Joh 8,44), deshalb steht das zweite alle nur für die Erlösten. Es sind nur alle Kinder Gottes und Miterben Jesu Christi (Gal 3,26.29; 4,7; Eph 3,6; vgl. Apg 20,32; Tit 3,7), die lebendig gemacht werden. In Adam bedeutet, menschlich zu sein, geboren zu sein. In Christus heißt, ewiges Leben zu haben, wiedergeboren zu sein. Durch die natürliche Abstammung von Adam hat jeder Mensch die Sünde geerbt, und alle sterben. Durch die übernatürliche Abstammung von Jesus Christus erbt man die Gerechtigkeit, und alle werden lebendig gemacht. Obwohl das Erbe in beiden Fällen sowohl ein körperliches als auch ein geistliches ist, liegt Paulus’ Hauptbetonung hier auf den körperlichen Folgen. Durch Adams Sünde starb der Mensch geistlich und unterliegt dem körperlichen Tod. Ebenso wird Gläubigen durch Christus geistliches Leben gegeben, und sie werden körperlich auferstehen. Aber unser Geist wird, weil er nach dem Tod beim Herrn sein wird, nicht darauf warten, auferweckt zu werden. Nur unser Leib wird auferstehen, und das ist die Wahrheit, die hier betont wird (MacArthur, 1Kor, S. 447f).

Die Auferstehung umfasst drei Hauptereignisse, die wiederum noch weiter zu unterteilen sind:
a) Die Auferstehung des Christus
b) Die Auferstehung der Christen
c) Die Wiederherstellung der Schöpfung

3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Nachdem am Palmsonntag bereits die Realität und Zuverlässigkeit der Auferstehung (1Kor 15,1-11) im Rahmen der Predigt dargelegt wurde, geht es nun am Ostersonntag um die Konsequenzen der Leugnung der Auferstehung (1Kor 15,12-28). Hierbei ist der Predigtanlass (Osterfest) im Rahmen der Predigt zu würdigen, so dass im Rahmen der Osterpredigt die praktischen Auswirkungen und Konsequenzen der Auferstehung Jesu zu verkündigen sind. Auferstehung heißt: Jesus lebt! Aus diesem Grund leben wir von der Auferweckung des Herrn (= Monatsthema).

Ausgehend von dem Anlass der Predigt (Osterfest) sollte im Rahmen der Predigt die ‚Osterfrage‘ (V. 12) einleitend thematisiert werden. Positiv gewendet kann über das in Christus abgewendete ‚Osterelend‘ (V. 13-19) der Grund der ‚Osterfreude‘ (V. 20-22) aufgezeigt werden. Die ‚Osterfolgen‘ (V. 23-28) sollten im Rahmen dieser Predigt nur im Überblick dargestellt werden, da eine detailierte eschatologische Entfaltung den Predigtrahmen sprengen und dem Predigtanlass nicht gerecht werden. Hier braucht es Mut zum konzentrierten Predigen, wobei das Monatsthema die Leitlinie vorgibt.

4. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNG

Zum Einstieg: Philipp war ein kleiner Junge mit Down Syndrom, der in seiner Klasse immer ein bisschen gehänselt wurde. In der Osterzeit schickte die Lehrerin die Kinder nach draußen. Jedes Kind bekam einen kleinen Behälter, der wie ein Ei geformt war, und die Aufgabe, draußen irgendetwas zu suchen und in diesen Container zu packen, was zu Ostern, zum neuen Leben im Frühling passt. Die Kinder strömten nach draußen, auch Philipp. Nach einiger Zeit kehrten sie zurück und stellten stolz ihre kleinen Behälter auf den Tisch der Lehrerin. Einen nach dem anderen öffnete sie und zeigte der Klasse, was darinnen war. Es gab Blumen, Blätter, einen Schmetterling. Die Klasse kommentierte alles mit lauten „ahs“ und „ohs“. Da wurde ein kleiner Behälter geöffnet – leer, nichts drin, gar nichts. Das ist nicht fair, riefen die Kinder, einer hat seine Aufgabe nicht erfüllt. „Das ist meiner“, rief Philipp. „Oh nein“, stöhnten die anderen, „typisch Philipp, du kannst aber auch nichts richtig machen.“ „Nein“, sagte Philipp, „das stimmt nicht. Ich habe es so gemacht. Es war doch leer. Das Grab war leer.“ Von da an hörten die Kinder auf Philipp zu ärgern. Ein paar Wochen später wurde er krank. Philipp starb an einer Infektion, die andere Kinder sicher überlebt hätten. Er nicht. Zur Beerdigung kamen alle Kinder der Klasse; statt Blumen brachte jedes einen kleinen eiförmigen Behälter mit – einen leeren kleinen eiförmigen Behälter. Das war Philipps Osterpredigt. Er hatte es verstanden. Was ist Ostern? Das Grab war leer. Der ans Kreuz Genagelte lebt. Jesus ist auferstanden. Darum feiern wir heute. Freilich möchte auch Paulus uns fragen: Wie steht es mit Eurer Osterhoffnung? Was zählt für Euch, wenn Ihr an Jesus denkt? (Michael Herbst, Osterpredigt über 1Kor 15,19-28, http://www.greifbar.net/GreifBarPlus-108.119.0.html).

Zu V. 19: ‚Nein, nein, ich kann nicht! Ich kann nicht! 75 Jahre bin ich alt, und noch nie in meinem Leben war ich auf dem Friedhof bei einer Beerdigung! Nicht einmal bei meinen Eltern. Ich kann nicht mitgehen! Auch diesmal nicht!‘ Geradezu leidenschaftlich war der Ausbruch des Mannes, mit dem der Pfarrer die Bestattung seiner verstorbenen Gattin zu besprechen hatte. Man muss also nicht zurückgehen bis zu Ludwig XIV., dem französischen Sonnenkönig, von dem erzählt wird, dass er die Vorhänge seines Zimmers jedesmal zuziehen ließ, wenn unten auf der Straße vor dem Schloss ein Leichenzug vorüberkam. Wir finden zu allen Zeiten, und heute mehr denn je, dass Menschen die Augen verschließen vor der harten Wirklichkeit des Todes. Und doch gibt es nichts auf der Welt, das uns tiefer miteinander verbindet als das Wissen: wir gehen alle ausnahmslos dem Tod entgegen. ‚Das menschliche Dasein ist ein Dasein unter den Drohungen des Todes‘, hat Karl Barth einmal geschrieben. Wir haben es vor Augen, dass wir auf allen Flanken unseres Lebens vom Tode umstellt sind. Täglich, stündlich kann es uns überfallen: Herzinfarkt, Krebs, Verkehrsunfall, Lawinenkatastrophe, Flugzeugabsturz, Blitzschlag, Kreislaufversagen, Gewaltverbrechen … . Das Gewisseste, was wir über unser Leben und seine Zukunft wissen, ist dies, dass jeder Mensch unausweichlich und unvertretbar einer letzten Stunde entgegengeht. Niemand kann aber sagen, wann sie kommt (Theo Sorg, Predigt über 1Kor 15,19-28).

„Zwar glauben etwa 60% der Deutschen irgendwie an Gott, aber nur 20% können sich so etwas wie Auferstehung vorstellen. Und auch unter denen die zur Kirche gehören, glaubt nur jeder dritte an die Auferstehung. Paulus tritt ihnen mit aller Klarheit entgegen: Wir haben das gehört. An der Auferstehung hängt alles, sagt er, gibt es keine Auferstehung der Toten, dann ist Jesus tot, im Grab verfault, eben nicht auferstanden. Ist aber Jesus tot, dann haben wir alle unser Leben auf Sand gebaut. Auf ein Märchen! Auf eine fromme Illusion. Solcher Zweifel darf mitten in der Bibel diskutiert werden. Stellt Euch das einen Moment lang vor: Ein toter Jesus, das ist ein Prediger als Rattenfänger, eine Kirche ohne Sinn und Verstand, ein Glaube ohne Fundament, der Feind immer noch an der Macht, die Sünde unvergeben, der große Riss nicht geheilt, die Zukunft ohne Hoffnung (Michael Herbst [Predigt zu 1Kor 15,12-26]).

Zu V. 20: „Zweifle nicht, wenn du stirbst, dass du von den Toten auferweckt werden wirst. Eher muss Gott lügen oder nicht Gott bleiben, ehe du in der Erde sollst bleiben. […] So ist gewiss: Unter der Erde mag ich tausend Jahre liegen, dennoch werde ich von den Toten auferstehen, und vor Gott ist das so gewiss, als wäre es schongeschehen, obwohl du hier stinkend liegst und dich Maden fressen […] schadet nicht! Der Leib soll schöner leuchten als Sonne und Sterne, und dies ist so gewiss, als Christus auferstanden ist und Gott Gott ist […]. Darum erwarte ich den Schall der Posaune […]. Das muss wahr sein, oder Gott ist nichts“ (Martin Luther zitiert nach Hansjörg Bräumer, Entscheidung Nr. 206, H. 2 [1998], S. 21).

Zu V. 22: „Aber Ostern ist nicht der private Sieg des gekreuzigten Jesus. Ostern ist ein Sieg, der mich an diese Fernsehshows erinnert, die eine Zeit lang kamen. Da hatten Hobbygruppen ganze Parkanlagen aus Dominosteinen aufgebaut, mit Brücken und Loops und Kurven und großen Blumengärten und Sportarenen, alles aus Dominosteinen. Und der Trick besteht darin, den ersten Stein anzustoßen, und dann fallen alle der Reihe nach um, das Bild legt sich sozusagen auf die Seite, aber eben nicht chaotisch, sondern ein Stein nach dem anderen. Warum: weil der erste Stein den Anstoß gab. Darum fallen nun auch alle anderen. Genau so ist es mit Jesus. Er ist, so sagt es Paulus, der Erstling unter den Entschlafenen. Ich muss da immer aufpassen, seit ich bei einer Beerdigung einmal schwankte, ob ich von unserem Entschlafenen oder unserem Verstorbenen reden sollte und schon war aus meinem Mund geschlüpft: Lasst uns nun für unseren Verschlafenen beten. Also: Der Erstling unter den Entschlafenen ist Jesus. Der erste Dominostein. Weil er auferstanden ist, kommen wir alle hinterher. Alle, so heißt es, die zu Christus gehören, das ist der zweite Akt im Drama, kommen hinter ihm her“ (Michael Herbst, Osterpredigt über 1Kor 15,19-28, http://www.greifbar.net/GreifBarPlus-108.119.0.html).

Zum Schluss: „Worauf hoffen wir? Und wie weit reicht unsere Hoffnung? Es ist ein großer Unterschied, ob wir auf etwas oder auf jemanden hoffen. Auf etwas hoffen: Hoffen wir auf einen schönen Frühling? Auf einen guten Semesterstart? Auf eine Gehaltserhöhung? Hoffen wir auf einen Neuanfang in unserer Ehe? Auf ein Kind? Darauf, dass es gut wird mit unseren Kindern? Oder doch besser? Hoffen wir auf Erfolg, Zuneigung, Sicherheit? Manchmal geht es in unserer Hoffnung um Leben und Tod: Dann hoffen wir, dass es nicht Krebs ist, nicht Demenz, nicht Parkinson. Das Problem ist, dass es irgendwann irgendetwas davon doch ist. Das Problem ist, dass unsere Hoffnung ganz gewiss irgendwann enttäuscht wird. Dann lassen wir die Hoffnungen schrumpfen: Noch einmal ein Frühjahr erleben, eine Zeit ohne Schmerz, ein Fest in der Familie. Kleine Hoffnung, wenn die großen nicht mehr erfüllt werden. Denn dieses Leben erfüllt unsere großen Hoffnungen immer nur vielleicht, und dann bedingt und stets nur auf Zeit. Auf jemanden hoffen, der den Tod besiegt hat, sagt Paulus, das ist das Entscheidende. Es ist die Nagelprobe unseres Glaubens. Hoffen wir nur in diesem Leben auf Christus, dann sind wir, so sagt es Paulus drastisch, die elendesten unter allen Menschen. Wieso das, Paulus? Ist es denn so schlecht, immerhin in diesem Leben auf Christus zu hoffen? Und tun wir das nicht tagtäglich und belagern ihn mit unseren Bitten. Er möge uns segnen und heilen und stärken und behüten und trösten und erfreuen und gleich unsere Kinder und unsere Ehepartner und unsere Freunde mit dazu. Jetzt und hier – in diesem Leben. Nein, sagt Paulus, das ist schon in Ordnung. Ihr müsst nur wissen: Dieses Leben erfüllt unsere großen Hoffnungen immer nur vielleicht, und dann bedingt und stets nur auf Zeit. Und ist der Horizont Eures Glaubens so klein, dann seid Ihr die elendesten unter allen Menschen. Dann wird nämlich das eigentliche Problem nicht gelöst. Und das eigentliche Problem lernen wir kennen, wenn ein kleiner Junge wie Philipp von einer Infektion dahin gerafft wird. Paulus sagt: Wenn das Problem nicht eine österliche Lösung bekommt, ach, dann lasst es doch lieber. Dann ist alles vergeblich. Wenn es keine Auferstehung gibt, dann ist alles umsonst. Wozu, so wird er sich ein paar Sätze selbst fragen, tue ich mir dann all das an? Wozu sterbe ich täglich? Jage durch die Welt, klebe Plakate, mache mich lächerlich für Jesus, investiere alle meine Zeit in die Mission der Gemeinde, kriege dauernd Ärger, mühe mich um Menschen – wozu? Wenn es nichts zu hoffen gibt, ach, dann lasst uns lieber essen und trinken, denn morgen sind wir tot. Denn irgendwann ist es Herzinfarkt, Altersschwäche, Alzheimer. Und dann ist es sowieso vorbei. Wozu also? Paulus denkt radikal: Wenn es keine Auferstehung gibt, dann ist alles vergeblich. Nun aber, und da setzt sein Widerspruch ein, ist Christus auferstanden von den Toten. Er lebt. In der jungen Kirche, ganz am Anfang, hat man schon versucht, dieses Wunder zu besingen. Zum Beispiel so: Als Lebender rang Jesus mit dem Tod, als Toter hat er den Tod überwunden. Nur ein Weizenkorn wurde ausgesät und starb – und jetzt ernährt es die ganze Welt. Nur ein kleines Licht war er in der Welt, und das wurde ausgelöscht – und jetzt geht es als helle Sonne über allen Menschen auf. Das ist Ostern, liebe Gemeinde: Das feiern wir heute, Jesus zu Ehren, uns zur Freude. Der Herr ist auferstanden! Er lebt – und wir sollen auch leben. Wenn er aber auferstanden ist, ist nichts mehr vergeblich. Dann sind wir nicht die elendesten unter allen Menschen. Dann ist nichts umsonst“ (Michael Herbst, Osterpredigt über 1Kor 15,19-28, http://www.greifbar.net/GreifBarPlus-108.119.0.html).

5. PREDIGTGLIEDERUNG

A. Die Osterfrage (V. 12)
B. Das Osterelend (V. 13-19)
a) Unsere Predigt wäre inhaltslos (V. 13+14a)
b) Unser Glaube wäre heillos (V. 14b-17)
c) Unser Leben wäre hoffnungslos (V. 18+19)
C. Die Osterfreude (V. 20-22)
a) Die überwundene Todesspur
b) Die überwindende Lebenslinie
D. Die Osterfolgen (V. 23-28)
a) Zuerst der Christus
b) Dann die Christen
c) Ferner das Ende