1.Korinther

Predigthilfe vom 5.4.2009 – 1.Korinther 15, 1-11

Monatsthema: Von der Auferweckung des Herrn leben
Predigtthema: Die Realität der Auferstehung

Bibelstelle: 1.Korinther 15, 1-11

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.

Andreas Schäfer. Am dritten Tag: Gedanken zu Ostern. Holzgerlingen: Hänssler. S. 119-133.

John F. MacArthur. 1.Korinther. John MacArthur Kommentar zum Neuen Testament. Bielefeld: CLV. S. S. 425-435 (kostenloser Download unter http://www.clv-server.de/pdf/255680.pdf).

1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Nachdem Paulus die Grundlinien zum Umgang mit den vielfältigen „Gaben“ Gottes aufgezeigt hat (14,40: „Alles aber geschehe anständig und in Ordnung) kommt er nun auf die gemeinsame Grundlage des Glaubens zu sprechen: Das Evangelium. Diese Siegesbotschaft (= Evangelium) von der Kreuzigung und Auferstehung des Christus ist der Grund ihres Glaubens und das Mittel ihrer Errettung (vgl. Röm 1,16f).

Um die Realität der Auferstehung klar darzulegen (= Predigtthema) geht es Paulus hier um die sorgfältige und zuverlässige Nachrichtenübermittlung, die er vierfach absichert, damit wir von der Auferweckung des Herrn leben können (= Monatsthema).
a) Was er verkündigt ist nicht seine eigene Meinung und Erfindung, sondern er überliefert, was er selber empfangen hat (15,1f).
b) Er betont, dass die Kreuzigung und Auferstehung in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes geschieht. Gott hat seine Heilsgeschichte längst vorbereitet und angekündigt, was doch keiner wahrhaben wollte, was aber in der Bibel zuverlässig überliefert vorliegt und nachgeprüft werden kann (15,3f).
c) Er nennt Zeugen, die man befragen kann und die gesehen haben und betätigen können, was geschehen und geschildert ist. So wird klar, dass es sich nicht um Visionen handelt, die man sich selber produziert (15,5-9).
d) Er beschreibt die Wirkung und Veränderung die diese Botschaft in seinem Leben und im Leben der Gemeinde entfaltet hat (15,10f).

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN (zum Text der Elberfelder Bibel)

A) Christen glauben das rettende Evangelium (V. 1+2)

Paulus legt den Grund für den Glauben der Gemeinde, indem er sie zuerst an das Evangelium erinnert, das er ihnen gebracht hat. Ostern ist demnach kein isoliertes Geschehen, das man für sich alleine betrachten, verstehen oder ablehnen kann. Ostern ist und muss mit dem ganzen Evangelium verklammert bleiben. Damit wird deutlich, das Ostern ein elementarer und unablösbarer Bestanteil des Evangeliums ist. Diese frohe Botschaft macht frei und froh, reißt aus allen trüben Gedanken und Resignation heraus. Wer die Auferstehung leugnet, kann sich dazu nicht auf das Evangelium berufen.

V. 1: Der Ausdruck Brüder (adelphoi) kann vom gr. her auch mit Geschwister (adelphoi) übersetzt werden. Die „adelphoi“ sind die aus dem gleichen Mutterschoß geborenen und somit stellt Paulus klar, dass er die Angesprochenen als Mitchristen betrachtet. Es geht hier nicht darum, dass ständig etwas Neues gepredigt werden muss, sondern dass das, was man glaubt und von dem man lebt fest bleibt bzw. wird (vgl. 2Petr 1,12-15).

V. 2: Warum wird hier der Ausruckt „ihr werdet gerettet“ gebraucht? Sind die Christen in Korinth nicht gerettet worden, als sie das Evangelium und damit Jesus Christus aufgenommen haben? Einerseits entdecken wir im NT, dass die Rettung durch Jesus Christus eine einmalige Handlung Gottes in unserem Leben ist und beim Gläubigwerden eines Menschen an Jesus Christus geschieht (Röm 8,24; 2Tim 1,9; Eph 1,13f) und die Gläubigen in Folge dessen in einem Zustand des Gerettetseins leben (Eph 2,8). Andererseits ist die Rettung aber auch noch ein Ereignis der Zukunft (2Tim 4,18; 1Petr 1,5). Aber bis zu diesem Ereignis werden die Gläubigen durch den Glauben in der Kraft Gottes bewahrt (1Petr 1,5). Sie sind auf Hoffnung gerettet (Röm 8,24). So ist das schon „Gerettetsein“ die Grundlage des noch „Gerettetwerdens“. Die Formulierung „es sei denn, dass ihr vergeblich zum Glauben gekommen seid“ ist eine eindringliche Warnung vor einem nichtrettenden (= falschen) Glauben (Mt 7,22f). Nur durch Gottes Kraft werden und bleiben wir gerettet (Röm 1,16f), weshalb die Korinther und wir beim Evangelium bleiben müssen, denn so hält uns Christus fest bis ans Ende (Joh 15,5).

„Dass die Gemeinde in Korinth trotz ihrer großen Unreife und vielen Schwächen weiterbestand, war ein großes Zeugnis für die Kraft des Evangeliums. Wer außer dem auferstandenen, lebendigen Christus konnte Erpresser, Räuber, Ehebrecher, Hurer, Knabenschänder, Lügner, Götzendiener und derlei weltliche Heiden in eine Gemeinschaft von Erlösten umgestalten? Trotz ihrer Unzulänglichkeiten und Fehler, trotz der unechten Nachfolger in ihrer Gemeinde lebte Christus in und durch die wahren Heiligen. Paulus schämte sich für vieles, was sie taten oder nicht taten, aber er schämte sich nicht, sie Brüder zu nennen“ (nach MacArthur, 1Kor, S. 428).

B) Christen glauben dem ganzen Wort Gottes (V. 3+4)

Woran wird hier erinnert? Hier wird auf das Fundament hingewiesen: Alles geschieht nach dem zuverlässigen Wort Gottes, dass wir in der Bibel haben. Kreuzigung (1Kor 1,18; 2,2) und Auferstehung (1Kor 15,17-20) Jesu gehören unlösbar zusammen. Die Auferweckung Jesu am Ostermorgen ist die Unterschrift und das amtliche Siegel des Vaters unter das Leben und Sterben des Sohnes. „Weil das Geschehen vom Ostermorgen Jesu Tod für uns erst völlig in Kraft setzt und weil Paulus die Wirklichkeit und Tatsächlichkeit dieser Auferstehung hier so gründlich bezeugt, darum kann er auch in aller leidenschaftlichen Liebe darauf bestehen: Der Gekreuzigte allein ist das Heil! Nur in ihm ist die Rettung! Das Kreuz ist wirklich Inhalt des Evangeliums, nicht ein peinlicher Zwischenfalle! Jetzt nach der Auferweckung können wir erst anfangen, richtig zu begreifen, was Gott uns in dem Gekreuzigten schenkt“ (nach Ulrich Parzany. Worauf es bei der Auferweckung Jesu ankommt. Kirche am Markt vom 11.04.1982).

Schon im AT ist die Auferstehung des Messias als eine leibliche Auferstehung vorhergesagt (vgl. z.B. Sach 12,10 [Offb 1,7] mit Joh 19,37). Doch stellt sich die Frage, wo im AT verheißen wird, dass er am dritten Tag auferstehen sollte. Jesus selbst sagt seinen Jüngern immer wieder, dass er am dritten Tage von den Toten auferstehen würde (Mt 16,21; 17,23; 20,19; Lk 9,22; 18,33; 24,7.46) und die atl. Grundlage dafür findet sich im Beispiel des Jona (Mt 12,40).
Der erste Tag war der Freitag, der zweite der Samstag (Sabbat), der dritte der Sonntag. Nach hebr. Denk- und Sprechweise stimmt sogar der Ausdruck „drei Tage und drei Nächte“ (Mt 12,40; vgl. Mk 8,31; 9,31; 10,34), denn „Tag und Nacht“ sind ebenso wie „Abend und Morgen“ (1Mose 1,5ff) Bezeichnungen für einen Kalendertag und außerdem zählt im Hebräischen jeder angebrochene Tag ganz (nach G. Maier, Lukasevangelium, S. 687).

„Jesus, Petrus und Paulus führen Stellen des Alten Testaments an oder verweisen auf solche, wie z.B. 1. Mose 22,8.14, Psalm 16,8-11, Psalm 22, Jesaja 53 und Hosea 6,2. An unzähligen Stellen sagt das Alte Testament den Tod Jesu, seine Grablegung und seine Auferstehung voraus, direkt oder indirekt, wörtlich oder als Redewendung“ (nach MacArthur, 1Kor, S. 430).

C) Christen glauben an die Auferstehung Jesu (V. 5-11)

Die Formulierung „er ist gesehen worden“ mein das Sehen mit den Augen und nicht den Eindruck einer Vision oder Einbildung. So wird klar, dass die Auferstehung eine historisch nachprüfbare Wirklichkeit hat: Petrus – die Zwölf – 500 Brüder – Jakobus – Apostel – Paulus selbst.

Warum lässt Paulus die Frauen als Zeugen der Auferstehung aus? Frauen waren damals als amtliche Zeugen nicht anerkannt. Hier wird deutlich, dass Paulus eine zuverlässige und nachprüfbare Beweiskette ausführen will.

„So wie das Herz Leben spendendes Blut in jeden Teil des Körpers pumpt, so spendet auch die Wahrheit der Auferstehung jedem anderen Bereich des Evangeliums Leben. Die Auferstehung ist der Angelpunkt, um den sich alles im Christentum dreht und ohne den keine der anderen Wahrheiten von Bedeutung wäre. Ohne die Auferstehung würde sich das Christentum als Wunschdenken unter all die anderen menschlichen Philosophien und religiösen Spekulationen einreihen“ (nach MacArthur, 1Kor, S. 426f).

3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Ohne die Auferstehung Jesu gibt es keine Erlösung und ohne Glauben an die Auferstehung kann man keine Erlösung empfangen. »Denn wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet werden« (Röm 10,9). So ist es nicht möglich, Christ zu sein, ohne an die Auferstehung zu glauben. Wir werden hier mit allem Nachdruck davor gewarnt, von Jesus nur die Verbesserung unserer Lebensqualität zu erwarten. Der Lebensweg ist keine Umleitung um den Tod, sondern er führt mitten durchs Sterben hindurch. Wäre darum der Tod Jesu das Letzte gewesen, dann gäbe es keine Hoffnung und nur der Tod würde auf uns warten. Aber Jesus ist auferstanden! Und damit haben wir kein totes Vorbild, sondern eine lebendige Hoffnung, die sich nicht nur auf das Jenseits ausrichtet, sondern unser Diesseits verändert. Diesen Glauben gilt es zu bekennen und zu leben.

4. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNG

Zum Einstieg:
„Jedes Bauwerk muss auf einem tragfähigen Fundament stehen, wenn es Bestand haben soll. Das weiß heute jedes Kind. Man kann ein Gebäude nach allen Regeln moderner Architektur erstellen und mit erlesenem künstlerischem Geschmack einrichten – wenn der Statiker bei seinen Berechnungen für das Fundament falsche Werte zugrunde gelegt hat, ist Gefahr im Verzug. Ist kein solides und ausreichendes Fundament geschaffen, dann werden sich früher oder später am Haus Risse zeigen und sein Besitzer wird Ärger bekommen. Alles hängt am rechten Fundament. Das gute oder schlechte Fundament entscheidet über den Bestand und die Brauchbarkeit eines Hauses.
Wenn man uns Christen fragt nach dem Grund unseres Glaubens und nach dem Fundament, auf dem die Kirche steht, so ist die Antwort klar: Glaube ist deshalb möglich, die Kirche hat dadurch Dauer und Bestand, weil Jesus lebt. Dass er, der Gekreuzigte, nicht im Tode geblieben ist, sondern von Gott zu neuem Leben erweckt wurde, ist das grundlegende Ereignis fiir den Glauben der Christenheit. Auf diesem Grundstein steht die Kirche. Wenn dieses Fundament sich als nicht tragfähig erweisen sollte, dann wäre beides, der Glaube und die Kirche, fundamental bedroht“ (nach Theo Sorg. Auferstehung: Wahn-Wunschtraum-Wirklichkeit?, S. 10).

Zu V. 3f:
„Die Auferweckung Jesu Christi ist wie ein Mauerhaken, den Gott in das Gestein unserer Erde eingelassen hat. Wie ein Bergsteiger am Fels an einem Haken Halt findet, den andere vor ihm in die Wand eingeschlagen haben, so hängt an dem Haken der Auferstehung Jesu für uns Christen schlechthin alles. Durch ihn läuft das Seil unseres Glaubens, das uns trägt und über dem Abgrund der Angst, das Seil, das die Kirche hält in allen Wirren der Zeit. „Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt“ – dieser Satz bedeutet Leben, er vermittelt Hoffnung. Und was brauchen wir heute nötiger, als dass unsere bedrohten und erlöschenden Hoffnungen neu angefacht werden und sich auf ein festes Ziel ausrichten! Wir, die wir weltweit und im eigenen land in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krisen leben. Wir, die wir erfahren, wir Werte zerfallen und junge Menschen ohne Lebensperspektive bleiben. Doch gerade für solche, die in ihrem Leben Hoffnung begraben mussten, gilt: Seit Ostern haben wir ein Wort, das Hoffnung begründet und Zukunft eröffnet“ (nach Theo Sorg in idea spektrum 13/1994).

Zum Ausblick:
„Die Auferstehung war der Schwerpunkt der Lehre Christi. Er lehrte seine Jünger, »der Sohn des Menschen müsse viel leiden und von den Ältesten und den obersten Priestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen wieder auferstehen« (Mk 8,31; vgl. 9,9.31). Er sagte: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt« (Joh 11,25). Die ersten beiden Predigten nach Pfingsten konzentrierten sich auf die Auferstehung Christi (Apg 2,14-36; 3,12-26). Aufgrund dieser Wahrheit hatten sich die Nachfolger des gekreuzigten Rabbis in mutige Zeugen und Märtyrer verwandelt, die in wenigen Jahren das Evangelium im Römischen Reich und darüber hinaus verbreiteten. Der Glaube an die Auferstehung, die Wahrheit, dass das Leben für diejenigen, die an Christus glauben, nur der Auftakt für das kommende Leben ist, kann durch Spott, Gefängnis, Folter oder Tod nicht ausgelöscht werden. Keine Angst oder Furcht in diesem Leben kann die Hoffnung und Freude des zugesicherten kommenden Lebens dämpfen“ (nach MacArthur, 1Kor, S. 426).

5. PREDIGTGLIEDERUNG

Die Realität der Auferstehung,
a) wird von der Gemeinde bekannt (V. 1+2)
b) wird von der Bibel beglaubigt (V. 3+4)
c) wird von den Augenzeugen bestätigt (V. 5-9)
e) wird von uns bezeugt (V. 10+11)

Nach Andreas Schäfer:
a) Die Auferstehungswirklichkeit
b) Der Auferstehungswirkungskreis
c) Die Auferstehungswirksamkeit

Nach John F. MacArthur:
a) Das Zeugnis der Gemeinde (V. 1+2)
b) Das Zeugnis der Heiligen Schrift (V. 3+4)
c) Das Zeugnis der Augenzeugen (V. 5-7)
d) Das Zeugnis eines besonderen Zeugen (V. 8-10)
e) Das Zeugnis der gemeinsamen Botschaft (V. 11)