Matthäus

Predigthilfe vom 12.11.2006 – Matthäus 5, 17-20

Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der alles von ihm erwartet
Predigtthema: Sein Wort allein ist wahr

Bibelstelle: Matthäus 5, 17-20

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen:
Die Bergpredigt stellt übliche Werte auf den Kopf (1).
Der Text im Zusammenhang (mind. V 17-48). Jesus beginnt in fünf Abschnitten mit „Ihr habt gehört…“, zitiert je eine wichtige AT-Stelle und nimmt Stellung mit „Ich aber sage euch…“.
Ziel seiner Lehre ist, den Willen des Vaters aufzudecken (Hbr 11, 1f). Er selbst ist die Offenbarung des AT, das Wort (Jo 1, 1ff; Offb 19, 13) und die Wahrheit (Jo 14, 6). Das Gesetz ist „dazwischen hineingekommen“ (Rö 5, 20) um Sünde aufzudecken, um Pädagoge zu sein, der auf Christus hin erzieht (Gal 3, 19ff).
Jesus stellt hier keine „Antithesen“ zum AT auf, sondern stellt Gottes Willen ins eigentliche Licht (2).
Hier wird auch das Verhältnis von Gesetz und Gnade deutlich. Gnade deckt Sünde nicht einfach zu, sie geschieht durch stellvertretende Strafe am Kreuz.
Allerdings muss jeder, der zum Vater will, durch eine schreckliche Gefahrenzone unter den Blick des Richters, das ist ohne den Beistand Jesu nicht zu ertragen. Wer ein neuer Mensch werden will, muss vorher sein Sterben kennen lernen. Christus lässt seine Nachfolger am Anfang ihres Weges die unerbittliche Härte des Gesetzes spüren, das ins Sterben führt. Es gibt keine privilegierten Taufscheinbesitzer und Kirchensteuerzahler, die ihren „Himmelspass“ schon in der Tasche haben.

Bausteine:
V 17 Jesus zerstreut den Verdacht der frommen Juden vom „rechten“ Flügel, die konservativ, gesetzestreu Neuerungen ablehnten (3). Gleichzeitig zerstört er die radikalen Hoffnungen vom „linken“ Flügel, die immer Umsturz planten. Sein Reich widerspricht der Offenbarung Gottes im AT nicht, allerdings befindet sich Jesus im Widerspruch zur traditionellen, kleinkarierten Schriftauslegung durch Pharisäer und Schriftgelehrte.
Sein Auftrag war nicht Zerstörung, sondern Aufbau.
Die neue Ordnung ist allerdings eher noch strenger als gewünscht. Zwar sind Jesusleute nicht mehr „unter dem Gesetz“, weil das Gesetz weder Weg noch Mittel zum Heil vor Gott sein kann (Rö 3, 20; Gal 3,11.13). Aber die Gerechtigkeit Gottes muss auch in ihnen erfüllt werden (4). Sie sind nun im „Gesetz Christi“ (1. Ko 9, 21). Das ist der Unterschied: Wo früher das Verhältnis Gott – Mensch durchs Gesetz geregelt war, herrscht nun die Liebe als oberster Maßstab (Röm 13, 10).
Die GNADE Gottes ist kein Deckmantel für Sünde, ist nicht „billig“.
Von den zehn Geboten des AT kommen übrigens neun im NT vor (5).
Erfüllte Jesus das Gesetz? Zunächst NICHT im Sinne scheinheiliger Pharisäer, die durch Tricks das Gesetz aushöhlten (6). Aber DOCH auf 4-fache Weise:
1. Er war selbst die geschichtliche Erfüllung (Gal 4, 4; Jo 19, 28).
2. Er erfüllte, verkörperte das Gesetz STELLVERTRETEND für uns, die Versager.
3. Er erfüllte das Gesetz durch seinen Opfertod, als einmalige, völlig ausreichende Sühne für unsere Verstöße.
4. Er offenbarte den eigentlichen Sinn des Gesetzes und öffnet seinen Leuten die Augen für die Liebe Gottes, die dahinter steht.
Das AT ist praktisch nur die Knospe des Evangeliums, das im NT aufblüht. Die Offenbarung im AT ist nicht unvollkommen, nur unvollendet. Jesus vollendet sie.
V 18 wörtl.: „nicht ein einziges Jota oder Häkchen“. Jota war der kleinste hebräische Buchstabe, „Tüpfelchen“ oder „Häkchen“ wohl Teil eines Buchstabens. Auch das „kleinste“ Gesetz gilt bis zum Ende der Tage.
AMEN, „wahrlich“ bedeutet: Nehmt es für gewiss. Eine Bestandsgarantie für das AT. G. Maier: „Die Psalmen und das Estherbuch sind genauso gemeint wie Jesaja und die Mosebücher“ (7).
Gottes Wort besitzt „Wirkungsautorität“. Es „kommt nicht leer zurück“ (Jes 55, 11), ist der „Hammer…“ (Jer 23, 29).
V 19 Wer das AT kürzt „stellt sich dem Wirken des Willens Gottes in den Weg.“ (G. Maier)
Ob die „Geringsten“ vom Reich ausgeschlossen werden ist nicht gesagt.
Tun ist mehr als Wissen, s. Bergpredigt. Lehren und Tun gehören zusammen, sind keine unterschiedlichen Stiefel. Wer ist „groß“ aus Gottes Sicht? (8)
Gottes Wort „lehren“ gehört zu den wichtigsten Aufgaben (Mt 13, 43; Dan 12, 3).
V 20 Auf dem Weg des Gesetzes gilt „ganz oder gar nicht“ (Jak 2, 10). Und weil niemand außer Jesus vollkommen ist, sind unsere Gesetzesverstöße Normalfall.
Jede Abschwächung der Gebote durch Relativierung, geschickte Umgehung, „Aufsätze der Ältesten“ (Mk 7, 5) oder sympathieauslösende, „seelsorgerische und geistliche“ Auslegung wird weggefegt durch Gottes Wort.
„Hineinkommen“ ist ein beliebter Ausdruck der Juden gewesen, die an der endzeitlichen Herrschaft Gottes teilhaben wollten (Jo 3, 5; Mt 18, 3; 19, 23; Apg 14, 22; Röm 11, 25).
KEIN Mensch hat aber aus eigenem Vermögen eine Chance, am Reich Gottes teilzunehmen.
Der „gute Kern“ im Menschen ist nicht vorhanden. Heutige „Gutmenschen“ können beeindrucken, z.B. durch ihre Einsätze bei der „Erhaltung der Schöpfung“, aber sie können dadurch keinen Eindruck auf Gott machen.
Unser flaches Verständnis von Sünde hält vor Gott nicht stand.
JEDER Mensch muß durch die Gefahrenzone vor dem Richter Gott durch und sich so sehen, wie Gott ihn sieht. Ohne den Rechtsbeistand Christus: Keine Chance.
Wer als neuer Mensch ins Reich Gottes will, muss vorher STERBEN (Röm 6, 11).
Wir selbst sind hier am Ende. Jesus ist nicht der „liebe Heiland“, der mit links vergibt (9). Auch die Gnade Gottes ist nicht billig! – der Gottessohn zahlt dafür auf Golgatha – für mich.

NUR die STELLVERTETENDE Gesetzeserfüllung und der Sühnetod Jesu bereiten Menschen für die Ewigkeit zu. Und deshalb gründet unser Heil nicht mehr auf der Erfüllung des AT (das schafft ja auch keiner), sondern auf dem, was Jesus für uns tat und tut. Konsequenz: Jesus konsequent nachfolgen (Mt 11, 28f).
Eigentlich „unglaublich“ befreiend ist, dass der Vater unsere schmutzige Hand nimmt und das auch noch feiert (Lk 15, 24b).
Luther: Zuerst ist Gott mein Ankläger und mein Herz mein Verteidiger. Dann ist es umgekehrt: Mein Herz (Gewissen) klagt mich an und Gottes Sohn wird mein Verteidiger.
Alle Anfechtungen und Angriffe von innen (Rö 7) und außen scheitern nun am „Christus ist hier“ (Rö 8, 1.34).

Gliederungsvorschlag (nach G. Maier)
1. Gottes Gesetz gilt. Das ganze AT samt Gesetz bleibt bis zur Neuschöpfung in Kraft.
2. Nur Jesus erfüllt das Gesetz – STELLVERTRETEND für uns.
3. Fazit: Jesus will der Herr unseres Lebens sein, sonst sind wir verloren.

Fußnoten
(1) F. G. Chesterton: „Liest man die Bergpredigt zum ersten Mal, so hat man das Gefühl, dass alles auf den Kopf gestellt wird. Beim zweiten Mal entdeckt man, dass alles genau richtig gestellt wird. Zuerst denkt man, ein solches Leben sei unmöglich, um dann festzustellen, dass nichts Anderes möglich ist.“
(2) Gerhard Maier, Bibelkommentar: „Die Bibel gleicht einem Baum. Die Wurzeln sind die Verheißungen an die Väter, der Stamm das AT, die Krone mit den Früchten das NT. Die Frucht ist das Ziel des Ganzen. Aber die Krone kann nicht den Stamm – sprich: das AT – entlassen. Vielmehr bildet der gesamte Baum eine Einheit, die wir die Offenbarung Gottes nennen. Wohl ist es wahr, dass die Frucht nicht am Stamm kommt, sondern an der Krone. Aber die Krone ist nur verständlich, wenn man Wurzeln und Stamm kennt.“
(3) Solche Leute finden sich in allen religiösen Gemeinschaften.
(4) Verständlich waren die Ausführungen von Hans-Peter Royer beim Christustreff 2006 vormittags.
(5) Mk 10, 19-22; Rö 7, 7; 13, 8-10; Kol 3, 9; Jak 2, 8-13, 5, 12; 1. Jo 5, 21. Lediglich das Sabbatgebot taucht im NT nicht mehr auf.
(6) zB: Weil man am Sabbat nicht weit gehen durfte, legte man einen Wassersack auf den Sattel, denn Reisen auf dem Wasser (Meer) waren erlaubt.
Z.B: Weil man sich am Sabbat nicht weit vom eigenen Grundstück entfernen durfte, ließ man einen Knecht in regelmäßigen Abständen je einen Quadratmeter Boden für kurze Zeit kaufen, und blieb so auf der Reise immer „in Heimatnähe“.
Z.B: Den Eltern konnte man die Versorgung entziehen, indem man das Geld für gute Zwecke spendete (Mat 15, 4-6; 2. Mo 20, 12 ; 5. Mo 27, 16).
(7) In der Geschichte wurde zu allen Zeiten versucht, Gottes Wort zu verkürzen oder relativieren.
Von Antiochus Epiphanes (2. Jahrh.) über das „3. Reich“ („Das AT ist ein Judenbuch“) bis zu modernistischen „Theologen“, die meinen, biblische Inhalte unserer Zeit anpassen zu müssen.
Dagegen räumen Historiker ein, dass die Bibel das bestüberlieferte Schriftstück des Altertums ist.
(8) Päpste und Regenten wurden gern „der Große“ genannt. Verantwortliche Mitarbeiter (Verkündiger, Bezirks- und Gemeinschaftsleiter [?]) werden in Einzelfällen verehrt und wenigen hat es gut getan: „XY hat sich verdient gemacht. Weißt du noch, als Bruder XY …“. Jesus warnt vor solchen Entwicklungen.
(9) Früheres Kinderlied „Immer fröhlich, immer fröhlich, alle Tage Sonnenschein. Voller Schönheit ist der Weg des Lebens…“ stimmt so nicht.