1.Mose

Predigthilfe vom 19.11.2006 – 1.Mose 17, 1-27

Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der alles von ihm erwartet
Predigtthema: Seine Zusage trägt

Bibelstelle: 1.Mose 17, 1-27

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen:
Erst 13 Jahre nach Ismaels Geburt schließt Gott seinen Bund mit Abram. ER allein ist der Handelnde.
GOTT offenbart seinen Namen El Schaddai, GOTT stiftet den Bund, GOTT gibt das Gebot zur Beschneidung, GOTT bestimmt den Erben des Bundes.

Bausteine:
V 1 Die Bedeutung von „El Schaddai“ ist unklar (1). Neuere jüdische Übersetzungen meinen: „Ich bin genug. Ich bin der, der spricht: GOTT IST GENUG!“
Namen sind heute oft zu Rufmitteln verkümmert, vor wenigen Generationen noch wollte man mit Gotthilf, Traugott, Gottlieb, Christian noch einen Wunsch oder Inhalt ausdrücken. In der Bibel beschreiben Namen oft den ganzen Menschen ( 1. Mo 32, 29; Joh 1, 41).
„Vor Gott GANZ wandeln“: Henoch und Noah wandelten MIT Gott (1. Mo 5, 22.24; 6, 9), Abraham soll VOR Gott leben, d. h. „unter seinen Augen“.
GANZ beschreibt auch „uneingeschränkt, vollendet, echt, rückhaltlos“. Auch Opfertiere sollten ohne Tadel sein, an denen nichts fehlte (1. Mo 1, 3).
GOTT IST GENUG: in jedem Los und Leid (Röm 8, 38f; 1. Kor 10, 13). Er setzt Grenzen (Paradies), benutzt dann 10 Grenzpflöcke (2. Mo 20). Diesen Raum verlassen ist Sünde – das rabbinische Judentum spricht von „Übertretung“.
Er bestimmt das Maß und wünscht, dass der Mensch den ihm zugeteilten Bereich annimmt, beherrscht, bebaut und bewahrt (1. Mo 1, 28; 2, 15).
V 2 und V 7 beschreiben den Bund.
V 2 Genauer: „stiften, geben“. Der Bund ist komplett GOTTES Tat, also kein Vertrag zwischen gleichberechtigten Partnern. Gott lässt sich herab und bindet sich an seine Versprechen (2).
V 3 Abrahams Reaktion: Sich-Niederwerfen. Nach Hj Bräumer „ein Ausdruck tiefster Beugung, hingebenden Vertrauens, überwältigender Freude“. Wer sein Gesicht im Staub hat, hört auf zu sehen, HÖRT nur noch. Selig sind, die beim Glauben nicht auf das Sehen angewiesen sind … (Jo 20, 29). Das Sehen kommt noch (1. Ko 13, 12; Offb 22, 4).
Wer vor Gort niederfällt, bejaht seinen Weg und sagt in Körpersprache Amen.
V 5 Abram bedeutet: „Gott, der Vater, ist erhaben“. Abraham wörtlich: „Vater eines Getümmels von Volksstämmen“. Zuerst ein Bekenntnis zu Gott, dann Gottes Bekenntnis, Versprechen gegenüber Abraham (3).
V 9f Gott bindet sich. Die Antwort des Menschen ist die Beschneidung (4). Ein Zeichen, das der Mensch willentlich übernimmt, um seine Zugehörigkeit zum Bund zu bejahen und vor anderen lebenslang zu bezeugen.
V 11f Der Mensch bejaht das Gemeinschaftsverhältnis durch ein Wortzeichen: Gott ist genug!
Parallelen zur Taufe: Der Mensch sagt ja und bekennt sich zu Gottes Ja.
Deshalb wird eine Herzensbeschneidung gefordert (3. Mo 26, 41; Jer 4, 4; 9, 25; Hes 44, 7).
Als die Nachkommen Abrahams im Exil saßen und Gottes Gebote vernachlässigten, wurde die Beschneidung zum Bekenntnisakt.
V 13f Familie und Verwandtschaft bildeten eine gemeinsame gottesdienstliche Einheit (5).
Wer beschnitten war lobte den Gott der Bibel. Die Beschneidung ist das Zeichen des Alten Bundes. Mit dem Neuen verliert die Beschneidung ihre Bedeutung (6).
Juden versuchten gerecht zu werden durch Einhaltung von Gesetzen. Der Christ weiß, dass es Gerechtigkeit nur durch Glauben an Jesu Stellvertretung gibt (Röm 5, 1; 8, 1ff).
V 15ff Der Unterschied zwischen den Namen Sarai (Fürstin, Herrin) und Sara ist nur noch schwer zu erklären. Versuch, nach Hj Bräumer: „Aus Sarai, der überragenden Fürstin, wurde Sara, die maßhaltende, maßgebende und maßsetzende Herrin“.
Das weibliche Geschlecht braucht keine Beschneidung, äußere Erinnerungs- und Bekenntniszeichen. Frauen ist Treue oft eher ein inneres Anliegen. Sie richten sich mit weniger Widerspruch nach bewährten Regelungen (und bilden vielleicht auch deshalb in christlichen Versammlungen „stille Mehrheiten“).
Gottes SEGEN zeigt sich im AT meistens in erkennbaren Wachstumszahlen: Kinderzahl, Land, Ernte, Einfluss, u. ä. Segen im neuen Bund geschieht in „geistlichen, himmlischen Gütern“ (Eph 1, 3).
Segen hat allerdings immer noch mit Mehrung zu tun.
Abraham möchte auf das Nachweisbare, Überschaubare, „wissenschaftlich“ Begründete ausweichen (7).
Parallelen zum Jünger Thomas (Jo 20, 25).
V 17 Das Lachen Abrahams kann Vieles bedeuten (8). Von Kleinglaube darf nur der reden, der ebenfalls 100 Jahre alt ist.
V 18f Isaak wird übersetzt mit „Gott lacht“ oder „Er lacht“ (Vater oder Kind?).
Der Bund läuft zwar nur in Isaaks Bereich, aber Gott vergisst die Ismael-Völker nicht. Ismael bleibt Abrahams Sohn und „profitiert“ vom Segen Gottes.
V 23ff Abraham GEHORCHT. Gott handelt 4-fach (s. Vorbemerkungen) und Abraham handelt einfach ohne Zögern. Bekenntnis und Gehorsam sind EIN Paar Stiefel.
Ein größeres Problem war, dass Abrahams Familien-, Verwandtschafts- und Mitarbeiterzahlen kaum noch überschaubar waren. Er handelt trotzdem SOFORT UND KONSEQUENT.

Was bleibt für den Christen?
Vieles ist durch Christus neu geworden.
Die Beschneidung wurde ersetzt durch Bekehrung und Wiedergeburt (2. Ko 5, 17).
Herzensbeschneidung ist angesagt (Hes 36, 26; Röm 2, 28; 2. Ko 5, 17).

Gliederungsvorschlag
1. Gott stellt sich vor.
2. Gott schließt seinen Bund – ganz von sich aus.
3. Gott wartet auf meine Antwort.

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Fußnoten
(1) Nach Hj. Bräumer: der Gewaltige und Starke, der Herr, die Mutterbrust, der Blitzeschleuderer, der
Aller-Höchste, der Herzenskenner, der Gott des Feldes, der Genügende. Für “der Genügende“ entscheiden sich Kirchenlehrer ab ca. 160 n.Chr.
„Jahwe“ war ab 1. Mo 4, 26 sein Name.
(2) Übrigens hat unser „Bitten“ (Mt 7, 7f) seine Wurzeln in „Binden“. Gott bindet sich freiwillig an seine Zusagen.
(3) Interessant ist, dass sich der Wortabschnitt „raham“ im Arabischen (= Ismaels Völker) bis heute erhalten hat als „Menge“ (nach Hj Bräumer).
(4) Wie umfassend medizinische Ausführungen dazu in den sonntäglichen Gottesdienst statt in die Bibelstunde gehören, bleibt der Weisheit des Predigers überlassen.
In Abrahams alter Heimat im Osten, dem Zweistromland, in Babylon, Assyrien und allerdings auch bei den Philistern kannte man keine Beschneidung. In der Antike war sie im Westen aber üblich.
Gründe für die außerjüdischen Beschneidungen waren hygienische, medizinische, gesellschaftliche und religiöse Gründe. Zwecke waren Reinerhaltung, Förderung der Fruchtbarkeit und Krankheitsverhütung. Das Alter der Jungen lag zwischen 6 und 14 Jahren. Die Vorhaut wurde entfernt.
Eingeborenenstämme führ(t)en die Beschneidung an männlichen und weiblichen Kindern durch.
Der Unterschied zu den anderen Beschneidungen: Gott selbst ordnet sie per Gebot an, legt den Termin fest (V 12) und bezieht die Sklaven der Familie, die fremden Völkern angehörten, ein. Mit der Beschneidung verliert der Sklave seine frühere Volks- und Religionszugehörigkeit.
Mutter und Knabe sind 7 Tage nach der Geburt unrein (3. Mo 12, 2f), dann Beschneidung, Fortdauer der Unreinheit mütterlicherseits bis zum 40. Tag (3. Mo 12, 4).
(5) Beispiel: „mit seinem ganzen Hause“ (Apg 10, 2; 16, 15.31).
(6) Missionssituation: Paulus und Timotheus waren beschnitten, während Titus („Heidenchrist“ griech. Herkunft) nicht beschnitten wurde.
(7) Nur eine Frage: Um wie viel leichter fiele uns das Glauben, wenn die christlichen Naturwissenschaftler endlich unsere Überzeugung von Gottes Schöpfung weltweit und überzeugend durchsetzen könnten …
(8) Überwältigende Freude, Zweifel, dass zwei so alte Menschen ein Kind bekommen könnten, Verwunderung, Unglaube.