Monatsthema: Folgen der Auferstehung Jesu
Predigtthema: Glaube konkret – aus der Enge in die Weite
Bibelstelle: Johannes 20, 19-23
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Das Osterfest liegt nun hinter uns. Aber was ist von der Osterfreude geblieben? Ostern bedeutet im dt. „Morgenröte“ und aus diesem Grund soll in diesem Monat (Monatsthema: Folgen der Auferstehung) davon berichtet werden, wie es im Leben der Nachfolger Jesu „wieder Tag wurde“, wie Menschen wieder froh wurden. In dieser ersten Predigt (Predigttext: Joh 20,19-23) nach Ostern geht es um geschlossene Türen, verschlossene Herzen und durchbrochene Mauern (Predigtthema: Aus der Enge in die Weite). Wir zeigen in der Predigt auf, wie sich das Leben der Nachfolger Jesu verändert, wenn sie dem Auferstandenen begegnen. „Es ist die Situation der verschlossenen Tür: Niemand wagt mehr hinauszugehen, und es wird auch gar nicht damit gerechnet, dass jemand hereinkommt, höchstens, dass Feinde auch sie ergreifen wollen. Es sind Jünger ohne den Auferstandenen. Es ist ein Sonntag, ein erster Tag der Woche, ohne Hoffnung, ohne Freude. Aber dieser auferstandene Herr hat mit seinen Jüngern in dieser Welt Großes vor“ (Walter Schaal). Deshalb kommt Jesus, tritt mitten unter sie, spricht mit ihnen, zeigt ihnen wer er ist, beauftragt sie und bläst sie zum Zeichen dessen, was sie noch erhalten werden, an. In der Verkündigung zeigen wir auf, wie Jesus damals und heute seinen Nachfolgern begegnet und sie zu dem befähigt, wozu er sie beruft. In diesem Gottesdienst entfalten und veranschaulichen wir deshalb vier Kennzeichen einer Lebenswende:
* Aus Furcht zur Freude (V. 19f)
* Aus Erstarrung zu Perspektiven (V. 21)
* Aus Müdigkeit zur Zuversicht (V. 22)
* Aus Überforderung zur Vollmacht (V. 23)
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Gerhard Maier. Johannesevangelium 2. Teil – Edition C Bibelkommentar 7 (S. 359-369).
* Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 2. Teil – Wuppertaler Studienbibel (S. 236-242).
* Andreas Schäfer. Am dritten Tag: Gedanken zu Ostern. Hänssler (S. 89-102).
Hilfreiche Anmerkungen für die Verkündigung enthalten der Predigttipp für den 15.04.2007 zu Joh 20,19-23 von Eckhard Löffler (siehe unter www.wbb-online.de/pt).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 23.04.2000 mit dem Titel „Jesus – der Auferstandene“ (Joh 20,19-23), vom 17.04.1994 mit dem Titel „Genau wie Jesus“ (Joh 20,19-23) und vom 11.04.1977 mit dem Titel „Das neue Leben“ (Joh 20,19-23). Diese Predigten findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Johannes 20] und „Autor“ [z.B. Winrich Scheffbuch] ausfüllt.
V. 22: Hier handelt es sich um eine prophetische Zeichenhandlung, denn auch die Jünger empfangen den Geist an Pfingsten (vgl. Joh 20,22 mit Apg 1,5+8 – Geistestaufe = Geistempfang – für die gegenwärtige Zeit vgl. Eph 1,13f). Durch die Zeichenhandlung verdeutlicht Jesus, dass das, was der Schöpfer beim ersten Menschen tat (vgl. 1Mose 2,7), nun wieder geschieht (vgl. 2Kor 5,17). Deshalb heißt es auch nicht: „Empfangt den Heiligen Geist“, sondern: „Empfangt Heiligen Geist“. Die Zeichenhandlung markiert, dass das was (geistlich) tot ist, zum (geistlichen) Leben erweckt wird. Hier tritt zum Wort das Zeichen, damit die Erinnerung gestärkt und Zuversicht geschenkt wird (vgl. Abendmahl).
Nachfolger Jesu bilden keine Verschwörung in irgendeinem verborgenen Winkel und sie haben auch nicht nur ein bloßes Erbe zu verwalten und von den guten alten Tagen zu berichten. Der Vater sandte den Sohn in die Welt und der Sohn sendet uns in die Welt. Durch den Hl. Geist ist Jesus uns nahe und gegenwärtig (vgl. z.B. Joh 14,16f mit Joh 14,18; Mt 28,20b).
3. PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN
Horst Marquardt berichtet (Zuversicht und Stärke 3/1997 – S. 11f):
„Vor einigen Jahren erzählte mir eine Mitarbeiterin der amerikanischen Bibelgesellschaft eine Erfahrung, die mir bei der Vorbereitung dieser Predigthilfe wieder in den Sinn kam. Der damals 21jährige Sohn von Frau Der hatte seinen Vater, einen Arzt, auf einer Jagd nach Kanada begleitet. Man war unterwegs mit einem Flugzeug, das sowohl auf dem Wasser als auch auf dein Land starten und landen konnte. Die ganze Reise war ohne Zwischenfall verlaufen. Darum bat der Co-Pilot an einem malerischen See um einige Stunden Urlaub. Er hatte einige Motive ausgemacht, die er fotografieren wollte. Die Jagdgesellschaft sollte inzwischen zu seinem anderen See fliegen. Der 21jährige junge Mann durfte den Platz des Co-Piloten einnehmen; er flog jetzt neben dem Vater. Plötzlich, beim Anflug auf den See, den man für die Wasserung vorgesehen hatte, kippte der Pilot zur Seite. Sein Sohn schrie auf, als er den Vater regungslos in den Gurten hängen sah. Das Flugzeug raste dem Wasser entgegen. Der junge Mann blickte auf die vielen Knöpfe und Hebel des Armaturenbretts und bediente einen davon, mehr instinktiv als bewusst. Da wurde die Maschine wie von einer unsichtbaren Gewalt wieder hochgezogen. Der Schrecken aber hielt an und lähmte. Auf der Universität hatte sich der junge Mann als Radio-Amateur betätigt. Er kannte sich daher einigermaßen mit dem Funkgerät des Flug¬zeuges aus. Es gelang ihm, Verbindung zu einer Verkehrsmaschine zu bekommen, die nur wenige Kilometer entfernt war. Der 21jährige empfing Hinweise aus der Verkehrsmaschine und befolgte diese Ratschläge. Er wurde zum nächsten Flughafen gelotst. Als die Landepiste bereits in Sicht war, fragte er sich: Wie kriege ich die Räder hinaus? Über Sprechfunk fragte er beim Flugplatz an. In der Flugleitung wusste niemand Rat. In diesem Augenblick rief der junge Mann in die Flugzeugkanzel hinein: »Herr Jesus, hilf!«, und seine Hand legte sich auf einen Hebel. Sollte er drücken, drehen oder ziehen? Er zog. Kurz darauf vernahm er ein ihm von früheren Flügen her vertrautes Geräusch: Die Räder waren ausgefahren. Im nächsten Augenblick durchzuckte ihn die Angst: Wenn ich je die Maschine hinunterbringe, wie kriege ich sie zum Stoppen? Erneut fragte er bei der Flugeinweisung nach. Auch diese Frage wusste niemand zu beantworten. »Herr Jesus«, betete er, »du hast bis jetzt geholfen. Tue es doch bitte noch einmal!« Unmittelbar vor dem Ende der Landebahn blieb die Maschine stehen. Der Vater des jungen Mannes ist aus der Bewusstlosigkeit nicht mehr erwacht und war noch vor der Landung tot. Sein Sohn aber und zehn Fluggäste lebten. Frau Der fragte ihren Sohn, woher er die Kraft zu diesem ungewöhnlichen Tun bekommen habe. Er antwortete: »Mutter, ich wusste auf einmal: Jesus ist mein Co-Pilot!« Kann man eigentlich besser zum Ausdruck bringen, dass Jesus als der Auferstandene noch immer lebt? »Jesus, mein Co-Pilot!« Gewiss, dieser Ausdruck ist etwas ungewöhnlich. Aber er zeigt sehr deutlich, dass dieser junge Mann, der bis dahin dem Glauben recht gleichgültig gegenübergestanden war, eine »Begegnung mit Christus« hatte“ (Horst Marquardt).
Nach Volker Gäckle (idea 15/2001):
„Es gibt eine Menge Gedenktage in der Christenheit. Gedenktage für Evangelisten und Apostel, für Märtyrer und unschuldige Kinder, für Bekenntnisse und ihre Verfasser usw. Der Ostertag müsste eigentlich der ‚Gedenktag für überforderte Christen‘ sein. Denn andere gab es damals, an jenem ersten Ostertag, zunächst nicht. Die Enttäuschung von Petrus, Johannes, Jakobus & Co. War bodenlos, die Frustration grenzenlos und die Angst machte haltlos. Zum Osterjubel gab es zunächst keinen Grund. Sie konnten noch nicht den sehen, der auferstanden war, sondern nur den, der sie hatte sitzen lassen. Nicht Auferstehung hieß ihre Devise, sondern Aufstehen und Abhauen: nach Galiläa oder Emmaus. Egal! Hauptsache weg! Und so lebten sie auch nicht erweckt, sondern versteckt. Die Grundstimmung der Osterberichte ist nicht die Freude, sondern die Furcht. Ostern gibt es seither alle Jahre wieder. Und überforderte Christen auch! Christen, die Angst davor haben, dass der Auferstandene sie überfordert mit seinen Forderungen nach Zeit, Geld und Hingabe; Christen, die Angst davor haben, dass der Auferstandene ihre Terminkalender erdrückt mit Gemeindearbeit, Hauskreis, Einsätzen usw.; Christen, die Angst davor haben, dass der Auferstandene mehr will, als er gibt! Und auf einmal wird der Auferstandene zur Bedrohung des Terminkalenders, des Familienlebens, der Gesundheit. Aber das erste Wort des Auferstandenen an seine überforderten Freunde lautet nicht: ‚Komm!‘, ‚Steh auf!‘ oder ‚Folge mir!‘ Das erste Wort des Auferstandenen heißt: ‚Shalom! Friede sei euch!‘ Nein, Jesus lässt uns nicht den Frieden der Gleichgültigkeit und Sattheit, aber er gibt uns immer seinen Frieden für unser Leben! Und wenn Jesus Frieden gibt, können überforderte Christen wieder Frieden schließen: Frieden mit der Gesundheit, Frieden mit sich selbst … und dann werden Jünger froh! Der Auferstandene will nie mehr, als er gibt!“
„Da kommt Jesus und sagt: ‚Friede sei mit euch!‘ Zweimal muss er es sagen. Auch der Glaubend ist ja oft so schwerhörig“ (Jürgen Blunck).
„Wie viele Gemeinden, Gottesdienste, Bibelstunden, Frauenkreise, Jugendgruppen gleichen diesem vorösterlichen Trauerhaufen! Da hockt man zwar treu zusammen. Aber ein Ziel? Nein, ein Ziel für die Gemeinde oder für die Gruppe hat man nicht mehr. Es lohnt ja auch nicht. Man könnte genug Beispiele aufzählen, wie einer etwas versucht hat und dann gescheitert ist. War nicht Jesus auch am Kreuz gescheitert? Doch dann wird Ostern. Dann ist Jesus da und mit ihm sein neuer Auftrag. Nun lohnt es sich wieder für Jesus zu arbeiten. Nicht nur, weil er es sagt, sondern vor allem deswegen, weil er lebt! Das Leben hat wieder ein Ziel. Das Modell für diese neue Lebenserfüllung ist gleich mitgegeben: ‚Wie mich …‘ Wie Jesus! Keiner von uns muss weiterhin so kleinkariert leben, dass er nur für sich und seine Familie und sein Vergnügen da ist. Wir dürfen auf großem Fuß leben, auf dem Fuß Jesu. Wir dürfen einen weltweiten Horizont haben. Wir dürfen lernen, in den Dimensionen des Reiches Gottes zu denken und nicht nur in denen meiner Firma oder meines Fernsehapparates. Lasst uns endlich wieder Maß nehmen am Modell Jesu! Das ist ganz hoher, aber nicht zu hoher Lebensstandard. Seit Ostern können wir ihn uns leisten. Da ist jener 69jährige Rentner. Altes Eisen? Nein, er lebt nach dem Modell Jesu. Viertausend christliche Kalender in türkischer Sprache besorgt er sich, und er geht so lange zu türkischen Familien, bis er sie alle untergebracht hat. Erfolg? Weiß ich nicht, interessiert auch nicht. Denn nicht das macht unseren Lebensstandard aus, dass wir Erfolg haben, sondern dass wir in den Spuren Jesu laufen“ (Jürgen Blunck)!
„Doch wo Jesus Aufgaben gibt, gibt er immer zugleich Gaben zu ihrer Bewältigung. Es ist wie bei einer Mutter, die ihr Kind einkaufen schickt: Sie gibt das Geld mit, nicht für alle zukünftigen, aber für den jetzt anliegenden Einkauf. So rüstet Jesus Stück für Stück aus“ (Jürgen Blunck).
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Aus der Enge in die Weite heißt:
a) Aus Furcht zur Freude (V. 19f)
b) Aus Erstarrung zur Perspektive (V. 21)
c) Aus Müdigkeit zur Zuversicht (V. 22)
d) Aus Überforderung zur Vollmacht (V. 23)
oder nach Tobias Eißler:
a) Der messianische Friede
b) Die messianische Mission
c) Die messianische Vollmacht
oder nach Gottfried Voigt:
Der Herr kommt zu und durch verschlossene Türen!
a) Er gibt den Frieden
b) Er gibt den Auftrag
c) Er gibt die Gewissheit