Johannes

Predigthilfe vom 17.4.2011 – Johannes 18, 28-40

Monatsthema: Wege zum Kreuz Jesu
Predigtthema: Glaube konkret – für Pilatus

Bibelstelle: Johannes 18, 28-40

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.

1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Im April bereiten wir uns auf die Passionszeit vor, indem wir die Wege Jesu zum Kreuz (= Monatsthema) betrachten und dabei entdecken, welche Bedeutung für unseren Glauben darin liegt. Dabei setzen wir den Schwerpunkt auf eine biographische Betrachtungsweise und fragen, was z.B. Pilatus über sich selbst und über Jesus erfährt (= Predigtthema) und was wir aus Joh 18,28-40 (= Predigttext) für uns und über uns lernen können. Im Kontrast zu Pilatus, der den Weg zum Glauben nicht eingeschlagen hat, können wir im Rahmen der Verkündigung aufzeigen, wie wir auf die Begegnung mit Jesus reagieren sollen.

Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (www.ngue.info).

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Gerhard Maier. Johannesevangelium 2. Teil – Edition C Bibelkommentar 7 (S. 262-281).
* Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 2. Teil – Wuppertaler Studienbibel (S. 188-198).
* John Heading. Johannes. Was die Bibel lehrt Bd. 4. (S. 377-384).

Vgl. V. 32 mit Joh 12,32f: „Nämlich des Kreuzestodes, welcher bei den Römern, nicht aber bei den Juden gewöhnlich war. Die Juden hätten ihn gesteinigt“ (Johann Albrecht Bengel).

„Diese Pilatus-Masche ist bis heute der wirksamste Trick, Jesus loszuwerden. Wir sagen: Man darf die Dinge nicht so persönlich sehen! Man muss das jetzt mal versachlichen! Man sollte erst einmal darüber reden, was es mit Jesus an sich auf sich hat. Der Versuch ist sehr clever, nur man kommt keinen Schritt weiter, weil das prinzipiell nicht weiterführen kann. Was es mit Jesus auf sich hat, kann ich nur erkennen, wenn ich mir seinen persönlichen Zugriff auf mein Leben gefallen lasse. Die Wahrheit über den gekreuzigten König leuchtet mir nur auf, wenn ich ihn über mich urteilen lasse. Nicht mein Urteil über Jesus ist weiterführend, sondern sein Urteil über mich“ (Ulrich Parzany).

„Aber nun geht es heute noch vielen Menschen genauso wie einst dem Pilatus. Sie erklären uns: Wahrheit als letztgültige Klarheit wäre wohl eine herrliche Sache. Aber wie will man denn beweisen, dass gerade dieser eine, dieser Jesus Christus, der Träger der ewigen Wahrheit ist, der die Verborgenheit Gottes von uns wegnimmt und das Land des Ursprungs vor uns aufleuchten lässt? Es sind doch schon viele vor, neben und nach ihm aufgestanden mit dem Anspruch, Träger ewiger Offenbarung zu sein. Wenn man ihre große Zahl überblickt, möchte man zuletzt müde und verzagt werden und mit dem Römer sprechen: Was ist Wahrheit! Der Satz kann verstanden werden als Ausdruck sehnsüchtiger Trauer oder als ein Zeichen zweifelnder Müdigkeit. So oder so genommen, begnügt sich der Mensch mit der resignierten Feststellung, dass Wahrheit grundsätzlich nicht auffindbar sei. Wir müssen darauf verzichten, sie jemals in Klarheit und Fülle ergreifen. zu wollen. Wir müssen uns darein ergeben, als ein ewiger Odysseus auf der Fahrt nach der Wahrheitsfindung unterwegs zu sein, ohne jemals am heimatlichen Ufer zielgesättigt zu landen. Ja, es gibt Menschen, die kommen sich mit dieser Verzichthaltung sogar besonders klug und vornehm vor. Sie sind stolz auf ihr ewiges Problematisieren, wo man nie auf einen Grund kommt, und sie belächeln alle diejenigen, die in der Gemeinschaft mit Christus von Wahrheitsvergewisserung und Wahrheitsbesitz reden. Und doch kann uns gerade die Gestalt des Pilatus dazu verhelfen, dass es uns bei einer solchen grundsätzlichen Verzichthaltung nicht wohl sein darf. Dieser hohe und sicher auch gescheite Gerichtsbeamte wusste im Grund ganz genau, dass Jesus unschuldig war. Der Eindruck, den er durch das kurze Gespräch mit dem Angeklagten empfangen hat, ist so mächtig und eindrucksvoll, dass er zu dem Volk wieder hinausgeht und vor ihm erklärt: »Ich finde keine Schuld an diesem Menschen«. Dazu ist er, wie wir aus dem Bericht des Matthäusevangeliums wissen (27,19), durch einen Traum seiner Frau ausdrücklich noch gewarnt worden, die ihrem Mann an diesem Morgen einen Boten schickt und durch ihn sagen lässt: »Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten, ich habe heute viel erlitten im Traum seinetwegen«. So sucht Pilatus die Verantwortung abzuwälzen und Jesus frei zu bringen. Er benützt dazu eine Amnestie-Ordnung, die alljährlich zur Festzeit vorsah, den einen oder anderen Gefangenen zu begnadigen. Wohlbedacht schlägt Pilatus neben Jesus einen Massenmörder zur Auswahl vor, in der bestimmten Hoffnung, die Menge werde sich doch gewiss lieber für eine Freigabe Jesu entscheiden, statt das gefürchtete Menschenungeheuer Barrabas wieder frei umherlaufen zu lassen. Warum nimmt das Passionsdrama trotz aller solch gut gemeinten Bemühung gleichwohl die Wendung auf das Kreuz Christi hin? Pilatus war in seinem Handeln nicht frei. Er war alles andere als ein vorbildlicher Beamter. Seine Verwaltung war nicht korrekt, er hatte sozusagen zu viel Dreck am Stecken. Er musste fürchten, von der fanatischen jüdischen Regierungspartei in Rom angezeigt zu werden. Das kann er sich nicht leisten. Er darf sich in seinem Regierungsbezirk nicht noch unbeliebter machen, dieser Herr Reichsstatthalter. So muss er den Juden willfährig sein und ihrem Drängen nachgeben. Und diese Juden verstehen es glänzend, die Schwächen des Mannes für ihre schmutzigen Zwecke gründlich auszunützen. So wird Jesus, der König der Wahrheit, wider besseres Wissen und Gewissen geopfert und der Massenmörder Barrabas geht in die Freiheit. Wir wollen daraus lernen: das Ergreifen der Wahrheit geht eben niemals nur über Kopf und Gehirn, der Zugang zur Wahrheit geht über Herz und Gewissen, über Gehorsam und sittliche Entscheidung. Es kann sein, dass Gott einem Menschen längst gezeigt hat, wo der rechte Weg verläuft. Wir aber ziehen es vor, lieber unsere eigenen Wege ohne Gott, ja wider Gott zu gehen. Wir müssen uns dann aber auch nicht wundern, wenn uns die Wahrheit verdunkelt bleibt, wenn wir über die Standorte von Relativismus und Resignation gegenüber der Wahrheit nicht hinauskommen. Darum sagt Jesus: »Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme«. Man muss aus der Wahrheit sein, man muss praktisch ernst machen mit dem Verlangen nach Licht und Wahrheit. Dann gehen uns am Bilde Christi, über der Gemeinschaft mit seinem Leben, die Augen auf, wir sehen das Ziel und finden einen ewigen Halt. Wer aber Gott in seinem Gewissen beharrlich ausweicht, wird niemals vorankommen. In dem Sinn gilt noch immer der Spruch des Angelus Silesius: Der nächste Weg zu Gott führt durch der Liebe Tür, der Weg der Wissenschaft bringt dich nur langsam für. Und Matthias Claudius mahnt seinen Sohn: Zerbrich den Kopf dir nicht zu sehr, zerbrich den Willen, das ist mehr! Wir wollen freilich nicht ungerecht sein und stellen fest: Die Pilatustypen haben es zweifellos besonders schwer, Christus als König der Wahrheit zu ergreifen. Denn den Pilatusmenschen imponieren eben von Natur die glanzvollen, großartigen und machtvollen Erscheinungen der Welt. Unter einer Panzerarmee können sie sich etwas vorstellen, und was man mit einem Flugzeuggeschwader, das mit Bomben beladen ist, anstellen kann; wissen sie auch. Christus aber ist als ein stiller, wehrloser König über diese Erde gegangen. Waffenlos steht er vor Pilatus. Er lehnt es ab, seinen himmlischen Vater um eine Kampfschar zu bitten, die ihm zur Königsherrschaft die Bahn bricht. Er verzichtet auf das Schauwunder am Kreuz, obwohl die spottenden Gegner es ihm in letzter Stunde noch höhnisch nahelegen. Wie ein Lamm, das verstummt vor seinem Würger, geht er stumm und ergeben den Weg der Passion. Brauchen wir uns da noch zu wundern, wenn die starken und stolzen Kraftnaturen zu allen Zeiten ihn als Königsherrscher nicht anerkennen wollten! Und doch, was für gewaltige Kraftwirkungen sind gerade von dieser stillen, wehrlosen Königsherrschaft Jesu Christi in die Welt ausgegangen! Wer von uns würde denn den Namen eines Pontius Pilatus noch kennen, wenn dieser Name nicht durch die Begegnung mit Jesus einen unsterblichen Klang erhalten hätte! Nicht der Größe seiner Lebensleistung verdankt dieser Römer seinen Ruhm, sondern allein der unvergänglichen Hoheit der Christusgestalt. Und erst recht ist von dem jüdischen Volk zu sagen: Niemals hätte es eine so leidvolle Geschichte durch¬machen müssen, dunkel und schwer bis herein in unsere Tage, wenn es sich nicht damals so verantwortungslos gegen Christus entschieden hätte. Wir mögen daraus ersehen: Die Begegnung mit Christus geschieht wohl unscheinbar, verborgen und gering, es ist keine große, lärmende Aufmachung dabei, weder in der Wortverkündigung unserer Gottesdienste noch im persönlich-seelsorgerlichen Gespräch, wo um die Entscheidung für oder wider ihn gerungen wird. Aber dahinter vollziehen sich doch Stellungnahmen von ewiger Tragweite, zum Segen oder zum Fluch, zum Heil oder zum Unheil, sei es für den einzelnen, der gerufen wird, sei es für das Schicksal und die Zukunft ganzer Völker. Pilatus machte damals den Versuch, sich aus der ganzen Sache herauszuhalten. Er sagte: Bin ich ein Jude? Was geht mich euer ganzer Streit denn überhaupt an, ob dieser Jesus von Nazareth die Messiaswürde zu Recht trägt oder ob er sie sich nur angemaßt hat! Und doch ist auch dieser juristische Beamte nicht darum herumgekommen, Christus gegenüber die persönliche Entscheidung zu vollziehen. Ob er wollte oder nicht, er musste Stellung nehmen. So möchte sich auch heute mancher Zeitgenosse in Neutralität drücken, möchte abwarten, wem wohl in der Geschichte des Abendlands der Sieg zufallen wird, den christlichen oder den antichristlichen Weltmächten. Je nachdem, wie die Dinge aus¬gehen, kann man dann immer noch sich entschließen, für das christliche Leben sich einzusetzen. Aber gerade diese abwartende Verzögerungstaktik ist nicht möglich, ist uns nicht erlaubt. Denn gerade mit dieser unverbindlichen Zuschauerhaltung haben wir uns, wie man am Beispiel des Pilatus sehen kann, bereits gegen Christus entschieden, haben wir sein Reich nicht gebaut, sondern geschwächt. Heute kommt es auf jeden einzelnen von uns ganz persönlich an. Wollen wir doch Herz und Ohr weit auftun, wenn der König der Wahrheit uns ruft. Wollen wir kommen und folgen und seinem Königsbanner die Treue halten!“(Prof. Adolf Köberle. Die Einladung Gottes. Hamburg: Furche, 1958. S. 70-74).

3. PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN

Zum Einstieg:
„‘Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen‘. Das war die Antwort Sophie Scholls auf die Schlussfrage des sie 1943 vernehmenden Beamten Robert Mohr: Ob sie nicht doch zu der Auffassung kommt, dass ihr Vorgehen ein ‚Verbrechen gegenüber der Gemeinschaft … insbesondere unserer im Osten schwer und hart kämpfenden Truppe“ sei, „das die schärfste Verurteilung finden muss?‘ Gemeinsam mit ihrem Bruder Hans und einigen wenigen Gleichgesinnten hatte sie, die Studentin, es gewagt, in München in Flugblättern die verbrecherische Politik Adolf Hitlers anzuklagen und zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufzurufen: ‚Ich war‘, so Sophie Scholl, ‚mir ohne weiteres im Klaren darüber, dass unser Vorgehen darauf abgestellt war, die heutige Staatsform zu beseitigen und dieses Ziel durch geeignete Propaganda in breiten Schichten der Bevölkerung zu erreichen‘. Am 22. Februar 1943 wurden Sophie Scholl, ihr Bruder, Hans, und Christoph Probst von dem berüchtigten Richter, Roland Freisler, der, wie ein Zeuge berichtet hat, ‚tobend, schreiend, bis zum Stimmüberschlag brüllend, immer wieder explosiv aufspringend‘ agierte, zum Tode verurteilt. Das Urteil, Tod durch die Guillotine, wurde einen Tag später im Gefängnis München-Stadelheim vollzogen. Konsequent für seine Überzeugung einzutreten mit dem Wissen, dass das gegebenenfalls nicht ohne Auswirkungen auf das eigene Leben bleibt: Diffamierungen, Berufsverbot, Hausarrest, Gefängnis, Tod – bis heute können wir die Namen vieler Menschen nennen, die […] ihr Leben verloren haben.“ (Susanne Kahl-Passoth unter Bezug auf Barbara Beuys, Sophie Scholl, Biografie, Carl Hanser Verlag München 2010).

„»Gelitten, unter Pontio Pilato gekreuzigt« – so bekennen wir mit der ganzen Christenheit auf Erden im zweiten Artikel des Apostolikums. Man könnte fragen: Wie kommt dieser römische Verwaltungsbeamte, der noch dazu in der Passionsgeschichte eine so zweifelhafte Rolle spielt, zu der Ehre, mit seinem Namen im Bekenntnis der ökumenischen Christenheit genannt zu werden? Und doch hat diese Namensnennung ihren tiefen Sinn und sie dürfte nie und nimmer in unserem Glaubenszeugnis fehlen. Es lässt sich nämlich aus den Akten der Weltgeschichte einwandfrei nachweisen, dass es diese Richtergestalt im römischen Kaiserzeitalter wirklich gegeben hat und dass es unter ihrer Regierungsära zu dem dramatischen Prozess gekommen ist, der zur Aufrichtung des Kreuzes Christi führte. So wird uns mit dieser Namensangabe nachhaltig zum Bewusstsein gebracht: die Passionsgeschichte Jesu ist nicht Legende, sie ist nicht Mythos oder fromme, religiöse Dichtung. Wir stehen bei dieser denkwürdigen Begegnung zwischen Jesus und Pilatus auf dem gesicherten Boden der Geschichte. Was uns hier berichtet wird, hat sich ereignet. Auch die griechische und germanische Sage kennt wunderbare Lichtgestalten, denen Heilandsrang zugeschrieben wird. Aber bei diesen Namen, bei Herakles und Baldur, darf man niemals fragen: Wo und wann haben sie gelebt? Sobald man in dieser Richtung forscht, zerfließt alles in wesenlosem Schein und man hat nichts in den Händen. Bei Jesus ist das ganz anders. Hier steht ein Leben vor uns, das mit den wirklichen Mächten dieser Welt in heiligem Kampf zusammengeprallt ist. In Jesus Christus ist der lebendige Gott in diese unsere Welt wahrhaft und völlig eingegangen. Wir haben einen Heiland, dem selbst nichts erspart geblieben ist, der weiß, wie weh das alles tut: der Schmerz Leibes und der Seele, das Nichtverstandenwerden, das Verachtet- und Geschmähtwerden. Glaube und Geschichte gehören im evangelischen Christentum unabtrennbar zusammen. Warum ist das so wichtig, dass unsere Gottesgemeinschaft auf einer rettenden Geschichtstatsache beruht? Es gibt darauf nur eine Antwort: weil unser Abfall von Gott, unsere Schuld eine unbezweifelbare Realität ist, darum kann diese schreckliche Not nur durch eine noch größere und stärkere Tatsache überwunden werden, der ebenfalls Ereignis-Charakter zukommt. Es war eine welthistorische Stunde, als die beiden Gestalten, Jesus und Pilatus, einander gegenübertraten. Auf der einen Seite der Vertreter der römischen Weltmacht, ein kalter, nüchterne Tatsachenmensch, von dem wir wissen, dass er sich nicht gescheut hat, unter Umständen auch über Leichen zu schreiten. Ihm gegenüber Jesus, umtost von dem Geschrei der aufgehetzten Masse, die Blut sehen will. Wehrlos ist er all diesen bösen und furchtbaren Gewalten preisgegeben. Nach menschlichem Ermessen muss er bei dieser Begegnung der Unterlegene sein. Und doch, über der Gestalt Jesu muss eine heimliche Hoheit, eine stille Größe gelegen haben, dass selbst dieser abgestumpfte römische Richter sich dem außergewöhnlichen Eindruck nicht entziehen kann. So nimmt er den Angeklagten von dem öffentlichen Richtplatz weg. Er ruft ihn herein in das Innere des Hauses, und dort vollzieht sich das denkwürdige Gespräch. Jesus führt keine langen Reden zu seiner Selbstverteidigung. Wohl aber weiß er zu antworten, wie er nach dem Geheimnis seiner Sendung gefragt wird. Auf die Anrede des Pilatus: Bist du der Juden König? gibt Jesus das Zeugnis: »Du sagst es, ich bin ein König. « Das Johannesevangelium ist besonders reich an hoheitsvollen Selbstaussagen Jesu. Es finden sich dort die Christusworte: »Ich bin das Brot des Lebens – Ich bin das Licht der Welt – Ich bin der gute Hirte – Ich bin der lebendige Weinstock«. So kostbar und bedeutsam diese Aussagen sind, in der Selbstbezeugung Jesu vor Pilatus tritt uns doch ein besonderer Herrlichkeitsanspruch entgegen. Christus, der verborgene König der Welt, der Menschheit und jeder einzelnen Menschenseele! In der Erscheinung dieses gnadenhaften Lebens hat Gott seine Königsherrschaft, seine Reichsherrschaft auf Erden aufs Neue zum Durchbruch gebracht. In seinem Namen sind wir alle aufgerufen, wieder heimzukehren, Gottes Eigentum zu werden und unseren Willen seinem königlichen Willen zu unterstellen. Die christliche Theologie hat sich besonders in den ersten Jahrhunderten der Kirche viel darum bemüht, das Geheimnis der Person Jesu immer tiefer zu erfassen und es zu schützen gegenüber allen möglichen Entartungen, Verkürzungen und Entstellungen. So bedeutsam und notwendig diese‘ Aufgabe gewiss war und immer bleiben wird, wichtiger als alle christologische Verfeinerung durch den Dienst großer theologischer Geistesfürsten bleibt doch die ganz schlichte, praktische Frage, die Gott an jeden einzelnen von uns stellt und wahrhaftig auch an uns Theologen und Berufsarbeiter im Reiche Gottes: Seid ihr bereit, euer Leben der Christus-Königsherrschaft im konkreten Gehorsam der Nachfolge zu unterstellen, so, wie es Martin Luther einzigartig im Kleinen Katechismus in der Auslegung zum zweiten Glaubensartikel des Apostolikums zusammengefasst hat: Ich glaube, ich gelobe, dass Jesus Christus sei mein Herr, der mich erworben und gewonnen hat, auf dass ich sein eigen sei und in seinem Reiche unter ihm lebe und ihm diene?“ (Prof. Adolf Köberle. Die Einladung Gottes. Hamburg: Furche, 1958. S. 66-69).

4. PREDIGTGLIEDERUNG

Glaube konkret – für Pilatus:
a) Ansehen!
b) Anhören!
c) Ausweichen?

oder nach Ulrich Parzany:
a) Jesus fragt nach dem Menschen hinter der Maske
b) Ausweichmanöver
c) Enttäuschend oder befreiend weltfremd?