Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … sein Wort erfüllt
Bibelstelle: Johannes 12, 9-19
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkung
Zum Zeitpunkt: Nachdem die Salbung (12, 1) auf einen Sabbat fiel, war der „nächste Tag“ tatsächlich der PalmSONNTAG (V 12).
Es lief mit Jesus ganz anders, als es die Menschen, auch die Jünger, dachten (V 16). Noch nach der DRITTEN Leidensankündigung waren die Jünger dreifach blind: „Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.“ (Lk 18, 34). (1)
Die Jünger bieten weder Rückhalt noch Trost, schlafen in Gethsemane ein und versagen am Kreuz völlig.
Der erhoffte Auftritt eines neuen Königs, der Israel mit Macht erlösen könnte (Lk 24, 21), blieb aus. Das Gegenteil bahnte sich an.
Die Auferweckung des Lazarus war gerade geschehen und hatte sich herumgesprochen (V 9) (Betanien liegt am Ostrand des Ölbergs und in Jerusalem wusste man umgehend Bescheid: Wo Gottes Gesandter Ja sagt, kann nicht einmal eine Leiche nein sagen.
„Letztlich“ wird diese Tatsache nach Offb 20, 12 weltumfassend sogar die Menschheit aller Zeiten überraschen.
Gottes Macht wollten Menschen aber immer gern in IHREM Sinn erfahren.
Den Kreuzesweg verstehen bedeutet allerdings die Bereitschaft, ihn auch selber zu gehen. (2)
Große Fragen müssen persönlich immer neu beantwortet finden: Warum musste Jesus sterben? Wieso muss er für das Heil der ganzen Welt sterben?
Erklärungen und Tipps
Ein falscher Messianismus hatte sich breitgemacht. In Qumran warteten die Mönche sogar auf 2 Messiasse:
Einen priesterlichen und einen königlichen. Jesus geriet auch in den Sog dieser Erwartungen. Die Zeloten (Eiferer) warteten auf den „starken Mann“, der Israel endlich befreien könnte. Herodes und die Hohenpriester sorgten sich deshalb gleichzeitig „mächtig“ um ihre Macht V 10; Mt 2, 16; Lk 9, 7.9.
Viele „Empfänge“ sind bis heute Machtdemonstrationen.
Der erwartete Friedenskönig kommt aber nicht auf dem Schlachtross daher, sondern auf einem jungen Esel, in Sach 9, 9 vorausgesagt. Die Friedenszeit beginnt nicht mit Kriegswagen und -rossen. Der König kommt als Diakon (griech. dia = durch; konis = Staub).
Jesus geht einen „Umweg“ auf seinem Weg in die oberste Etage der übrig bleibenden Weltmacht, überraschend ohnmächtig – ohne sichtbare Macht. Sein Reich ist nicht von dieser Welt (18, 36).
Das gleich anschließende Gleichnis vom Weizenkorn (V 24-26) zeigt das Prinzip und bindet die Diener ein.
Das Volk hatte registriert: Das erste Grab hatte sich geöffnet (Joh 11, 44) und neben Jesus wollte man den Lazarus zur Schau stellen (V 9). Menschen wollen Resultate SEHEN (V 20ff).
Das Volk lief aber immer eher dem Antichristen nach und das wird sich auch künftig nicht ändern (Offb 13, 12ff). (3) Der Palmsonntag bietet äußerlichen Jubel trotz innerer Leere.
Im Gegensatz zu weltlichen Verständnissen macht Gott Frieden auf SEINE Kosten, nicht auf Kosten Anderer. (4) Gottes Prinzip findet sich auch im AT, z. B. 2. Kön 6.
Palmzweige sind Siegeszeichen (1. Makk 13, 51), auch Friedens- und Freiheitssymbole.
Das hebräische Hosianna bedeutet „Hilf doch!“.
Die Hallelpsalmen (Ps 111-118) waren fester Bestandteil der Passaliturgie; Ps 136 ist auch als Grosses Hallel bekannt. Ps 118 wurde auf den kommenden Messias gedeutet. Die Menge schreit (Lk 19, 37b.38) beim Einzug ausgerechnet diesen Ps 118. Pharisäer begreifen die Tragweite, aber Jesus verbietet diesen Psalmtext nicht (Lk 19, 39).
Offensichtlich ist:
1. Jesus will die Schrift (Sach 9, 9) erfüllen
2. Der junge, ungerittene Esel deutet auf die Neue Schöpfung hin
3. Der Esel ist Symbol für Armut und Demut.
Jesu Jünger sollten lernen von dem, der Petrus informierte: „Ich habe dafür gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“ (Lk 22, 32). Trotz allen Verfehlungen hält Jesus zu ihnen. Zum Herrn gehören heißt, dass er allein über seine Leute verfügt, nicht umgekehrt.
Palmsonntag und Karfreitag zeigen unser Versagen und seinen Sieg. Gerade in unseren Schwächen gilt sein Sieg. Er gibt niemanden auf, auch keinen, der sich abgewandt hat in der Hoffnung, dass jeder den Palmsonntagsruf ehrlich selbst übernimmt: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt…“.
Gliederungsvorschlag 1:
Jesus auf Umwegen
1. ohne Macht zum Königtum
2. über das Kreuz zur Herrlichkeit
3. durch Selbstaufgabe zur Wirksamkeit in der Welt
Gliederungsvorschlag 2 (nach Dr. Gerhard Maier)
Genügt es, Jesus nachzulaufen?
1. Ein unglaublicher Triumph
2. der Triumph gilt dem Richtigen!
3. Genügt es wirklich, Jesus nachzulaufen?
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Fußnoten
(1) Iwwd 318 (Die Sach ist dein…) V 2+3: Du gingst o Jesu, unser Haupt, … und ziehest jeden, der da glaubt, mit dir die gleiche Bahn…
(2) Reicht es, Jesus nachzulaufen?
(3) Die Aktionen muslimischer Selbstmordattentäter beschreiben Journalisten oft „sachlich“ und werfen überzeugte Jesusnachfolger gern in den selben Topf. Beispiele genug. Wer diesem Jesus konsequent nachfolgt, muss „fundamentalistisch“ sein.
(4 = Fußnote 8 in Phil 4, 4-9) Kinder sagen: „Lass mir MEINEN Frieden“ und hauen sich zur Bekräftigung Duplo-Steine auf den Kopf.
Slobodan Milosevic, der erste Regierungspräsident, der schon während seiner Amtszeit vom Kriegsverbrechertribunal angeklagt wurde, meinte 2005: „Die neuen Friedensgrenzen lassen sich nur mit dem Bajonett ziehen“.
Mao Tse Tung schrieb in seiner „Mao-Bibel“: „Streiten und Krieg werden in nicht allzu ferner Zukunft ausgemerzt sein. Doch der einzige Weg, den Krieg ganz aus der Welt zu schaffen, besteht darin, dem Kriege unseren Krieg entgegen zu setzen“.
Zitat
Frank Wedekind (s. Wikipedia), dem man keine Neigung zum Christlichen nachsagen kann:
„Was ich begangen, lässt sich nicht sühnen. Man rühmt den Kühnen: Man preist den Kühnen –
Aber das Herz in der Brust ist sich unendlicher Schuld bewusst.“