Johannes

Predigthilfe vom 6.4.2007 – Johannes 19, 16-30

Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … den Sohn opfert

Bibelstelle: Johannes 19, 16-30

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkung
„Letzte Worte“ wichtiger Menschen werden oft zitiert, obwohl nicht immer klar ist, was aus ihrem weltlichen Umfeld wirklich noch mitgeteilt werden sollte. (1)
Jesus spricht noch Verbindliches und Wesentliches. Sein Wort bleibt wahr auch noch vom Kreuz herab. (2)
Die sieben Worte Jesu am Kreuz sprechen wichtigste Themen an (s. auch unten):
1. Lk 23, 34 Vergebung
2. Lk 23, 42f Errettung
3. Jo 19, 26f Liebe
4. Mt 27, 46 Angst
5. Jo 19, 28 Leiden
6. Jo 19, 30 Sieg
7. Lk 23, 46 Ergebung

Erklärungen und Tipps
V 16b Jesus überlässt sich ganz der menschlichen Macht.
Er „ging hinaus“. Draußen war der Platz für die Unreinheit. (3)
Die Menschheit sägte sich nun endgültig den Ast ab, auf dem sie sitzen musste. Das Verhältnis zu Gott konnte nicht schlimmer verletzt werden. Aber wen kümmert´s? (4)
Johannes setzt das Wissen über die Berichte der anderen Evangelisten, wo Jesu mit dem Schächer spricht und er gelästert wird, voraus.
Jesu Platz in der Mitte war wohl für Barabbas gedacht gewesen. Ein Beispiel für die Einbeziehung ALLER Sünder in die Folgen der Kreuzigung Jesu.
V 19 Pilatus lässt, wie üblich, ein Infoschild am Kreuz befestigen.
V 20 Viele lasen das. Der Kreuzigungsplatz lag nahe an der Stadt und der menschliche Zug, Verurteilte und Verunfallte mit eigenen Augen zu sehen, steckt in allen Menschen.
Erste Regungen bei den Juden, hier nicht allein die Verantwortung tragen zu wollen. Wer war verantwortlich und muss später seinen Kopf herhalten? (5) Pilatus belässt es bei seiner Sicht.
V 23f Nach römischem Recht fallen dem Kreuzigungskommando die Kleider zu. Ob Jesus wie andere Verurteilte nackt am Kreuz hing, ist wahrscheinlich. Man nahm den Verurteilten bewusst ihre letzte Ehre.
Gott hatte Mitleid mit den Menschen nach dem Sündenfall und fertigte ihnen selbst einen letzten Schutz an (1. Mo 3, 21). Die Gekreuzigten mussten darauf verzichten.
V 25ff Bei Jesus stehen bleiben! Männer können sich „eine Scheibe davon abschneiden!“
Jesus weist unterschiedliche Menschen unter dem Kreuz einander zu. Jesusnachfolger gehören nun zusammen, auch wenn sich ihre Charaktere, Blutgruppen und Verwandtschaften unterscheiden.
Sogar Familienbande werden zweitrangig: Johannes´ Mutter Salome stand dabei, aber Maria wird vorgezogen. Jesus löst alte Beziehungen dieser Welt und knüpft neue für sein Reich.
Maria, die Mutter Jesu, war also dabei. Man hört in den Auferstehungsberichten nichts mehr von ihr. Trotzdem hat sie im Leben Jesu eine tragende Rolle gespielt (6) und Jesus sorgt für ihre Zukunft.
Der Evangelist Johannes hat Maria zweimal besonders deutlich beschrieben: In Kana (Jo 2) und am Kreuz.
Maria war Mutter, nicht seine „Miterlöserin“. Sie war selbst ja auch auf Jesu Sühnesterben angewiesen. Für eine Überbewertung der Marien-Rolle fehlen im Gotteswort die Bestätigungen.
Jesus sieht im Gegensatz zu den meisten Leidenden immer auch noch das Leiden der Anderen (Lk 18, 40) trotz seiner unbeschreiblichen Schmerzen. Johannes soll die „irdische“ Sohnesstelle einnehmen, Jesus übernimmt als Sohn Gottes seinen Platz.
V 30 Nachdem Jesus wusste, dass sein Werk vollendet war (V28), nun das Wort vom Sieg.
Er ist nicht „ungewollt in eine Falle“ gelaufen. Er hatte vorher GEWUSST, was kommt (Lk 18, 31f).
Die „erfüllten“ Schriftstellen waren wohl Ps 22, 16 und Ps 69, 22.
Vollendet war die Liebe zum Vater und zu den Menschen.
Den „Essig“ beschreibt Walter Bauer im Wörterbuch zum NT. (7)
Ysop war ein kleiner Strauch mit Stängeln von ca. 1 Meter Länge, dessen Blüten für Reinigungsmittel verwendet wurden, praktisch das K2r des Altertums, auch antiseptisch wirksam. Zum Passa brauchte man ihn (2. Mo 12, 22). Mit einem Ysop-Büschel wurden die Türpfosten in Ägypten mit Blut bestrichen, um die Leute des Gottesvolkes zu retten.
V 30b im Griechischen „er übergab den Geist“. Dasselbe Verb wie in V 16 bei der Übergabe des Jesus durch Pilatus an die Juden.

Zu den letzten sieben Worten Jesu am Kreuz gehören V 26.28.30 (zeitliche Reihenfolge s. o.):
(zu 3.) V 26f Liebe: WELT-Erlösung beschäftigt Jesus, aber Leben und Zukunft der Einzelnen behält er trotzdem im Blick.
(zu 5.) V 28 Leiden:
Nach einem Leben voller Hilfestellungen, vom Jakobsbrunnen über die Speisung Tausender bis zum Lazarus verzichtet Jesus auf die erreichbare Hoheit und geht den ECHT UNTERSTEN Weg.
Kein Held des Altertums wurde so umgehend und umfassend erniedrigt. Alles für uns (2. Ko 8, 9).
Er selbst wird lieber „Wurm“ (Ps 22, 7; Mt 27, 39ff) und BITTET ANDERE um Hilfe: Mich dürstet! Seelsorgerlich-menschlich kaum nachvollziehbar bittet der Herr der Welt besonders Unprivilegierte um Hilfe (Jo 4, 10b).
(zu 6.) V 30 Sieg:
Höhepunkt des Wortes Gottes! Vom Anfang der Bibel „Siehe, es war sehr gut!“ (1. Mo 1, 31) bis zum abschließenden „Es ist geschehen!“ (Offb 21, 6) und zum „Amen!“ (Offb 22, 20).
Alles, was Menschen kaputtgemacht hat im zwischenmenschlichen, seelischen oder medizinischen Bereich ist out. Vorbei.
Mediziner und Prediger, Psychotherapeuten und Zukunftsforscher sind als Spezialisten nicht mehr nötig. Sie dürfen mit allen zusammen, die das Wasser des Lebens in Anspruch genommen haben, bei Gott sein rund um die Uhr (Offb 21, 3ff).

Gliederungs- und zusätzliche Themenvorschläge
1. Die Vollendung des Planes Gottes
2. Die Verherrlichung des Sohnes Gottes
3. Die Errettung des Volkes Gottes

– Der Tod ist tot.
– Der Tag, an dem der Tod starb
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Fußnoten
(1) Über Goethes zwei letzten Worte: „Mehr Licht!“ gehen die Meinungen auseinander: Der Wunsch nach mehr Wissen, Weitsicht und Überblick oder nur eine Bitte, die Jalousien im Raum zu öffnen.
(2) Die letzten Worte Jesu wurden von hervorragenden Schriftkennern erklärt, z.B. C.H.Spurgeon „Christi Worte am Kreuz“, Hermann Bezzel „Die Worte am Kreuz“ u. a. Als Taschenbücher erhältlich.
(3) Wer Tote berührt hatte, war 7 Tage unrein. Friedhöfe lagen immer „draußen“.
(4) Praxis heute – nur ein Ausschnitt (2007): Islamisten durften ungestraft beim Metzger auf Schweinefleisch spucken. In Düren (NRW) ertönt dreimal täglich der Aufruf zum Gebet vom Minarett. WEN KÜMMERT´S?
(5) Unendliches Leid erfuhren die Juden in den anschließenden Jahrhunderten, weil man sie einfach haftbar machte. Obwohl WIR ALLE Golgatha mitverschuldet haben!
(6) Die ÜBER-bewertungen aus Sicht der katholischen Kirche sollten uns nicht ermutigen, Marias wichtige Aufgabe und ihre hervorragende Erfüllung abzuwerten.
(7) „Zum nachhaltigen Stillen des Durstes geeigneter als Wasser und, weil billiger als der eigentliche Wein, bei kleinen Leuten … beliebt, auch als Soldatengetränk.“

Zitate
– M. Luther, Kleiner Katechismus, 2. Hauptstück – Der Glaube:
Dieser Jesus „sei mein Herr, der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; auf dass ich sein Eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er …“
– N. L. Graf v. Zinzendorf: Am Holz des Kreuzes wurde die Welt ein für allemal gerettet. Und wer verloren geht, geht selber verloren, weil er den Retter nicht annehmen will, weil er wieder zu Fall kommt und den Sündenfall Adams wiederholt.
Ein für alle Mal wurden alle Sünden am Kreuz gesühnt, der ganze Sündenfall ist getilgt und die ganze Verpflichtung gegenüber Satan und das ganze Unheil, das nach dem Sündenfall Adams ergangen ist, wurde durch die Nägel Jesu zerrissen, aufgehoben und für nichtig erklärt.
– M. Luther: Ich bin sicher, wenn ich auf der Kanzel stehe, um zu predigen oder am Pult, um zu lehren, dann ist es nicht mein Wort, sondern meine Zunge ist die Feder des lebendigen, beredten Schreibers.
– M. Luther: Das ist das Geheimnis des Reichtums der göttlichen Gnade für die Sünder; denn durch einen wunderbaren Tausch sind unsere Sünden jetzt nicht mehr unsere, sondern Christi Sünden, und Christi Gerechtigkeit ist nicht mehr nur Christi, sondern unsere Gerechtigkeit.
– Donald Bloesch: Das Gefängnis wurde gestürmt und die Gefängnistore wurden geöffnet, aber wenn wir unsere Gefängniszellen nicht verlassen und nicht in die Freiheit hinaustreten, sind wir in Wirklichkeit noch nicht erlöst.
Obwohl das Werk Christi für den Sünder beendet ist, ist sein Werk in dem Sünder noch nicht beendet.