Hesekiel

Predigthilfe vom 12. Juli 2026 – Hesekiel 34,1-31

Predigtthema:         Der gute Hirte
Monatsthema:         Hoffnung und Erneuerung
Vorschlag Textlesung: Psalm 23

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Kontext:

Hesekiel Kapitel 1-32 stehen unter dem Stichwort des Gerichts. In Kapitel 33 wird Jerusalem erobert und auch der Tempel zerstört. Die Nachfolgenden Kapitel stehen dann unter dem Stichwort der Gnade. Somit bildet Kapitel 34 der Übergang in die „zweite Hälfte“ von Hesekiel welche unter der Hoffnung einer Wiederherstellung steht.

Das Kapitel ist ein Gerichtswort an die ungehorsamen Hirten von Israel (V. 1-10), gefolgt von der Vorstellung von Gott als dem wahren Hirten (V. 11-16) und auch einem Wort der Warnung und des Trostes an die Schafe (V.17-31). Damit zeigt das Kapitel eine dreiteilige Struktur.

Parallelstellen:

  • Jeremia 23,1-8: Gerichtswort über schlechte Hirten / Verheißung von Sproß Davids
  • Psalm 23: Der HERR als guter Hirte
  • Johannes 10,11-18: Jesus als der gute Hirte
  • 1.Petrus 5,1-4: Älteste als Hirten, welche aber dem „obersten Hirten“ unterstellt sind
  • Apg. 20,28: Gemeinde als Herde

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V. 1-2: Die Hirten Israels waren die Führungspersonen in dem Volk, wie z.B. Könige, Priester und Propheten, die aber eben in diesem Fall ihre Verantwortung missbraucht haben. Sie haben sich um sich selbst, anstatt die Herde gekümmert.

V. 3-4: Die Verantwortung, die ein Hirte hat wurde vernachlässigt. Es werden fünf Gruppen von vernachlässigten Schafen aufgezählt: Schwache / Kranke / Verwundete / Verscheuchte / Verlorene.

V. 5-6: Eine Folge der ungehorsame Hirte ist die Zerstreuung der Schafe (Exil).

V. 7-10: Gott klagt die Hirten direkt an und kündigt das Ende ihres Hirtenamts an. (siehe z.B. der letzte König von Juda, Zedekia in Jer. 52,10.11)

V. 11-16: Gott kündigt an, selber die Hirtenrolle zu übernehmen. Es ist beachtlich, was Gott in Bezug auf die Schafe sagt „Ich will“ und „Ich werde“:

  • V.11: Ich will nach meinen Schafen suchen und mich ihrer annehmen
  • V.12: Ich will mich meiner Schafe annehmen und sie aus allen Orten retten…
  • V.13: Ich werde sie herausführen und zusammenbringen
  • V.13: Ich werde sie in ihr Land führen
  • V.14: Ich will sie auf einer guten Weide weiden
  • V.15: Ich selbst will weiden und sie lagern lassen
  • V.16: Ich will das Verlorene suchen und das Verscheuchte zurückholen
  • V.16: Ich will das Verwundete verbinden und das Schwache stärken

V. 17-22: Gott hat auch ein ernstes Wort an die Schafe (das Volk). Es ist tragisch, dass sich die Reichen und Wohlhabenden aus dem Volk auf Kosten der Ärmer bereichern und auch „ihre Weide abmähen“. Gott sorgt für Gerechtigkeit auch innerhalb seines Volkes (Vgl. Matthäus 25,31-46). Nicht nur die Hirten stehen unter dem Gericht, sondern auch starke Schafe, die Schwache verdrängen.

V. 23-24: Verheißung eines künftigen Davids als kommender Hirte für das Volk. Das bezieht sich auf das Kommen des Messias (vgl. Jer. 23,5-6; 33,14-16 / Jes. 11,1.10). Vom Neuen Testament herdenkend, sehen wir das Jesus als der verheißene Messias gekommen ist. Spannend: Er hat genau das getan, wofür die Hirten in V. 3-4 angeprangert wurden. Er kümmerte sich um Schwache, Kranke, Verwundete, Verscheuchte und Verlorene. Jesus selbst nimmt es in Anspruch, der gute Hirte zu sein (Joh. 10,11).

V. 25-31: Der Friedensbund ist der Neue Bund, der auch in Jeremia 31,31-34 beschrieben wird (MacArthur). Der Bund des Friedens wird auch in Hesekiel 37,26 erwähnt. Gekennzeichnet ist der Friedensbund von der Beseitigung wilder Tiere, Segen des Landes, sicherer Wohnstätte und genügend Nahrung. Gottes Ziel: Euer Gott zu sein. Das ist eigentlich immer das Ziel, wenn Gott einen Bund schließt, dass er Gott sein darf.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Hesekiel 34 behandelt sowohl Gericht (über das Versagen menschlicher Führung) wie auch Gnade (Gott selbst rettet seine Herde). Es lässt sich daraus schließen, dass Verantwortung über die Herde Gottes in der Gemeinde auch heute sehr ernst zu nehmen ist (dieses Bild von Herde und Hirte wird wie bereits erwähnt in 1. Petrus 5,1-4 aufgezeigt).

Die heilsgeschichtliche Perspektive auf den Text macht deutlich, dass Jesus die erfüllte Verheißung von dem guten Hirten ist, der seine Herde sucht, heilt und sich für sie hingibt. Es ist nicht verkehrt, wenn der Fokus der Predigt genau darauf gelegt wird. In den Evangelien wird deutlich, dass Jesus genau das lebte, was die ungehorsamen Hirten der damaligen Zeit missachteten. Psalm 23 und Johannes 10 sind wichtige Kapitel, welche hilfreich sind, um für die Predigtvorbereitung miteinzubeziehen. Auch wenn es sich um einen alttestamentlichen Text handelt, wird doch eine weite christologische Perspektive aufgetan und bietet die Möglichkeit Jesus groß zu machen und darüber zu staunen, wer er für uns ist.

Zudem zeigt der Text auch auf, dass Gott sich weiterhin um sein Volk Israel kümmert und es nicht vergessen, bzw. verstossen hat (vgl. Römer 9-11).

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Die Predigt ist Teil einer Reihe durch verschiedene Abschnitte aus dem Buch Hesekiel unter dem Thema „Hoffnung und Erneuerung“. Der Text zeigt auf, wie schlussendlich Frieden einkehren wird, wenn Gott der Hirte ist, welcher die Leitung und Führung seines Volkes übernimmt. Vielleicht wurde auch schon persönlich erlebt, dass Führung versagt hat. Die Predigt soll auch eine liebevolle Einladung sein, sich ganz unter die Führung Gottes zu stellen und ihm zu vertrauen.

Als Prediger ist es wichtig, dass ich demütig bin. Mit dem Dienst am Wort übernehme ich auch gewissermaßen „Leitungsverantwortung“. Deswegen muss ich auch meine eigene Einstellung erstmal prüfen und den Text zu mir selber sprechen lassen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

  • Wo erleben wir auch heute, dass menschliche Leitung versagt und eigentlich nicht ihrer Pflicht nachkommt?
    • Kein „Bashing“ betreiben aber auch im Klaren sein, dass menschliche Leitung (wenn sie sich nicht Gott unterordnet) die Herde in die Irre führt.
  • Ist Jesus mein Hirte und wie zeigt sich das in meinem Leben?
  • 5 Gruppen von Schaffen – Habe ich als Prediger diese fünf Gruppen im Blick und spreche sie auch durch meine Predigt ganz praktisch an?
    • Schwache: Menschen, die im Glauben unsicher sind, schnell entmutigt werden und gerade geistlich wenig Kraft haben.
      • Was sage ich heute den Schwachen?
    • Kranke: Menschen mit körperlicher Krankheit, psychischer Belastung. Oder auch Menschen in einer Leidensphase.
      • Wo gebe ich Hoffnung für die Kranken?
    • Verwundete: Menschen die verletzt wurden, durch andere Menschen, Familie, Gemeinde, Leiter.
      • Wie spreche ich zu den Verwundeten?
    • Verscheuchte: Menschen, die gerade der Gemeinde gegenüber eher kritisch sind und innerlich auf Abstand.
      • Habe ich die Verscheuchten im Blick?
    • Verlorene: Menschen ohne eine lebendige Beziehung zu Jesus.
      • Wird für die Verlorenen der Weg zu Jesus sichtbar?
  • Zitat zum Weiterdenken: In Gottes Schafstell sind viele magere Schafe; aber nicht auf Gottes Weide (D.L. Moody, Notes from My Bible, S. 90)

3. Sagen, wo es hingeht

Hilfreiche Predigt von Winfried Scheffbuch:
https://crossload.org/inhalte/R5YoYWuo4P/hirtenpredigt-winrich-scheffbuch

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Hörer sollen durch die Predigt erkennen, dass Gott in Jesus Christus, der gute Hirte ist, welcher Israel braucht und den wir auch heute brauchen. Es soll deutlich werden, welche Eigenschaften diesen guten Hirten auszeichnen und was ihn auch von menschlichen Hirten unterscheidet. Damit ist es auch eine persönliche Einladung, im persönlichen Leben dem guten Hirten voll und ganz zu vertrauen. Egal welcher Typ Schaf ich bin, bei dem guten Hirten werde ich Frieden finden.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Der gute Hirte

Dort wo menschliche Führung versagt, greift Gott selber ein. Dreimal sagt Gott „Ich selber“ (V.11, 15, 20). Er tritt damit an die Stelle der Hirten, die versagt haben. Jesus Christus ist die Erfüllung dieses Hirten, der kommt und sich um die Schafe kümmert.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Mögliche Gliederung:

a) Die Anklage: Die untreuen Hirten (V. 1-10)
b) Die Wende: Gott selbst übernimmt (V. 11-16)
c) Der Fortgang: Der gute Hirte kümmert sich (V. 17-31)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Das Bild des Hirten und der Schafe ist schon ein sehr starkes Bild, welches „ausgemalt“ werden kann.

Liedvorschlag: Wunderbarer Hirt

(Ruben Sigg)