Predigtthema: Kehrt um, damit ihr lebt!
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Der Prophet Hesekiel sprach im babylonischen Exil zu den verschleppten Juden.
Er rief das Gott untreu gewordene Volk zur Umkehr auf.
Parallelstellen:
Jer 31,29
Hes 33,11
Dtn 24,16
Ex 20,5
Klgl 5,7
Ex 22,25
Hes 36,26
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Der Neue Matthew Henry Kommentar, Jesaja-Maleachi (2018).
- William MacDonald: Kommentar zum Alten Testament (2010).
- Die Reformations-Studien-Bibel von R.C. Sproul (2017).
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Vers 2: Folgendes Sprichwort war unter den Israeliten verbreitet: »Die Väter haben saure Trauben gegessen, und die Kinder bekommen stumpfe Zähne!«
Gott richtet durch die Ereignisse, die zu der Zerstörung Jerusalems führen, die zunehmende Schuld des Volkes. Die Reaktion der Weggeführten ist, Gottes Gerechtigkeit infrage zu stellen. An anderer Stelle sagten die Israeliten zu Gott (V. 2; vgl. Jer 31,29): „Unsre Väter haben gesündigt und leben nicht mehr, wir aber müssen ihre Schuld tragen.“ (Klagelieder 5,7) Hesekiel antwortet darauf, indem er betont, dass Gott nach den Taten jedes Einzelnen und jeder Generation handelt. Die Weggeführten können ihrer Schuld nicht ausweichen. Sie leiden auch für ihre eigenen Sünden (5.Mose 24,16). Der Prophet führt sein Argument mit einer Fallstudie in drei aufeinanderfolgenden Generationen ein. Er beschreibt einen gerechten Mann mit einem ungerechten Sohn, aber einen bereuenden und gerechten Enkel. Jeder wird genau nach der gleichen Liste moralischer Verhaltensweisen gemessen und jeder bekommt genau das, was er verdient.
Gott hat tatsächlich gesagt:
Ex 20,5-6: Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
Aber Gott straft nicht die Kinder für die Sünden der Eltern, wenn sie nicht den Fußstapfen der Eltern folgen und das Maß ihrer Väter voll machen (Mt 23,32). Was den geistlichen Tod betrifft, werden die Kinder keinesfalls für die Sünden ihrer Eltern leiden.
Vers 6: auf den Bergen … isst Das meint die Teilnahme an Opfermahlen für heidnische Götter auf Höhen (6,13; 20,28; 22,9; vgl. 2.Mose 32,5–6).
Unreinheit Das Gesetz verbietet Geschlechtsverkehr während der Zeit der Menstruation einer Frau, in der sie zeremoniell unrein ist (22,10; vgl. 3.Mose 15,16–33; 18,19). Der Ausfluss von Körperflüssigkeiten, die für das Leben stehen, macht einen Menschen rituell unrein und der Kontakt mit diesem Ausfluss macht auch andere unrein.
Vers 7–8: Geld mit Zinsen zu verleihen wird im AT verboten, weil das Gelegenheit zur Erpressung gibt.
Vers 10: einen gewalttätigen Sohn Wenn ein ungerechter Sohn einen gerechten Vater hatte, hieß das nicht, dass er der Strafe für seine Schuld entkommen würde. Der Sohn übertritt absichtlich auf jede Weise das Gesetz, wie sein Vater es gehalten hat. Gott wird also nicht zulassen, dass er nur eine Hintertür für Zeiten der Not ist. Man kann ihn nicht als Heiland haben, ohne ihn auch als Herrn anzunehmen. Das äußerliche Verhalten zeigt oft deutlicher und genauer das Herz eines Menschen, als es seine oder ihre Worte tun (Lk 6,43–45).
Vers 14: seines Vaters Umgekehrt wird ein gerechter Sohn nicht dafür bestraft, dass er einen ungerechten Vater hat (Hes 18,10; 5.Mose 24,16; 2.Kön 14,6).
Vers 21–24: Wenn Gott jede Generation für ihre eigenen Sünden richtet, dann gehören Hesekiels Zeitgenossen zu einer Generation, die unter dem Gericht Gottes ist. Gibt es irgendeine Hoffnung für ihre Zukunft? Hesekiel fügt zwei weitere Fallstudien hinzu: gottlose Menschen, die sich von ihrer Sünde abwenden, und gerechte Menschen, die ihren Glauben aufgeben. Es kann zu einer echten Veränderung kommen, wenn Buße getan wird. Andererseits müssen diejenigen, die eine gute Beziehung zu Gott haben, mit ihrer Treue fortfahren und dürfen nicht müde werden, Gutes zu tun (Gal 6,9). Genau deshalb wurde Hesekiel als Wächter für Israel eingesetzt (Kap. 3).
Vers 30–32: Das ist eine Zusammenfassung. Das grundlegende Problem für Israel und für alle Menschen ist nicht Gottes Ungerechtigkeit, sondern ein Mangel ihrer Gerechtigkeit. Das Haus Israel verdient Gottes Gericht ganz und gar. Sünde darf in der Beziehung zu Gott nie leicht genommen werden. Doch in den ernsten Warnungen vor der Schwere der Sünde und der Gefahr, die sie in sich birgt, bleibt die Gewissheit, dass Gott den Tod des Gottlosen nicht wünscht oder Freude daran hat (2.Petr 3,9). Gott ist sowohl gerecht als auch barmherzig und jeder, der Buße tut, wird den Weg des Lebens finden (2.Chr 6,37–39; Jes 30,15; 59,20; Jer 18,8; Mt 4,17; Mk 1,4.15; Lk 13,3.5; 15,7.10; 24,47; Apg 3,19; 17,30; 2.Kor 7,10).
Vers 31: schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist An anderer Stelle gebietet Gott auch das, was nur er allein geben kann (vgl. 5.Mose 10,16 mit 30,6). Wie Hesekiel selbst anerkennt, sind das neue Herz und der neue Geist ein Geschenk Gottes (36,26) und nicht das Ergebnis menschlicher Anstrengungen (vgl. Eph 2,8–9). Hesekiel ermahnt seine Zuhörer, dies nicht aus eigenem Verdienst zu suchen, sondern durch Buße (V. 32).
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Hesekiels Botschaft ist klar und kompromisslos: Jeder ist für seine eigenen Taten verantwortlich und wird dafür gerichtet werden. Gott richtet gerecht, deshalb schaut er jeden Menschen individuell an. Es gibt aber Hoffnung: Egal, wie deine Vorfahren gelebt haben, du kannst jederzeit zu Gott umkehren und dadurch von Gott gesegnet werden.
Die Israeliten machen die Schuld ihrer Vorfahren für das Exil verantwortlich, doch Gott sagt ihnen: ihr seid selbst schuld, weil ihr Götzendienst betrieben und Unrecht getan habt.
Dieser Ruf zur Umkehr zieht sich durch die Propheten, ist aber aktuell wie eh und je. Wir Christen heute sind genauso herausgefordert, beim lebendigen Gott zu bleiben in einer Zeit der Verführung. Wir dürfen aber wissen: Wer in Jesus ist, der kommt nicht mehr ins Gericht, sondern ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen! (vgl. Joh 5,24).
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Zum Zeitpunkt der Predigt findet die Fußball-Weltmeisterschaft statt. An dem Sonntag wird auch ein Fußballspiel stattfinden. Für manche stellt diese Zeit eine Versuchung dar, sich auf dieses Ereignis zu konzentrieren und die Gemeinde oder gar die Beziehung zu Gott hinten anzustellen. Dabei werden die Prioritäten falsch gesetzt und man geht zu „Höhenheiligtümern“, statt den lebendigen Gott anzubeten.
Wo stehen wir in der Gefahr, Götzen anzubeten?
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Lebst du einen gerechten Lebensstil?
Es gilt: Wir sind aus Gnade gerettet und können uns unser Heil nicht verdienen!
Aber wie sieht deine Frucht aus? Lebst du nach Gottes Geboten? Trittst du für die Armen und Bedürftigen ein?
Wenn nicht, wo möchtest du zu Gott umkehren?
Es liegt auch eine Warnung für die Gläubigen vor: Wenn sich der Gerechte von seiner Gerechtigkeit abkehrt, soll er auch sterben.
Wir wollen aber bei Jesus bleiben!
Und gleichzeitig gibt es für den Ungerechten die Chance gerettet zu werden, wenn er zu Gott umkehrt und nun Recht und Gerechtigkeit übt!
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Es liegt eine Gefahr darin, die Sünden der Eltern oder Vorfahren zu übernehmen. Doch es besteht auch die Chance, zu Gott umzukehren und seinen Willen zu tun. Gleichermaßen kann viel Segen durch die Elterngeneration auf einem liegen. Diesen sollte man nicht leichtfertig nehmen, sondern dafür dankbar sein und sich genauso wie die Eltern nach Gott ausstrecken. Wir sollen nicht die Verantwortung auf andere abschieben, warum wir scheinbar so schlecht dran sind. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Und jeder kann sich selbst entscheiden, ob er sich nach Gottes Segnungen ausstreckt oder nicht.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Ich möchte jeden Einzelnen ermutigen, die Verantwortung für sein Leben wahrzunehmen, in Dankbarkeit gegenüber Gott für das, was er einem schenkt.
Wo Sünde in unserem Leben ist, sollen wir zu Gott umkehren. Jesus hält das Leben für uns bereit! Unsere Aufgabe ist es, bei IHM zu bleiben. Anders können wir keine Frucht bringen. (Joh 15,5).
Wir können zu Gott umkehren, aber die Frucht bringt Gott. ER liebt bußfertige Herzen. Gott schenkt dann sowohl das Wollen als auch das Vollbringen (Phil 2,13).
Und ER schenkt uns ein neues Herz und einen neuen Geist (Hes 36,26).
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Jeder ist für sein Leben verantwortlich
2. Umkehr führt zum Leben
3. Neues Herz und neuer Geist
(Lukas Winterstein)