Predigtthema: Der Geist Gottes macht lebendig – Israel und uns
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Der Abschnitt über die Vision der Totengebeine gehört zweifellos zu den eindrucksvollsten Hoffnungsbildern der gesamten Bibel. Der geschichtliche Hintergrund verdeutlicht zunächst die Hoffnungslosigkeit des Volkes Israel. Die babylonische Großmacht hatte das Südreich Juda besiegt, was zu mehreren Deportationen führte, darunter auch die von Hesekiel im Jahr 597 v. Chr. Im Jahr 586 v. Chr. wurde dann Jerusalem und der Tempel zerstört.
Für die Israeliten war die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit besonders dramatisch, da sowohl das Land, das Gott ihnen verheißen hatte, der Tempel, in dem Gottes Gegenwart wohnte, als auch die davidische Königsherrschaft zerstört waren. Dies spiegelt sich in dem verzweifelten Ausspruch aus Hesekiel 37:11 wider: „Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren.“
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Live Application Study Bible
- Believer´s Bible Commentary
- Stuttgarter Erklärungsbibel
- Edition C
- MacArthur Studienbibel (S.1132-1133)
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V.1 Des HERRN Hand = Gottes mächtiges Wirken an Hesekiel.
Im Geist bedeutet, dass Gott dem Propheten eine Vision schenkt.
Das Feld vollere Knochen symbolisiert den geistlichen und nationalen Zustand Israels im babylonischen Exil.
V.2 Gott zeigt dem Propheten das ganze Ausmaß der Hoffnungslosigkeit.
Sehr viele = vollständige Katastrophe
Ganz verdorrt = schon länger tot, menschlich gesehen nicht wiederbelebbar
V.3 Gott stellt Hesekiel eine „unmögliche“ Frage
Hesekiels Antwort ist bemerkenswert, denn er antwortet weder mit ja noch nein, sondern mit seinem demütigen Gottvertrauen: Du weißt es!
V.4 Toten Gebeinen zu weissagen scheint zunächst völlig sinnlos. Es zeugt aber eben auch davon, dass Gottes Wort, selbst von Botschaftern Christi weitergegeben, besondere Kraft hat und nicht leer zurückkommt.
V.5 Odem (hebräisch: Ruach) kann sowohl Atem, Wind wie auch Geist bedeuten.
V.6 Die Wiederherstellung geschieht schrittweise – Struktur, Form und dann Leben
V.7 Der Gehorsam Hesekiels steht vor dem tatsächlichen Wunder
V.8 Äußerlich komplett heißt noch nicht geistlich lebendig.
V.9 Odem, der aus den vier Winden kommt = Gottes Wirken ist oft unsichtbar aber hat ungeheure Kraft und kann von überall her wirken (wie der Wind)
V.10 Durch den Odem Gottes wird aus Chaos Ordnung, aus Tod Leben und aus verstreutem Gebein ein Heer, das aufrecht steht.
V.11 Gott erklärt persönlich das Bild, das er Hesekiel schenkt: Hoffnungslosigkeit ist das zentrale Thema des Volkes Israel
V.12 Offene Gräber steht zunächst für die nationale Wiederherstellung Israels aus dem Exil
V.13 Das Ziel des angekündigten Wunders ist: Gott (ganz neu) erkennen
V.14 Hier wird die zentrale Wahrheit des Textes fix gemacht: Nicht die Rückkehr ins Land ist das Entscheidende, sondern Gottes Geist in uns, der „neues Leben“ schafft
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Der prophetische Text spricht nicht in erster Linie von der persönlichen Auferstehung einzelner Menschen, sondern von der Wiederherstellung des Volkes Israel im babylonischen Exil.
Das Tal voller Totengebeine ist ein Bild für Israels Zustand: hoffnungslos, zerstört und scheinbar ohne Zukunft.
Die zentrale Botschaft lautet: Wo alles tot und verloren scheint, kann Gott durch sein Wort und seinen Geist neues Leben schaffen.
Für uns heute bedeutet das, dass Gott geistlich erneuern und begründete Hoffnung schenken kann. Seine Möglichkeiten gehen weiter als unsere Perspektive.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Wer kennt das nicht – Hoffnungslosigkeit? Das kann sowohl mein ganz persönliches Leben betreffen, wo ich aufgegeben habe, dass sich innerlich etwas verändert, das kann eine verfahrene Beziehung sein, der ich keine Chance mehr gebe, das kann aber auch die gemeindliche Situation sein, wo man menschlich gesehen keine Hoffnung auf Erneuerung oder Gemeindewachstum mehr hat oder unüberschaubaren, finanziellen Herausforderungen gegenübersteht.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Der Text ermutigt uns tatsächlich die „Täler“ unseres Lebens wahrzunehmen und sie nicht zu überspielen. Auch uns wird immer wieder die Frage gestellt: „Kann hier noch Leben entstehen?“ Der Prophet macht ganz klar deutlich, dass Veränderung bzw. Erneuerung nur durch Gottes Reden und Wirken geschieht. Auch in menschlich hoffnungslosen Situationen kann Gott wirken durch seinen Geist, der in uns lebt.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Predigt ermutigt die Hörer, ihre eigenen „Totentäler“ anzuerkennen und gleichzeitig neu zu vertrauen, dass Gott durch sein Wort und seinen Geist auch dort neues Leben schaffen kann, wo menschlich gesehen keine Hoffnung mehr besteht.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Der Text aus Esekiel 37,1–14 schildert die Vision vom Tal der Totengebeine und verdeutlicht Gottes Fähigkeit, selbst in scheinbar hoffnungslosen und toten Situationen neues Leben zu erwecken. Der Text möchte uns dazu ermutigen, unsere eigene Hoffnungslosigkeit anzuerkennen, Gottes Wort in diese Situation hineinsprechen zu lassen und die Erfahrung zu machen, wie Gottes Geist neues Leben schenkt. Die zentrale Botschaft ist, dass Gottes Wort und sein Geist neues Leben aus völliger Hoffnungslosigkeit hervorbringen können.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Hoffnung erkennen (V.1-3)
a. Menschliche Hoffnungslosigkeit erkennen
b. Gottes Frage neu hören
c. Gottes Möglichkeiten erkennen
2. Hoffnung verkünden (V.4-10)
a. Gottes Wort weitergeben
b. Gottvertrauen vor dem Wunder
c. Gottes Geist belebt
3. Hoffnung erleben (V.11-14)
a. Gott macht lebendig
b. Gott richtet auf
c. Gott schenkt Zukunft
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Zu 1c. Ein beschädigter Marmorblock lag jahrelang unbeachtet in Florenz, weil ihn viele Künstler für unbrauchbar hielten. Doch Michelangelo erkannte sein Potenzial. Mit Hammer und Meißel formte er daraus Stück für Stück die berühmte Statue David. Aus einem scheinbar wertlosen Stein entstand eines der größten Kunstwerke der Welt.
Zu 2c Ein Bauer sät nicht erst dann, wenn er die Ernte sieht. Er sät im Vertrauen. Gottes Wort ist Saat.
Zu 3c Nach einem Waldbrand wirkt alles endgültig zerstört. Doch oft sprießen Monate später erste grüne Triebe aus verbrannter Erde. Leben findet Wege, wo alles verloren und tot schien. Das kann Gottes Geist in und durch uns wirken.
(Jochen König)